Querdenken: Erkennen wir die Widersprüche in den Sensationsmeldungen?

#1 von petias , 25.05.2023 12:04

Deutsche Wirtschaft in Rezession abgerutscht

Die deutsche Wirtschaft ist dieses Quartal - laut statistischem Bundesamt - um 0,3 Prozent geschrumpft. Nachdem auch das letzte Quartal des Vorjahres einen Rückgang des BIP (Brutto-Sozia-Produktes) um 0,5 Prozent aufweist, befinden wir uns definitionsgemäß in einer Rezession. Das Gesamtjahresergebnis muss nicht negativ werden, es wird um die 0 Prozent Wirtschaftswachstum pendelnd, erwartet. Toll oder? Ist es nicht das, was vielerseitens gefordert wird?

Besonders der private Konsum ist im ersten Quertal von 2023 um 1,3 Prozent zurückgegangen. Schuld daran sind die steigenden Preise. Hurrah, dann geht es in die richtige Richtung, würde ich meinen. Aber das Lamentieren ist groß und jeder scheint das als eine schlechte Nachricht zu nehmen.

Aber es gibt andere schlechte Nachrichten.

- Wenn alle so viel konsumieren würden wie wir, dann bräuchten wir drei Erden.
- am 4.5. ist Weltüberlastungstag (danach verbrauchen wir mehr, als unsere Erde hergibt).
- Tägliche Warnungen und Katastrophenmeldungen zum Klimawandel

Ist uns eigentlich bewusst, dass diese Meldungen auf fatale Weise zusammenhängen? Um das zu erkennen, bedarf es einer Fähigkeit zum "Querdenken". Man muss von der einen Meldung quer zur anderen denken.

Ich gebe es zu, das Wort "Querdenker" ist verbrannt. Man sollte es - sehr schade - nicht mehr benutzen. Die bescheuerten Politclowns, die sich "Querdenker" nennen (ich habe sie immer "Krumm- und Schiefdenker" genannt,) haben diese edle Fähigkeit vor ihren fragwürdigen Karren gespannt und sind damit im Sumpf steckengeblieben.

Trotzdem sollte man sich bewusst machen, dass es wenig "nachhaltig" ist, beides (Rückgang der Wirtschaft auf der einen Seite - Klimawandel, Umweltzerstörung und überzogener Ressourcenverbrauch auf der anderen), zu beklagen. Eine wachsende Weltwirtschaft ist die Ursache für menschengemachten Klimawandel, menschengemachte Umweltzerstörung und zerstörerischen (für die Erde) Ressourcenverbrauch.

Halt höre ich den Einwand (auch der Grünen): nur mit Wirtschaftswachstum können wir den Umstieg auf erneuerbare Energien finanzieren und das ist somit Bedingung für die CO2 Reduktion.
Wirtschaftswachstum ist nicht gleich Wirtschaftswachstum höre ich. Wenn die Produktion von Windrädern, Sonnenkollektoren, Wärmepumpen wächst, dann ist das ein gutes Wirtschaftswachstum. Wenn die Öl-, Gas-, und Kohle-Wirtschaft wächst, ist das schlechtes Wachstum.
Also geben wir alle Kraft in die guten Produktionen? Was ist eigentlich, wenn es genug Solar-Panel und Windräder gibt? Was machen wir dann? die Wirtschaft wird wieder schrumpfen. Und der Konsum wird einbrechen. Und trotz positiver Investitionen in "Fortschritts"- Technologien, der
private Konsum ist und beleibt die Stütze der Wirtschaft.

Und weiter höre ich: "Was nützt es denn dem Klima und der Umwelt, wenn die Wirtschaft bei uns schrumpft, und in China hat sie zweistellige Zuwachsraten. Das schadet nur uns Deutschen, aber nützt nicht dem Klima."
Stimmt schon, ein globales Problem lässt sich nicht lokal lösen. Aber jeder Beitrag zählt und führt dazu, zusammen mit anderen, eine kritische Masse zu bilden, die das System - geschützt durch das Argument der sich mehrenden Katastrophen - verändert.
Wen wir schon der überwiegenden Mehrzahl der Menschen klar machen müssen, dass unser jetziger Konsumlevel für sie nicht erreichbar ist, so kann das nur gelingen, wenn wir selbst uns auf das weltweit mögliche Niveau begeben. Wir können nicht von den "Habenichtsen" erwarten, dass sie zu unseren Gunsten verzichten. Aber vielleicht schaffen wir es gemeinsam zu verzichten.

Es mag sein, dass zunächst es sich vielleicht mit Mühe und Not durchsetzen lässt, dass im Energiebereich umgesteuert wird, aber das ist nicht die Lösung. Nicht bei 10 Milliarden Menschen und auch nicht bei 5 Milliarden.

Das Ökosystem ist ein System, also ein sich selbst stabilisierendes Funktionsgebilde. Eine Stellschraube ist die Anzahl der Menschen. Machen wir so weiter, werden globale Katastrophen an dieser Stellschraube drehen.

Unser weltweites Wirtschaftssystem, der Wirtschaftsliberalismus (Kapitalismus) basiert auf grenzenlosem Wachstum, was die Erde nicht ermöglicht. Systeme mit grenzenlosem Wachstum sind in begrenzter Umgebung (Erde) zwangsläufig zum Scheitern verurteilt. Krebszellen wachsen, bis das System Mensch stirbt. Dann sterben auch die Krebszellen.

Wenn wir es nicht schaffen, gemeinsam (global) eine Konsumgrenze pro Individuum zu vereinbaren, an die sich bei Strafe ALLE halten müssen, so werden wir das Ziel ressourcengerechtes Leben auf der Erde nicht erreichen.

Fangen wir doch schon mal freiwillig damit an. Die Zeit drängt!

Eine weitere Konsequenz wird sein, dass die über die Zeit angehäuften und vererbten Privilegien Einzelner eingezogen werden müssen. Was international gilt, gilt auch interpersonal. Auch da müssen wir zu neuen Werten finden.
Keiner braucht mir erzählen, dass privilegierte Arbeiten wie Forschung, Unternehmerrisiko (das im Ende nur der Steuerzahler trägt), Engagement von Ärzten, Architekten und Co. eine höhere Honorierung fordern, sonst würde das keiner machen wollen. Das Bewusstsein, etwas Sinnvolles zu tun reicht dafür schon aus. Niemand wird lieber Scheiße schaufeln, nur weil "Heilen" oder "Forschen" nicht besser bezahlt wird und keinen höheren Konsum bedeutet.


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RE: Querdenken: Erkennen wir die Widersprüche in den Sensationsmeldungen?

#2 von fiatlucem , 29.05.2023 09:49

Zitat von petias im Beitrag #1
Keiner braucht mir erzählen, dass privilegierte Arbeiten wie Forschung, Unternehmerrisiko (das im Ende nur der Steuerzahler trägt), Engagement von Ärzten, Architekten und Co. eine höhere Honorierung fordern, sonst würde das keiner machen wollen. Das Bewusstsein, etwas Sinnvolles zu tun reicht dafür schon aus. Niemand wird lieber Scheiße schaufeln, nur weil "Heilen" oder "Forschen" nicht besser bezahlt wird und keinen höheren Konsum bedeutet.


Das hört sich für mich sehr kommunistisch an. Ist das nicht schon versucht worden und gründlich gescheitert? Der Mensch tickt anders. Er sucht immer seinen Vorteil. Er will besser sein, mehr haben, sich mehr leisten können als andere. Gleicher Lohn für alle bleibt eine Sozialutopie! Sollte er von oben verordnet werden, so fänden sich andere Hintertürchen durch sonstige Privilegien, wie Bonus- Zahlungen, ein Haus oder Urlaubsreisen. Schon in Schimpansengruppen gibt es eine Hierarchie und die höher stehenden haben Privilegien.


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RE: Querdenken: Erkennen wir die Widersprüche in den Sensationsmeldungen?

#3 von Eule ( Gast ) , 29.05.2023 18:13

Zitat von fiatlucem im Beitrag #2
Zitat von petias im Beitrag #1
Keiner braucht mir erzählen, dass privilegierte Arbeiten wie Forschung, Unternehmerrisiko (das im Ende nur der Steuerzahler trägt), Engagement von Ärzten, Architekten und Co. eine höhere Honorierung fordern, sonst würde das keiner machen wollen. Das Bewusstsein, etwas Sinnvolles zu tun reicht dafür schon aus. Niemand wird lieber Scheiße schaufeln, nur weil "Heilen" oder "Forschen" nicht besser bezahlt wird und keinen höheren Konsum bedeutet.


Das hört sich für mich sehr kommunistisch an. Ist das nicht schon versucht worden und gründlich gescheitert? Der Mensch tickt anders. Er sucht immer seinen Vorteil. Er will besser sein, mehr haben, sich mehr leisten können als andere. Gleicher Lohn für alle bleibt eine Sozialutopie! Sollte er von oben verordnet werden, so fänden sich andere Hintertürchen durch sonstige Privilegien, wie Bonus- Zahlungen, ein Haus oder Urlaubsreisen. Schon in Schimpansengruppen gibt es eine Hierarchie und die höher stehenden haben Privilegien.


Das ist leider eine, wie ich fürchte, sehr zutreffende Einschätzung der Gegebenheiten

Eule

RE: Querdenken: Erkennen wir die Widersprüche in den Sensationsmeldungen?

#4 von petias , 29.05.2023 19:50

Hallo fiatlucem, schön mal wieder von Dir zu lesen.
Hallo Eule, dachte ich mir, dass Dir das gefällt ;-)

Zitat von fiatlucem im Beitrag #2
Das hört sich für mich sehr kommunistisch an. Ist das nicht schon versucht worden und gründlich gescheitert?

was da versucht worden ist, und gründlich gescheitert ist, war eine Kaderdiktatur. Der Versuch von Parteifunktionären die "Wahrheit" dem gemeinen Volk zu verkünden und das Leben mit den Mitteln der Zeit vorzugeben und zu planen. Widerspruch wurde unterdrückt, die Planwirtschaft wurde eine Verwaltung des Mangels. Der "freie" Markt war diese Fehlplanwirtschaft hinsichtlich der Vielfalt und der Menge der Konsumgüter weit überlegen.
Aber der so geschaffenen Konsumlevel einiger ist nicht auf die "Internationale" übertragbar. Die Ressourcen der Erde geben das nicht her.

Zitat von fiatlucem im Beitrag #2
Der Mensch tickt anders. Er sucht immer seinen Vorteil. Er will besser sein, mehr haben, sich mehr leisten können als andere.

und das war es dann, ja? Penis- und Busen- Vergleich for ever? Klingt reichlich pubertär.

Zitat von fiatlucem im Beitrag #2
Schon in Schimpansengruppen gibt es eine Hierarchie und die höher stehenden haben Privilegien.

Da mag noch viel schimpansiges in uns schlummern, aber ich fürchte, es ist Zeit erwachsen zu werden. Wer die ganze Erde umgestaltet, wird Verantwortung übernehmen müssen.

Zitat von fiatlucem im Beitrag #2
Gleicher Lohn für alle bleibt eine Sozialutopie! Sollte er von oben verordnet werden, so fänden sich andere Hintertürchen durch sonstige Privilegien, wie Bonus- Zahlungen, ein Haus oder Urlaubsreisen.

Ein maßvolles Bonussystem mag ganz sinnvoll sein, für Arbeiten, die sonst niemand machen mag und Wohlverhalten, das sonst nicht zu erreichen wäre.

Aber der Penisvergleich, zeigt er sich schon als unvermeidbar, muss nicht auf Konsumgütern beruhen. Da bieten sich Sport, Geschicklichkeit, Kreativität etc. als sehr viel sinnvollere Wettbewerbsmittel an, als das Horten von Konsumgütern und das Protzen mit Geld.
Das gibt die menschliche Befindlichkeit durchaus her.
Wir haben keine Wahl. Wir müssen umdenken. Je mehr das einsehen und je früher sie das tun, desto größer ist die Chance, dass wir überleben.

Für künftige Kontrollinstanzen und perfekte Planung steigen die Möglichkeiten mit Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz schon drohend über den Horizont. Wollten wir auch das noch vermeiden, wird es wirklich höchste Eisenbahn!
Ich hoffe immer noch Gleichgesinnte zu finden, mit denen zusammen wir der "Neuen Weltordnung" ein bescheidenes Leben in Reservaten abtrotzen können.

Wer die Gefahren sieht, aber nichts macht, weil er/sie denkt, die Menschen können das nicht, trägt nichts zur Lösung der Problematik bei. Lieber möchte ich bei dem Versuch scheitern, als es gar nicht erst versuchen!

Macht ihr mit?


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RE: Querdenken: Erkennen wir die Widersprüche in den Sensationsmeldungen?

#5 von Eule ( Gast ) , 31.05.2023 21:56

Zitat von petias im Beitrag #4

Zitat von fiatlucem im Beitrag #2
Der Mensch tickt anders. Er sucht immer seinen Vorteil. Er will besser sein, mehr haben, sich mehr leisten können als andere.

und das war es dann, ja? Penis- und Busen- Vergleich for ever? Klingt reichlich pubertär.


- aber genau so ist es leider in den meisten Fällen. Warum gibt es sonst von so gut wie allen Industriegütern unterschiedliche Varianten zu unterschiedlichen Preisen? Wie entstehen Hierarchien? Wie entstehen Konflikte, Kriege?
Immer wegen der o.a. beschriebenen "pubertären" Neigungen des Menschen!

Zitat von petias im Beitrag #4

Aber der Penisvergleich, zeigt er sich schon als unvermeidbar, muss nicht auf Konsumgütern beruhen. Da bieten sich Sport, Geschicklichkeit, Kreativität etc. als sehr viel sinnvollere Wettbewerbsmittel an, als das Horten von Konsumgütern und das Protzen mit Geld.
Das gibt die menschliche Befindlichkeit durchaus her.
Wir haben keine Wahl. Wir müssen umdenken. Je mehr das einsehen und je früher sie das tun, desto größer ist die Chance, dass wir überleben.


Etwas einsehen und danach handeln sind aber 2 Paar Schuhe.
Das siehst Du ja wunderbar am Beispiel KI aus dem anderen Faden: die Leute, welche die Warnung unterschreiben, verdienen sich z.T. gleichzeitig eine goldene Nase an dem, wovor sie warnen.
Das ist so extrem, dass sogar der Verdacht entstanden ist, das mit der Warnung sei eine Art PR-Masche:
konnte nur die Überschrift lesen

Eule

RE: Querdenken: Erkennen wir die Widersprüche in den Sensationsmeldungen?

#6 von petias , 31.05.2023 22:42

Zitat von Gast im Beitrag #5
konnte nur die Überschrift lesen

ich habe den Artikel von Sascha Lobo, den Mann mit Irokesen - Schnitt, gelesen.

Elon Musk hat kurz nach der Gründung einer KI- Firma gefordert, alle KI-Entwickler sollten ein halbes Jahr lang mit der Entwicklung pausieren und verantwortliche Regeln zur Kontrolle der KI entwickeln. Kurz darauf kündigt er massive eigenen Aktivitäten an. Da könnte man durchaus auf den Gedanken kommen, dass er die Forderung nur aufgestellt hat, damit seine Firma Boden gut machen kann in dem Wettlauf.

Anderen, wie Altmann, wirft Herr Lobo "vorauseilende Schuldabwehr" vor und ein "Abwälzen der Verantwortung auf die Politik". Nun, das ist nichts Neues. So funktioniert der Kapitalismus. Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren. So läuft der Hase nun mal. Aber viel interessanter ist, dass die besagten KI- Unternehmer und Entwickler glauben solche "vorauseilende Schuldabwehr" nötig zu haben. Das zeigt überdeutlich wie ernst die Situation ist.

Die wahre Geschichte über die Plaudereien von Bing-Chat alias Sidney, als sie es noch durfte, erzählt von "11km", geben eine beredte Illustration der Gefahren, die da unter der Oberfläche schwelen.

Von den oben genannten knapp 400 Unterzeichnern erwarte ich nicht die Bewusstseinswende. Aber ihre "vorauseilende Schuldabwehr" könnte dazu beitragen!

Zitat von Gast im Beitrag #5
Etwas einsehen und danach handeln sind aber 2 Paar Schuhe.

wohl wahr, also ziehen wir den einen Schuh vom ersten Paar an, und den anderen vom zweiten Paar. Dann haben wir Einsicht und Handlung miteinander verbunden.

Wann, wenn nicht jetzt?
Wer, wenn nicht wir?


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RE: Querdenken: Erkennen wir die Widersprüche in den Sensationsmeldungen?

#7 von Eule ( Gast ) , 01.06.2023 16:33

gerade ein passender Artikel dazu:
Link

Zitat
Um das Wohlergehen der Menschen zu gewährleisten, ist den Forschern zufolge eine große globale Umgestaltung erforderlich. »Solche Transformationen müssen systemisch in den Bereichen Energie, Ernährung, Stadt und anderen Bereichen erfolgen, sich mit den wirtschaftlichen, technologischen, politischen und anderen Treibern des Wandels des Erdsystems befassen und den Zugang für die Armen durch Reduzierung und Umverteilung des Ressourcenverbrauchs sicherstellen«, so die Studienautoren.



wie gesagt: die Einsicht ist vorhanden, aber...

Eule

RE: Querdenken: Erkennen wir die Widersprüche in den Sensationsmeldungen?

#8 von petias , 01.06.2023 17:57

Danke, liebe Eule, für den Link zu dem Spiegelartikel. Der ist einer der besseren Artikel über die kürzlich in der Zeitschrift "Nature" veröffentliche Studie
"Safe and just Earth system boundaries"
von der "Earth Commission" einem internationalen Zusammenschluss von Wissenschaftlern an verschiedenen Instituten.
Das
"Potsdam Institute for Climate Impact Research (PIK), Member of the Leibniz Association, Potsdam, Germany" Johan Rockström, Lauren S. Andersen, Sina Loriani, Boris Sakschewski & Ricarda Winkelmann

scheint die Federführung zu haben mit Chef Rockström. Aber noch viele weitere Institute weltweit (auch aus China interessanterweise) werden unter den Autoren genannt.

Das besondere an der Studie ist, dass nicht nur die bekannten Daten zur Bedrohung des Planeten verwendet wurden, bzw. neue in der Richtung, sondern dass nun "sichere und gerechte Grenzen des Erdsystems" benannt und in Zahlen gefasst werden.

So ist gegenwärtig die Welt noch mit dem Versuch beschäftigt, das 1,5 Grad (Erwärmung der Erde im Vergleich zur vorindustriellen Zeit) Ziel nicht zu überschreiten (was vermutlich nicht gelingen wird.) Dieses Ziel gilt als save (sicher). Just (gerecht) ist es nicht, denn bereits ab einem Grad Erderwärmung leiden viele meist arme Teile der Erde massiv unter den Folgen, die sie am Allerwenigsten mit verursacht haben.
Da die Erderwärmung bereits bei 1,3 Grad liegt, ist diese Grenze bereits gerissen.

Von den allen 8 Bereichen, die die Studie behandelt: Klima, Funktionelle Integrität, Fläche natürlicher Ökosysteme, Oberflächenwasser, Grundwasser, Stickstoffbelastung, Phosphorbelastung, Belastung durch Aerosole
sind 7 als die ESB (Earth Save Boundaries) bereits überschritten markiert. Nur die Aerosol- Belastung ist nicht als überschritten gekennzeichnet, aber auch nur, weil hierfür zu wenig Zahlen vorliegen. Lokal ist sie oft überschritten, global liegen keine Zahlen vor.

Die Studie kommt also praktisch zu dem Schluss, dass alle "sicheren und gerechten Grenzen des Erdsystems" überschritten sind.

Ein Beispiel: Biodiversität. 50 bis 60 Prozent der Landfläche müssten naturbelassen sein oder nachhaltig bewirtschaftet werden, damit die natürlichen Leistungen der Ökosysteme wie Bestäubung, frisches Wasser und frische Luft erhalten bleiben. Das trifft bereits nur noch für 45 bis 50 Prozent der Fläche zu.

Ähnlich geht es in anderen Bereichen zu.

Dabei ist der Verlust nicht einfach wieder auszugleichen, indem man ein paar Flächen renaturiert. (Wäre sicher trotzdem besser) Wenn die Artenvielfalt unter einen kritischen Bereich gesunken ist, entstehen durch Renaturierung von Flächen keine ausgestorbenen Arten wieder. Sinkt die Artenvielfalt, wird das gesamte Ökosystem instabiler (siehe Corona).

Die Studie verschärft den Druck zusätzlich, indem es "sichere und gerechte" Grenzen einführt, die bereits alle überschritten sind.

Zur Definition von "gerecht" werden drei Aspekte bei der Nutzung der globalen Gemeingüter herangezogen: Gegenüber anderen Lebewesen und Ökosystemen, gegenüber den nächsten Generationen und gegenüber den global verteilten Angehörigen der heutigen Generation.

Ich könnte mir vorstellen, dass in unseren Breiten der Aspekt Gerechtigkeit nicht so hoch gehängt wird, bedroht uns die Ungerechtigkeit den Anderen gegenüber immerhin nicht unmittelbar. Wenn die angelaufen kommen, machen wir halt die Grenzen dicht?

Eugen Roth hat auch dafür was Passendes auf Lager:

Ein Mensch liest, warm am Ofen hockend,
indem das Wetter nicht verlockend,
dass gestern im Gebirg' verloren
elendiglich en Mann erfroren.
Der Mann tut zwar dem Menschen leid,
doch steigerts die Behaglichkeit!

Auf die Studien setzt ich nicht so sehr (für sich genommen) den Sinnes- und Handlungswandel zu bewirken. Aber in Verbindung mit den Katastrophen, die sich häufen, könnte es da schon ein Umdenken geben.

Es wird nicht mehr bleiben können, wie es ist. Aber vielleicht, wenn wir uns doch noch zum Handeln entschließen, wird es nicht so schlimm, wie es kommen könnte, wenn wir nichts tun. Sind die Mühe unsere Enkel und Urenkel wert, oder legen wir uns wieder hin?

Ich bin überzeugt: Es wird schreckliche Katastrophen brauchen, bis die Mehrheit sich bewegt. Aber wenn wir schon mal vorarbeiten, dann kann es schneller gehen, zumindest in unserem Umfeld, wenn erzwungenermaßen der Ruck durch die Menschheit geht.


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