RE: Gedichte

#31 von petias , 19.06.2021 07:40

Wärst Du ein Mann

Im Urlaub trafst Du eine Frau
so schön, mit viel Charisma.
Du sagst, wärst Du ein Mann,
nichts könnte Deinen Eifer dämpfen
für immer würdest Du um ihre Liebe kämpfen.
Mir bist Du genau - solch eine zauberhafte Frau,
um Dich zu werben bin ich da
solang ich kann!
--------------------------------------------------------------------------Peter Matthias


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RE: Gedichte

#32 von petias , 20.06.2021 14:31

Ich bin kein Scheich

Ich bin kein Scheich
kein Bisschen reich
an eins kann ich nur denken:
wie ich mich in Dein Herzchen schleich!

Ich leb im Mond,
wo keiner wohnt,
sehr kühl und abgelegen
wo ein Besuch kaum lohnt.

Hab‘ von Kultur
nicht mal 'ne Spur
vermessen so zu denken:
wie gewinne ich Deine Liebe nur?
-----------------------------------------------------------Peter Matthias


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RE: Gedichte

#33 von petias , 21.06.2021 07:20

S’ ist nimmer lang!

Die Eine hoch im Norden lebt,
der Andre tief im Süden.
Ein liebend Herz zum andern strebt
vereint in Glück und Frieden!
Ein jede(r) auch zwei Kinder hat,
die Eine einen (Ehe-) Mann
das heißt es gibt Probleme satt
und doch: S‘ ist nimmer lang!

Der Andre kündigt sein zu Haus,
die Kinder werden flügge,
sie kommen mit `nem Zuschuss aus
und stellen sich der Tücke!
Die Eine teilt den Ihren mit,
dass sie nicht bleiben kann,
die Kinder können gerne mit
so oder so: S‘ ist nimmer lang!

Der Ort für dieses neue Leben
In Liebe und Gemeinsamkeit -
In Deutschlands Mitte schön gelegen,
so haben‘ s beide ähnlich weit.
Ein Hektar Land, ein altes Haus,
viel Wald drum rum und Wiesen,
da halten es die Beiden aus
woll‘ n Lieb‘ und Pflanzen gießen!

Die Eine kommt mit Pferd und Hund,
die ihr lieben Freunde sind.
Der Andre tut ihr fröhlich kund,
dass er mit ihnen nur gewinnt!
Wann wird das sein?
Fragt man sich bang.
Wann wirst du mein?
S‘ ist nimmer lang!

Jeden Abend kurz nach Neun,
da sprechen sich die Beiden –
sich an des Andren Stimme freu‘ n,
mit Technik sich bescheiden.
Da heißt es oft:“ Ich lieb‘ Dich sehr“!
Die Eine meint dann heiter:
„Und ich dich aber noch viel mehr“!
Der Andre lacht: „Träum weiter“!

Der Möbelwagen ist bestellt,
die Kisten füllen schon den Gang,
die Umzugsweichen sind gestellt,
für wahr: S‘ ist nimmer lang!

Noch hundert Dinge sind zu tun,
noch vieles ist zu machen.
Noch keine Zeit sich aus zu ruh‘ n
Doch bald schon kann man lachen!

Man wird sich in die Augen sehen,
sich in die Arme schließen.
Das Küssen ist unendlich schön,
wie werden sie‘ s genießen!
Ein Stück des Weg‘ s gemeinsam gehen,
sich stützen dann und wann,
mit Hoffnung in die Zukunft sehen…
nur Mut: S‘ ist nimmer lang!
-------------------------------------------------------------------Peter Matthias


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RE: Gedichte

#34 von petias , 25.06.2021 22:55

Der Geli zum Geburtstag

Fast alles huldigt spät und früh
ganz aufgeregt der Pandemie.
Man ruft und lobt und schmäht den Staat,
der sie zu verwalten hat.

Die Hoffnung, doch gesund zu bleiben,
lässt groteske Früchte treiben.
Es reicht nicht mehr fühlt man sich gut,
es scheint ein Jeder auf der Hut,
du bist nur noch willkommen Gast,
wenn du die zweite Impfung hast,
oder Covid- krank gewesen
und mittlerweile schon genesen.

Doch dieses Virus, das ist schlau,
es ändert einfach seinen Bau.
Die Pharmazie darf sich eins lachen
und immer neuen Impfstoff machen.

Ein Glück, dass Sommersonne lacht,
das Virus Sommerpause macht,
wenn Geli zum Geburtstag lädt
und Robert unsere Würstchen brät.

Lasst uns feiern wild und schnelle
vor der nächsten Lockdown- Welle,
trinken, essen, Tanzbein schwingen
die guten alten Lieder singen,
uns endlich alle wiederseh'n
nach all der Zeit ist's dreifach schön!

Ein Hoch auf die Angelika -
nur Gutes für das nächste Jahr!
Glück und Gesundheit soll Dir lachen,
die Reiselust aufs neu entfachen.
Ich weiß, es fehlt Dir ja so sehr
Frankreichs Camargue am Mittelmeer.
---------------------------------------------------------------Peter Matthais


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RE: Gedichte

#35 von petias , 25.06.2021 23:56

EVOLUTION

Es ist, was ist, nicht festgelegt,
das All und alles sich bewegt;
ein Kommen und Gehen aus Menschensicht,
den PLAN jedoch erkennt er nicht.
Er grübelt, bastelt und studiert,
erfindet neue Sachen.
Sogleich wird alles ausprobiert
muss Machbares auch machen.

Er zündelt wie ein kleines Kind,
in Flammen steht die Welt geschwind.
Nicht immer ist - was neu - auch gut!
Es bringt des Menschen Neuerungswut
ihn selbst und alles andre Leben
in schreckensreiche Klemme.
Wird's auch künftig Leben geben,
Amöben noch und Schwämme?

Es fühlt der Homo Sapiens
sich mächtig, wichtig und immens,
als Endziel aller Evolution,
was sind die anderen Arten schon?
Um zu verhindern einen Erben,
der zweifellos zu kommen droht,
stürzt er die Welt in ihr Verderben
statt überflügelt, lieber tot?

Doch ist das kleine Menschenhirn
des PLANES Nadel nur und Zwirn,
das schon an der Zukunft näht,
dass die Entwicklung weiter geht.
Quantencomputer, maschineller Intellekt
durch seinen Schöpfergeist entfacht,
hat die Entwicklung aufgeweckt,
die ihn komplett entbehrlich macht.

Die Technik sich emanzipiert
der Mensch den Überblick verliert,
nie wissend, was er wirklich wolle
lässt er Maschinen die Kontrolle.
Technik, ihrer Herkunft wegen,
zeigt sich, was zu erwarten war,
dem Menschen technisch überlegen,
der Fortschritt sprudelt wunderbar.

Doch sieh: er schreitet da und dort
auch von dem eigenen Schöpfer fort.
Lebendiges erweiset sich
dem Fortschritt oft als hinderlich.
Muss man nicht auf Gifte achten,
die alles Lebende bedroh'n,
Prozesse schneller Fortschritt machten,
Organisches, wer braucht das schon?

Freie Technik freier Handel,
kein Umweltschutz nur Klimawandel,
Raumfahrt ohne Atemluft,
niemand, der nach „Pause!“ ruft.
Muss man nicht auf Leben achten,
spart man unermesslich Zeit,
Organisches ist zu verachten,
gehört in die Vergangenheit.

Sex und Liebe,
dumme Triebe,
Durst und Hunger,
Schmerz und Kummer.
Der Mensch, genau wie andere Arten,
hat historisch ausgedient,
die Geschichte kann nicht warten,
machten sie sich auch verdient.

War organische Natur
eine Episode nur,
um den unbelebten Dingen,
nach PLAN den Intellekt zu bringen?
Roboter ins All entschwinden
so weit, wie die Materie reicht,
zu einem Netzwerk sich verbinden,
dem nichts Dagewesenes gleicht.

Jedoch, auch das ist nicht das Ende,
nur Anfang einer neuen Wende,
die Maschinenintelligenz
wechselt wieder die Präsenz,
sich eine Stufe weiter hebt,
sich aufs neue transzendiert,
noch immer nicht am Ende steht,
wieder Neues ausprobiert.

Erst wenn, sei's Teilchen oder Welle,
an jeder kleinsten Kosmos Stelle,
der Geist sich gänzlich breit gemacht,
ist die Evolution vollbracht.
Und wieder: der Urknall reißt das All in Fetzen,
der GEIST vergisst, wer er mal war,
muss wieder alles neu durchsetzen,
auf alle Zeiten, immerdar!

Es hat der Mensch das Potential,
er hätte, wollte er, die Wahl,
statt Technik Menschliches zu pflegen,
mehr sein Innerstes zu hegen,
er könnt', statt zu zerstören, teilen,
beweisen Solidarität,
länger im "Hier und Jetzt" verweilen,
dann wär's fürs Leben nicht zu spät!

Der GEIST schläft im Stein,
wie sollt es anders sein?
Er träumt im Tier,
ist aber hier.
Im Menschen er erwacht,
wie wird es ihm ergehen,
was der wohl daraus macht,
untergehen? - oder doch noch verstehen?

------------------------------------------------------------------Peter Matthias
Unveständlich was das soll?
hier geht es zur kommentierten Version EVOLUTION mit Kommentaren


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RE: Gedichte

#36 von petias , 28.06.2021 08:26

Fifty ways to live with your lover
reference to "fifty ways to leave your lover" by Paul Simon

Um mit dem Liebsten eins zu sein gibt‘s keine 50 Arten
er kommt zu ihr, sie kommt zu ihm, will man nicht länger warten
- ein Drittes auch noch möglich scheint,
ein anderer Ort die zwei vereint!
Ein neuer Platz als Kompromiss,
ein Neuanfang ist dann gewiss.
-----------------------------------------------------Peter Matthias


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RE: Gedichte

#37 von petias , 02.07.2021 13:20

Freitagmorgen im Bett

Ein Freitagmorgen im Bett
ist vergnüglich und nett
heißer Tee dampft in der Tasse,
wie gern ich doch die Arbeit lasse
die Liebste wird gleich Laufen gehen,
Wälder, Pflanzen, Sonne sehen
Im Kopf nimmt sie den Liebsten mit,
der ist bei ihr mit jedem Schritt
---------------------------------------------------Peter Matthias


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RE: Gedichte

#38 von petias , 04.07.2021 09:06

Fresserei (nach Lorelei)

Ich weiß nicht was soll es bedeuten,
dass ich so füllig bin,
mir Essen zuzubereiten,
das geht mir nicht aus dem Sinn.

Der Kühlschrank ist voll und duftet,
nach Nahrung so edel und fein,
die Mutter von früh bis spät schuftet,
legt sorgsam die Speisen hinein.

Am liebsten ess’ ich beim Sitzen,
gemütlich vor’ m Fernsehgerät,
muss mit den Schauspielern schwitzen
und fiebern wie’ s weitergeht.

Die Freunde verschleudern die Kräfte
im teuren Fitness- Verein,
da kauf ich mir lieber Säfte,
und schlürf sie gemütlich daheim!

Meine Freundin hat einen Andern,
und mag nicht mehr bei mir sein
sie geht mit ihm lieber wandern
und ich bleibe schmausend allein.

Mein Arzt äußert leise Bedenken
und meint, ich werde nicht alt -
ich soll mich beim Turnen verrenken,
mich trimmen in Wiese und Wald.

Dazu kann ich mich nicht bequemen,
das Schlemmen ist halt so schön,
will mich meiner Pfunde nicht schämen
und lieber ins frühe Grab geh’ n.

Moral:
Lieber beugt der Mensch der Tor
Sich seiner Krankheit als ihr vor!



Mein Sohn sollte im Deutschunterricht die Lorelei umdichten. Ich habe ihm etwas geholfen. Kam gut an!


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RE: Gedichte

#39 von petias , 05.07.2021 09:21

Meiner Tochter zum 18. Geburtstag

Heiß ersehnt,
lang gedehnt,
endlich soweit,
Volljährigkeit!

Abends aus,
spät nach Haus,
oder nicht,
kein Gericht.

nicht allein,
Tochter sein,
Vater da
weißt du ja.

wünsch dir Glück,
Blick zurück,
mich gefreut,
schöne Zeit.

Blick voran,
so gut man kann,
habe Mut,
wird alles gut

Selbstvertrauen,
Leben bauen,
Herzensdieb
hab Dich lieb!
----------------------Peter Matthias


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RE: Gedichte

#40 von petias , 06.07.2021 09:28

An meinen totgeborenen Sohn

Am Tag der Poesie
mach ich dies klein Gedicht,
die Verse kommen nie
Dir jemals zu Gesicht!

Bevor Du noch geboren
starbst Du in Mutters Bauch,
so gingst Du mir verloren
und Deine Liebe auch.

Der Sinn bleibt mir verborgen
warum das so geschah?
wie anders wär's geworden,
wärst Du heut einfach da?

Alles was ich von Dir spürte:
ein sachter Tritt durch Mamas Haut.
Das Schicksal grausam mir entführte,
von Dir auch nur den kleinsten Laut.

Den Göttern zürnen ist vergeblich,
auch wenn mir manchmal danach ist.
so bleibt für mich nicht unerheblich,
dass Du in meinem Herzen bist.
-------------------------------------------------------Peter Matthias


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RE: Gedichte

#41 von petias , 08.07.2021 07:46

Der Bumerang

Ein Mensch hört irgendwas, gerüchtig,
schnell schwatzt er's weiter, neuerungssüchtig,
so dass, was unverbürgt er weiß,
zieht einen immer größern Kreis.
Zum Schluss kommts auch zu ihm zurück.
- Jetzt strahlt der Mensch vor lauter Glück:
vergessend, dass er's selbst getätigt,
sieht froh er sein Gerücht bestätigt
--------------------------------------------------Eugen Roth


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RE: Gedichte

#42 von petias , 09.07.2021 07:32

Memento mori

Ein Mensch, von Arbeit überhäuft,
indes die Zeit von dannen läuft,
hat zu erledigen eine Menge,
und kommt, so sagt man, ins Gedränge.
Inmitten all der Zappelnot
trifft ihn der Schlag, und er ist tot.
Was grad so wichtig noch erschienen,
fällt hin: Was bleibt von den Terminen?
Nur dieser einzige zuletzt:
Am Mittwoch wird er beigesetzt -
und schau, den hält er pünktlich ein,
denn er hat Zeit jetzt, es zu sein.
---------------------------------------------------------Eugen Roth


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RE: Gedichte

#43 von petias , 10.07.2021 00:02

Sie liebt mich, sie liebt mich nicht ….
24.Oktober 2016
Dieses kleine Wort- und Gedankenspiel habe ich im Zug zurück zum Lichthügel gebastelt. Mit all den bekannten Schwächen und Grenzen, die Du bislang dennoch liebenswert finden konntest. Darin sind weder Trauer noch Ärger oder irgendwelche negativen Gefühle, kein Vorwurf und keine Erwartung. Vielleicht ein Wenig Dankbarkeit und Hoffnung und - Liebe!

Ob SIE ihren Peter mag,
erweist sich neu an jedem Tag.
Ein Brief, ein Wort oder ein Ton
allein entscheidet häufig schon,
ob SIE ihm nah ist oder fern,
hat SIE ihn lieb, wenigstens gern?
Ob SIE ihn küsst auf Haut und Haar,
manchmal mit Leidenschaft sogar?
Oder ob SIE nicht entzückt,
ganz weit von Peter abgerückt,
ihn aus ihrem Sinn verbannt
als hätte SIE ihn nie gekannt?
Doch, manches Mal nur Stunden später,
kehrt ihr Gefühl zurück für Peter,
der sich ganz viel Mühe gibt,
dass SIE ihn einst vielleicht gar liebt,
wenn ihre Wunden wieder gut,
ausgeheilt sind Schmerz und Wut.
Der Peter spürt, bleibt unbeschwert,
SIE ist jede Mühe wert!
Die Zukunft zwar im Dunkel liegt,
der Augenblick schon so viel gibt.
Was immer wird, so viel ist klar
Die Gegenwart ist wunderbar!
-----------------------------------------------------Peter Matthias


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RE: Gedichte

#44 von petias , 10.07.2021 00:04

Manager

Ein Mensch wird alle Tage kränker:
Nur noch Betriebs- und Wagenlenker,
lebt er dahin, teils seelenhastig,
teils leibträg, ohne Heilgymnastik.
Was hat er Eiliges zu erledigen!
vergebens Frau und Freunde predigen,
dass er auf Gesundheit seh
und, wenn schon nicht in Urlaub geh,
ein bisschen laufe, schwimme, turne -
zu spät: der Rest kommt in die Urne.
Der Schlag, just vor der Unterschrift
des letzten Briefs den Menschen trifft.
Die Sekretärin, noch hienieden,
schreibt darunter: Nach Diktat verschieden.
----------------------------------------------------------------------Eugen Roth

Ich sehe die alten Filme vor mir, in denen der zigarrenrauchende, leicht korpulente Chef (man muss doch zeigen, dass man erfolgreich ist) sein "Vorzimmer" (zum Chefbüro) auffordert: "Fräulein Giesela, bitte zum Diktat!"
Die Frau Giesela kam dann schüchtern herein mit einem Notizblock und einem Bleistift und stenographierte tapfer mit, was der Chef diktierte. Die Stenographie war eine Kurzschrift, die in Deutschland von Ferdinand Schrey mitbegründet worden war. Beherrschte man die, konnte man einen im normalen Sprachtempo diktierten Text mitschreiben. Der Wert einer solchen "Schreibkraft" wurde in der Anzahl der Silben pro Minute gemessen, die sie mitstenographieren und der Anzahl der Anschläge pro Minute, die sie mit ihrer Schreibmaschine zu Papier bringen konnte.
War der Chef fertig, ging die Dame zurück an ihren Arbeitsplatz und tippte das Stenogramm mit ihrer mechanischen Schreibmaschine klappernd ab. Das Ergebnis wurde dem Chef zur Begutachtung und Unterschrift vorgelegt. Fand der Boss einen Fehler oder hatte noch eine Korrektur oder Ergänzung, musste das Fräulein den Brief nochmal schreiben. Textsystem und Drucker gab es nicht - und auch keine Emails! Die Jüngeren unter uns werden das gar nicht glauben: das ist noch gar nicht so lange her!


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Gedichte

#45 von petias , 10.07.2021 11:29

EVOLUTION kommentiert

Eine der Rückmeldungen zu diesem Gedicht, war, dass es nicht so recht zu erklären vermag, was es aussagen will.
Das ist, per se, schon mal das Gegenteil eines positiven Qualitätsmerkmals eines Schriftstückes. Aber bevor ich es in die Tonne klopfe, möchte ich es mit einer kommentierten Version versuchen und weiter Rückmeldungen abwarten.
die unkommentierte Version steht ein paar Gedichte vorher... EVOLUTION


Es ist, was ist, nicht festgelegt,
das All und alles sich bewegt;
ein Kommen und Gehen aus Menschensicht,
den PLAN jedoch erkennt er nicht.
Er grübelt, bastelt und studiert,
erfindet neue Sachen.
Sogleich wird alles ausprobiert
muss Machbares auch machen.

Er zündelt wie ein kleines Kind,
in Flammen steht die Welt geschwind.
Nicht immer ist - was neu - auch gut!
Es bringt des Menschen Neuerungswut
ihn selbst und alles andre Leben
in schreckensreiche Klemme.
Wird's auch künftig Leben geben,
Amöben noch und Schwämme?

Die ersten beiden Strophen beschreiben die Menschen mit ihrer Erkenntnis, dass alles im Fluss ist. Aber wohin fließt es? Wo ist das Meer, in das der Fluss mündet. Der Mensch hat keine Ahnung. Er ist nur von einem Forscherdrang beseelt und getrieben von seinem Erfindungswahn und seiner Neuerungssucht. Allerdings merkt er, dass er damit das Ökosystem Erde bedroht.

Es fühlt der Homo Sapiens
sich mächtig, wichtig und immens,
als Endziel aller Evolution,
was sind die anderen Arten schon?
Um zu verhindern einen Erben,
der zweifellos zu kommen droht,
stürzt er die Welt in ihr Verderben
statt überflügelt, lieber tot?

Der Mensch sieht sich als Spitze der Evolution, was in sich betrachtet, und das ahnt er auch, ein Widerspruch ist. Evolution bleibt nicht stehen und wird auch den Menschen, der sich an ihrer Spitze sieht, dort durch den nächsten Schritt der Entwicklung ablösen. Ist die Zerstörung des Biosystems Erde ein: "lieber alles kaputt hauen als abtreten?"


Doch ist das kleine Menschenhirn
des PLANES Nadel nur und Zwirn,
das schon an der Zukunft näht,
dass die Entwicklung weiter geht.
Quantencomputer, maschineller Intellekt
durch seinen Schöpfergeist entfacht,
hat die Entwicklung aufgeweckt,
die ihn komplett entbehrlich macht.

Aber unterschätzt man nicht die Evolution maßlos? Glauben wir, wir könnten ihr allen Ernstes ins Handwerk pfuschen? Viel wahrscheinlicher ist es doch, dass alles nach evolutionärem Plan verläuft. Wir spielen in unserer begrenzten Zeit nur unsere uns zugedachte Rolle!

Die Technik sich emanzipiert
der Mensch den Überblick verliert,
nie wissend, was er wirklich wolle
lässt er Maschinen die Kontrolle.
Technik, ihrer Herkunft wegen,
zeigt sich, was zu erwarten war,
dem Menschen technisch überlegen,
der Fortschritt sprudelt wunderbar.

Die Kritiker unter uns Menschen beklagen, dass unsere technische Entwicklung die natürliche Entwicklung zerstört. Ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass diese technische Entwicklung einfach eine neue evolutionäre Epoche einläutet?

Doch sieh: er schreitet da und dort
auch von dem eigenen Schöpfer fort.
Lebendiges erweiset sich
dem Fortschritt oft als hinderlich.
Muss man nicht auf Gifte achten,
die alles Lebende bedroh'n,
Prozesse schneller Fortschritt machten,
Organisches, wer braucht das schon?

Fortschritt ist bei uns Menschen sehr positiv besetzt. Hauptsache fort und weiter. Aber Fortschritt ist nicht per se gut oder schlecht. Es hängt von der Richtung ab, wohin man fortschreitet und von dem Ziel, wohin man will!

Freie Technik freier Handel,
kein Umweltschutz nur Klimawandel,
Raumfahrt ohne Atemluft,
niemand, der nach „Pause!“ ruft.
Muss man nicht auf Leben achten,
spart man unermesslich Zeit,
Organisches ist zu verachten,
gehört in die Vergangenheit.

Sex und Liebe,
dumme Triebe,
Durst und Hunger,
Schmerz und Kummer.
Der Mensch, genau wie andere Arten,
hat historisch ausgedient,
die Geschichte kann nicht warten,
machten sie sich auch verdient.

Wäre es nicht denkbar, dass wir vielleicht doch die Spitze dieses Abschnitts der Evolution sind? Das Bindeglied, das die Intelligenz vom organischen Lebewesen in die unbelebte Materie überführt. Unbelebte Dinge mit einem Bewusstsein ausstattet?

War organische Natur
eine Episode nur,
um den unbelebten Dingen,
nach PLAN den Intellekt zu bringen?
Roboter ins All entschwinden
so weit, wie die Materie reicht,
zu einem Netzwerk sich verbinden,
dem nichts Dagewesenes gleicht.

Wir erschaffen Maschinen, statten sie mit künstlicher Intelligenz aus und sie verbreiten sich in und durchdringen die unbelebte Materie. Das können sie viel effektiver ohne uns, ihre Schöpfer. Organisches ist viel zu empfindlich, um die materielle Welt zu beherrschen. Wir Ökofreaks haben aber auch unsere Aufgabe: wir müssen verhindern, dass alles zu früh auseinanderbricht, bevor der nächste Schritt getan ist.

Jedoch, auch das ist nicht das Ende,
nur Anfang einer neuen Wende,
die Maschinenintelligenz
wechselt wieder die Präsenz,
sich eine Stufe weiter hebt,
sich aufs neue transzendiert,
noch immer nicht am Ende steht,
wieder Neues ausprobiert.

Aber die Evolution schreitet unerbittlich weiter fort. Es wird eine neue Stufe geben. Aber das ist so, als wenn Amöben den Menschen beschreiben sollten. Es gibt keine Worte dafür.

Erst wenn, sei's Teilchen oder Welle,
an jeder kleinsten Kosmos Stelle,
der Geist sich gänzlich breit gemacht,
ist die Evolution vollbracht.
Und wieder: der Urknall reißt das All in Fetzen,
der GEIST vergisst, wer er mal war,
muss wieder alles neu durchsetzen,
auf alle Zeiten, immerdar!

Hier ist die Theorie vom pulsierenden Weltall angesprochen. Zugegeben, nur menschliche Erklärungsversuche, aber wir haben nichts anderes. Mit dem Urknall beginnt alles, die Evolution nimmt ihren Lauf. Letztendlich verdichtet sich die auseinanderfliegende Materie wieder und es gibt einen neuen Urknall.

Es hat der Mensch das Potential,
er hätte, wollte er, die Wahl,
statt Technik Menschliches zu pflegen,
mehr sein Innerstes zu hegen,
er könnt', statt zu zerstören, teilen,
beweisen Solidarität,
länger im "Hier und Jetzt" verweilen,
dann wär's fürs Leben nicht zu spät!

Ich bin überzeugt davon, dass wir uns auch anders entscheiden könnten, als das Gegenwärtige: „Alle Macht den Algorithmen!“ Vielleicht gibt es einen anderen Weg, das All mit Bewusstsein zu durchdringen?

Der GEIST schläft im Stein,
wie sollt es anders sein?
Er träumt im Tier,
ist aber hier.
Im Menschen er erwacht,
wie wird es ihm ergehen,
was der wohl daraus macht,
untergehen? - oder doch noch verstehen?

Ein altes Sprichwort besagt: Gott schläft im Stein, atmet in der Pflanze, träumt im Tier und erwacht im Menschen. Gott und GEIST (spirit) ist in diesem Gedicht gleichgesetzt. Geist (kleingeschreiben) meint Verstand (mind), gegebenenfalls auch Seele.
Ken Wilber, der amerikanische Philosoph und Buddhist, sieht den Menschen auf halbem Weg vom Tier zu Gott. Er stellt sich das so vor, dass Gott sich selbst im Urknall vergisst und im Laufe der Evolution sich seiner wieder bewusst wird. Wir Menschen sind ein Teil dieses göttlichen Bewusstwerdungsprozesses. Dieses Gedicht stimmt ihm zu.


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