Tag des Sieges

#1 von petias , 11.04.2022 11:19

In ein paar Wochen, am 9.Mai 2022 soll in Russland wieder der "Tag des Sieges" gefeiert werden. Seit ca. 25 Jahren ist dies der größte Feiertag im Land mit einer gigantischen Militärparade, bei der die eindrucksvollsten und bedrohlichsten Waffen präsentiert werden.

Die Parade nimmt in Moskau zur Hälfte in der nördlichen Ringstraße und zur anderen Hälfte in der Twerskaja-Straße ihren Anfang. Die beiden Teil- Züge treffen am Majakowskaja-Platz zusammen und die vereinigte Parade defiliert die Twerskaja hinunter zum Roten Platz. Panzer, Kampfflugzeuge, Interkontinentalraketen und was man sonst noch als Symbole der haarigen Eier präsentieren kann, auf die man seit dem Anbeginn des Homo Sapiens so mächtig stolz ist, werden zur Schau gestellt.

Nachdem die Parade zum 75. Jahrestags des Sieges über Hitlerdeutschland Corona- bedingt abgesagt wurde und "nur" eine Luftparade durch die Luftwaffe über elf russische Städte geflogen werden konnte, soll der 77. Jahrestag in diesem Jahr mit einem glanzvollen Sieg über die Ukraine pompös gefeiert werden.

Um diese Propagandashow zu ermöglichen, ist man gerade dabei die Truppen um Kiew herum, das man nicht hatte einnehmen können, abzuziehen und im Osten neu zu formieren mit zahllosen neu rekrutierten Soldaten verstärkt, die die toten, verwundeten und ausgebrannten Kämpfer ersetzen sollen. Waffen und Militärgerät wird aus ganz Russland im Dombas zusammengezogen. Die "Befreieung" des Dombas und der Zugang der Krim gilt jetzt, nachdem die Niederringung des ganzen Landes vorerst gescheitert ist, als Minimalziel.

Ich bin mir sehr sicher, dass das ein noch schmutzigerer, blutigerer und tödlicherer Abschnitt dieses unsäglichen Krieges in Europa werden wird, als die Betroffenen das bisher erleben mussten. Verläuft das nicht nach Plan und kann die ukrainische Armee, vollgepumpt mit Waffen, Munition und logistischen Informationen der NATO-Staaten ernsthaft weiter Widerstand leisten, so muss mit Giftgas, ja taktischen Atomwaffen gerechnet werden. Dabei wird jede Seite behaupten, dass dafür die jeweils andere Seite verantwortlich ist.
Der Böse wird am Ende der Verlierer sein, wie das in der Geschichtsschreibung so üblich ist. Aber diesmal könnte es nur Verlierer geben, wenn die Sache außer Kontrolle gerät.

Kommt es nicht ganz so schlimm, wird vielleicht China sich ins atomare (Panzer-)Fäustchen lachen.

Vielleicht geht auch die USA gestärkt aus dem Stellvertreterkrieg hervor, aber Europa einschließlich Russland wird es ganz sicher bös erwischen. Sei es militärisch, sei es wirtschaftlich.

Es gibt keine Kriege, bei denen nicht jeder Kombattant davon überzeugt ist, dass das Recht (eventuell auch Gott) auf seiner Seite ist. Das Volk wird dabei von der jeweiligen Propaganda aufgeputscht und für Machtspielchen von Interessensgruppen missbraucht.

Es gibt keinen gerechten Krieg. Jeder Krieg ist Wahnsinn! Wer immer ihn fördert, sei es auch durch Propaganda und Waffenlieferungen, macht sich daran mitschuldig!

Die Politiker - selbst in Diktaturen - sind von der Meinung der Mehrheit des Volkes abhängig. Sie brauchen die Massen für ihre Interessen. Auf sich allein gestellt, sind sie machtlos!
Das bedeutet: jeder, der sich auch nur in einer Meinungsumfrage für Waffenlieferungen ausspricht, ist mit an diesem Wahnsinn schuld.

Nein, nicht wir können gar nichts machen, was die da oben beschließen. Es ist genau anders herum: Die können nicht machen, was wir nicht mehrheitlich unterstützen!

In diesem Bewusstsein ist es doppelt schmerzlich, dass es gelingt durch gezielte Falschinformation die Leute in kleine Gruppen aufzuspalten.
Der alte Spruch der Römer: "divide et impera" - teile und herrsche - gilt unverändert weiter. Meine Hoffnung, das Internet könne durch weltweite Verbreitung der Fakten eine globale Wahrheit erzeugen, war naiv und falsch. Es ist noch viel schlimmer geworden!


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RE: Tag des Sieges

#2 von petias , 10.05.2022 09:20

Wie war er nun, der "Tag des Sieges"?

Der Tag des Sieges ist mit den üblichen Paraden abgelaufen. Die Keksperten streiten sich, wie Putins Rede zu bewerten ist. Einige atmen auf, dass keine Allgemeine Mobilmachung angekündigt und nicht aufs Neue mit Atomwaffen gedroht wurde.
Muss er noch verbal drohen, wenn die Atomraketen gerade mit der Parade vorbeidefilieren?
Wieder begründete er die Notwendigkeit der russischen "Spezialoperation" damit, dass man gerade noch rechtzeitig einem ukrainischen / westlichen Angriff auf russisches Staatsgebiet zuvorgekommen wäre. Der Westen hätte sich immer stärker an den Grenzen Russlands positioniert und ein Einmarsch stand unmittelbar bevor.

Beweise dafür hat er nicht genannt. Aber es gab sicher die Absicht der Ukraine, den besetzten Donbass zu befreien und auch die Krim. Dass dies die von Russland annektierten Gebiete der Ukraine sind, die freiwillig auf ihre Atomwaffen verzichtet hatte gegen eine territoriale Garantie auch von Russland, wird nicht erwähnt. Das entspricht der Putin'schen Logik. Auch annektierte und besetzte Gebiete gehören zu Russland!

Die erhofften Siegesmeldungen wurden Putin nicht beschert. Nicht einmal Mariupol ist es den russischen Truppen gelungen, komplett einzunehmen. Aber - Kilometer für Kilometer kommt er seinen Minimalzielen näher, den Donbass und die Südukraine zu besetzen. In den besetzten Gebieten wird der Rubel eingeführt, das ukrainische Fernsehen durch das russische ersetzt und die Amtssprache auf Russisch geändert. Man schafft Fakten und die Chancen stehen gut, dass Putin damit durchkommt. Auch wenn es länger dauert als erhofft und viel teurer wird, an Geld und Leben. Seine Bevölkerung hat er schon mal dezent darauf vorbereitet

Der 77 Jahrestag der Kapitulation Nazideutschlands hat für Putin einen besonderen Wert. Sieht er doch den Krieg, den er über die Ukraine gebracht hatte, als die Fortsetzung der Entnazifizierung, die jetzt wieder nötig geworden ist.
Auch Russland wird mit Hitlerdeutschland verglichen. Nicht zu Unrecht, würde ich meinen. Beides waren / sind imperialistische Eroberungskriege, um andere Nationen zu unterwerfen. Wenn Putin die Waffenlieferungen kritisiert, die ihm einen Sieg in der Ukraine so erschweren, dann sollte er daran denken, dass auch der Sieg an Hitlers Ostfront im zweiten Weltkrieg nur mit massiven Waffenlieferungen, tausenden von "schweren Waffen" darunter allein 1000 Flugzeuge, möglich war. Diesmal ist er der Aggressor! Die Waffenlieferungen helfen seinem Gegner.
Aber, wenn wir die Parallelen zum zweiten Weltkrieg ziehen, so bedrohlich und schrecklich das bereits ist, einen entscheidenden Unterschied gibt es. Es gibt mittlerweile genügend einsatzfähige Atomwaffen bei beiden Kontrahenten, um alles zu zerstören, was wir so menschliche Kultur nennen.
Vielleicht sind wir doch mehr verwandt mit den Lemmingen, die bei Überbevölkerung sich massenweise ins Meer stürzen, um so ihre Zahlen auf ein gesundes Maß zu reduzieren, als wir das zugeben möchten.

In dem Zusammenhang geht eine tagespolitische Nachricht beinahe unter:
Ein neuer Klimabericht von UN-Experten wurde heute veröffentlicht. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent wird bis 2026 in mindestens einem Jahr die Steigerung der weltweiten Durchschnittstemperatur um mehr als 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau (1850 - 1900) vorhergesagt. Das bisher heißeste Jahr war 2016 mit 1.2 Grad über dem vorindustriellen Niveau.
In diesem und den nächsten vier Jahren wird eine Quote von 1,1 bis 1,7 Grad über vN (vorindustrielles Niveau) erwartet.

Eine Klimaerwärmung von 1,5 Grad über vN mit allen den Dürren und Überschwemmungen, die es mit sich bringt, gilt als gerade noch zu bewältigen, ohne das es zu massiven weltweiten Katastrophen kommt.
Aber wen interessiert es? Wir haben wichtigeres zu tun. Kriege führen z.B. die den Klimawandel zusätzlich dramatisch beschleunigen!


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RE: Tag des Sieges

#3 von petias , 10.05.2023 11:46

Tag des Sieges 2023

Am 9. Mai wird in Russland der "Tag des Sieges" gefeiert. Gemeint ist der Sieg über Nazideutschland. In der russischen Propaganda wird der Überfall auf die Ukraine in dieser Tradition - Befreiung von Nazis - gestellt. Die langen verlustreichen Schlachten um Bachmut sollten wenigstens eine Erfolgsmeldung erbringen für die Rede Putins zum glorreichen "Tag des Sieges".
Ein Erfolg wollte sich nicht einstellen. Prigoschin, Chef der Söldnertruppe Wagner, zieht eine mediale Show ab, die dazu dienen soll den schwarzen Peter der regulären Armee zuzuspielen und von einem Versagen seines Söldnerhaufens aus Häftlingen abzulenken.
Am "Tag des Sieges" verzeichnet die ukrainische Armee in Bachmut seit langem erst mal wieder Geländegewinne.

Die glorreiche Parade zum Festtag mutet gespenstisch an. Ein einziger Panzer, ein T34, Panzer diese Typs hatten vor knapp 80 Jahren zum Sieg beigetragen, nahm an der Parade teil, die sonst der Zurschaustellung neuester Militärtechnik diente. Um so bedeutungsvoller wirkten die Interkontinentalraketen, die am Zug teilnahmen. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass nach dem Aus der konventionellen Kriegstechnik eben nur noch die Atomwaffen bleiben?


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