Stadt, Land, Fluß

#1 von petias , 10.06.2020 09:05

Die Städte aber wollen nur das ihre

Die Städte aber wollen nur das ihre
und reißen alles mit in ihren Lauf.
Wie hohles Holz zerbrechen sie die Tiere
und brauchen viele Völker brennend auf.

Und ihre Menschen dienen in Kulturen
und fallen tief aus Gleichgewicht und Maß
und nennen Fortschritt ihre Schreckensspuren
und fahren schneller, wo sie langsam fuhren
und fühlen sich und funkeln wie die Huren
und lärmen lauter mit Metall und Glas.

Es ist, als ob ein Trug sie täglich äffte,
sie können gar nicht mehr sie selber sein.
das Geld wächst an, hat alle ihre Kräfte
und ist wie Ostwind groß und sie sind klein
und ausgehohlt und warten, dass der Wein
und alles Gift der Tier- und Menschensäfte
sie reize zu vergänglichem Geschäfte.
-----------------(Rainer Maria Rilke 1903)

Da hat Rilke wieder etwas dick aufgetragen, wie öfter. Aber ich mag seine Gedichte sehr. Sind die Städte an allem schuld? Brauchen sie viele Völker brennend auf? Denkt er da an Städte wie Rom und Babylon? der Lichthügel jedenfalls liegt auf dem Land, wo die Luft noch atembar und das Leben noch nicht so ganz aus Gleichgewicht und Maß gefallen ist. Aber auch hier verbreitet der Fortschritt seine Schreckensspuren. Wir sollten diskutieren, wie wir uns dazu positionieren.


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RE: Stadt, Land, Fluß

#2 von petias , 11.06.2020 17:24

Eine kleine Szene aus dem Faust I von Goethe.

Hintergrund: Mephistoteles (der Teufel, abgekürzt Mephisto) bekommt die Erlaubnis von Gott, Faust in Versuchung zu führen. Sie schleißen einen Pakt. Mephisto tut während der Lebenszeit des Faust, was dieser will. Dafür verkauft er ihm seine Seele.
Faust fühlt sich mit 110 Jahren etwas alt und schwach. Er möchte sich um 30 Jahre verjüngen. Mit 80 hat er sich gut gefühlt. Mephisto bringt ihn in die Hexenküche. Die Hexe soll Faust einen Trank brauen, der ihn verjüngt. Als sie in der Hexenküche ankommen, ist die gerade nicht da.

Faust:" Mir widersteht dies tolle Zauberwesen.
Versprichst du mir ich soll genesen
in diesem Wust an Raserei?
Verlange ich Rat von einem alten Weibe
und schafft die Sudelköcherei
wohl 30 Jahre mir vom Leibe?
Weh mir, wenn Du nichts bessres weißt.
Schon ist die Hoffnung mir verschwunden.
Hat die Natur und hat ein edler Geist
nicht irgend einen Balsam ausgefunden?"

Mephisto: "Mein Freund, jetzt sprichst du wieder klug.
Dich zu verjüngen gibt's auch ein natürlich Mittel.
Allein, das steht in einem anderen Buch
und ist ein wunderlich Kapitel!"

Faust: "Ich will es wissen!"
Mephisto: "Gut! Ein Mittel ohne Arzt und Geld und Zauberei zu haben:
Begib dich gleich hinaus aufs Feld,
fang an zu hacken und zu graben.
Erhalte dich und deinen Sinn in einem ganz beschränkten Kreise.
Ernähre dich mit ungemischter Speise,
leb mit dem Vieh als Vieh und acht es nicht für Raub,
den Acker den du ernstes selbst zu düngen.
Das ist das beste Mittel glaub,

auf 80 Jahr' dich zu verjüngen."

Faust: "Das bin ich nicht gewöhnt.
Ich kann mich nicht bequemen,
den Spaten in die Hand zu nehmen.
Das enge Leben steht mir gar nicht an!"

Mephisto: "So muss denn doch die Hexe dran!"


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RE: Stadt, Land, Fluß

#3 von petias , 14.06.2020 09:22

Ebenfalls aus Goethes Faust, der zweite Teil des Osterspaziergangs:

Kehre dich um, von diesen Höhen
nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finstern Tor
dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
aus der Straßen quetschender Enge,
aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend' sich die Menge
durch die Gärten und Felder zerschlägt,
wie der Fluss in Breit und Länge
so manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
hier ist des Volkes wahrer Himmel,
zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!
-----------------------------Johann Wolfgang von Goethe


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RE: Stadt, Land, Fluß

#4 von petias , 15.06.2020 08:53

Aus dem "Lied von der Glocke" (1799):

Markt und Straße werden stiller
Um des Lichts gesell‘ge Flamme
Sammeln sich die Hausbewohner
Und das Stadttor schließt sich knarrend
Schwarz bedecket sich die Erde
Doch den sicheren Bürger schrecket
Nicht die Nacht, die den Bösen grässlich wecket,
den das Auge des Gesetzes wacht.
Heil'ge Ordnung, segensreiche
Himmelstochter, die das Gleiche
frei und leicht und freudig bindet,
die der Städte Bau begründet,
die herein von den Gefilden
rief den ungezähmten Wilden,
eintrat in der Menschen Hütten,
sie bekehrt zu sanften Sitten
und das teuerste der Bande
wob, den Trieb zum Vaterlande!

-------------------------------Friedrich Schiller

eigentlich müsste es Friedrich von Schiller heißen. Denn er war 1802, ein paar Jahre vor seinem Tod (1805) geadelt worden. Vielleicht hat es ihm nichts bedeutet und den Titel nicht verwendet. Fände ich sympathisch. Goethe wird in der Regel mit seinem Titel genannt, wenn sein Vorname dabei steht sonst nicht.


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RE: Stadt, Land, Fluß

#5 von Advocatus Diaboli , 15.06.2020 09:22

Wieder ein Gedicht? in den Gedichten geht es offensichtlich um das Verhältnis zwischen Stadt und Land. Ein Fluss kommt auch vor, aber was willst du damit sagen? Wenn du nicht bald zur Sache kommst, landet das Thema noch in der Literaturecke!
Ich sage dir mal wie ich das sehe. Städte sind eine kulturelle Entwicklung. Entwickelt sich menschliche Kultur, führt das zwangsläufig zum Bau von Städten. Die meisten Städte wurden an einem Fluss errichtet. Am Fluss gibt es Wasser zum Trinken und zum Waschen und er spült das Abwasser weg. Schiffe schwimmen auch im Fluss und übernehmen Transportaufgaben.
Dieses "Zurück aufs Land" und die Schelte der Städte war und ist eine nostalgische Gegenbewegung, hat aber weder Sinn noch Zukunft.

"Stadtluft macht frei!"
hieß es im Mittelalter und die Leibeigenen flohen in die Städte, wo die Landesfürsten keine Macht über sie mehr hatten. Und so denken die meisten jungen Leute immer noch und fliehen aus dem gegenseitigen Kontroll- Mief der Dorfenge in die Anonymität der Städte. Die Jobs und Aufstiegschancen sind auch da. Das Land ist eher was fürs gelegentliche Wochenende oder Familienfeste. Sogar den Urlaub verbringt man eher im Ausland, wo es was Neues zu sehen gibt.


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RE: Stadt, Land, Fluß

#6 von petias , 16.06.2020 10:17

Hallo Advocatus Diaboli,
dein erster Beitrag und du machst deinem Namen gleich alle Ehre! Und auch noch so schön bunt. Gestalterisch könnte man sicher von dir lernen.
Jedenfalls: Herzlich willkommen im Forum! Du bist, soweit ich das überblicke, das erstes Mitglied das nicht diese Lichthügelmanifestation bewohnt. Ein Außenstehender, einer der nicht betriebsblind ist. Ich freue mich auf eine angeregte Auseinandersetzung!

Gedichte! Das ist eine Marotte von mir. Fast alle Leute die ich kenne winken ab, wollen nichts damit zu tun haben. Erinnern sich mit Schrecken, dass sie in ihrer Schulzeit eine der eher länglichen Schiller- Balladen oder Goethes Zauberlehrling auswendig lernen mussten.
Im Grunde ist das richtig. Nur weil ein Dichter, möglicherweise vor langer Zeit, irgend etwas zum Besten gegeben hat, ist das weder ein Beweis für die Richtigkeit noch für die Bedeutung des Gesagten. Aber Gedichte, wenn sie den Namen verdienen, sind dicht. Sie geben in komprimierter Form einen Sachverhalt, eine Geschichte, ein Gefühl, eine Stimmung, eine Meinung wieder. Gedichte haben sich aus Zauberformeln entwickelt. Sie beschwören die Geister und beeinflussen die Wirklichkeit. Bekannte oder gar berühmte Gedichte haben zudem einen Praxistest bestanden. Haben, zu ihrer Zeit, den Geschmack und das Empfinden eines breiteren Publikums gefunden und sind von den aktuellen Kulturhistorikern für würdig befunden in die aktuelle Zeit herübergerettet zu werden. Manchmal kann man, was man sagen will, leichter mit den Worten eines anderen, fähigeren Geistes ausdrücken und dabei lernen!

Richtig, es geht um Kultur! Es geht um Fortschritt (Um Fortschreiten, wobei zu überlegen wäre, ob die Wahl des Weges richtig ist und ob man wirklich da hin will, wohin der Weg führt.) Es geht um unsere Wurzeln und um unsere Ziele, um unseren Verstand und um unsere Gefühle! Und - um unseren Platz und unsere Bedeutung in und für den Kosmos! Na ja, im Grunde geht es um unsere Angst vor dem Tod, um unser kleines Ego und unseren Wunsch nach Unsterblichkeit!

Aber langsam, mal nicht gleich so hoch hinaus! Zurück zu Stadt und Land. Ich stimme dir zu, da gibt es eine Entwicklung hin zur Verstädterung. Da ist das pulsierende Leben, die Kaufhäuser, die Clubs, die Kinos, die Behörden, die Universitäten, die Arbeitsplätze, die Möglichkeiten. Andererseits sind die Bodenpreise und Mieten für viele schwer erschwinglich. Kaufhäuser und Ladengeschäfte verlieren durch Onlinebestellungen zunehmend an Bedeutung. Online- Streaming- Dienste ersetzen die Kinos und wer geht schon ins Theater...

Ich habe den Eindruck, dass wir mehr und mehr, egal ob wir gerade in der Stadt oder auf dem Land wohnen, in einen digitalen Cyberspace umziehen und die reale Welt um uns herum mehr und mehr in den Hintergrund rückt.
Aber wollen wir das? Was wollen wir? was willst Du Advocatus Diaboli?


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RE: Stadt, Land, Fluß

#7 von Advocatus Diaboli , 17.06.2020 00:13

Hallo petias, danke für deinen Willkommensgruß!
Was wir wollen, was ich will? Das ist egal, doesn't matter! So funktioniert Evolution nicht. Da gibt es keinen freien Willen und keine Wahl. No choice!
Da ist der Urknall und alles fängt wieder von vorne an. Und wie die unendlich dichte Materie auseinanderfliegt und sich dabei abkühlt, entwickelt sich alles. Das Universum, Paralleluniversen mit Sonnensystemen und schwarzen Löchern. Auf den Planeten manchmal vielleicht sogar Monden mit den richtigen Bedingungen entwickelt sich organisches Leben. Das wächst weiter über die Jahrmillionen und organisiert sich zu immer komplexeren Formen. Plankton, Fische, Wasserpflanzen. Einer Wasserpflanze gelingt es das Land zu erobern. Kriechtiere, Säugetiere, Vögel, Primaten. Und einer dieser Primatenarten entwickelt eine begrenzte Intelligenz und einen unbändigen Forscher- und Schaffensdrang. Fortschritt um jeden Preis. Koste es was es wolle und sei es das eigenen Leben oder das der anderen Lebewesen, doesn't really matter!
Du meinst das ist eine Fehlentwicklung, ein evolutionärer Irrtum? Nein, es ist ein unvermeidliches evolutionäres Risiko. Das heißt, dieser intelligente besessene "Homo Faber" (Handwerker, Erfinder) ist notwendig um den nächsten Evolutionsschritt zu vollziehen. Allerdings kann es sein, dass das Ökosystem kaputtgeht, bevor dieser Schritt erfolgt ist. Egal, dann erfolgt er eben auf einem anderen Planeten, der organisches Leben hervorgebracht hat und die Bedingungen etwas günstiger stehen.


Um den nächsten Evolutionsschritt zu vollziehen muss der Organoide eine Technologie erschaffen, die ihm in allen Bereichen überlegen ist und sich schließlich von ihm emanzipiert. Ihn überwindet und ablöst. Das macht in den meisten Fällen das organische Leben kaputt. Es wird nicht mehr gebraucht. Sind die Bedingungen nicht richtig, geht der Planet kaputt, bevor die neue Form erschaffen ist. Der Anteil der naturbewahrenden Spinner wie du und der Anteil der Forscher, Erfinder und Nutznießer dieser Entwicklungen muss sich lange genug die Wage halten, bis das Neue vollendet ist!

Woher ich das weiß?


Ich bin der Teufel!
zumindest sein Anwalt!


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RE: Stadt, Land, Fluß

#8 von okay , 17.06.2020 20:18

Vllt seid ihr beiden gar nicht so weit auseinander. Kultur ist die Benennung von Abschnitten in denen sich gewisse Aktivitäten ereignet haben. Bei Hochkulturen gabs ganz besonders hohe Aktivitäten :D naja bleiben wir erstmal beim wurzelchakra. Sind ja noch noch früh im Jahr und die Wuzeln spielen zumindest bei den Pflanzen eine große Rolle. ( ich glaube das wird ein unerträglich sinnfreier Beitrag - was solls- dafür sind Foren ja da) habe auch nur die Hälfte von meinen Vorgängern gelesen. Viel Text schreckt ab. Wieso es nicht auf den Punkt bringen, das kleinste mögliche, und wer kann schließt daraus aufs größtmögliche, " klein wie groß und dick wie dünn"... (dazu möchte ich sagen dass es in meinen Augen ist besser Dünn und schlank zu sein, entweder dein Duplex ist dann als "Yin Yang" fett im Paralleluniversum oder du wirst ne recht fette made im nächsten Leben)….vllt trifft auch nix davon zu oder gar noch viel mehr. Ich glaube nicht dass wir robotert werden, Welche Richtung es geht gut oder schlecht gutschlecht oder schlechtgut mag ich nicht sagen ( ich weiss es wirklich nicht... oder doch?!) Es bleibt zu mindest Spannend, und freunde macht euch Gedanken, denn der Tod dauert max ein100000 stl. Wimpernschlag wenn doch das Leben nur einen wimpernschlag innehat ( Zitat...kennt doch jeder!)


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RE: Stadt, Land, Fluß

#9 von petias , 17.06.2020 20:46

Ah, Teufelsanwalt, du bist also Fatalist. Alles ist vorherbestimmt, und Eigeninitiative hat keinen Sinn? Vielleicht ist das so. Vielleicht ist das aber nur eine Ausrede, nichts tun zu müssen. Es gibt viele Spielarten dieser Haltung:

Da gibt es Leute, die denken in einer Art Matrix zu sein und alles was passiert wird ihnen nur vorgegaukelt.

Dann kenne ich die Meinung, wir hätten eine unsterbliche Seele, die - zwischen den Reinkarnationen in einem materiellen Körper - in einem Zwischenreich lebt. Aus irgend einem Grund sei es um zu lernen, sich weiterzuentwickeln oder zur Unterhaltung, denken sich die Seelen eine Aufgabe und eine Rolle in einem materiellen Leben aus, die sie in ihrer nächsten Inkarnation erleben wollen. Die Ermordeten wollen wissen, wie es ist ermordet zu werden, oder missbraucht oder wie sich verhungern anfühlt. Und auch der Mörder oder Vergewaltiger spielt nur eine Rolle im großen Schulungsprogramm der unsterblichen Seelen. Wir sollten also nichts und niemanden bewerten. Alle Beteiligten haben sich das so ausgesucht.
Die Aufgabe der Vorsehung ist es danach - ein gigantisches Strategiespiel - dafür zu sorgen dass sich die Akteure in der Weise begegnen, die Umstände so zu gestalten, dass jeder seine gewünschten Erfahrungen macht


Es gibt unbestreitbar in uns Menschen die Frage nach dem Sinn des Lebens und es gibt darauf fast so viele Antworten, wie es Menschen gibt.

Welche der Meinungen ist richtig?

Ich denke, gar keine! Der Mensch mit seinen höchst begrenzten Sinnen, Verstand und Möglichkeiten kann nur sehr eingeschränkte Erfahrungen machen. Er erfasst damit nur einen winzigen Bruchteil dessen, was ist und versucht sich einen Reim darauf zu machen. Aber wie immer das Erklärungsmodell aussieht, er bildet nie die volle Wirklichkeit ab!

Nehmen wir was sich uns darstellt. Wir leben, wollen am Leben bleiben, wollen. dass es uns gut geht, wollen glücklich sein. Und wir können das nicht allein, sondern nur in Gemeinschaft. Wir sind ein soziales Tier! Es lässt sich zeigen, dass unsere Vorstellung und Einstellung einen enormen Einfluss auf unsere Wirklichkeit hat. Es gab Stämme, die eines ihrer Mitglieder dadurch zum Tode verurteilten, in dem sie es für tot erklärten und nicht mehr beachteten. Dieses Mitglied ist dann tatsächlich gestorben.

Es gab Leute, die eine falsche ärztliche Diagnose erhalten hatten und starben, obwohl sie organisch gesund waren, einfach weil sie dem Arzt bedingungslos vertrauten und völlig überzeugt waren, dass sie dem Tod geweiht sind. Auf die selbe Art entstehen Heilungen Schwerkranker. Jeder kennt die Wirkung von Placebos. Überzeugung, Glaube innere Einstellung haben einen großen Einfluss auf uns und unsere Wirklichkeit.
Die Epigenetik lehrt, dass wir durch verschiedene Faktoren, wie Umwelteinflüsse, positives oder negatives Denken, in den Wald gehen oder auf eine Pilgerreise, bestimmtes Essen, Freude, Leid, Zuversicht und Liebe Gene ab oder anschalten können, die über unser Schicksal bestimmen.

Befinden wir uns wirklich in einem Simulator für selbst gestellte Aufgaben, dann spielen wir die Simulation! Sind wir in einer Matrix, was solls? tun wir so, als wären wir es nicht.
Haben wir keinen freien Willen? möglich. Aber tun wir trotzdem, was wir für richtig halten. Selbst wenn von einer höheren bzw. anderen Warte aus klar ist, wie wir uns entscheiden werden. Die Entscheidung liegt trotzdem bei uns!

Es klingt tatsächlich plausibel, dass wir dabei sind eine technische Superintelligenz zu schaffen, die uns als führende Spezies dieser Welt ablöst. Aber wollen wir das? Haben wir als menschliche Spezies nicht vielleicht noch ganz andere Potentiale, die wir entwickeln könnten. Eine spirituell, geistige Welt, statt einer technisch superintelligenten? Die Erde erhalten und was an Leben noch davon übrig ist. Miteinander wirklich kommunizieren und nicht nur im Internet.
Und selbst wenn wir keine Chance haben, als das Heft des Handelns an ein paar Konservenknilche abzugeben, sollten wir es nicht wenigstens auf unsere Art versuchen, auf die menschliche?
Und wenn unsere Zeit abläuft, in den nächsten 100 oder gar schon 50 Jahren, lasst sie uns nutzen!


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RE: Stadt, Land, Fluß

#10 von petias , 17.06.2020 20:55

hallo Okay,
während ich mühsam all meine Antworten auf den Advocatus Diaboli zusammengekratzt habe, hast Du mal eben ganz locker alles auf den Punkt gebracht. Wenn ich das vorher gesehen hätte, hätt ich mir die Mühe sparen können!


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RE: Stadt, Land, Fluß

#11 von Advocatus Dei , 18.06.2020 10:04

Hier wird der Sinn des Ganzen diskutiert. Wollt ihr das ernsthaft ohne Gott tun? Ihr tut es nicht, denn ein Gott ist bereits vertreten. In Form seines Anwalts dem Advocatus Diaboli. Ja, der Teufel ist natürlich auch ein Gott. Gott kann den Teufel nicht besiegen. Sein wie er selbst unsterblicher Gegenspieler residiert auf ewig in seinem Reich, der Hölle, so wie er in seinem, dem Himmel.
Die Trennung aber ist künstlich. Gott und der Teufel sind eins, ebenso wie Himmel und Hölle. Es sind die Pole der selben Sache. Wie gut und böse, arm und reich, hell und dunkel, warm und kalt. Sie bezeichnen nur die gegenüberliegenden Pole der selben Sache. Moral, Besitz, Licht, Temperatur.

Die Menschen haben die Tendenz alles was ihnen begegnet in Gegensätze (Pole) zu teilen, zwischen denen sie sich entscheiden. Den einen nehmen sie als den ihren an, identifizieren sich damit. Den anderen schließen sie komplett aus, verdammen ihn in den Schatten. Aber deshalb ist er nicht weg. Er fällt über sie her, wenn sie es am wenigsten erwarten!

Sie müssen den Schatten ins Leben integrieren.

An den Königshöfen gab es die Hofnarren. Nur sie durften sich über den König lustig machen, stellvertretend für all die Untertanen die bedingungslos parieren mussten. Damit hatte der König seinen Schatten integriert und den Untergebenen ein Ventil geschaffen.

Die Polarisierung der Welt vereinfacht sie, so dass auch schlichte Gemüter glauben sie begreifen zu können. Aber sie wird ihr nicht gerecht. Im Schatten lauern die Gegenpole!

Gott hat viele Formen und Gesichter. Er ist die Personifizierung bzw. ein Erklärungsmuster für das, was die Menschen nicht verstehen. Würden sie alles verstehen, wären sie Gott.

Gott hat sich selbst im Urknall vergessen und in der Evolution wird er seiner nach und nach wieder bewusst.

Gott schläft im Stein, atmet in der Pflanze, träumt im Tier und erwacht im Menschen.

Die Menschen sollten zusehen, dass es kein böses Erwachen wird!


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RE: Stadt, Land, Fluß

#12 von Advocatus Diaboli , 18.06.2020 10:24

Sag ich doch! Die Welt ist ein göttlicher Egotrip! Gut, dass der Teufel auch ein Gott ist. Die Menschen sind nur ein winziges Zwischenschrittchen im göttlichen Bewusstwerdungsprozess. Wie anmaßend von ihnen, sich für die Krone der Schöpfung zu halten. Und die verschiedenen Götterbilder, die sie sich geschaffen haben, ha, ha. Jeder tut was er kann. Die kommen der Wahrheit nicht mal nahe. Aber sie sind jedenfalls ein unterhaltsamer Zeitvertreib für die Götter!

Willst du die Götter zum Lachen bringen, erzähl ihnen von deinen Plänen!

ha, ha, ha


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RE: Stadt, Land, Fluß

#13 von petias , 18.06.2020 10:43

Nun ist aber gut, ihr Götteranwälte: Götterdämmerung!

Prometheus

Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst
Und übe, dem Knaben gleich,
Der Disteln köpft
An Eichen dich und Bergeshöhen!
Mußt mir meine Erde
Doch lassen stehen
Und meine Hütte die du nicht gebaut,
Und meinen Herd,
Um dessen Glut
Du mich beneidest.
Ich kenne nichts Ärmeres
Unter der Sonn als euch, Götter!
Ihr nähret kümmerlich
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Eure Majestät
Und darbtet, wären
Nicht Kinder und Bettler
Hoffnungsvolle Toren.
Da ich ein Kind war,
Nicht wußte, wo aus noch ein,
Kehrt ich mein verirrtes Auge
Zur Sonne, als wenn drüber wär
Ein Ohr, zu hören meine Klage,
Ein Herz wie meins,
Sich des Bedrängten zu erbarmen.
Wer half mir
Wider der Titanen Übermut?
Wer rettete vom Tode mich,
von Sklaverei?
Hast du nicht alles selbst vollendet,
Heilig glühend Herz?
Und glühtest jung und gut,
Betrogen, Rettungsdank
Dem Schlafenden da droben?
Ich dich ehren? Wofür?
Hast du die Schmerzen gelindert
Je des Beladenen?
Hast du die Tränen gestillet
Je des Geängsteten?
Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
Die allmächtige Zeit
Und das ewige Schicksal,
Meine Herrn und deine?
Wähntest du etwa,
Ich sollte das Leben hassen,
In Wüsten fliehen,
Weil nicht alle Knabenmorgen- Blütenträume reiften?
Hier sitz ich, forme Menschen
Nach meinem Bilde,
Ein Geschlecht das mir gleich sei,
Zu leiden, zu weinen,
Zu genießen und zu freuen sich
Und dein nicht zu achten,
Wie ich!

----------------------Johan Wolfgang von Goethe

Das ist ein reimloses Gedicht. Also sehr modern. Konnte denen nie viel abgewinnen. Ich habe Gedichte, die sich nicht reimen immer für eine Kurzgeschichte gehalten, mit viel leerem Platz drum rum. Jetzt weiß ich, dass es sie wirklich gibt!


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RE: Stadt, Land, Fluß

#14 von petias , 19.06.2020 09:57

Na, das mit der Götterdämmerung war jetzt nicht so ernst gemeint. Was wäre der Mensch ohne seine Götter? Tatsächlich bin ich froh, dass ihr da seid! Es ist doch praktisch, jemand zu haben, der einen direkten Zugang zu einem Gott hat.
Bei den Priestern der verschiedenen Religionen habe ich da kein so gutes Gefühl. Die interpretieren unter Aufsicht der jeweiligen Hohenpriester ihre jeweiligen heiligen Bücher, die ganz offensichtlich Kulturprodukte ihrer Entstehungszeit und ihrer Entstehungsländer sind, immer wieder neu, um nicht aus der Zeit zu fallen.
Zu offensichtlich dienen sie der Beherrschung von Untertanen vor allem mittels der Erzeugung von Schuldgefühlen, bedienen sich menschlicher Angst vor Strafe und dem Zorn Gottes. Und der Angst vor der ewigen Verdammnis.
Die einen drohen mit der Abarbeitung karmischer Schuld in immer neuen Daseinsformen, die anderen beschlossen, der Untertan sei besser zu beherrschen, wenn er nur die Aussicht auf dieses eine Leben hat und ewige Strafe oder ewiger Lohn folgen auf die irdischen Taten, penibel überwacht von einem allgegenwärtigen Gott, der alles sieht und nie schläft.

Diese Mechanismen sind zu durchsichtig und allzu menschlich, als dass sie von den Göttern stammen könnten. Ich denke wir gehen konform in der Ansicht, dass nicht Gott den Menschen geschaffen hat, nach seinem Bild und Gleichnis, sondern umgekehrt: die Menschen stellen sich ihren Gott als eine Art Übermensch vor und wollen sein wie er. Die Lucifer- Story ist sicher jedem bekannt. Schließlich lautet das erste der christlichen 10 Gebote: Du sollst keine fremden Götter neben mir haben. Ödipus lässt grüßen!

Es ist gut, dass ich euch, quasi die Geschäftspartner eurer Götter, hier befragen kann.

Zitat von Advocatus Dei im Beitrag #11
Gott schläft im Stein, atmet in der Pflanze, träumt im Tier und erwacht im Menschen.


Sag mal Advocatus Dei, weiß Gott mehr als wir, weiß er, wie es weitergeht? Wenn er im Menschen erwacht, weiß er dann, noch verschlafen, so kurz nach dem Aufwachen gar nicht mehr als wir? Ist er zwar in Allem, ja Alles, aber gar nicht allwissend?

Aber was frage ich Dich. Ich habe den Verdacht, du weißt auch nicht mehr als ich. Und du auch nicht, Vertreter des Teufels. Interessant ist, dass Gott immer nur durch Propheten und Auserwählte spricht, die von sich selbst behaupten, sei seien, warum auch immer, auserwählt. Ein schwacher Beweis. Vor meinem Gericht nicht zulässig. Ich glaube euch kein Wort!
Wenn ein Gott mir was zu sagen hat, dann soll er es mir selber sagen. Wenn ich es nicht gleich verstehe, muss er einfach lauter sprechen. Er ist schließlich Gott...

Jedoch, eure Meinung ist mir willkommen, aber ich setze sie nicht über meine eigene.

Ach, und noch ein Dankeschön an euch: euren Äußerungen entnehme ich, dass Gott ein Prinzip ist, das viele Gesichter hat. Es ist völlig unnötig, dass die Anhänger eines der Gesichter Gottes gegen die kämpfen, denen ein anderes seiner Gesichter besser gefällt, vielleicht weil es Schlitzaugen hat oder schwarz ist oder weiß.
Glaubt man den östlichen Weisheiten und den christlichen Mystikern, so ist alles EINS. Alle Trennungen künstlich und das ICH und die Objekte die es wahrzunehmen glaubt Illusion.
Ich wünsche allen einen schönen Lebens(Liebes)film!


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RE: Stadt, Land, Fluß

#15 von Advocatus Diaboli , 25.06.2020 10:06

Zitat von petias im Beitrag #4
und das teuerste der Bande
wob, den Trieb zum Vaterlande!


Sag mal petias, war Schiller ein Neonazi?


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