RE: Gedichte

#61 von petias , 31.01.2022 18:55

Die Vertreibung aus dem Paradies (Strophe 1)

Der Sapiens, der dumme Wicht
beachtet Gottes Order nicht.
Vom Erkenntnisbaum ganz unverhohlen,
hat einen Apfel er gestohlen,
verführt von Gattin Sapiensina,
die meint der Apfel schmecke prima.
Er beißt auch herzhaft gleich hinein -
und schon beginnt der Menscheit Pein!
Das Homo- Paar, so weise nicht,
trifft unerbittlich das Gericht,
bevor der Bissen noch geschluckt,
Gottes Blitz vom Himmel zuckt
und hat die beiden kleinen Lichter -
mehr Dummerchen denn Bösewichter -
aus dem Paradies vertrieben,
obwohl sie gerne noch geblieben.


Auf meinem heutigen Spaziergang, noch ganz voll von Roth - Gedichten ...

Als Eugen Roth geboren 1895 in München, im April 1976 in München starb, war ich schon 24 Jahre alt. Aber damals habe ich mir noch nichts aus Lyrik gemacht und ich weiß gar nicht, ob ich damals überhaupt schon von ihm gehört hatte.

dachte ich, dass, da Roth fast alle seine Gedichte mit "Ein Mensch" begonnen hat, nie wieder jemand anders ein Gedicht so beginne würde. Eigentlich schade, da gerade jetzt, zur Zeit des Genderns, dieser Begriff sich anböte. Roth benutzt den Begriff "Ein Mensch" meist im Sinne von "Ein Mann". So ändern sich die Zeiten!

Ich dachte über Alternativen nach, was man denn statt "Ein Mensch" noch so sagen könnte. Nach einer Weile, "Eine Person" schien mir reichlich unpassend, kam ich auf
"Der dumme Sapiens"- Sapiens im Sinne des Namens der Art "Sapiens" der Gattung "Homo".
Und da "Sapiens" Latein ist und "weise" bedeutet, und ich uns Menschen gar nicht für weise halte, schien mir "Der dumme Sapiens" eine passende Allegorie.

Ich habe mit den Begriffen etwas herumgespielt und herausgekommen ist die erste Strophe von "Die Vertreibung aus dem Paradies"
Gattin (weibliches Exemplar der Gattung Homo), Sapiens und Sapiensina (der und die Weise), Homo- Paar (ein Paaar der Gattung Homo) spielt natürlich mit dem Begriff "Homo Sapiens".

Mal sehen, wie es weiter geht. Irgendwelche Vorschläge?


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RE: Gedichte

#62 von petias , 02.02.2022 12:52

Die Vertreibung aus dem Paradies (Strophe 2 und 3)

Was bringt den Alten nur so auf?
Äpfel hat’s hier doch zuhauf!
Nur weil man einmal nicht pariert,
er gleich so schrecklich reagiert?
Ist das nicht der Gott der Liebe?
und sind nicht göttlich auch die Triebe,
wie Hunger, Durst und Fleischeslust,
als hätte er das nicht gewusst!
So hat er uns erschaffen
und will uns dafür strafen?

Du dummer, dummer Homo,
ich sag’s nochmal in Slomo,
damit du’s auch kapierst,
er will, dass du parierst,
ohne Wenn und Aber,
ohne groß Palaver,
mach einfach was der Meister will,
dann ist zufrieden er und still.
Um einen Apfel geht’s hier nicht,
er will, dass deine Sturheit bricht,
du sollst gehorchen brav und stumm,
auch ohne, dass du weißt warum!


Der Baum, von dem in der Genesis hier geschrieben steht, heißt "Baum der Erkenntnis von Gut und Böse"
Er ist einer von zwei Bäumen, die zentral im Garten Eden stehen. Der zweite Baum ist der "Baum des ewigen Lebens"
Der erinnert mich an den Lebensbaum der Schamanen. Na ja, wir Schreiberlinge schreiben ja unentwegt von einender ab!

Nascht man vom Baum der Erkenntnis, verschwindet der Baum des Lebens. Man bekommt das ewige Leben nur, wenn man davon absieht, nach dem "Wie" und dem "Warum" zu fragen.
"Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder...", sagt Jesus im Neuen Testament, "dann werdet ihr nicht ins Himmelreich eingehen!"

Dabei fragen doch gerade die Kinder besonders viel nach dem "Wie" und dem "Warum".

Es gibt viele Interpretationen der Genesis, kirchliche und außerkirchliche. Einigen konnten die Gelehrten sich nie. So ist das eben mit Allem: es gibt nur Theorien darüber, die "Wahrheit" bleibt uns letztlich verborgen. Wir sind nur der "Dumme Sapiens". Unsere Rolle ist nur, ganz nach evolutionärem Ductus, unseren Nachfolgern den Weg zu bereiten!

... das Gedicht bekommt noch weitere Strophen ...


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RE: Gedichte

#63 von petias , 04.02.2022 18:40

Die Vertreibung aus dem Paradies (Strophe 4 und 5)


Warum soll ich’s nicht wissen?
Ich fühl mich ganz zerrissen!
Ein Vater ist, wer lieb und gut,
alles für seine Kinder tut
und nicht ein wilder Wüterich
bei Kleinigkeiten außer sich.
Wie kann er uns verdammen,
vom Paradis verbannen?
Ich glaub, er ist kein lieber Gott,
ein allzu menschlicher Despot,
der uns verjagt und auch nicht minder,
alle künftigen Enkelkinder.

Es schuf der Mensch den Gott nach seinem Bilde,
zum Nutzen einer selbsternannten Herrschergilde.
Man soll den Märchengott mit seinen grausamen Gesetzen,
mit Vater, Pfaffen, Fürsten, Papst und Königen ersetzen.
Man soll auf deren Wort wie auf die Worte Gottes hören
und streng befolgen alle die nicht immer weisen Lehren.
Zum Lohne wird das Paradies im Himmel uns versprochen,
obwohl der erste Sapiens des güt‘gen Gottes Wort gebrochen.
Was macht die Not, das Leid und selbst das Sterben schon,
dem braven Untertanen winkt Gottes Himmelslohn!


Dieses Gedicht interpretiert die Vertreibung aus dem Paradies nach theologischen Gesichtspunkten. Schließlich ist die Geschichte ein Teil des Alten Testaments.
Aber es gibt auch andere Interpretationen.

Hier ist eine, die ich ganz gelungen finde:
Das Paradis, das Leben der Menschen im Garten Eden, symbolisiert die bei weitem längste Zeit in der Geschichte des Menschheit, die Zeit in der er als Wildbeuter, als Sammler und Jäger durch die Lande zog. Der Sündenfall war die Sesshaftigkeit, das Domestizieren von Tieren, die Zucht durch Auslese von Grassamen zu Getreiden und die von da an immer weitere Entfernung von natürlichen Abläufen.
Das breitere Nahrungsangebot gestattet es den Menschen sich stark zu vermehren und sein Gehirn und seine Affenhände befähigten ihn zum Homo Faber, dem Handwerker und Erfinder. Wohin es uns führt, erleben wir gerade in unserer Zeit recht deutlich...


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RE: Gedichte

#64 von petias , 04.02.2022 19:11

Die Vertreibung aus dem Paradies

Der Sapiens, der dumme Wicht
beachtet Gottes Order nicht.
Vom Erkenntnisbaum ganz unverhohlen,
hat einen Apfel er gestohlen,
verführt von Gattin Sapiensina,
die meint der Apfel schmecke prima.
Er beißt auch herzhaft gleich hinein -
und schon beginnt der Menschheit Pein!
Das Homo- Paar, so weise nicht,
trifft unerbittlich das Gericht,
bevor der Bissen noch geschluckt,
Gottes Blitz vom Himmel zuckt
und hat die beiden kleinen Lichter -
mehr Dummerchen denn Bösewichter -
aus dem Paradies vertrieben,
obwohl sie gerne noch geblieben.

Was bringt den Alten nur so auf?
Äpfel hat’s hier doch zuhauf!
Nur weil man einmal nicht pariert,
er gleich so schrecklich reagiert?
Ist das nicht der Gott der Liebe?
und sind nicht göttlich auch die Triebe,
wie Hunger, Durst und Fleischeslust,
als hätte er das nicht gewusst!
So hat er uns erschaffen
und will uns dafür strafen?

Du dummer, dummer Homo,
ich sag’s nochmal in Slomo,
damit du’s auch kapierst,
er will, dass du parierst,
ohne Wenn und Aber,
ohne groß Palaver,
mach einfach was der Meister will,
dann ist zufrieden er und still.
Um einen Apfel geht’s hier nicht!
Er will, dass deine Sturheit bricht,
du sollst gehorchen brav und stumm,
auch ohne, dass du weißt warum!

Warum soll ich’s nicht wissen?
Ich fühl mich ganz zerrissen!
Ein Vater ist, wer lieb und gut,
alles für seine Kinder tut
und nicht ein wilder Wüterich
bei Kleinigkeiten außer sich.
Wie kann er uns verdammen,
vom Paradis verbannen?
Ich glaub, er ist kein lieber Gott,
ein allzu menschlicher Despot,
der uns verjagt und auch nicht minder,
alle künftigen Enkelkinder.

Es schuf der Mensch den Gott nach seinem Bilde,
zum Nutzen einer selbsternannten Herrschergilde.
Man soll den Märchengott mit seinen grausamen Gesetzen,
mit Vater, Pfaffen, Fürsten, Papst und Königen ersetzen.
Man soll auf deren Wort wie auf die Worte Gottes hören
und streng befolgen alle die nicht immer weisen Lehren.
Zum Lohne wird das Paradies im Himmel uns versprochen,
obwohl der erste Sapiens des güt‘gen Gottes Wort gebrochen.
Was macht die Not, das Leid und selbst das Sterben schon,
dem braven Untertanen winkt der Himmelslohn!
-------------------------------------------------------------------------------------(Peter Matthias)


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RE: Gedichte

#65 von petias , 11.02.2022 17:11

Die perfekte Grabinschrift!

In dem Gedicht "Hoffnung" von Eugen Roth habe ich die perfekte Grabinschrift für mich gefunden!

Hoffnung

Ein Mensch, am Ende seines Lebens,
sieht ein, dass der Erfolg des Strebens
nur dürftig war an dem gemessen,
was er versoffen und verfressen.
Sein Wert als Raupe war gering;
jetzt hofft er auf den Schmetterling!
--------------------------------------------------- Eugen Roth


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RE: Gedichte

#66 von petias , 14.02.2022 00:03

14. Februar - Karl Valentinstag

Nicht Dieter Nuhr, nicht Torsten Sträter,
nicht vor ihm - und wohl auch nicht später,
gelang es einem Kabarettist,
dass ihm ein Tag gewidmet ist.

Gebor'n als Valentin Ludwig Fey,
entschied er sich spontan und frei,
machte sich im ganzen Land,
als "Karl Valentin" bekannt.

Der Sketche wegen im Verlauf,
trat er mit einem Partner auf.
Doch mit Elisabeth Wellano,
war der Erfolg zunächst piano.

Ein andrer Name musste her!
Die Liesl wünschte sich so sehr,
nicht auf der Bühne nur allein,
im Leben wollt sie Partner sein.

Doch hatte Karl schon Frau und Kinder -
die Liesl wünschte sich's nicht minder -
und dass sie trotzdem von ihm hat,
nannte sie sich "Karl..." anstatt.

Statt "Liesl Valentin" zu werden
musste sie auf dieser Erden -
wie mochte sie darunter leiden -
mit "Liesl Karlstadt" sich bescheiden.

Nach aller dieser Liebespein,
zusammen und doch so allein
versteht ihr jetzt nach alledem,
heut' ist der Tag der Liebenden!
------------------------------------------------- Peter Matthias

Anmerkungen:
Karl Valentin hieß eigentlich Valentin Ludwig Fey wurde am 4. Juni 1882 in München geboren und starb 9. Februar 1948 in Planegg (bei München)
Liesl Karlstadt (eigentlich Elisabeth Wellano; geboren 12. Dezember 1892 in München; gestorben 27. Juli 1960 in Garmisch-Partenkirchen war über weite Stecken die Partnerin von Karl Valentin.
Der Name "Karlstadt" wurde offiziell zu Ehren des Volkssängers "Karl Maxstadt" und berufliches Vorbild von Karl Valentin so gewählt. Aber mein Gedicht zeigt die wahren Hintergründe!

Unvergessen bleibt z.B: der "Buchbinder Wanninger". Noch heute gibt es in München und Umgebung das geflügelte Wort: „sich wie Buchbinder Wanninger vorkommen“.
Berühmt ist auch das unaussprechliche Schimpfwort: „Wrdlbrmpfd“, mit dem der Radfahrer Valentin einen Polizisten bedacht hat, der es gewagt hat ihn aufzuhalten.
Von meinem Besuch im "Valentin und Karlstadt Musäum" im Münchner Isartor sind mir noch zwei Artefakte in lebhafter Erinnerung:
- Unter einem Nagel in der Wand hing ein Schild mit der Aufschrift: "An diesen Nagel hing Karl Valentin seinen Beruf und wurde Volksschauspieler!"
- Neben einer großen Schüssel mit etwas Wasser darin stand geschrieben: "Diese herrliche Schneeplastsik ist leider geschmolzen!"

Wer wollte nicht frech sein wie Karl Valentin. Ich sag's mit seinen Worten:
„Mögen hätt’ ich schon wollen, aber dürfen hab' ich mich nicht getraut!“

Letztes Jahr hatte ich bereits einige Gedichte zum Valentinstag eingestellt:
Valentinstag (2021)


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RE: Gedichte

#67 von petias , 15.02.2022 09:02

Das Böse

Ein Mensch, was noch ganz ungefährlich -
erklärt die Quanten (schwer erklärlich!).
Ein zweiter, der das All durchspäht,
erforscht die Relativität.
Ein dritter nimmt, noch harmlos, an,
Geheimnis stecke im Uran.
Ein vierter ist nicht fernzuhalten
von dem Gedanken, kernzuspalten.
Ein fünfter – reine Wissenschaft -
entfesselt der Atome Kraft.
Ein sechster, auch noch bonafiedlich,
will die verwerten, doch nur friedlich.
Unschuldig wirken sie zusammen:
Wen dürften einzeln wir verdammen?
Ist’s nicht der siebte erst der achte,
der Bomben dachte und dann machte?
Ist’s nicht der Böseste der Bösen,
der’s dann wagt sie auszulösen?
Den Teufel wird man nie erwischen:
Er steckt von Anfang an dazwischen.
------------------------------------------------------- Eugen Roth


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RE: Gedichte

#68 von petias , 16.02.2022 17:22

Nur

Ein Mensch, der, sagen wir, als Christ,
streng gegen Mord und Totschlag ist,
hält einen Krieg, wenn überhaupt,
nur gegen Heiden für erlaubt.
Die allerdings sind auszurotten,
weil sie des wahren Glaubens spotten!
Ein anderer Mensch, ein frommer Heide,
tut keinem Menschen was zuleide,
nur gegenüber Christenhunden
wär jedes Mitleid falsch empfunden.
Der ewigen Kriege blutige Spur
kommt nur von diesem kleinen „nur“…
----------------------------------------------------------- Eugen Roth


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RE: Gedichte

#69 von petias , 24.02.2022 11:17

Das größere Übel

Es sei der Mensch (in seinem Wahn)
zu allem fähig, nimmt man an.
Doch was viel tiefer an uns frisst:
Dass er zu gar nichts fähig ist.
----------------------------------------------------Eugen Roth


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RE: Gedichte

#70 von petias , 23.03.2022 08:18

An die Gönnerin des Lichthügels und liebe Freundin Ute zu ihrem 53. Geburtstag

Mitbewohner Christian
lachte sich 'ne Freundin an.
War der Kontakt so hergestellt,
hat Freundschaft sich dazugesellt
sogar zu mir, dem alten Mann,
der solche gut gebrauchen kann!

Der Ute, der ich hier gedenke,
weil heute sie Geburtstag hat,
ich einen schnöden Gutschein schenke,
weil sie sich diesen wünschen tat.

Ist so ein Gutschein doch recht öde
und zeugt nicht von viel Fantasie,
drum mache ich noch stante pede
bescheiden dies Gedicht für Sie.

Die Ute kennt als Kräuterhexe,
von mir als großes Lob gedacht
alle die heilenden Gewächse,
woraus sie Tees und Salben macht.

Tinkturen, Kräuter Baldrian
schleppt sie bei jeder Krankheit an
und heilt damit im Hand-Um-Drehen -
es geht so schnell, man kann es sehen -
egal was Schlimmes auch passiert,
von Ute wird es auskuriert!

Oft bringt sie, bei den Besuchen
uns einen Smoothy, ein Stück Kuchen,
auch mal ein nützliches Gerät,
das man lang gebraucht schon hätt‘.

Für Transporte muss ich sagen,
leiht sie uns ihren Firmenwagen,
Und was es braucht – ob heut ob morgen,
die Ute kann es uns besorgen!

Obwohl sie sehr viel Arbeit hat,
mit Söhnen, Mietern, Laden,
Die Ute schreitet stets zur Tat
und hilft bei jedem Schaden!

Froh bin ich und auch mächtig stolz,
dass Du in meinem Leben bist
und wünscht, ich wär aus gleichem Holz,
das Deine Freundschaft nie vergisst!

Was auch noch alles kommen will,
Du stehst an meiner Seite.
Ich hoffe, dass ich leis und still
dasselbe Dir bedeute!


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RE: Gedichte

#71 von petias , 28.03.2022 10:41

Trost

Ein Mensch, entschlusslos und verträumt,
hat wiederholt sein Glück versäumt.
Doch ist der Trost ihm einzuräumen:
Man kann sein Unglück auch versäumen.
------------------------------------------------------------ Eugen Roth


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RE: Gedichte

#72 von petias , 31.03.2022 09:06

Philosophischer Disput

Ein Mensch verteidigt mit viel List:
Die Welt scheint anders als sie ist!
Sein Gegner aber streng verneint:
Die Welt ist anders als sie scheint!
-------------------------------------------------Eugen Roth


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RE: Gedichte

#73 von petias , 07.04.2022 09:52

Der Termin

Ein Mensch, der sich, wie’s weit noch hin,
festlegen lässt auf den Termin,
sieht jetzt, indes die Wochen schmelzen,
die schwere Last sich näher wälzen.
Er sucht nach Gründen, abzusagen,
er träumt, noch in den letzten Tagen,
wie einst als Schulbub zu entwischen:
Ein schwerer Unfall käm dazwischen…
Umsonst – es bleibt ein leerer Wahn:
Der schicksalhafte Tag bricht an! -
Und geht dann doch vorüber, gnädig.
Der Mensch ists froh, der Sorgen ledig.
Er schwört, er hab daraus gelernt -
doch wie sich Tag um Tag entfernt,
hat Angst und Qualen er vergessen -
und lässt sich unversehens pressen
zu noch viel scheußlicherm Termin -
denn er ist weit und weit noch hin.
------------------------------------------------Eugen Roth


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RE: Gedichte

#74 von petias , 07.04.2022 17:16

Für Wankelmütige

Die besten Reisen, das steht fest,
sind die oft, die man unterlässt! -
Nur, dass man rasch entscheiden muss,
damit man nicht lang leiden muss,
an Reisefieber, Tag und Nacht,
um Reisen, die man gar nicht macht!
-----------------------------------------------------------Eugen Roth


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RE: Gedichte

#75 von petias , 08.04.2022 21:10

Tragejoch

Da staunst Du wohl? Es gibt es noch!
Das gute, alte Tragejoch.

Wer wie ich am Hügel wohnt,
auf den nicht glatte Wege führen,
kann mit Karren nur verlieren,
bleibt von der Mühe nicht verschont,
Dünger, Steine andere Plagen,
im Eimer auf den Berg zu tragen.

Denn soll Gelenke und auch Sehnen,
die Last nicht schmerzhaft überdehnen,
empfiehlt allein als Ausweg noch,
sich Wunderwaffe Tragejoch!

Aus starkem Holz kunstvoll geschnitzt,
es sicher auf den Schultern sitzt.
Stabile Eimer, starke Ketten,
sorgfältig austariert die Last,
damit Du wenig Mühe hast,
den Inhalt auf den Berg zu retten.

Dem Sklaven Wort für Unterdrückung,
gerät der Freie in Verzückung,
trotz Müh‘ die Lösung bietet doch,
das ehrenwerte Tragejoch.
-------------------------------------------------Peter Matthias

Ein Lichthügelbewohner in Aktion!


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zuletzt bearbeitet 23.01.2023 | Top

   

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