Bayrische Frachtkutscher treffen auf Globalisierung
Zitat von petias im Beitrag Notizen zum Tage
Der Speicher für meine neue Inselanlage ist überfällig. Er sollte am 22. geliefert werden nach Aussagen von Amazon Bestellliste dann gestern am 26. - und nachdem er auch da nicht gekommen war, ist der Liefertermin mit unbekanntem Datum ausgesetzt und man hat mir angeboten, die Lieferung zu stornieren und mir das Geld zurückerstatten zu lassen.
Bei Amazon bestellt, von Eco Worthy vertrieben von Schenker ausgeliefert.
Schenker die Lieferfirma per Straße von der DB wurde mittlerweile an DSV verkauft eine internationalen Großspedition. Die Integration der Prozesse ist noch nicht solide abgeschlossen und so gibt es eben Probleme. Bei Schenker DSV online nachgesehen steht da, dass die schon Anfang des Monats, weit vor dem angekündigten Liefertermin, schon drei erfolglose Zustellversuche unternommen hatten. Dabei gab es keinen Nachbarn, der das gesehen hätte und keine Meldung im Briefkasten, geschweige denn auf Amazon.
Die Chat-bots von Amazon, Eco Worthy und DSV konnten mir nicht weiter helfen. Der DSV-Chat-Bot schlug mir vor eine Email zu schreiben, aber der bot mir nur Microsoft Tools an wie Outlook, dies zu tun, die ich nicht verwende. Es gab einen Button, mit dem ich die Ziel-Adresse in die Zwischenablage hätte kopieren können, aber da landete nur das Wort "Email". Eine grundsätzlich in Aussicht gestellte Telefonnummer für menschliches Service-Personal lehnte er in meinem Fall als irrelevant ab.
Aus den Online Protokollen der misslungenen Zustellung konnte ich schließen, dass mein Paket in Coburg lagern würde. Ich konnte eine Telefonnummer für eine noch nicht fusionierte Schenker-Filiale herausfinden und nach einigen Mühen gelang es mir eine freundliche Disponentin ans Ohr zu bekommen, mit der ich einen neuen Liefertermin für morgen ausmachen konnte. Ich bin schon sehr gespannt!
Schöne neue Digitalwelt kann man da nur sagen!
Heute Morgen verfolgte ich die Einträge in der Auslieferungshistorie von DSV/Schenker.
Um kurz nach 9 Uhr erschein tatsächlich ein neuer Zustellungsversuch in der Aufstellung mit dem heutigen Datum. Ich ging vors Haus auf die Straße, öffnete den Fahrradschuppen und bastelte an meinen Fahrrädern. So konnte ich das Schenker Auslieferungsfahrzeug auf keinen Fall verpassen.
Um 11:30 Uhr wunderte es mich, warum da immer noch nichts kam. Ich sah wieder ins Internet und o Staunen: ich hatte die Lieferung zurückgewiesen. Sofort rief ich wieder im Schenker-Lager in Coburg an. Es dauerte drei volle Durchgänge a 3 Minuten die man mich kommentarlos in der Warteschleife hängen lies. Beim vierten Versuch hob jemand ab. Man wäre in einer Besprechung gewesen, erklärte man mir.
Ich gab wieder meine Tracking-Nummer an und fragte, ob denn die Adresse vielleicht fasch wäre, da ich mir sonst nicht erklären könnte, wie der Empfänger die Lieferung abweisen sollte. Da ich der Empfänger wäre, und ich den ganzen Vormittag kein einziges Fahrzeug vor meinem Haus in der Sackgasse hatte auftauchen sehen, muss da ein Fehler sein. Es war keiner. Die Dame wollte nachforschen. Nach einigen weitern Minuten in der Warteschleife bat man, mich zurückrufen zu dürfen. Ich bat nochmal höflich um den Namen und trennte die Verbindung.
Nach etwa einer halben Stunde rief die Dame zurück. Sie erklärte mir, dass der Fahrer das falsche Ereignis ausgelöst hatte. Tatsächlich hätte er den Weg zu mir nicht mit seinem Fahrzeug fahren können. Er wäre aber noch in der Gegend und würde mich anrufen, um einen Übergabepunkt zu vereinbaren.
Nach ca. einer weitern halben Stunde rief mich der Fahrer an. Ich vereinbarte ein Treffen mit ihm unten an der Bundesstraße auf einem Parkplatz. Ich würde mit dem Handwagen dahin kommen.
Nach einigen Minuten tauchte der Fahrer mit einem mittelgroßen LKW der Firma Schenker auf. Ich erklärte ihm, dass das Fahrzeug auf keinen Fall größer sei, als das Müllauto, das zweiwöchentlich den Restmüll vor meinem Haus einsammeln würde.
Er erklärte mir, dass ein Kollege von ihm der Meinung war, dass zum Oberen Hügel nur einen sehr schmaler und sehr steiler Weg, ein paar 100 Meter die Straße runter führen würde. Deshalb hätte er das Ereignis "Conditions by consignee" ausgelöst. Ich würde das mal frei übersetzen als: "Aufgrund der Bedingungen zu Lasten des Empfängers nicht zustellbar."
Ich nehme an, dass heißt im Normalfall, dass der Empfänger nicht anzutreffen ist. Anders wäre es nicht zu erklären, dass man noch drei Mal den Versuch unternimmt, die Ware zuzustellen. Denn dass von einem Tag auf den anderen eine bessere Straße gebaut würde, war kaum zu erwarten.
Ich kommunizierte dem Fahrer, wie ich mir das vorstelle. Der erste Fahrer fand, dass der Weg für den Schenker-Lkw nicht passierbar war und trug ein, dass die Ware nicht zustellbar gewesen wäre. Derselbe oder ein Kollege diesbezüglich instruiert, tat an den zwei darauffolgenden Zustellversuchen dasselbe. Dann wurde das Ganze erst mal eingestellt und gewartet, was passieren würde. Mein Anruf löste einen weiteren Zustellversuch aus. Damit das nicht bis in alle Ewigkeit so weitergehen würde, trug mein Fahrer ein, die Annahme wäre verweigert worden. Wäre das unwidersprochen geblieben, hätte die Ware an den Absender zurückgeschickt werden müssen und das Geld für die Firma wäre verdient gewesen. Mit etwas Glück, hätte der Kunde (ich) anderswo bestellt und es damit einen zuverlässigeren Lieferdienst getroffen. Alle zufrieden!
Der Nachfolger eines Fuhrkutschers widersprach mir nicht, auch wenn er meine Version nicht explizit bestätigte. Er beklagte sich nur etwas über die verwinkelten Wege hier in Thüringen. Das ist schon eine Zumutung für einen Oberfränkischen Westdeutschen.
Er half mir das 50kg Paket auf den Handwagen zu heben und wir wünschten uns einen schönen Tag.