Lieber Meenhard,
ich höre immer gerne von Dir, was meist dann passiert, wenn Du zu Wanderungen und Veranstaltungen einlädst.
Du bist mein Wander-Guru. Ich bin schon ein paarmal mit Dir gewandert in Deutschland und in Spanien, war auf Rawfood Rainbows, die Du organisiert hast und auch schon auf Deiner Finka in Süd-Spanien.
Ich schreibe Dir heute, weil mir ein paar Anmerkungen zu Deinem Artikel: "Ich werde Nomade" einfallen.
Deine geplante Tour von Norddeutschland nach Südspanien nächstes Jahr und übernächstes Jahr zurück klingt gut und spannend. Da gibt es auch nichts weiter zu kritisieren. Ich könnte mir derlei für mich auch gut vorstellen. Das scheitert allerdings daran, dass ich das Leben eines sesshaften Selbstversorgers führe, der zwar einfach lebt, aber eben hauptsächlich von den Früchten meines kleinen Anwesens. Da gibt es Schafe und Katzen, Freunde, Familie und Enkel, in deren Leben ich eine Rolle und Funktion erfülle. Da kann ich mich nicht so einfach für ein paar Monate oder länger ausklinken.
Das muss jeder für sich selbst entscheiden? Richtig, das sehe ich auch so. Aber Du verbindest Dein "Nomadentum" mit Ansprüchen wie:
"Ich glaube, dass ich die Möglichkeit habe, einen größeren Einfluss auf die Öffentlichkeit zu nehmen."
"Darüber hinaus halte ich das Streben nach Reichtum für die Ursache vieler Probleme der Menschheit und sehe eine Chance, eine Bewegung gegen diese Gier zu starten, eine Bewegung für eine einfache Lebensweise."
"Eine Bewegung für eine einfache Lebensweise wird daher den Weltfrieden fördern."
"Eine Bewegung für einen einfachen Lebensstil kann also den Klimaschutz fördern."
"Und ich finde es viel angenehmer, auf einem Lebensstandard zu leben, der nicht auf der Ausbeutung anderer basiert, einem Lebensstandard, den theoretisch jeder auf der Welt mit Zufriedenheit leben könnte."
Ich stimme Dir zu, dass die Umweltprobleme und der menschengemachte Klimawandel in einer falschen, viel zu aufwendigen Lebensweise ihren Ursprung und Motor haben. Eine Lebensweise zu praktizieren, die, wenn es Alle so machen würden, Alle gute leben lässt und Klima und Umwelt intakt bleiben bzw. wieder kommen, ist auch mein Anspruch und zu zeigen, dass das geht ist das, was ich für sinnvolles Engagement für öffentliches Wohlergehen halte.
Aber wir sind über 8 Milliarden Menschen auf der Erde und wenn es keine schrecklichen Katastrophen gegen sollte, was ich mir gut vorstellen könnte, werden ca. 10 Milliarden erwartet, bevor die Bevölkerung wieder abnimmt.
Zu der Zeit vor dem Beginn der Sesshaftwerdung vor ca. 10000 Jahren, als die Menschen noch als Nomaden lebten, wird die Anzahl der Menschen auf 5 bis 10 Millionen geschätzt.
Eine Milliarde sind 1000 Millionen. Wir haben nicht den Hauch einer Chance auf absehbare Zeit ein nomadisches Leben als eine Menschheitsperspektive realistischerweise zu betrachten.
Wenn Du den Menschen zeigst, wie einfach und glücklich man auf einem Wanderleben durch Europa sein kann, werden Dich einige belächeln, einige - ich auch - bewundern, aber man wird sagen, na ja, das ist der Meenhard, ein moderner Nomade. Ich habe einen Job, Familie, Verpflichtungen, ich kann sowas nicht. Die Auswirkung auf die Änderung im Verhalten von Vielen, wie Du sie Dir zurecht erhoffst, wird ausbleiben.
"Ich investiere an der Börse, um mein Geld zu vermehren, damit ich es später an gemeinnützige Organisationen (z.B. die Welthungerhilfe) spenden kann."
Das ist sehr löblich, dass Du was für für die Armen z.B. durch Spenden für die Welthungerhilfe machen willst. Aber wenn Du das durch Spekulationen an der Börse machst, dann sollte Dir bewusst sein, dass die Gesellschaftsform der Gier, die Du zurecht kritisierst, der Wirtschaftsliberalismus (Kapitalismus) ist. Sie gilt heute weltweit. Das Herzstück des Kapitalismus ist die Börse. Hier werden durch Finanztransaktionen leistungslose Gewinne erzielt und mittels Zinsen Geld umverteilt von denen, die zu wenig davon haben hin zu denen, die schon viel davon haben.
Leseempfehlung:
https://www.lichthuegelforum.de/t26f3-Philosophie-4.html#msg996
Teil 1 bis 12
Wenn Du von solchem Geld etwas unter die Hungernden verteilst, werden die Betroffenen sich freuen und das ist schon viel wert, aber das wird nichts Grundsätzliches ändern.
Wir werden nicht umhin kommen, eine neue Welt aufzubauen aus Pioniergemeinschaften, die nach neuen Werten leben. Die Verbindung unter diesen Gemeinschaften sollte durch Wandernde geschehen, die das in Deinem Stil tun.
Gerne würde ich Dich ein paar Tage oder Wochen lang begleiten.