RE: Gedichte

#46 von petias , 11.07.2021 09:01

Verdienter Hereinfall

Ein Mensch kriegt einen Kitsch gezeigt,
doch anstatt, dass er eisig schweigt,
lobt er das Ding, das höchstens nette,
fast so, als ob er's gerne hätte.
Der Unmensch, kann er es so billig,
zeigt unverhofft sich schenkungswillig
und sagt, ihn freu's, dass an der Gabe
der Mensch so sichtlich Freude habe.
Moral: Beim Lobe stets dran denken,
man könnte dir dergleichen schenken!
---------------------------------------------------------Eugen Roth


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RE: Gedichte

#47 von petias , 14.07.2021 09:18

Der Erlkönig

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind!
Er hat den Knaben fest in dem Arm,
er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

"Mein Sohn was birgst Du so bang Dein Gesicht?"
"Siehst Vater Du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron' und Schweif?"
"Mein Sohn es ist ein Nebelstreif!"

"Mein Liebes Kind komm geh mit mir,
gar schöne Spiele spiel ich mit dir.
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
meine Mutter hat manch gülden Gewand!"

"Mein Vater, mein Vater und hörest Du nicht,
was Erlenkönig mir leise verspricht?"
"Sei ruhig, bleibe ruhig mein Kind,
in dürren Blättern säuselt der Wind!"

"Willst feiner Knabe Du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön.
Meine Töchter führen den nächtlichen Reih'n
und wiegen und tanzen und singen dich ein!"

"Mein Vater, mein Vater und siehst Du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düsteren Ort?"
"Mein Sohn, mein Sohn ich seh' es genau,
es scheinen die alten Weiden so grau!"

"Ich liebe Dich, mich reizt Deine schöne Gestalt
und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt!"
"Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an,
Erlkönig hat mir ein Leid's getan!"

Dem Vater grauset's, er reitet geschwind,
in seinen Armen das ächzende Kind.
Erreicht den Hof mit Mühe und Not,
in seinen Armen das Kind war tot!

-----------------------------------------------------------Johann Wolfgang von Goethe 1782


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RE: Gedichte

#48 von petias , 25.08.2021 12:28

Christina hat einen runden Geburtstag

Liebe Christina,
Dein Geburtstag ist recht rund,
Du bist es nicht, doch kerngesund.
Wir wünschten Dir, dass das so bliebe,
und auch sonst nur alles Liebe!

Einfach und bescheiden leben,
ist uns als Geschenk gegeben.
Drum sieht das neue schöne Haus
noch nicht so richtig fertig aus.

Gib's zu, das Provisorium,
ist im Grunde nicht so dumm.
Sicher denkst Du mal voll Glück
an diese schöne Zeit zurück.

Egal - ob Hütte - ob Palast,
wenn Du genug zu essen hast
und einen Partner der Dich liebt,
sich alles andere passend fügt!

Dass auch ein Hauch von Luxus sei,
liegt Dir ein kleiner Gutschein bei.
Der wird Dich sicher nicht erschrecken,
so lass es Dir von Herzen schmecken!
---------------------------------------------------------Peter Matthais


Deine Lichthügelbewohner

Christina und Bruno ist, während sie auf dem Lichthügel zu Gaste waren, das Haus abgebrannt, versursacht durch einen geistig nicht ganz gesunden Nachbarn, der seinen Teil des Doppelhauses in Brand gesetzt hatte.
Seitdem wohnen sie im "Bungalow", einem bescheidenen Nebengebäude ihres Anwesens. Der Streit mit den Behörden, Versicherungen und den Nachbarn zieht sich und der Neubau lässt auf sich warten. Dazu klettern derzeit von Woche zu Woche die Preise für Baumaterialien.


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RE: Gedichte

#49 von petias , 03.09.2021 00:01

Meiner lieben Schwester zum Geburtstag

Bruder Klaus war fast schon sieben
und ich schon eine Weile neun,
doch sind wir nicht allein geblieben,
es kam ein kleines Schwesterlein.
Klein und putzig,
laut und schmutzig,
im Wagen liegend,
in den Schlaf sie wiegend.

Wir waren oft zu zweit zugange
und kamen viel und weit herum,
sie saß auf meiner Fahrradstange,
fest und sicher, etwas krumm.
Lang liegt diese Zeit zurück,
unbeschwertes Kinderglück!
Vergangen seit dem, was mich wundert
ist gut und gern ein halb‘ Jahrhundert!

Das Leben bringt Distanz - sich Trennen
doch blieben wir uns immer nah,
mochte ich mich auch verrennen,
Du warst immer für mich da!
In all den wirren Lebenslagen,
war mal das Schicksal schwer zu tragen
liehst Du geduldig mir Dein Ohr.
Ja manchmal kommt es mir so vor,

Als wär‘ nicht ich der große Bruder,
und Du das kleine Schwesterlein,
als stündest Du am Steuerruder,
umschiffst so manchen Sturm und Stein.
Du bist eine starke Frau
und was Du willst weißt Du genau.
Du sorgst Dich warm um Deine Lieben
und bist auch mir stets treu geblieben.

So wünsche ich Dir von ganzer Seele
bleib gesund und unversehrt!
Dass es Dir an gar nichts fehle,
dass Dir das Schicksal nichts verwehrt!
Dass Partner, Sohn und Enkelkind
unter Deinen Gästen sind,
dass Du das Leben voll genießt,
und ab und an im Forum liest!!!
------------------------------------------------------Peter Matthias


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RE: Gedichte

#50 von petias , 06.10.2021 19:16

Die Bürgschaft

(Friedrich Schiller Sommer 1798)

Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich
Möros, den Dolch im Gewande;
Ihn schlugen die Häscher in Bande.
„Was wolltest du mit dem Dolche, sprich!“
Entgegnet ihm finster der Wüterich.
„Die Stadt vom Tyrannen befreien!“
„Das sollst du am Kreuze bereuen.“

„Ich bin“, spricht jener, „zu sterben bereit
und bitte nicht um mein Leben,
doch willst du Gnade mir geben,
ich flehe dich um drei Tage Zeit,
bis ich die Schwester dem Gatten gefreit,
ich lasse den Freund dir als Bürgen,
ihn magst du, entrinn ich, erwürgen.“

Da lächelt der König mit arger List
und spricht nach kurzem Bedenken:
„Drei Tage will ich dir schenken.
Doch wisse! Wenn sie verstrichen, die Frist,
eh‘ du zurück mir gegeben bist,
so muss er statt deiner erblassen,
doch dir ist die Strafe erlassen.“

Und er kommt zum Freunde: „Der König gebeut,
dass ich am Kreuz mit dem Leben
bezahle das frevelnde Streben,
doch will er mir gönnen drei Tage Zeit,
bis ich die Schwester dem Gatten gefreit,
so bleib du dem König zum Pfande,
bis ich komme, zu lösen die Bande.“

Und schweigend umarmt ihn der treue Freund
und liefert sich aus dem Tyrannen,
der andere ziehet von dannen.
Und ehe das dritte Morgenrot scheint,
hat er schnell mit dem Gatten die Schwester vereint,
eilt heim mit sorgender Seele,
damit er die Frist nicht verfehle.

Da gießt unendlicher Regen herab,
von den Bergen stürzen die Quellen,
und die Bäche, die Ströme schwellen.
Und er kommt ans Ufer mit wanderndem Stab,
da reißet die Brücke der Strudel hinab,
und donnernd sprengen die Wogen
des Gewölbes krachenden Bogen.

Und trostlos irrt er an Ufers Rand,
wie weit er auch spähet und blicket
und die Stimme, die rufende, schicket,
da stößet kein Nachen vom sichern Strand,
der ihn setze an das gewünschte Land,
kein Schiffer lenket die Fähre,
und der wilde Strom wird zum Meere.

Da sinkt er ans Ufer und weint und fleht,
die Hände zum Zeus erhoben:
„O hemme des Stromes Toben!
Es eilen die Stunden, im Mittag steht
die Sonne, und wenn sie niedergeht
und ich kann die Stadt nicht erreichen,
so muss der Freund mir erbleichen.“

Doch wachsend erneut sich des Stromes Wut,
und Welle auf Welle zerrinnet,
und Stunde an Stunde entrinnet.
Da treibt ihn die Angst, da fasst er sich Mut
und wirft sich hinein in die brausende Flut
und teilt mit gewaltigen Armen
den Strom, und ein Gott hat Erbarmen.

Und gewinnt das Ufer und eilet fort
und danket dem rettenden Gotte,
da stürzet die raubende Rotte
hervor aus des Waldes nächtlichem Ort,
den Pfad ihm sperrend, und schnaubet Mord
und hemmet des Wanderers Eile
mit drohend geschwungener Keule.

„Was wollt ihr?“, ruft er für Schrecken bleich,
„Ich habe nichts als mein Leben,
das muss ich dem Könige geben!“
Und entreißt die Keule dem nächsten gleich:
„Um des Freundes willen erbarmet euch!“
Und drei mit gewaltigen Streichen
erlegt er, die andern entweichen.

Und die Sonne versendet glühenden Brand,
und von der unendlichen Mühe
ermattet sinken die Kniee.
„O hast du mich gnädig aus Räubershand,
aus dem Strom mich gerettet ans heilige Land,
und soll hier verschmachtend verderben,
und der Freund mir, der liebende, sterben!“

Und horch! da sprudelt es silberhell,
ganz nahe, wie rieselndes Rauschen
und stille hält er zu lauschen,
und sieh, aus dem Felsen, geschwätzig, schnell,
springt murmelnd hervor ein lebendiger Quell,
und freudig bückt er sich nieder
und erfrischet die brennenden Glieder.

Und die Sonne blickt durch der Zweige Grün
und malt auf den glänzenden Matten
der Bäume gigantische Schatten;
und zwei Wanderer sieht er die Straße ziehn,
will eilenden Laufes vorüberfliehn,
da hört er die Worte sie sagen:
„Jetzt wird er ans Kreuz geschlagen.“

Und die Angst beflügelt den eilenden Fuß,
ihn jagen der Sorge Qualen,
da schimmern in Abendrots Strahlen
von ferne die Zinnen von Syrakus,
und entgegen kommt ihm Philostratus,
des Hauses redlicher Hüter,
der erkennet entsetzt den Gebieter:

„Zurück! du rettest den Freund nicht mehr,
so rette das eigene Leben!
Den Tod erleidet er eben.
Von Stunde zu Stunde gewartet‘ er
mit hoffender Seele der Wiederkehr,
ihm konnte den mutigen Glauben
der Hohn des Tyrannen nicht rauben.“

„Und ist es zu spät, und kann ich ihm nicht
ein Retter willkommen erscheinen,
so soll mich der Tod ihm vereinen.
Des rühme der blutge Tyrann sich nicht,
dass der Freund dem Freunde gebrochen die Pflicht,
er schlachte der Opfer zweie
und glaube an Liebe und Treue.“

Und die Sonne geht unter, da steht er am Tor
und sieht das Kreuz schon erhöhet,
das die Menge gaffend umstehet,
an dem Seile schon zieht man den Freund empor,
da zertrennt er gewaltig den dichten Chor:
„Mich, Henker“, ruft er, „erwürget!
Da bin ich, für den er gebürget!“

Und Erstaunen ergreifet das Volk umher,
in den Armen liegen sich beide
und weinen vor Schmerzen und Freude.
Da sieht man kein Auge tränenleer,
und zum Könige bringt man die Wundermär,
der fühlt ein menschliches Rühren,
lässt schnell vor den Thron sie führen.

Und blicket sie lange verwundert an.
Drauf spricht er: „Es ist euch gelungen,
ihr habt das Herz mir bezwungen,
und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn,
so nehmet auch mich zum Genossen an.
Ich sei, gewährt mir die Bitte,
in eurem Bunde der Dritte.“


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RE: Gedichte

#51 von petias , 28.11.2021 00:04

Ich war vor Jahren mal mit einem Weihnachtsengel zusammen, der heute Geburtstag hat. Ihr zu Ehren hatte ich damals dieses kleine Gedicht gemacht, das mir ganz gut zum "Ersten Adventssonntag" zu passen scheint:

Alle Jahre wieder

Wieder kommt die Weihnachtszeit
mit Märkten und mit Liedern.
Mein Schatz, der Liebe, ist bereit,
sich freudig einzugliedern!

Seit ich SIE kenne ist mir klar,
dass Kerzenduft und Lieder,
dass Engel mit dem Silberhaar
und alle Jahre wieder
gefeiert wird in Land und Stadt,
auch weil SIE da Geburtstag hat!

Seit Du tratest in mein Leben,
ist nichts mehr, wie es war.
Gewartet hab‘ ich eben
auf DICH, von Jahr zu Jahr!

Du bist so schön, so klug, so rein,
so göttergleich im Herzen -
wie kann ich Dein Erwählter sein
das Schicksal scheint zu scherzen.

Egal wie’s kommt, man weiß es nicht
und wär’s auch bald zu Ende
nehme es hin und gräm‘ mich nicht,
leg es in Deine Hände

Schon jetzt hast Du unendlich viel,
das Beste mir gegeben.
So stütz‘ ich Dich bei Deinem Ziel
auf Deinem Weg durchs Leben.

Du bist zur Heilerin geboren,
und Zweifel gibt es nicht
Kranken zu helfen auserkoren
zu führen sie zurück ins Licht!

Wenn ich Dich nur begleiten kann
egal wie lang und weit,
dich unterstützen dann und wann,
wie sehr bin ich bereit!

Ich will Dich lieben, wie es soll,
ohne Dich einzuengen,
zu Dir stehen ganz und voll
vorhandene Grenzen sprengen.

Ich wünsch Dir Glück
und Deines Gottes Segen!
Wie gern begleit‘ ich Dich ein Stück
nicht nur auf guten Wegen!

So wünsche ich Dir ein gutes Jahr
und auch ein gutes Leben
und wird es nicht nur wunderbar,
nimm‘s hin, so ist das eben!
-----------------------------------------------Peter Matthias


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RE: Gedichte

#52 von petias , 19.01.2022 11:44

Ode an den heimlichen Gast

Was ich so immer wieder schreibe,
ist nicht für viele interessant.
Ich meist für mich alleine bleibe,
mit meinem Stift in meiner Hand!
Und doch, wie die Statistik zeigt,
es nicht ganz ungelesenen bleibt.
Ein paar Leser dann und wann,
seh'n sich meine Zeilen an.

Es meint nicht hochverehrter Gast,
nur weil Du stumm bist und bescheiden,
dass Du nichts zu sagen hast,
willst nur im Verborgnen bleiben!
Fänd ich es auch nochmal so schön,
wärst Du für mich sogar zu sehen
- es freut mich, dass Du bei mir bist,
ich hätte schmerzlich Dich vermisst!

Von Dir, besondrer lieber Gast,
die Vöglein fröhlich singen,
dass Du heut Geburtstag hast,
so kann es mir gelingen:
zu wünschen Dir zu Deinem Feste
Gesundheit ist das Allerbeste
und Glück und Freude obendrein,
soll reichlich Dir beschieden sein!

Besuch‘ mich hier in meiner Welt,
mit Deinen Lieben allen,
wann immer es Dir grad' gefällt,
das würd‘ auch mir gefallen!
Dass wir mal in die Berge gehen,
vom Brünnstein in die Ferne sehn,
um dann bei einem guten Essen,
die Sorgen einfach kurz vergessen!

Ich danke Dir - und all den andern,
die durch dieses Forum wandern,
für das Interesse und die Treue,
worüber ich mich riesig freue!

----------------------------------------------------------Peter Matthias


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RE: Gedichte

#53 von petias , 20.01.2022 16:11

An Belinden

Warum ziehst Du mich unwiderstehlich
ach in diese Pracht?
War ich guter Junge nicht so selig
in der öden Nacht?

Heimlich in mein Zimmerchen verschlossen,
lag im Mondenschein,
ganz von seinem Schauerlicht umflossen -
und ich dämmert ein.

Träumte da von vollen goldenen Stunden
unvermischter Lust,
hatte schon Dein liebes Bild empfunden
tief in meiner Brust.

Bin ich's noch, den Du bei soviel Lichtern
an dem Spieltisch hälts,
oft so unerträglichen Gesichtern
gegenüber stellst?

Reizender ist mir des Frühlings Blüte
nun nicht auf der Flur.
Wo Du, Engel, bist ist Lieb und Güte
wo Du bist, Natur!
-------------------------Johann Wolfgang von Goethe


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RE: Gedichte

#54 von petias , 20.01.2022 16:20

Versäumte Gelegenheiten

Ein Mensch, der von der Welt bekäme,
was er ersehnt - wenn er's nur nähme
bedenkt die Kosten und sagt: Nein!
Frau Welt packt also wieder ein.

Der Mensch - nie kriegt er's mehr so billig! -
Nachträglich wär er zahlungswillig...
Frau Welt, noch immer bei Humor,
legt ihm sogleich was andres vor.

Der Preis ist freilich arg gestiegen.
Der Mensch besinnt sich und lässts liegen.
Das alte Spiel von Wahl und Qual,
spielt er ein drittes, viertes Mal.

Dann endlich ist er alt und weise
und böte gerne höchste Preise.
Jedoch, sein Anspruch ist vertan.
Frau Welt, die bietet nichts mehr an.

Und wenn,dann lauter dumme Sachen,
die nur der Jugend Freude machen,
wie LIEBE und dergleichen Plunder
statt Seelenfrieden mit Burgunder!
--------------------------------------------------- Eugen Roth


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RE: Gedichte

#55 von petias , 21.01.2022 08:42

Schütteln

Auf Flaschen steht bei flüssigen Mitteln,
man müsse vor Gebrauch sie schütteln.
Und dies begreifen wir denn auch -
denn zwecklos ist es nach Gebrauch.
Auch Menschen gibt es, ganz verstockte,
wo es uns immer wieder lockte,
sie herzhaft hin- und herzuschwenken,
in Fluß zu bringen so ihr Denken,
ja, sie zu schütteln voller Wut -
doch lohnt sich nicht, daß man das tut.
Man laß sie stehn an ihrem Platz
samt ihrem trüben Bodensatz.
------------------------------------------------ Eugen Roth--------


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#56 von petias , 21.01.2022 09:00

Einsicht

Der Kranke traut nur widerwillig,
dem Arzt der's schmerzlos macht und billig.
Lass nie den alten Grundsatz rosten,
es muss A wehtun, B was kosten!
------------------------------------------------------------ Eugen Roth


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RE: Gedichte

#57 von petias , 21.01.2022 09:06

Das Fräulein stand am Meere

Das Fräulein stand am Meere
und seufzte lang und bang.
Es rührte sie so sehre
der Sonnenuntergang.

Mein Fräulein! Sein sie munter,
das ist ein altes Stück;
hier vorne geht sie unter
und kehrt von hinten zurück.
------------------------------------------------ Heinrich Heine


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#58 von petias , 26.01.2022 13:21

Kassenhass

Ein Mann, der eine ganze Masse
gezahlt hat in die Krankenkasse,
schickt jetzt die nötigen Papiere,
damit auch sie nun tu das ihre.
Jedoch er kriegt nach längrer Zeit
statt baren Gelds nur den Bescheid,
nach Paragraphenziffer X
bekomme er vorerst noch nix,
weil, siehe Ziffer Y,
man dies und das gestrichen schon,
so dass er nichts, laut Ziffer Z,
beanzuspruchen weiter hätt.
Hingegen heißt's, nach Ziffer A,
dass er vermutlich übersah,
dass alle Kassen, selbst in Nöten,
den Beitrag leider stark erhöhten
und dass man sich, mit gleichem Schreiben,
gezwungen seh, ihn einzutreiben.
Besagter Mann denkt, krankenkässlich,
In Zukunft ausgesprochen hässlich.
------------------------------------------------------------ Eugen Roth


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RE: Gedichte

#59 von petias , 29.01.2022 21:03

Luftkur

Den Kranken bringt mit gutem Grund
man dorthin, wo die Luft gesund.
Doch schon sind allzuviele dort
und es entsteht ein Luftkurort.
Die Luft, beansprucht allzusehr,
erholt sich alsbald selbst nicht mehr.
------------------------------------------------------Eugen Roth


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RE: Gedichte

#60 von petias , 30.01.2022 10:45

Wettlauf

Ein Mensch, erst zwanzig Jahre alt,
beurteilt Greise ziemlich kalt
und hält sie für verkalkte Deppen,
die zwecklos sich durchs Dasein schleppen.
Der Mensch, der junge, wird nicht jünger:
Nun, was wuchs denn auf seinem Dünger?
Auch er sieht, dass trotz Sturm und Drang,
was er erstrebt, zumeist misslang,
dass auf der Welt als Mensch und Christ
zu leben, nicht ganz einfach ist,
hingegen leicht, an Herrn mit Titeln
und Würden schnöd herumzukritteln .
Der Mersch, nunmehr bedeutend älter,
beurteilt jetzt die Jugend kälter,
vergessend frühres Sich-Erdreisten:
"Die Rotzer solln erst mal was leisten!"
Die neue Jugend wiederum hält ...
Genug - das ist der Lauf der Welt!

----------------------------------------------------------Eugen Roth

Früher führte der KOPP Verlag eine Reihe guter Bücher zum Thema Selbstversorgung. Ich hatte mir da vor Zeiten das eine oder andere bestellt. Die anderen Themen hatte ich mir nicht wirklich angesehen.
Aus dieser Zeit bekomme ich noch immer alle paar Wochen einen Katalog mit deren Angebot zugesandt. Der Bereich "Selbstversorgung" ist arg verkümmert, dafür werden alle Verschwörungstheorien großzügig mit Raum bedacht. Am Anfang des Kataloges stehen Bücher, die die Schulmedizin kritisieren und in denen teilweise hoch kuriose Alternativen behandelt werden. Daran schließt sich eine Fülle an Mittelchen an, mit denen den zuvor beklagten Mängel und Gefahren angeblich begegnet werden kann.

Bücher, die den Weltuntergang ankündigen oder den Zusammenbruch der Wirtschaft, gibt es häufig zu Sonderpreisen, da der angekündigte Zeitraum der Katastrophe längst ereignislos abgelaufen ist,

Neben Coronaleugnung und Hetze gegen den "Tiefen Staat", gibt es auch sämtliche Bücher von Däniken und sonstigen phantasievollen Interpreten der Welt.
Auch Seelenwanderung und das Jenseits nimmt breiten Raum ein.

Hin und wieder kann man aber einen kleinen Schatz entdecken, denn es werden nicht nur verlagseigenen Bücher angeboten, sondern auch solche von anderen Verlagen, wenn sie zum Klientel passen und - Sonderangebote!
So bin ich auf ein Büchlein vom ANACONDA Verlag gestoßen, "Man kann sein Unglück auch versäumen" voll mit Gedichten von Eugen Roth für 6,95 €. Da es eine Preisbindung für Bücher in Deutschland gibt, kostet das Büchlein dasselbe, wenn man es bei einem Bücherversand wie z.B. bei „Buecher.de“ bestellt. Das tat ich dann auch.

Es waren nur einige der Gedichte, die ich schon kannte von Roth in dem Büchlein, aber viele, die ich noch nicht kannte. Nicht alle gefallen mir, aber einige Blätter werden zu den bisherigen neun schon kommen, die in meiner Gedichte Mappe mit Gedichten von diesem Autor liegen. Da ich hier nur veröffentliche, was ich auch auswendig kann, wird es nur hin und wieder ein neues Roth Gedicht geben...


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