Zitat von legaspi96 im Beitrag #16
Schafe schlachten kann ich nicht und will es auch nicht können. Die Scheu etwas falsch zu machen ist bei mir zu groß und die jetzigen Schafe könnte ich eh nicht schlachten lassen weil sie mein Hobby sind.
Meine Schafe fressen leider ganzjährig Heu das ich, mangels Fläche, zukaufen muss.
Die Nachkommen unserer beider Milchschafe in meiner Studenten-Landkommunen-Zeit hat ein Mitbewohner mit einem Revolver erschossen. Ich habe sie dann ausgenommen und verarbeitet. Ob Bolzenschuss-Apparat oder Revolver (oder Pistole oder Gewehr) ist eher ein rechtliches Problem als ein technisches.
In Neuseeland bei den Schafprofis ging das anders zu. Da wurde das zu schlachtende Schaf auf den Po gesetzt, eine Stellung in der Schafe völlig hilflos sind und die auch für die Schur verwendet wird. Dann wird der Kopf verdreht, die Schnauze gegen den Rücken, so dass eine Spannung an der Kehle entsteht. Nach einem Schnitt durch die Kehle wird der Kopf weiter nach hinten oben gedreht, bis die Wirbelsäule bricht. danach wird es ausbluten lassen und ausgeweidet. Dabei stellt man fest, dass die Organe und Innereien sehr denen beim Menschen ähneln. Wir sind eben alle Säugetiere. Wer mit Tieren zusammen lebt weiß, dass sie auch Persönlichkeit und Charakter besitzen, sehr intelligent sein können und auch sozial.
Zur Unterscheidung, wer moralisch berechtigterweise getötet werden darf haben die Kleriker den Begriff der "Seele" eingeführt. Was auch immer das ist, klar definiert oder gar nachgewiesen hat sie noch niemand, wenn der Mensch sie hat, dann haben sie auch die Tiere. Das weiß, wer mit Tieren lebt.
Aber auch dieses moralische Konzept hindert die Menschen nicht daran andere Menschen zu versklaven, zu quälen und zu töten.
Klar, wenn man es akzeptabel findet Tiere zu töten, was sollte einen daran hindern auch Menschen zu töten. Notfalls erklärt man sie zu Untermenschen.
Wenn man das Töten delegiert, also nicht selbst ausübt, ändert das nichts grundsätzlich daran. Vermutlich haben einige der Kriegsherren dieser menschlichen Kriege selbst noch keinen anderen Menschen getötet.
Sehr viel weiter hilft uns diese Erkenntnis nicht. Zieht man bei Säugetieren die Grenze oder tötet nichts, was ein Gesicht hat? An einem Punkt heißt es eigenes Leben oder fremdes Leben. Selbst wenn wir beschließen nicht mehr zu essen, weil wir auch keine Pflanzen töten wollen, töten wir alle die Symbionten in uns, die in uns und mit uns leben. Allerdings ernähren wir dann Millionen von anderen Lebewesen, die von der Zersetzung von Kadavern leben.
Letztlich ist es eine Frage der Identifikation mit anderen Lebensformen und so erklärt sich auch der Unterschied, den wir zwischen Haustieren und z.B. Nutztieren ziehen, die wir schlachten.
Die Gesetzgebung ist ein sozial-ethischer Prozess in den auch Nützlichkeitserwägungen einfließen.
Meine Tochter war schon recht früh weitgehend vegan, aber bei Hühnchen verweigerte sie ab und an die Solidarität. Sie schmeckten einfach zu gut ;-)
Ich finde es gut und wichtig mit Tieren zu leben. Schon um einige persönlich kennenzulernen und mit Vorurteilen aufzuräumen.
Bei Schafen ist es mir bisher gelungen weitgehend auch für ihr Futter zu sorgen. Als wir die Milchschafe hatten, lebten wir zu sechst in einem kleinen Haus auf einem 2600m² großen Grundstück. Zog man die Hausfläche ab, die Gartenfläche, die Fläche für den Hühnerhof, die zwei großen Walnussbäume, den Schafstall und den Heuschuppen, bleib nicht viel Weidefläche für die Schafe übrig. Ich fuhr deshalb jeden Morgen vor der Uni mit Fahrrad und Anhänger los, um mittels Sense und Rechen das Futter für die Schafe an Wegrändern zu mähen. Das Heu machten wir - auch mit der Sense - meist in Obstgärten von Bauern, die froh waren, dass sie gemäht wurden, konnte man doch nicht mit dem Traktor reinfahren. Das war für uns Aufgabe genug, für zwei Schafe über den Winter (im Sommer kamen die Lämmer dazu aber Gras gab es genug) Heu zu machen.
Heute mit 5 Schafen ist der Anteil des mit der Sense gewonnen Heus eher gering. Das meiste mäht der Kreiselmäher. Aber ein bestimmter Anteil an Sensenheu muss schon sein. Das Sensen und damit auch das Dengeln ist eine mögliche Rückfalltechnologie, die ich mir erhalten möchte.
Mehr zum Thema aus meiner Romanstudie "Okodorf Eine Erde"
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