Theorie und Praxis

#1 von petias , 10.06.2020 10:13

Zukunftspläne
10. September 2016

Wir führen ein bescheiden Leben,
mit fairem Anteil an der Welt.
Das Allernötigste wird‘s geben,
genügend Glück, doch wenig Geld!
An Luxusgütern nur,
die herrliche Natur.
Gedichte lernen oder schreiben,
neugierig bleiben.
Gedanken denken,
Liebe schenken,
wandern, laufen, radeln, schwimmen,
den Körper und die Seele trimmen.
Schreiben, tanzen, musizieren,
das Kreative auch probieren,
des Partners Haut und Seele spüren,
sich völlig im Gefühl verlieren,
sich nie gezwungen mehr beeilen,
Arbeit, Nahrung, Freude teilen.
Das Bisschen Geld ist leicht beschafft,
kein Glück bringt, wenn man immer rafft.
-------------------------------------------------------------Peter Matthias


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RE: Theorie und Praxis

#2 von petias , 11.06.2020 20:10

Entwicklung 1
Ein wichtiger Einschnitt in meinem Leben war die Ölkrise von 1973. Es gab einige autofreie Wochenenden im November, eine Maßnahme, durch die Öl (Benzin) gespart werden sollte. Die OPEC (Organization Petrol Exporting Countries) drosselte die Ölproduktion, um Druck auf die westliche Welt auszuüben, Israel nicht länger zu unterstützen, das gerade den Jom Kippur- Krieg gewonnen hatte. Die OPEC plante, die westlichen Verbraucher hinsichtlich des Öls auszuhungern. Sie sollten nicht mehr in der Lage sein, (es war November,) ihre Häuser zu heizen oder ihre Industrie am Laufen zu halten.
Das ist dann nicht gelungen, aber mir wurde zum ersten Mal so richtig klar, wie total abhängig unser Leben ist von externen Strukturen. Dreht jemand den Ölhahn ab, oder vielleicht gar den Strom, bricht alles zusammen.
ein Jahr zuvor hatte der Club of Rom seine Schrift: "Die Grenzen des Wachstums" herausgebracht. Ich hatte davon gehört. Unter dem Eindruck der Ölkrise beschäftigte ich mich ernsthafter damit. Eine Gruppe von Wissenschaftlern aus den verschiedensten Fachgebieten erklärten sehr anschaulich, dass das Wachstum, auf das alle setzten, seine Grenzen hat, weil die Rohstoffe begrenzt sind. Die Wissenschaftler rechneten vor, wann was ausgehen würde.
Als persönliche Konsequenz daraus zog ich mit ein paar Freunden in ein altes Haus mit großem Garten ein und wir bauten Gemüse an, hielten Hühner und Milchschafe, machten Käse und buken Brot. Den Freiraum hierfür ermöglichte uns ein Studium, Bafög und Studentenjobs.
Wie das Leben so geht, rückten Frau, Kinder und Beruf in den Vordergrund. Die alten Werte plätscherten im Hintergrund leise mit, aber ohne große Konsequenz. Erst als die Ehe geschieden und die Kinder aus dem Gröbsten raus waren, hatte ich den Freiraum für die alten und neue Gedanken.
Es hatte sich gar nicht soviel geändert. Der Kapitalismus, und damit die Religion des ewigen Wachstums hatten weltweit gesiegt. Die Knappheit der Ressourcen gab es immer noch, aber viel vordringlicher präsentierten sich die Umweltzerstörung und der Klimawandel. Der große Zusammenbruch stand immer noch, ja jetzt erst recht, unmittelbar bevor.
Aber jetzt gab es die Zeit für Konsequenzen.


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RE: Theorie und Praxis

#3 von okay , 11.06.2020 21:14

Vor allem hast du die Konsequenzen wirklich gezogen, ein aktives freudvolles ziehen. Viele hätten sich bestimmt melancholisch ergeben in Ihrer "Kleinigkeit" und wären mit ihrer Rente im Plattenbau nach und nach verkümmert xD... ok vllt nicht im Plattenbau , aber in einem minimalen Konstrukt von Zeitung lesen Kaffee trinken und mit dem Hund Gassi gehen. Du hast dir hier auf dem Lichthügel Möglichkeiten geschaffen, für dich und Gott oder auch dir seis dank auch Anderen. Deshalb, dass ist deiner Umsicht und Konsequenz zu verdanken, darf ich hier sein und an dem "projekt" ( das wort schreckt doch ab oder...Projekt...hmm, sagen wir lieber an einem "Heiterem Unterfangen") mit"arbeiten".... Keine Angst liebe Leser, eigentlich Faulenzen wir nur und Elons Musks Roborter bauen alles für uns :)


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RE: Theorie und Praxis

#4 von petias , 11.06.2020 23:32

Ja, welch ein Unterschied lieber Okay! Statt mit einem Hund Gassi zu gehen, sind es hier gleich zwei Katzen. Dazu die Schafe der Ute und ihre Mutter, die Hunde der Geli. Dazu die Ute, die Angelika, der Bruno, die Christina, die Angela, die Petra, all die Nachbarn und Freunde und Niko, und ganz besonders Du, das ist viel mehr als Platte, das ist OKAY! Dass das "Projekt" Gestalt annimmt, verdanke ich vor allem dir! Ich bin froh, auf Elon Musks Roboter verzichten zu können!

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RE: Theorie und Praxis

#5 von petias , 13.06.2020 10:04

Entwicklung 2
Aber wie könnten solche Konsequenzen aussehen? Die Zeiten, in denen man sich ein Ticket für ein Zwischendeckplatz auf einem Westindiensegler irgendwie verschafft hat um ins neue gelobte Land aufzubrechen waren vorbei und - wie wir heute wissen - führten über den Wilden Westen und Donald Duck zu Donald Trump! "Bleib im Land und nähre dich redlich" hat meine Großmutter immer gesagt. Und "Wozu in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah!"

Bei diesem Spruch hat der Volksmund ein Goethe Gedicht uminterpretiert
Erinnerung
Willst Du immer weiter schweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah.
Lerne nur das Glück ergreifen,
denn das Glück ist immer da!

----------------Johann Wolfgang von Goethe

Ja, ich hatte Glück. Die Wiedervereinigung! eigentlich war es ja ein Anschluss der DDR an die BRD. So hatten sich die ersten Montagsdemonstranten, die ihr Leben riskierten um ihren Staat zu verändern das eigentlich nicht vorgestellt. Es hätte sehr viel mehr Sinnvolles in diese Allianz übernommen werden können, als nur das Sandmännchen aus dem DDR- Fernsehen und der grüne Rechtsabbiegerpfeil des Schilderwaldes. Letzter wird wieder abgeschafft, bleibt das Sandmännchen. Das ist aber auch süß! Oder gibt es das auch nicht mehr? Auf dem konkreten Lichthügel gibt es keinen Fernseher und was wir gezielt auf unseren Laptops kucken, ist nicht das Betthupferl!
Jedenfalls gab es nach einigen Jahren Wende eine Flut an leerstehenden Häusern und viel billiges Land. Viele Ossis zogen ins Wessiland oder noch weiter weg und ich wusste von meinen beruflichen Reisen gleich nach der Wende, dass die Leute ganz normale Leute sind - es hängt sehr von einem selber ab, was man zurück gespiegelt bekommt - Und es viele schöne und waldreiche Gegenden gibt und viel Platz z.B. im äußerst dünn besiedelten MeckPomm. Mich, als einem Alpen- und Voralpenlandbewohner war der nahe Meeresspiegel, der zudem ja angeblich rasant anstieg, irgendwie unheimlich und mich zog es mit Macht in das grüne, mittelgebirgige Herz der Republik, nach Thüringen! Dort sollte es werden, mein Eldorado, mein agrarisches Goldland, wo ich den Lichthügel suchen und errichten wollte...

Denn die wichtigste Voraussetzung für mehr Unabhängigkeit von Großstrukturen ist ein Stück Land auf dem man wohnen und sich was zum Essen anbauen kann.
Die Kriterienliste für mein "Stück Deutschland" sah so aus:

• Haus mit Grundstück auf dem Lande bis max. 30.000 €
• Ferienhaus, kleines Bauernhaus, Landhaus etc.
• Möglichst großes Grundstück 500 m2 bis 10.000 m2 ...
• Eigenes Wasser wäre von Vorteil.
• Das Haus sollte nicht zu groß sein, bei weitgehender Eigenleistung
ohne zeitlichen Anschlag wieder Instand gesetzt oder neu aufgebaut
werden können
• als Hauptwohnsitz nutzbar sein.
• Gerne renovierungsbedürftig aber bewohnbar (Dach O.K.)
• Erschließung mit Strom Abwasser Gas etc. ist nicht erforderlich.
(Stromversorgung ist mittels Fotovoltaik geplant, Abwasser wird
durch Pflanzenkläranlage entsorgt. Der Einsatz einer Kompost Toilette
ist vorgesehen. Heizung erfolgt ausschließlich mit Holz )
• Irgendwo in Deutschland, z.B. Thüringerwald, Erzgebirge, Harz ..
Das bevorzugte Suchgebiet ist Thüringen, wegen seiner
Mittelgebirgslage im Herzen Deutschlands, nicht soweit von Bayern
weg und nicht ganz im Osten!
• Mindestens 100m über dem Meeresspiegel gelegen
• nicht in einem überschwemmungsgefährdeten Tal oder Mulde
• nicht an einem abrutschgefährdeten Hang.
• Die Nähe von viel Natur, vorzugsweise Wald wäre wünschenswert.
• Die Erschließung durch feste Straße ist nicht erforderlich. Feldweg
reicht.
• möglicher Telefonanschluß (Internet) wäre von Vorteil aber nicht
Bedingung.
• Die baurechtlichen Bedingungen und die eventuell vorhandene
Nachbarschaft sollte eine oben beschriebene Lebensweise ermöglichen.
• Der Platz soll die nächsten Jahre im Urlaub entwickelt werden,
und später als Altersruhesitz dienen.


Im September 2008 war es dann soweit, ich unterschrieb den Kaufvertrag für einen verlassenen Hügel mit einem Haus darauf, das 100 Jahre älter ist als ich. Da war er, mein Lichthügel!


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RE: Theorie und Praxis

#6 von petias , 14.06.2020 17:31

Entwicklung 3
Nach der Vertragsunterzeichnung fuhr ich erst mal wieder zurück nach München und setzte mein normales Leben fort. Es dauerte Monate, bis alle Formalitäten geklärt waren. Die Grundstücke (es waren mehrere Flurnummern) mussten erst mal gegen eventuelle Ansprüche geprüft werden, die vielleicht durch das Regime der DDR verlorengegangen waren, es musste eine Freigabe durch das Land, den Landkreis, den Naturschutz etc. erfolgen. In der Zwischenzeit machte ich mir so meine Gedanken, ob das alles letztlich so eine gute Idee gewesen war. In meiner Erinnerung wurde der Hügel immer steiler, die Hochspannungsleitung, die ich in der Nähe gesehen hatte, rückte immer bedrohlicher an das Haus heran und das Haus wurde in meiner Erinnerung baufälliger und verrotteter. Als ich das nächste Mal mit dem Zug da ankam, war es Winter schon dunkel und es hatte -18 Grad C. Vom Bahnhof Neuhaus aus sind es auf der Bundesstraße gut 7 km. Ich nahm eine Abkürzung durch den Wald, die mich direkt, zum Lichthügel gebracht hätte, hätte ich mich nicht verirrt. Als ich endlich dort ankam, war es Mitten in der Nacht und ich hatte noch großes Glück gehabt, überhaupt wieder hinzufinden. Der einzige funktionierende Ofen stand in der kleinen Küche. Irgendwie schaffte ich es den Ofen anzuschüren. Immer wieder musste ich die Taschenlampe mit der Kurbel aufladen. Durch die Kälte und das lange Herumirren im Wald war der Akku recht schwach geworden.
Das Feuer im Ofen, so eine alte eingestaubte und eingerostete Küchenhexe, brannte zwar und im Keller gab es sogar noch Kohlen vom Vorbesitzer, aber warm werden wollte es nicht so recht in der ausgekühlten Küche.
Im Morgengrauen gelang es mir endlich, in Schlafsack und Isomatte direkt neben dem Ofen campierend, einzuschlafen.
Ich blieb ein paar Tage, ging viel spazieren, in Abwechslung mit Indoor- Camping. Ich beschloss mir demnächst Schneeschuhe und Langlauf Ski zu besorgen. Insgesamt war ich mit meiner Erwerbung aber recht zufrieden. Das Dach war dicht, der Hügel gefiel mir, die Hochspannungsleitung war dann doch ca. einen Kilometer weit vom Haus weg und die Landschaft war fantastisch!


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RE: Theorie und Praxis

#7 von okay , 14.06.2020 19:41

Ich merke das abenteuerliche, dass dich gereizt hat und Wiedrigkeiten zu trotzen wurde mittlerweile zu deinem Hobby. Jede Harte zen und Buddhismusgemeinde müsste die Nagelbretter schärfen wenn du zu besuch kämst :) Naja wir wollen uns ja Angenehmlichkeiten bewahren und erst im Notfall, wenn wir merken der Geist bequemt sich, dann müssen wir noch minimalistischer werden und vor allem uns reduzieren und kargen^^ ...aber ich denke bis dahin haben wir noch was zu tun, steht ja noch etwas an hier auf dem Hügel:) Danke für deine lieben worte. Gab auch kurzfristige Zeiten hier bei meinem ersten Besuch, wo ich mal die Lust verloren hatte. Peter sein Radlschuppen musste er zb ganz alleine aufbauen, obwohl ich da war :) Schätze es gibt immer mal lustvolle Bauzeiten und eher welche wo man auf nix lust hat^^^ Aber mittlerweile wo sich das Projekt deutlicher darstellt und immer greifbarer wird, macht es umso mehr Spaß. Auf gute Zeiten


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RE: Theorie und Praxis

#8 von petias , 14.06.2020 20:38

Lieber okay,
keine Angst, die Schilderung aus dem Schnipsel 3 über meinen ersten Lichthügelbesuch im Winter ist nicht Programm, sondern reine Historie! Aber es soll hier aus meiner Sicht auch gar nicht um Historie gehen, sondern um Theorie und Praxis oder man könnte auch sagen um Anspruch und Wirklichkeit. Und das sind sehr dynamische Konzepte!


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RE: Theorie und Praxis

#9 von petias , 15.06.2020 11:51

Entwicklung 4
ja, Anspruch und Wirklichkeit. Die Zeit ging ins Land. Meine Besuche auf dem Lichthügel waren dünn gesät und eher kurz. Es gab ein paar Renovierungsarbeiten, ein Bisschen Entrümpelung und viele Wanderungen, die mir die Gegend näher brachten. In der Zwischenzeit entwickelte sich das im Beitrag "Warum Lichthügel" erwähnte AKANZU- Forum. Der Niko war einer der Forumskollegen. Er suchte eine neune Bleibe und war bereit als erster ab dem Januar 2012 auf dem Lichthügel zu wohnen. Es gab keinen Stromanschluss, keine funktionierende Heizung nur einen Holz und Kohleofen für sein Zimmer und den schon erwähnte Küchenherd. Es gab ein 75 W Solarpanel für Licht und Laptop. Da das überhaupt nicht reichte, bald darauf zusätzlich 2 150 W Panel und eine Solarbatterie. Die Kohlen vom Vorbesitzer lagen immer noch im Keller, und so hat er irgendwie überlebt!
Mit Hidalgo aus dem damaligen Forum entwickelte sich eine enge Verbindung wir hatten uns zweimal im realen Leben getroffen, täglich telefoniert und beschlossen zusammen mit ihrem Pferd und Hund zum Lichthügel zu ziehen. Im August war es so weit. Umzug, erste Baumaßnahmen. Aus dem alten Schuppen wurde ein Offenstall für den Kleinen (das Pferd), Einzäunen der Weide etc.
Aber mit einer Frau zusammenzuziehen brachten einige Kompromisse. Zuerst, Niko fand es auch sehr gut, wurde Strom eingerichtet. In der ersten Zeit duschten wir mit Duschsack. Ein Kunststoffbeutel mit Brausekopf, den man in der vorhandenen Duschkabine aufhängen konnte. Die 5 Liter Warmes Wasser, die der aufnahm waren für mich kein Problem. Die schönen langen Haare von Hidalgo brauchten in der Regel eine zweite Füllung.
Als der Winter näher rückte, entschloss ich mich den örtlichen Installateur zu bitten die vom Vorgänger noch vorhandenen Gasheizung daraufhin zu überprüfen, ob sie zu reaktivieren wäre. Tatsächlich bekam der das irgendwie hin und wir hatten eine Kombithermengasheizung. Die erwünschte Unabhängigkeit von Strom und Gasanbietern wurde vertagt.
Dem Gedicht von Goethe "An Belinden" brachte ich ein ganz neues Verständnis entgegen:

An Belinden
Warum ziehst Du mich unwiderstehlich
ach in diese Pracht?
War ich guter Junge nicht so selig
in der öden Nacht?

Heimlich in mein Zimmerchen verschlossen,
lag im Mondenschein,
ganz von seinem Schauerlicht umflossen -
und ich dämmert ein.

Träumte da von vollen goldenen Stunden
unvermischter Lust,
hatte schon Dein liebes Bild empfunden
tief in meiner Brust.

Bin ich's noch, den Du bei soviel Lichtern
an dem Spieltisch hälts,
oft so unerträglichen Gesichtern
gegenüber stellst?

Reizender ist mir des Frühlings Blüte
nun nicht auf der Flur.
Wo Du, Engel, bist ist Lieb und Güte
wo Du bist, Natur!
-------------------------Johann Wolfgang von Goethe


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RE: Theorie und Praxis

#10 von petias , 16.06.2020 11:27

Entwicklung 5
Nur um Missverständnissen vorzubeugen: Meine Partnerin hatte nicht das geringste mit "vielen Lichtern" und "Spieltischen" zu tun, wie das Gedicht aus Schnipsel 4 andeuten könnte. Wir hatten eine sehr gute Zeit. Wir pflanzten Obstbäume, legten Hochbeete an, bauten ein Gerüst für Kiwis (bis heute ist es uns nicht gelungen auf dem Lichthügel welche zu ziehen. Warum auch, Kiwis sind Stachelbeeren (chineese goosberries), die groß und süß gezüchtet wurden und von Neuseeland aus (die Neuseeländer werden auch Kiwis genannt, wegen des nur dort lebenden nachtaktiven flugunfähigen Vogels, dem Kiwi bird) unter dem Namen Kiwis vertrieben. Ich habe in Northland bei KeriKeri, in Neuseeland selbst auf einer Kiwi- Plantage gearbeitet. Daher wohl auch das Interesse, aber es ist Unsinn für den Lichthügel. der auf einer Höhe (das Haus, der Rest etwas höher) von 640m über dem Meeresspiegel liegt). Wir haben dann noch eine winterharte Zwergkiwi- Art probiert, dessen Früchte sahen dann schon fast wieder aus wie Stachelbeeren. Was solls. ich mochte immer schon Stachelbeeren und die wachsen hier ohne Probleme! Die Pflanzendesigner lassen sich erstaunliche botanische Kapriolen einfallen, um Absatz zu generieren. Kürzlich wurde uns eine neue Topfpflanze geschenkt, eine TomPot, eine Tomato Potato- Pflanze. Oder war es PotTom? Über der Erde Tomate und unter der Erde Kartoffeln. wir haben sie zu unseren Kartoffeln gepflanzt, zu den Frühjahrsturbos im Hochbeet. Mal sehen, was dabei herauskommt. Sollte wir wieder eine bekommen, stellen wir sie mal in einen der mit Klappdacht versehenen Tomatenstände, die okay diese Jahr gebaut hat.
Wir gingen täglich mit dem Hund joggen und eine(r) von uns noch zweimal spazieren, holten Quellwasser in Flaschen mit dem Rucksack durchs Gelände, im Winter mit Langlaufskiern. Wir machten Heu und bastelten am Haus...
Eine sehr schöne Zeit!
Völlig überraschend starb der Kleine (das Pferd) Es war vermutlich eine Darmverschlingung. Hidalgo, die seinetwegen eine begnadete und erfolgreiche Huforthopädin geworden war, ein Beruf, der ihr aufgrund eines Rückenleidens aber eigentlich zu anstrengend war, suchte neue berufliche Wege. Sehr auf mein Betreiben ergatterte sie mit viel Glück (oder höheren Plan?) eine Internatsausbildung zur Heilpraktikerin an einer der führenden deutschen Schulen in diesem Bereich. Die war hoch im Norden, unweit ihrer alten Heimat (noch mehr Vorsehung?)
Wir sind noch immer gute Freunde und ich mag auch ihren Mann sehr und die Beiden passen fantastisch zusammen!
Der Niko hatte bei dem Pärchen, bei dem er wohnte nicht die große Perspektive gesehen und sich im Dorf ein eigenes Haus gekauft. Das Geld dafür hat er sich geliehen. Es war nicht wirklich viel, die meisten Gebrauchtwagen sind teuerer.
Ich war wieder allein!


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RE: Theorie und Praxis

#11 von okay , 17.06.2020 20:35

und jetzt biste nicht mehr alleine, vllt teils zu deinem Leidwesen xD...hehe ne glaube ich nicht, die Vergangenheit existiert noch in unseren Köpfen und für die Zukunft pflanzen wir samen. Ich bin guter Dinge dass allles so wird wie du es dir wünscht mit einigen dingen die du dir nicht wünscht, so zum lernen


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RE: Theorie und Praxis

#12 von petias , 17.06.2020 21:08

Ja stimmt, ich bin mit der Entwicklung sehr zufrieden und du hast einen großen Anteil dran!


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RE: Theorie und Praxis

#13 von petias , 18.06.2020 11:25

Entwicklung 6
Das Alleinsein hatte auch was Gutes. Ich bin mehr auf die Leute im Dorf und Umgebung zugegangen und konnte mich besser in der Gegend integrieren. Bei der verpassten Gelegenheit in Sachen Partnerschaft hat mir ein Gedicht von Eugen Roth sehr geholfen:

Versäumte Gelegenheiten

Ein Mensch, der von der Welt bekäme,
was er ersehnt - wenn er's nur nähme
bedenkt die Kosten und sagt: Nein!
Frau Welt packt also wieder ein.

Der Mensch - nie kriegt er's mehr so billig! -
Nachträglich wär er zahlungswillig...
Frau Welt, noch immer bei Humor,
legt ihm sogleich was andres vor.

Der Preis ist freilich arg gestiegen.
Der Mensch besinnt sich und lässts liegen.
Das alte Spiel von Wahl und Qual,
spielt er ein drittes, viertes Mal.

Dann endlich ist er alt und weise
und böte gerne höchste Preise.
Jedoch, sein Anspruch ist vertan.
Frau Welt, die bietet nichts mehr an.

Und wenn,dann lauter dumme Sachen,
die nur der Jugend Freude machen,
wie LIEBE und dergleichen Plunder
statt Seelenfrieden mit Burgunder!
------------------ Eugen Roth
Für den Burgunder muss ich mir noch was überlegen, aber mit dem Seelenfrieden läuft es schon ganz gut!


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RE: Theorie und Praxis

#14 von okay , 18.06.2020 23:01

mit dem Burgunder kann ich mir ja was überlegen, zb. ihn trinken, immerhin liegt im wein die Wahrheit ( kenne auch den latainischen Auspruch, aber leider fehlts an dem Schrieb …ok ich probiere es grml … in vino Veritas ( habs versucht))

Gefällt mir der Eugen. Nimm friss oder stirb. Im Falle von deinem Gedicht scheint er zu sehr bewogen zu haben, ist dann durch die Einschätzung und das Abwiegien seiner Möglichkeiten stark ins Hintertreffen gekommen. ich hab schon ein bisschen Mitgefühl mit ihm. Wobei er natürlich ein Egopenetranter Kerl ist. Hmm.


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RE: Theorie und Praxis

#15 von petias , 23.06.2020 09:57

Entwicklung 7
Das Jahr meines 65 Geburtstag war ein Jahr des Übergangs. Die Arbeit, ich hatte die letzten Jahre im Home- Office gearbeitet, ging zu Ende. Die neue Rentenregelung wollte mir einen kompletten Sommer der Freiheit nehmen und ich war nicht einverstanden. Es gelang mir diese letzte halbe Jahr weitgehend zu retten. Der Okay, den ich schon aus dem ersten Forum kannte, und mit dem ich, wie mit den meisten damaligen Forumsmitgliedern, in Verbindung geblieben war, kam mich besuchen.
Ich kann mich noch gut an diesen Mittwoch im Juli (2017) erinnern. Am Morgen sammelte ich zu Hunderten die Nacktschnecken ab, dieser Spanienimport, der mit dem Gemüse zu uns kam. Es war regnerisch und bei Feuchtigkeit sind die Biester besonders aktiv. Ohne zweimal tägliches Absammeln hätte ich wohl kaum Gemüse geerntet.
Ich radelte nach Suhl, wo er mit dem FlixBus aus Hamburg ankommen sollte. Mit Rad. In Suhl angekommen, stellte sich heraus, dass er gar nicht in Suhl, sondern in Zella-Mehlis, einige bergige Kilometer entfernt angekommen war. Wir wollte aufeinander zu radeln und in der Mitte treffen. Wir verfehlten uns prompt, aber dank Handykommunikation trafen wir uns schließlich. Es war schon abends um 18:30 immer wieder sprühregnend, als wir uns den ewig scheinenden Anstieg hinauf nach Schmiedefeld am Rennsteig machten. Ab 20 Uhr hielten wir Ausschau nach einem geeigneten Nachtplatz. Nichts überzeugte uns so recht und so landeten wir schließlich auf dem völlig verwaisten Bahnhof Rennsteig. Hier hält nur am Wochenende ein Zug, der von Ilmenau aus hier herauf pendelt. Das ist Deutschlands steilste Bahnstrecke für nicht Zahnradbahnen. Der Bahnhof ist erstaunlich groß, für Touristen auf alt hergerichtet. Es gibt einen Speisewagen, der als Restaurant
genutzt werden kann. Wir machten es uns auf dem Bahnsteig bequem mit Isomatte und Schlafsack. Am Morgen zeigte das Bahnhofsthermometer vier Grad Celsius. Dabei, um mit Rilke zu sprechen, "... der Sommer war sehr groß". Es war windig, regnerisch und 747 Meter über dem Meer.
Weiter gings nach Neustadt am Rennsteig und dann nach Massaberg. Alles immer wieder richtig bergig. Okay war etwas schneller als ich, aber auch 30 Jahre jünger, tröstete ich mich. Aber, aus Hamburg nicht so sehr an diese Berge gewöhnt, spielte sein Knie nicht mehr mit. Wir mussten mit einem Taxi zum Lichthügel fahren, das groß genug war, auch unsere Räder aufzunehmen. Heute passiert ihm sowas nicht mehr. Bei der Fahrradtour letztes Wochenende durch ähnliches Gelände fuhr er immer vorneweg.

Am Tag darauf kam Niko zu Besuch, ein weiters Forumsmitglied, das sich unterhalb des Lichthügels ein Haus an der Lichte gekauft hatte. Wir saßen am damals noch sehr provisorischen Lagerfeuerplatz und es reifte der Gedanke, immer wieder nieselte es, einen überdachten Lagerfeuerpavillon zu bauen.
Aber zunächst bauten wir zusammen das kleine Bausatz- Gewächshaus auf, dass schon ein Jahr bei mir herumlag. Der Pavillon, auf Okays Wunsch sechseckig, war unser zweites Projekt. Noch im August war die Einweihungsfeier.
ALs nächstes Bauprojekt folgte der Fahrradschuppen neben der Straße. Nebenbei wurden Bäume gepflanzt. Die Arbeiten gingen so richtig voran. Leider fuhr Okay im November erst mal wieder zurück nach Hamburg!


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