Email zum Thema Kurs in Wundern
Während eines Telefongesprächs hat eine Bekannte erwähnt, dass sie täglich an einer Videokonferenz mit Gleichgesinnten und Lehrern zum Thema "Kurs in Wundern" teilnimmt und schon mehrere Webinare zum Thema gebucht hat. Ich habe ihr erzählt, dass ich mich wegen einer anderen Freundin schon damit beschäftigt hatte, und dass ich darüber keinen Informationsbedarf habe.
Lieber Peter,
ich bin der Auffassung, wer sich nicht wirklich tiefgründig und ausgiebig mit dem Kurs befaßt hat und nicht die Übungslektionen gemacht hat somit keine Erfahrungen damit gemacht hat, der kann eigentlich keine Aussage über den Kurs machen. Und wer Erfahrungen mit dem Kurs gemacht hat, der diskutiert nicht drüber. Weil das nichts bringt, und weil es auch gar nicht drum geht, den Kurs zu bewerten, einzuordnen und zu beurteilen.
Der Kurs ist von Religionen unabhängig und er manipuliert nicht. Man fühlt sich dazu hingezogen oder auch nicht. Jeder muß seinen eigenen Weg finden. Für mich ist er die neue Bibel. Es geht um Liebe, um Vergebung, um das Erkennen, wer man wirklich ist...
Ich habe schon als Kind Kontakt zu Gott bekommen, und jetzt ist der Kurs vor zweieinhalb Jahren auf mich zugekommen, um diesen Kontakt zu vertiefen. Ich weiß genau, um was es im Kurs geht, da ich selber im Jahr 2000 entsprechende Eingaben bekommen habe, die sich mit dem Kurs decken. Drum habe ich vollstes Vertrauen zum Kurs und bin froh, daß er auf mich zugekommen ist (ich habe ihn nicht gesucht). Und da spürte ich sofort: Das ist es!
Mein Leben war eine einzige Hölle, und seit ich den Kurs mache, geht es mir nach und nach immer besser. Einfach weil ich die Ursachen in mir erkenne. Ich bin mein Leben lang einen Irrweg gegangen, ohne es zu merken. Die Ursachen sind nicht "draußen". Ich brauche keinen Nervenarzt mehr, keine Mittel mehr gegen Depressionen... usw.
Wenn Du magst, kannst Du hier mal bei einem meiner beiden sehr erfahrenen Kurslehrer reinhören - habe ich gerade zufällig entdeckt auf der Suche nach was anderem:
https://www.youtube.com/watch?v=XkLJthp5ou8
Liebe Grüße
"Kurs in Wundern" ist ein Buch der amerikanischen Psychologin Helen Schucman (1909 bis 1981) die sie nach eignen Angaben als Durchsage einer inneren Stimme niederschrieb. Das Buch wurde ihr von dieser Stimme diktiert, sagt sie.
Seither gibt es reichlich Sekundärliteratur, Übungen dazu und Webinare und und und.
Meine Antwort:
Liebe ...
ich bin mir dessen bewusst, dass es so gut wie keinen Sinn hat diese Email von Dir inhaltlich zu beantworten. Ich kann es mir aber doch nicht verkneifen.
Du wirst nicht annehmen können, was ich gleich schreibe, weil Du, wie du schreibst, "Mein Leben war eine einzige Hölle, und seit ich den Kurs mache, geht es mir nach und nach immer besser" diesen Eindruck nicht in Frage stellen willst. Und das ist auch gut so.
ich bin der Auffassung, wer sich nicht wirklich tiefgründig und
ausgiebig mit dem Kurs befaßt hat und nicht die Übungslektionen
gemacht hat somit keine Erfahrungen damit gemacht hat, der kann
eigentlich keine Aussage über den Kurs machen. Und wer Erfahrungen
mit dem Kurs gemacht hat, der diskutiert nicht drüber. Weil das
nichts bringt, und weil es auch gar nicht drum geht, den Kurs zu
bewerten, einzuordnen und zu beurteilen.
Der "Kurs" ist, wie viele - eigentlich alle Erkenntnislehren - ein Interpretationsmodell zur Erklärung der Welt.
Wenn man die Übungen zum Kurs brav macht, so begibt man sich auf einen Weg zur Gehirnwäsche.
Er ist wie alle diese Lehren. Als Student der Soziologie habe ich Kurse zur Schulung von "Das Kapital" von Marx besucht. Da wird von Axiomen (unbegründete Ausgangspunkte) aus eine Modell - durchaus mit innerer Logik - entwickelt, das einen dann Schritt für Schritt zur "Erkenntnis" führt. Nie werden dabei die Axiome hinterfragt, auf denen alles aufgebaut ist.
So ist das auch beim Kurs in Wundern.
Mein Meta-Modell zur Erklärung der Welt sieht so aus: Die Welt, alles was wir sind und was um uns herum ist, ist so komplex, dass wir es nicht sehen, geschweige denn begreifen können. Das, was wir sehen, ist ein kleiner Ausschnitt und den versuchen wir zu interpretieren, einen Sinn draus zu machen, eine Geschichte dazu zu erzählen.
Egal was jemand sagt und behauptet und egal wie geschickt er das tut, es ist genau so.
Religion, Gott und eben der Kurs in Wundern sind alles genau solche Geschichten. Die mögen uns in unserer Lage nützen bis wir bessere finden oder trösten und stabilisieren, aber auch für die Ideen Anderer die uns auf diese Weise näher gebracht werden öffnen.
Natürlich ist mein "Meta-Modell" auch nur ein Modell. Aber ein recht tolerantes, das andere auch akzeptiert aber den religiösen (auch Wissenschaft hat manchmal religiöse Züge) Charakter vieler Modelle vermeidet.
Der Kurs ist von Religionen unabhängig und er manipuliert nicht.
sagen die Leute die den Kurs publizieren und daran verdienen, verschweigen aber, dass er selbst alle Merkmale einer Religion hat.
Man fühlt sich dazu hingezogen oder auch nicht. Jeder muß seinen eigenen
Weg finden.
Ja, so ist das mit Allem!
Für mich ist er die neue Bibel.
was ist denn mit der alten?
Es geht um Liebe
ein sehr menschliches Konzept
, um Vergebung,
Was soll den vergeben werden. Die Schuld ist ein sozialer Unterdrückungsmechanismus, der Untertanen klein hält.
um das Erkennen, wer man wirklich ist...
ja, das will jeder wissen. Aber die, die behaupten, sie wüssten es, meinen es nicht immer gut mit uns.
Ich habe schon als Kind Kontakt zu Gott bekommen,
Ja, die meisten von uns in unserer bayrischen, katholischen Kultur sind davon nicht verschont geblieben.
und jetzt ist der Kurs vor zweieinhalb Jahren auf mich zugekommen, um diesen Kontakt zu
vertiefen. Ich weiß genau, um was es im Kurs geht, da ich selber im
Jahr 2000 entsprechende Eingaben bekommen habe, die sich mit dem Kurs
decken. Drum habe ich vollstes Vertrauen zum Kurs und bin froh, daß
er auf mich zugekommen ist (ich habe ihn nicht gesucht). Und da
spürte ich sofort: Das ist es!
Wie schön für Dich. Aber da sprichst Du etwas an, das ich für mich nicht akzeptiere. Da behauptet jemand, eine höhere Macht hätte zu ihm gesprochen und ihn aufgefordert, das, was diese Macht demjenigen gesagt hat, an Andere weiter zu geben. Das ist nichts weiter als der Versuch sein Weltbild als das der höheren Macht zu verkaufen und sich Gegenargumenten zu verschließen mit der Aussage: Nicht ich sage das, sondern Gott! Praktisch eigentlich, gel?
Wenn diese höhere Macht mir was zu sagen hat, so soll sie das tun und nicht andere vorschieben. Sie ist doch allmächtig. Also wozu der Geiz?
Die Forderung nach blindem Glauben ist zu durchsichtig machtpolitisch und manipulativ.
Wenn diese Macht auch zu Dir gesprochen hat, wozu brauchst Du dann den Kurs?
Mein Leben war eine einzige Hölle, und seit ich den Kurs mache, geht
es mir nach und nach immer besser. Einfach weil ich die Ursachen in
mir erkenne. Ich bin mein Leben lang einen Irrweg gegangen, ohne es zu
merken. Die Ursachen sind nicht "draußen".
Das ist einerseits schön und tröstlich für Dich. Aber wenn Du die "Schuld" für Dein Leiden ausschließlich in Dir suchst, wirst Du nichts verändern, außer Deiner Eistellung. Das ist sehr praktisch für die Herrschenden!
Ich brauche keinen
Nervenarzt mehr, keine Mittel mehr gegen Depressionen... usw.
Ich auch nicht, habe ich noch nie gebraucht.
Wenn Du magst, kannst Du hier mal bei einem meiner beiden sehr
erfahrenen Kurslehrer reinhören - habe ich gerade zufällig entdeckt
auf der Suche nach was anderem:
https://www.youtube.com/watch?v=XkLJthp5ou8
Ich habe da mal reingehört. Der Herr Gottfried Sumser erzählt zunächst etwas sehr Plausibles und Richtiges, nämlich das, was ich oben gesagt habe:
Wir projizieren unsere Interpretationsmodelle - eigene oder übernommene - auf die Welt und nehmen sie nach diesen Modellen war.
Als die Spanier nach West Indien (Amerika) gekommen sind, sind sie da auf die Eingeborenen (Indianer) gestoßen. Die konnte die Segelschiffe der Invasoren zunächst nicht erkennen. Sie kannten so etwas nicht. Die weißen Segel waren einfach Wolken am Horizont.
Ein Blinder, der ein Leben lang blind war und plötzlich sehen könnte, würde z.B. an einen Baum stoßen, weil er ihn mangels eines inneren Bildes gar nicht erkennen würde.
Die Welt, wie wir sie wahrnehmen ist ganz zweifelsfrei eine Projektion innerer Vorstellungen, die sich zumindest teilweise mit dem Erlebten in Einklang bringen lassen.
Diese recht unbestrittene "Wahrheit" die den beeindruckt, der sich mit der Hinterfragung von Modellen nie beschäftigt hat, wird dann gleich missbraucht.
Die beiden Protagonisten reden so, als ob das eine genauso zweifelsfrei erwiesene Tatsache wäre von Seelenwanderung, Wiedergeburt und behaupten, ein Mensch würde sich die Welt in die er geboren wird aufgrund seines individuellen spirituellen Reifungsprozesses aussuchen.
Hier wird leicht Nachvollziehbares mit Modellen verknüpft, die viel weniger plausibel sind mit der Absicht der Manipulation. Ich will gar nicht bezweifeln, dass viele der Gurus an das glauben, was sie sagen, aber es bleiben Geschichten, Einstellungen und Glaubensbekenntnisse. Glauben muss man nur, was sich nicht nachvollziehbar beweisen lässt. Unter Beweis versteht man dabei, dass sich das Gesagte und praktisches Tun und Erleben in Deckung bringen lässt, was allerdings nichts mit "Wahrheit" zu tun hat.
Der Kurs in Wundern ist ein Modell, das ein spirituelles Bedürfnis Einiger bedient und mit dem sich Geld verdienen lässt.
Liebe Grüße
Peter