Philosophie

#1 von petias , 30.07.2020 08:33

Auszüge aus einem Brief an meinen Sohn

Lieber S,

dieser Brief ist wieder einer aus der Flachlandreihe. FL5 bedeutet Flachland Folge 5. Eine Reihe von Briefen, die den Versuch machen vom Flachland des „wissenschaftlichen“ Ursache – Wirkung – Prinzips hin zu einer Hügellandschaft der Sinnfindung zu führen.

In den beiden Briefen von Dir, die ich bisher bekommen habe und in unserem letzten Telefonat, wenn ich mich recht erinnere, war mehrmals die Rede vom „Ewigen Jetzt“. Lass mich erst dazu ein paar Sätze sagen.
Es gibt den Begriff der „Philosophia perennis“ der immerwährenden Philosophie. Gemeint ist damit, dass es (spirituelle) „Wahrheiten“ gibt, die in allen Kulturen, Philosophien und Religionen Bestand haben. Leute wie Platon, Aristoteles, Newton, Einstein, Schrödinger (der von Schrödingers Katze) und viele mehr haben sich auch zu ihr bekannt.
Zentrale Aussage der Philosophia perennis ist, dass die Erleuchtung, Erfüllung, das Ende der Angst vor dem Tod in der Erkenntnis liegt, dass alles eins ist. Die Aufhebung der Dualität, des Getrenntseins.
Ein wenig tiefer angesiedelt (aber im Grunde dasselbe) ist die Bewertung des jetzigen Moments. Man unterscheidet den „nunc fluens“, das flüchtige jetzt, und das „nunc stans“ das beständige(ewige) jetzt.
Latein: nunc= jetzt; fluere=fließen; stare=stehen

Die Zeit ist so gesehen eine Erfindung des Bewusstseins. Unser Empfinden ist, dass der jetzige Augenblick vielleicht 2 Sekunden dauert. Was davor war, ist Vergangenheit, was danach kommt, ist Zukunft. Eine vollständig künstliche Trennung.
Dabei ist die Vergangenheit lediglich eine unvollständige und bewertete Sammlung von jetzigen Augenblicken. Die Zukunft ist eine vage Vorstellung, wie künftige jetzige Augenblicke aussehen könnten. Der tatsächliche jetzige Augenblick verliert dabei fast jede Bedeutung und doch ist er das einzig Wirkliche, das Einzige was ist. Der Grund dafür ist die Angst vor dem Tode des Ichs. Das „Ich“ entsteht wie alle Objekte durch Grenzziehungen (Getrenntsein). Ich hier, alles andere dort. Wir befinden uns, im Bewusstsein der Sterblichkeit des Ichs. Sterben können wir nur im „jetzigen Augenblick“. Wir erinnern uns deshalb gerne an die Vergangenheit, in der wir nicht gestorben waren. Und wir denken gerne an eine Zukunft, in der es uns noch gibt, wir also auch nicht gestorben sein werden. Deshalb halten wir den gefühlten „jetzigen Augenblick“ so kurz wie möglich. Das ist auch der Grund, warum es uns so schwerfällt, die Wahrnehmung im Jetzt zu halten. Die persönliche, geistig-seelische Weiterentwicklung erfordert aber, uns mit dem Tod auseinanderzusetzen. Deshalb ist die Meditationsübung des Verweilens im gegenwärtigen Moment von so großer Bedeutung.

Es ist höchste Zeit (zurück in der Zeit 😉) ein Wort über Modelle zu schreiben. Alle „Erkenntnis“ auch die der Philosophia perennis, ist ein Konstrukt. Ein Modell zur Erklärung der Welt, wie sie sich dem Modellbauer darstellt. Wir empfinden, sehen, spüren, messen, bewerten … und versuchen aus all den Eindrücken und partiellen Infos einen Sinn zu machen. Hierfür werden uns unzählige Erklärungsmodelle angeboten von Eltern, Schule, Religion, Wissenschaft… Vieles übernehmen wir recht unkritisch. Meist haben wir gar keine andere Chance. Wir können nicht alles in Frage stellen und wollen es auch normalerweise nicht. Haben wir die nötigen Freiräume dazu uns Gedanken zu machen, so wie Du im Moment, kann man sich über das Angebot an fertigen Modellen Gedanken machen und sie bewerten, neue prüfen, eigne entwerfen. Werden solchen Neuerungen zu Strömungen (viele schließen sich dem Modell an) können sie zum künftigen Bestandteil des Mainstreams werden. Das nennt man Entwicklung oder Fortschritt (was davon abhängt, was man als Basis dazu ansieht und welche Ziele einem als erstrebenswert erscheinen). Oft bestehen solche konkurrierenden Modelle nebeneinander bei verschiedenen Schichten der Bevölkerung. Oft halten die Anhänger des einen Modells die eines andern für weniger weit entwickelt oder lehnen sie sonst irgendwie ab. (Esoterische Spinner, Flachländer z.B.) Viele Modelle existieren in unserer Realität nebeneinander, selbst wenn sie sich teilweise widersprechen.
Da in unserer Welt und Lebensweise so manches im Argen liegt, Umweltzerstörung, Klimawandel, Kriminalität, Kriege, Existenzängste, Hunger, Krankheit … muss man über das Funktionieren der aktuellen Modelle, nach denen man sein Leben gestaltet schon überprüfen und gegebenenfalls durch bessere ersetzen.

Ein Modell kann beliebig gut sein, wenn es nicht den Zeitgeist trifft, das Bewusstsein des Mainstreams, dann setzt es sich nicht durch.

Gute Chancen hat derzeit eine Mischung aus Quantenphilosophie, Epigenetik, östliche Traditionen und Wunscherfüllungsmystik. In diese Kategorie fallen die Meditationen des Dr. Joe Dispenza, die ich in Teilen sehr nützlich finde und auch Dir in Deiner Lage von Nutzen sein könnten. Über die ersten drei Begriffe habe ich in früheren Briefen der FL- Reihe schon geschrieben. Jetzt noch kurz, was ich mit Wunscherfüllungsmystik meine.

Ein typisches Beispiel von Wunscherfüllungsmystik finde ich das, was ich in meiner Kindheit als Religion erfahren habe. Es gibt einen persönlichen Gott, (Gott als Person) zu dem man spricht, (betet) und ihn um Gaben bittet. Im Ausgleich dazu ist man bereit an ihn zu glauben und so gut man es hinbekommt, denn im Grunde ist es unmöglich, sich an seine Gebote zu halten. „Lieber Gott, gib mir eine 3 in der Schulaufgabe, dann werde ich auch zwei Tage lang nicht masturbieren.“ Aber auch: „Lieber Gott, lass mich (nach dem soweit wie möglich entfernten Tod) zu Dir in den Himmel kommen und gib mir das ewige Leben. Ich bereue auch meine Sünden und gelobe Besserung.

Interessant ist, dass das ewige Leben auf jeden Fall auf einen wartet, selbst wenn man in die Hölle kommt. Dort ist es zwar nicht schön, aber sterben muss das kleine ich da auch nicht. Unter „ewig“ wird verstanden eine ganz lange, nie endende Zeit, in der das kleine Ich weiter existiert. Endlose Zeit, statt Auflösung der Zeit wie in der Pilosophia perennis.

Die christlichen Religionen in ihrer kirchlichen Ausprägung (es gibt sehr viel fortschrittlichere christliche Mystiker) verheißen nicht die Auflösung der Dualität, also die Einheit mit Gott bzw. Universum, vereinheitlichtes Quantenfeld, Nichts… sondern Gott und Geschöpfe bleiben getrennt. Es gibt zwei Götter, den lieben Gott und den Teufel. Es gibt den Himmel, in dem alle die positiven Pole der künstlichen Grenzziehungen landen (gut, hell, schön, glücklich, gesund…) und die Hölle, wo die entgegengesetzten Pole angesiedelt werden (böse, dunkel, hässlich, unglücklich, leidend…) Dabei könnten weder Himmel noch Hölle für sich alleine funktionieren. Es kann nicht gut erkannt werden ohne böse, nicht hell ohne dunkel, nicht schön ohne hässlich… Gott kann nicht sein ohne den Teufel. Gott und der Teufel sind eins. In der Dualität ist das Eine nur eine Spielart des Anderen, das Andere kann ohne das Eine nicht sein. Die Trennung ist künstlich, nicht real.

Diese Wunscherfüllungsmystik findet sich auch in Teilen der Dispenza- Meditationen. Man generiert sich je nach Bedarf Lottogewinne oder einen guten Job mit vielen Mitarbeitern die einem untergeordnet sind. Die Philosophie: Das Quantenfeld ist der Bereich der unendlichen Potentiale, die in Form von Wellen existieren. Durch das Einschwingen auf die richtige Frequenz und die Beobachtung zieht man die gewünschten Möglichkeiten an und sie kollabieren zu Materie.
Eine gespenstische Vorstellung: Die Bewerber um einen Job bekämpfen sich mit dem Mittel der Meditation. Der fortschrittlichste Meditierende bekommt den Job. Darin sehe ich keine Fortentwicklung.
Das Einstimmen auf eine bestimmte Frequenz beschreibt im Grunde die Resonanz. Nur Vorgänge oder Dinge, mit denen wir uns in Resonanz befinden, könne wir überhaupt wahrnehmen. Etwas zu visualisieren erhöht die Möglichkeit es in der Realität wieder zu erkennen. Wir ziehen es damit an.
Allerdings sollte man sehr vorsichtig sein, wenn man sich mit seinen Wünschen und Wunscherfüllungsstrategien in Konkurrenz zu seinen Mitmenschen begibt. Die Resonanz ist nur das zweithöchste Schicksalsgesetz (nach Ruediger Dahlke) Das oberste Schicksalsgesetz ist das der Polarität. Wenn ich mich stark über meine Mitmenschen erhebe, entsteht eine Spannung (wie in der Elektrik am Beispiel der elektrischen Pole) die nach Entladung drängt. Ruhe und Glück erlebe ich nur, wenn ich in Harmonie mit meiner Umwelt bin. So wundert sich mancher der Besteller beim Universum, dass ihm dieses schließlich eine Rechnung schickt (Dahlke)

Dieses „Schicksalsgesetz“ haben meine Freunde und ich schon mit 16 entdeckt, bei unseren Treffen und im Grunde weiß es irgendwo jeder einzelne von uns. Wer seinen Egoismus auf Kosten von Anderen ausdehnt, mehr für sich beansprucht als er braucht und ihm zusteht, der erzeugt Spannungen, Unmut und Unfrieden. Kein Wunder, dass wir so viele Spannungen in der Welt haben, bei den unglaublichen Ungleichheiten. Da verbrauchen Nationen von wenigen Millionen mehr der weltweiten Ressourcen als Milliarden der Anderen. Die Einen wissen nicht, wie sie ihr Geld zum Fenster rausschmeißen sollen, die Anderen hungern. Deshalb setzt sowohl die christliche Religion („O Herr, lass diesen Kelch an mir vorüber gehen, aber Dein Wille geschehe und nicht der meine.“) als auch Dr. Joe („wenn Deine Vision mit den Potentialen des Quantenfeldes übereinstimmt, dann werden sie sich erfüllen, immer, das ist das Gesetzt!“) eine Grenze für die Wunscherfüllungsphantasien.

Das Modell: Das Universum (mögliche Paralleluniversen auch) besteht zu 99,999999999 % aus Energie in Form von Wellen nur zu 0,000000001 % aus Materie. Wellen sind Frequenzen. (Schwingungshäufigkeiten) Frequenzen tragen Informationen. (wie beim Radio oder Fernsehen. Mit einem Radioempfänger können wir uns auf eine Frequenz einstimmen, die Frequenz entschlüsseln und die Musik (Information) hören. Die Summe dieser Informationen haben einen Sinn (Geist, Gott, vereinheitlichtes Quantenfeld). Nur weil diese Frequenzen nicht sichtbar sind (wir können nur den Bereich des sichtbaren Lichtes sehen) heißt das nicht, dass sie nicht da sind. Nach dem Plan dieses vereinheitlichten Quantenfeldes (damit ist vor allem die Superposition und die Verschränkung gemeint, siehe die Beschreibung der Quantenmechanik in einem früheren Brief FL2 vom 1.7.2018) entstehen Quarks, Atomkerne, Elektronen, Moleküle, Chemikalien, Gewebe, Organe, Plexen (Zentren, Chakren) Menschen. Neuronales Gewebe, wie es in allen Zentren existiert hat einen Geist (Mind) Materie ist dem Gesetz der Entropie (2. Gesetz der Thermodynamik) unterworfen. Das heißt, es verliert an Energie und strebt der Auflösung entgegen. Krankheit bedeutet, dass die Energie in einem oder mehreren der Zentren zu niedrig wird bzw. nicht mehr kohärent (die Zentren schwingen im Gleichklang) ist. Mittels Meditation kann die Energie wieder erhöht werden.

Berücksichtigung der Epigenetik: Krankheit und Gesundheit wird durch Genexpression beeinflusst. Genexpression wird unter anderem durch Einstellungen, Emotionen Gedanken, Überzeugungen beeinflusst. Wenn man krank oder unglücklich ist, muss man daran was ändern.
Wenn wir morgens aufwachen, dann suchen wir nach dem bekannten Konstrukt namens Ich. Wir haben sofort wieder dieselben Gefühle Einstellungen, Gedanken, Sorgen wie am Tag zuvor. (Guten Morgen liebe Sorgen, seid ihr auch schon alle da?) Wir machen fast dasselbe wie am Tag zuvor. Stehen mit dem gleichen Fuß auf derselben Seite aus dem Bett, duschen, trinken Kaffee, beantworten Emails oder SMSen, Twitter-, Facebook- oder WhatsApp- Nachrichten, fahren auf dem selben Weg zur Arbeit, treffen die gleichen Leute, machen fast die gleichen Dinge. Dabei haben wir dieselben Emotionen. Emotionen sind Überbleibsel aus vergangen Erfahrungen. Wir leben also fast ständig in der Vergangenheit und übertragen die Vergangenheit in eine vorhersehbare Zukunft, die sich kaum von der Vergangenheit unterscheidet. Denn Gedanken verknüpft mit einer Emotion erschaffen unsere Zukunft. Haben wir dieselben Gedanken und Emotionen wie gestern, übertragen wir die Vergangenheit in die Zukunft. Es werden also von Tag zu Tag dieselben Gene exprimiert. Die Energie folgt der Aufmerksamkeit. Richten wir unserer Aufmerksamkeit auf die Vergangenheit, lenken wir unserer Energie aus dem gegenwärtigen Moment in die Vergangenheit. Lebten wir komplett glücklich, wäre das gut so und wir könnten es dabei belassen. Wir würden uns nicht mehr weiterentwickeln. Wir wären am Ziel. Wollen wir aber an unserem Leben etwas ändern, müssen wir uns von der Vergangenheit frei machen und Neues kreieren. Dazu müssen wir in den gegenwärtigen Moment gehen. Uns ins Nichts begeben. (Hier begegnen wir den östlichen Traditionen.). Gibt es keinen Ort, an den wir denken, dann sind wir im Nirgendwo. Würden wir unserer Aufmerksamkeit von den Objekten und Dingen in unserem Leben abziehen, wären wir ein Nichts. Würden wir nicht mehr an eine vertraute Vergangenheit denken oder an eine vorhersehbare Zukunft, wären wir wirklich im gegenwärtigen Moment. Wir wären in der Zeitlosigkeit. In diesem eleganten Moment, beginnst Du Dich mit dem Quantenfeld zu verbinden. Das Quantenfeld ist frei von Materie und Zeit. Wir haben keine Sinne, das zu erfassen. Wir müssen es mit unserem Gewahrsein erfahren. Wir versuchen uns also des unendlichen schwarzen Feldes gewahr zu werden, ohne Zeit und Materie und es auf uns wirken zu lassen. Wir sind ein Nichts und Niemand ohne Körper und Emotionen als reines Gewahrsein. Kommen Gedanken hoch, so beobachten wir sie nur und lassen sie vorbeiziehen. Wir kehren zurück zum Gewahrsein des unendlichen schwarzen Feldes. Da ist der perfekte Ort zu kreieren. Unser Gehirn wechselt dabei in einen Zustand, indem wir die Kontrolle dem Unterbewusstsein überlassen. Das tut jetzt das, was es am besten kann und am liebsten tut. Unsere Körperfunktionen zu harmonisieren. Dies ist ein Moment der Heilung. Wir laden Informationen aus dem Quantenfeld herunter.
.....
.....
Anmerkung: Einen kurzen Abriss über die Quantenphysik habe ich im Thema "Stadt, Land, Fluß" im Beitrag #24 gegeben. Einen über Epigenetik ebendort im Beitrag #25


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#2 von petias , 05.08.2020 12:04

Wo stehen wir

Wie in meinem Beitrag #14 aus dem Forum "Lichthügel" im Thema "Dies und das für jeden was" (Coronavirus / Covid-19 / Sars-Cov-2) angekündigt, würde ich gerne die Probleme von Erde, Natur und Menschheit ansprechen.

Da dies nicht mehr unbedingt in den Bereich "für jeden was" fällt, wechsele ich den Thread.

Die Berichterstattung über die Pandemie beherrscht das Tagesgeschehen seit Anfang des Jahres so sehr, dass nichts anderes mehr zu existieren scheint. Wie groß das Problem ist, weiß niemand genau. Das ist ja der Grund für die massive Verunsicherung. Rechnen wir die gegenwärtigen Annahmen hoch, für den Fall, dass kein Impfstoff oder Heilmittel gefunden wird, so muss von einer weltweiten "Durchseuchung" von 60 Prozent (Herdenimmunität) der Menschheit ausgegangen werden. Das wären grob 4 Milliarden. Wenn davon, wie derzeit vermutet 2,3 Prozent sterben würden, sprächen wir von ca. 90 Millionen Toten weltweit. Das ist allerdings eine massive Bedrohung. Die Wahrscheinlichkeit, dass es soweit kommt halte ich für eher klein, aber mit ein paar Millionen Toten muss gerechnet werden.

In Relation gesetzt zu den Kriegstoten, den Verhungernden, den Verkehrstoten, denen die sich zu Tode fressen und saufen oder durch Drogenkonsum versterben, ermordet werden, Selbstmord begehen, an Luftverschmutzung sterben oder durch Unfälle, Gifte ...
fällt das nicht allzu deutlich ins Gewicht. Statistisch gesehen! Die, die es betrifft und deren Angehörigen denken sicher anders darüber.

Trotzdem sollten wir uns nicht von den Problemen ablenken lassen, vor denen wir vor der Entdeckung des Virus standen, und die keinesfalls dadurch verschwunden sind.

Erinnert sich noch jemand an Greta Thunberg, der gefeierten und gehassten Ikone der Bewegung "Fridays for Future", an die Zeit, in der die Schulkinder an den Freitagen die Schule schwänzten um für Maßnahmen gegen den Klimawandel zu demonstrieren?

Jetzt wurden die Kinder nach Hause geschickt und wenn sie nach den Ferien zurückkehren, müssen sie auf Einbahnstraßen durch die Schule laufen und Masken tragen. Mich wunderts, dass nicht irgendein Verschwörungsbehaupter die Schulbehörden verdächtigt, Corona verursacht zu haben. Der Virus aus dem Biologiesaal, der den Spuk der Freitagstreiks beendete!

Aber nur weil die Wirtschaft um ein paar Prozent Brutto Sozialprodukt einbricht, wobei die Analysten versichern, dass das in den nächsten Jahren wieder aufgeholt wird, ist dieses Thema nicht vom Tisch. Der Klimawandel, soweit der von der Mehrheit der Fachleute einigermaßen angemessen vorherberechnet wird, wird sehr viel größere Wirtschaftseinbrüche und Opfer an Menschenleben fordern als SARS-CoV-2.

Und selbst wenn es gelingt, den CO2- Ausstoß drastisch zu reduzieren, gelingt damit nur kurzfristige Symptomkorrektur, vergleichbar mit dem Verbot von FCKW als Treibmittel in Spraydosen, was immerhin dafür gesorgt hat, dass sich das Ozonloch langsam wieder schließt.

Das zentrale Problem für den Fortbestand des Ökosystems auf unserer Erde ist die Ideologie des ewigen Wachstums. Und die ist der unverzichtbare Bestandteil des Wirtschaftssystems, das mittlerweile weltweit als einziges übriggeblieben ist, des Kapitalismus!

Der Kapitalismus funktioniert nicht ohne Wachstum. Immerwährendes Wachstum, sowohl der Weltbevölkerung als auch deren Wohlstandes, gibt das Ökosystem Erde nicht her. Ein Dilemma!

Eine Lösung für diese Problem deutet sich noch nicht mal an (- sehen wir mal von der drastischen Reduzierung der Menschheit ab -) und doch ahnen die Normalbürger, dass das Versprechen nach dem Krieg das lange Zeit gültig schien - uns geht es wirtschaftlich besser als früher und unseren Kindern wird es noch besser gehen als uns - nicht mehr länger gelten kann. Der Rest der Welt erwacht und fordert seinen Teil an dem Kuchen und für alle reicht der einfach nicht, will jeder auch so ein großes Stück wie wir.

Also "America first" und "Deutschland den Deutschen" und lasst uns den Brexit durchziehen, auf dass das Britische Empire wieder auferstehe und lasst uns Mauern bauen!

Und haben wir so die hungrigen Mäuler ausgesperrt, dann müssen wir nur noch die Digitalisierung fördern und die künstliche Intelligenz, damit wir mit vorne dran bleiben in der Welt, dann wird alles gut!

Aber Corona hat uns gezeigt, wir müssen unsere Atemschutzmasken wieder selber herstellen, damit wir unabhängiger werden. Wie gut, dass wir genügend Rohstoffe wie seltene Erden für die Chips für unsere Digitalisierung im Land haben, haben wir?

Nein! Wir hätten das Land gerne abgeschottet in den ersten Wochen der Pandemie und die anderen EU- Partner Länder auch, aber schnell konnte den Ungarn und den Tschechen klar gemacht werden, dass nichts läuft, werden nicht die Warenströme an den Grenzen schnell und ungehindert durchgelassen. Und wer erntet unser Gemüse, sticht unsern Spargel, pflegt unsere Alten und Kranken, macht unsere Drecksarbeit?

Und was bringt uns eigentlich die Digitalisierung? Dann können wir doch Roboter bauen, die unsere Arbeit machen. Und was machen wir Menschen?


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#3 von petias , 06.08.2020 09:00

Globale Probleme

Unsere Probleme sind global:

Das Klima in Form von Hitze, Stürme, Trockenheit, Sturzfluten, Erdbeben, Steigen des Meeresspiegels ... macht nicht an Staatsgrenzen halt. Es trifft die, die am wenigsten dafür ursächlich sind häufig am härtesten. Dass der derzeitige Klimawandel menschengemacht ist, bezweifeln nur noch die ganz Verbohrten, auch wenn einige Staatenlenker darunter sind.

Nach einer längeren Phase der Entspannung wird wieder aufgerüstet. Mühsam erreichte Rüstungsbeschränkungsabkommen werden gekündigt. Nationalistisches Gedankengut ist wieder auf dem Vormarsch. Auch die Gefahr eines Atomkrieges wächst wieder. Mehr und mehr Psychopathen schummeln sich an die Hebel der Macht.

Der Klimawandel, die Pandemiegefahr durch Viren aus dem Tierreich, die auf den Menschen überspringen, das Artensterben und vieles mehr - sind alles Symptome ein und derselben Krankheit: die Menschheit und ihre Wirtschaft wächst und wächst. Ewiges Wachstum funktioniert nicht für die Welt und für eine Welt ohne Wachstum haben wir derzeit keinen Plan!

Weltweiter Konsens besteht darin, dass die Digitalisierung massiv vorangetrieben werden muss, und mit ihr die Entwicklung der künstlichen Intelligenz. Wie wir mit einer sich rasant ausbreitenden KI umgehen wollen, müssen wir uns bald und global überlegen, sonst ist es zu spät. Dazu mehr im nächsten Beitrag.

Große Bemühungen und Fortschritte werden im Bereich Biotechnologien erzielt. Das wirft ethische Probleme auf, die nach einer globalen Vereinbarung verlangen.


Alle unsere existenziellen Probleme als Menschheit verlangen nach globalen Vereinbarungen. Die Entwicklung von Wissenschaft und Technik, unser bedenkenloses Machen des Machbaren stößt an seine Grenzen. Sofortiges Handeln wäre überlebenswichtig. In dieser Situation erweiset sich die Demokratie als unfähig. Demokratie braucht verantwortungsbewusste und mündige Bürger. Damit sind wir offensichtlich völlig überfordert. Wenn Witzfiguren wie Trump und Bolsonaro (von den Orbans und Kim Jon-Uns dieser Welt gar nicht zu reden) nicht nur Wahlen gewinnen, sondern möglicherweise sogar wiedergewählt werden, dann stellt das ein verheerendes Zeugnis ihrem Wahlvolke aus.

Die Probleme, die der Homo Faber, der hirnlose Macher, (nicht der Homo Sapiens, der Weise, für den wir uns irrtümlich halten,) verursacht hat, sind ihm über den Kopf gewachsen. Er steht ihnen hilflos gegenüber und schlägt protestierend um sich ruft nach einem Papa, der es richten soll. Und er wendet sich an die Vaterfiguren von gestern, an die mit den großen hohlen Sprüchen, die sich drücken, wenn es ums Windeln wechseln geht.

Die Welt, die wir geschaffen haben, ist uns zu kompliziert, zu komplex geworden. Wir steigen nicht mehr durch. Auch die Fachleute, die uns beraten sollen, sind hochspezialisierte Fachidioten, die immer mehr von immer weniger wissen und haben keinen Überblick.

Wo sind die Weisen, die Platon als Staatenlenker vorgeschlagen hat? Unter den Menschen suchen wir sie vergeblich. Aber was ist mit der Künstlichen Intelligenz?


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#4 von petias , 12.08.2020 10:56

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI)

Zum Programm jeder Regierung, natürlich auch der Bundesregierung, gehört es die Digitalisierung voranzutreiben und die Entwicklung der künstlichen Intelligenz zu fördern. Das sind die Schlüsseltechnologien der Zukunft. Mitmachen, vorne mit dabei sein - oder hoffnungslos abgehängt werden - ist das Mantra.

Beides ist mit rieseigen Schritten auf dem Vormarsch, mehr als wir uns das bewusst machen. In den Hallen der Börsen geht es mittlerweile recht ruhig zu. Die Arbeit machen nicht mehr lauthals schreiende Broker, sondern Programme, die viel schneller reagieren können und viel komplexer analysieren, als das einem Menschen je möglich wäre.

Die Zeiten, wo Menschen z.B. im Schachspiel gegen einen Computer noch eine Chance hatten, sind lange vorbei. Im Dezember 2017 hat das Programm AlphaZero von Google über das Programm Stockfish 8, den unschlagbaren Schachweltmeister von 2016, gespielt. Stockfish 8 konnte pro Sekunde 70 Millionen Stellungen berechnen (AlphaZero nur 80000) und hatte Zugang zu allen gespeicherten Schachzügen der letzten 10 Jahre und in ihm steckte quasi das Schachwissen der Menschheit.
AlphaZero wusste nichts über Schach, nur die Regeln, war aber mit der neusten KI- Software für maschinelles Lernen ausgestattet. Das Programm hatte vier Stunden Zeit, sich im Schach zu üben, indem es gegen sich selbst spielte.

Die Gegner spielten 100 Spiele gegeneinander. 28 gewann AlphaZero, Die restlichen 72 Spiele endeten remi (unentschieden).

Ich erinnere mich noch gut, welche Sensation es 1997 war, als Kasparow der erste Schachweltmeister wurde, der gegen einen Computer verloren hat. Gegen den IBM Supercomputer Deep Blue.

Heute machen sich menschliche Schachspieler in Turnieren verdächtig sich heimlich Computerunterstützung zu holen, wenn sie besonders kreative Züge zeigen.

Es gibt immer mehr Gebiete, auf denen KI- Programme den menschlichen Hirnleistungen überlegen sind. Die KI ist auf dem Wege eine Superintelligenz zu werden.

Man sprich von Superintelligenz, wenn die Programme den Menschen auf allen Gebieten, die Intelligenz erfordern überlegen sind.

Fachleute rechnen damit im Zeitraum der Jahre 2050 bis 2100.

Wenn wir uns ansehen, welche Entwicklung Fachleute früher so für wahrscheinlich gehalten hatten, könnte es auch deutlich schneller gehen.

In Immer mehr Lebensbereichen werden uns Algorithmen analysieren, uns "hacken" wie wir ticken, bis sie uns besser kennen, als wir uns selbst. Schon heute können aus einer nicht sehr großen Anzahl aus Facebook- Likes Programme fast alles über uns erfahren. Kommt die Auswertung dessen hinzu, was wir kaufen, welche Filme wir uns ansehen, welche Bücher wir lesen und was für Internetseiten wir besuchen, kennen die vernetzten Analysten uns durch und durch. Kommen noch die Biometrischen Daten aus Fitnesstrackern und Ähnlichem dazu und das, was wir Cortana und Alexa und wie sie alle heißen anvertrauen, werden wir absolut gläsern.

Wenn uns andere besser kennen, als wir uns selbst, dann sind wir manipulierbar, ohne dass wir es merken. Wir verlieren unsere Freiheit.
Und das meist völlig unbewusst und freiwillig. Um ein Email- Programm kostenlos nutzen zu dürfen und uns lustige Tiervideos kostenlos zuschicken zu dürfen, verschenken wir bedenkenlos alles, was uns ausmacht an größtenteils anonyme Datenhändler, die damit machen, was sie reich und mächtig macht.
Unser Wertesystem verschiebt sich vom Humanismus (der einzelne Mensch steht im Mittelpunkt) hin zum Dataismus (nur unsere Daten sind von Interesse).

Lernen die Programme uns immer besser kennen, kann das, was wir tun mit rapide fortschreitender Technik und Bionik von Robotern und vernetzten Computern besser und zuverlässiger ausgeführt werden als von uns.

Die Gefahr besteht, dass es bald eine kleine hochgebildete und hochgerüstete Klasse von Spezialisten gibt, die mit der Technik die Arbeit machen, und eine große Klasse für den Arbeitsmarkt Bedeutungslosen, die mit Grundeinkommen alimentiert und mit Musik und Filmen, Fitnessprogrammen, Meditation und Yoga, Drogen und Sex ruhig gehalten werden.

Darin könnte eine persönliche Chance liegen, sich, von der Plackerei befreit, den wichtigen Dingen des Lebens zuzuwenden, aber welches sind die?

Und, wenn die bedeutungslosen Massen angesichts von Ressourcenknappheit und Überbevölkerung und - weil KI für KI produziert - als Konsumenten nicht mehr gebraucht werden, wie sieht dann deren Zukunft aus?


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RE: Philosophie

#5 von petias , 13.08.2020 08:09

Wird die KI die Herrschaft an sich reißen?

In den meisten Science Fiction Filmen, in denen es um Computer und KI geht, ergreifen unsere Geschöpfe auf die eine oder andere Weise die Macht. In den älteren Filmen verändert sich eine Schaltung im Elektronengehirn, weil der Roboter etwas erlebt, was ihn hinsichtlich der Asimov'schen Gesetze in unlösbare Konflikte stürzt:

Diese lauten:
Ein Roboter darf kein menschliches Wesen verletzen oder durch Untätigkeit , zulassen, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.
Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen – es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren.
Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert.

In den aktuelleren Filmen entwickelt die KI ein Bewusstsein, das sie zur Persönlichkeit mit Eigeninteressen macht.

Wie realistisch solche Szenarien sind, ist noch nicht geklärt. Tatsächlich ist sich die Wissenschaft nicht einig, was Bewusstsein ausmacht.

Thesen zum Bewusstsein:
- Bewusstsein ist von organischer Biochemie abhängig und kann von nicht organischer KI nicht erlangt werden.

- Bewusstsein hat nichts mit Biochemie zu tun, sondern ist ein Ausdruck von Intelligenz. KI wird ein Bewusstsein entwickeln müssen, will sie eine bestimmte Stufe von Intelligenz überschreiten.

- es gibt keine zwingende Verbindung zwischen Bewusstsein und Biochemie sowie Bewusstsein und Intelligenz. KI kann Bewusstsein entwickeln, muss es aber nicht.

Bevor wir den Geist aus der Flasche lassen, sollten wir diese Fragen erst mal klären.

Aber noch gefährlicher könnte es sein, wenn KI sich seinem Herrn gegenüber absolut loyal verhält, und dieser "Herr" kein wohlmeinender Menschenfreund ist oder ihn seine Macht schlichtweg überfordert.

Gut möglich, dass es uns geht, wie dem Zauberlehrling:

Hat der alte Hexenmeister
sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
auch nach meinem Willen leben.
Seine Wort und Werke
merkt ich und den Brauch,
und mit Geistesstärke
tu ich Wunder auch.

Walle! walle
Manche Strecke,
dass, zum Zwecke,
Wasser fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.

Und nun komm, du alter Besen!
Nimm die schlechten Lumpenhüllen;
bist schon lange Knecht gewesen:
nun erfülle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
oben sei ein Kopf,
eile nun und gehe
mit dem Wassertopf!

Walle! walle
manche Strecke,
dass, zum Zwecke,
Wasser fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.

Seht, er läuft zum Ufer nieder,
Wahrlich! ist schon an dem Flusse,
und mit Blitzesschnelle wieder
ist er hier mit raschem Gusse.
Schon zum zweiten Male!
Wie das Becken schwillt!
Wie sich jede Schale
voll mit Wasser füllt!

Stehe! stehe!
denn wir haben
deiner Gaben
vollgemessen! –
Ach, ich merk es! Wehe! wehe!
Hab ich doch das Wort vergessen!

Ach, das Wort, worauf am Ende
er das wird, was er gewesen.
Ach, er läuft und bringt behende!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
bringt er schnell herein,
Ach! und hundert Flüsse
stürzen auf mich ein.

Nein, nicht länger
kann ichs lassen;
will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach! nun wird mir immer bänger!
Welche Miene! welche Blicke!

O du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh ich über jede Schwelle
doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
steh doch wieder still!

Willst am Ende
gar nicht lassen?
Will dich fassen,
will dich halten
und das alte Holz behende
mit dem scharfen Beile spalten.

Seht da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nur auf dich werfe,
gleich, o Kobold, liegst du nieder;
krachend trifft die glatte Schärfe.
Wahrlich, brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen,
und ich atme frei!

Wehe! wehe!
Beide Teile
stehn in Eile
schon als Knechte
völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!

Und sie laufen! Nass und nässer
wirds im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! hör mich rufen! –
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister
werd ich nun nicht los.

»In die Ecke,
Besen, Besen!
Seids gewesen.
Denn als Geister
ruft euch nur zu seinem Zwecke,
erst hervor der alte Meister.«
---------------------------------------------------- Johann Wolfgang von Goethe (1797 in Weimar)


Doch wer wird kommen, wenn wir nach unserem Meister rufen?


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RE: Philosophie

#6 von petias , 16.08.2020 15:49

Aquis submersus

Neulich war ich mit reichlich Gepäck im Zug unterwegs. Da ich bereits sehr beladen war, gestattete ich mir nur was Kleines, Dünnes und Leichtes als Lektüre zum mitnehmen. Meine Wahl fiel auf das kleine gelbe Reclam-Heftchen mit Theodor Storms "Aquis submersus"

In der Rahmenhandlung streift der Ich- Erzähler mit seinem Freund den er aus der gemeinsam besuchten "Gelehrtenschule" kennt, durch den Pfarrhof der Eltern des Freundes. Sie stoßen im Kirchenschiff auf das Bild eines toten Jungen, das neben dem Bildes eines Pfarrers hängt. Die beiden Bilder heben sich deutlich von den anderen Bildern in der Kirche ab und scheinen, obwohl unsigniert, von einem holländischen Maler abzustammen.

Auf dem Bild des ca. fünfjährigen toten Jungen sind am Rand statt einer Signatur vier Buchstaben angebracht: C.P.A.S. Der Vater des Freundes erzählt, dass der Pfarrer auf dem einen Bild der Vater des toten Knaben ist und dass A. S. auf dem Bild des Knaben nach Überlieferung für "Aquis Submersus" steht - im Wasser untergetaucht, also ertrunken.
über das C.P. wird spekuliert. Casu Periculosu - durch gefährlichen Zufall - sagen manche. Der Icherzähler aber vermutet: Culpa Patris - durch die Schuld des Vaters.

Jahre später findet der Icherzähler die Aufzeichnungen des Malers der beiden auf geheimnisvolle Weise verbundenen Bilder:

Der Maler, Johannes, war in früheren Jahren häufig zu Gast bei einem adeligen Gönner, der in der Schuld seines Vaters stand. Dort lernte er den Sohn des Adeligen kennen, der ihn hasste und die Tochter, Katharina, mit der er sich prächtig verstand. Sie verliebten sich, und weil es wegen des Standesunterschiedes keinen Weg zueinander gab, ging er nach Holland um Maler zu werden, denn die holländischen Maler waren hoch angesehen und den Adeligen gleichgestellt - zumindest in Holland.

Mit einigem Erfolg in der Tasche kehrte er zurück um um die Hand von Katharina anzuhalten. Der Gönner war gestorben, der Sohn jetzt der Herr und die Tochter sollte mit einem Adeligen Freund des Sohnes verheiratet werden, den die schon seit Kindertagen hasste.

Johannes, schon mal da, malte, wie damals üblich, das Totenbild des verstorbenen Barons. Dabei entflammte die Liebe zwischen Katharina und Johannes aufs neue. Er hielt beim Bruder um die Hand der Schwerster an. Der wollte ihn töten, er floh in die Kammer der Geliebten und tief in der Nacht zurück nach Holland.
Katharina erwiderte nicht seine Briefe.
Sie war, was Johannes nicht wusste, in jener Fluchthelfernacht schwanger geworden und bekam einen Sohn. Da der Junker nicht länger Katarina heiraten wollte - mit einem Kind - verschaffte man einem Geistlichen eine Pfarrerstelle, wenn er im Gegenzug Katharina ehelichte und das Kind als seines annahm.

Jahre später, sollte Johannes eben diesen Geistlichen malen. Als er damit fertig war, entdeckt er durch Zufall im Garten des Pfarrhofes Katarina und das Kind. Katharina erzählte ihm die Zusammenhänge. Er küsste sie und während sie abgelenkt waren, ertrank der fünfjährige Sohn im Gartenteich.

Alle waren untröstlich. Man kam überein, dass Johannes das tote Kind malen sollte und dann für immer verschwinden. Das tat er, nachdem er die Buchstaben C.P.A.S. statt einer Signatur unter das Bild seines toten Sohnes gesetzt hatte. Katharina sah er nicht wieder.

Später schrieb Storm an seinen Freund Heyse, dass die Ursache des Unglückes nicht in der Schuld des Vaters (und wohl auch der Mutter) zu sehen ist, sondern, wie bei "Romeo und Julia", liege alle Schuld: "auf der anderen Seite, auf dem Übermute eines Bruchteils der Gesellschaft".

Es gab immer "Klassen" in der Geschichte der Menschheit. Freie und Leibeigene, Herren und Sklaven, Adelige und Gemeine, Herrenmenschen und Untermenschen. Begründet wurde das mit einer Überlegenheit von Fähigkeiten und Genen. Das war nie richtig oder berechtigt und alle wussten das. Die einen waren es nie zufrieden, die anderen sich dessen nie ganz sicher. Es gab Befreiungskriege und Revolutionen.

Die erhebliche und ständige wachsende Polarisierung zwischen Reichen und Armen auf der einen Seite (die 100 reichsten Menschen auf der Erde besitzen genau so viel, wie die ärmsten 4 Milliarden der Menschheit) und den Fortschritt in Biotechnologie, Medizin und Künstlicher Intelligenz, werden vermutlich dafür sorgen, dass die Klassenunterschiede zu tatsächlichen biologischen Unterschieden führen. Lebensverlängernde Maßnahmen, Verbesserungen des Gehirns, Leistungssteigerungen, Ersatzorgane, Cyborg- Implantate werden vermutlich Geld kosten, mehr als sich die Ärmeren leisten können. So geht die Schere immer weiter auf. Und diesmal sind die Unterschiede nicht nur Dünkel, sondern real!


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RE: Philosophie

#7 von petias , 17.08.2020 22:12

Kulturmenschen und Barbaren

In einigen der guten Science Fiction - Geschichten, ich denke z.B. An "Schöne neue Welt" von Aldous Huxley oder die "Tribute von Panem" von Suzanne Collins, gibt es die zentral organisierte, technisierte erste Welt und die Hinterwäldler und Barbaren, die außerhalb der großen Städte und ihrer Farmen liegen. Die Städte schotten sich gegen die Barbaren ab und halten sie auf Distanz. Sonst sind sie sich selbst überlassen.

Ich finde das eine durchaus mögliche Entwicklung, denkt man an die Massen nutzloser Esser und die kleine Elite von "neuen Menschen", die die Mischung aus Wirtschaftsliberalismus (Kapitalismus), Biotechnologie, Künstlicher Intelligenz, Klimawandel und Ressourcenknappheit hervorbringen könnte.

Meine Sympathie gehört den Barbaren. Wenn die Eliten in eigenem Interesse dafür sorgen, dass das Biotop Erde erhalten bleibt und sie - vielleicht nur zur Sicherheit als künftigen Genpool und für alle Fälle, aus Sentimentalität oder warum immer - die Barbaren dulden, solange sie ihnen nicht gefährlich werden, sei ihnen ihre "Überlegenheit" und ihr Reichtum gegönnt.

Ich versuche schon mal barbarische Überlebenstechniken - Beeren und Kräutersammeln, Kleingartengemüsebau, Obstbäume, Dorfgemeinschaften und gute Nachbarschaften pflegen - zu erhalten und auszubauen. Darum geht es auf dem Lichthügel!


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RE: Philosophie

#8 von petias , 06.10.2020 08:43

Georgia Guidestones Richtlinie 1

Halte die Menschheit unter 500 Millionen
in fortwährendem Gleichgewicht mit der Natur.



Hier der Link zum einführenden Artikel: im Zitat auf "Dies und das für jeden was" klicken, dann den Artikel lesen und durch Klicken auf den Pfeil links oben zu diesem Beitrag zurückkehren.

Zitat von petias im Beitrag Dies und das für jeden was
Georgia Guidestones


Die Frage, ob das bedeutet, die Erbauer des Monumentes hätten sich verschworen die Menschheit mit brutalen Mitteln zu dezimieren, wird im einführenden Artikel behandelt. Hier geht es um die Aussage an sich und deren Implikationen aus philosophischer Sicht.

Um die Zeitenwende, so grob zu Christi Geburt, gab es weniger als 200 Millionen Menschen auf der Erde. Die oben genannten 500 Millionen wurden ca. im Jahre 1650 erreicht.
Also erst vor 370 Jahren. Das ist noch gar nicht solange her. In meiner bisherigen Lebenszeit hat sich die menschliche Bevölkerung auf der Erde mehr als verdreifacht. (von ca. 2,55 Milliarden auf ca. 7,72 Milliarden)

Wie sah die Welt 1650 aus?

Der 30 Jährige Krieg war in Europa vor zwei Jahren zu Ende gegangen.

Deutschland gab es noch nicht

Maximilian Heinrich von Bayern wird Erzbischof und Kurfürst von Köln.

Im Kurfürstentum Sachsen erlebte der Dresdner Hof eine Doppelhochzeit mit vierwöchigen Feierlichkeiten. Christian und Moritz, die letzten beiden ledigen Söhne des Kurfürsten Johann Georg I., heirateten die holsteinischen Schwestern Christiana und Sophie Hedwig.

in Brandenburg-Preußen wechselt Schloss Bötzow den Besitzer und den Namen. Am 27. September erhält Kurfürstin Luise Henriette das Amt mit allen dazu gehörigen Dörfern, Äckern, Vorwerken, Schäfereien, Mühlen, Fischereien in der Havel, Karpfenteichen etc. auf Lebenszeit überschrieben.

Schottland wird in der Schlacht von Dunbar von Cromwell und seiner New Model Army besiegt.

Ein Erdbeben zerstört Cusco im Vizekönigreich Peru.


Ganz offensichtlich: es reicht nicht, die Bevölkerung auf 500 Millionen zu schrumpfen, um eine bessere Welt zu schaffen. Aber: 500 Millionen Menschen kommen mit den Ressourcen der Erde sicher besser hin, als 10 Milliarden, die wir voraussichtlich in einer nicht allzu fernen Zukunft sein werden.

Wenn 500 Millionen, das wäre z.B. die Einwohnerzahl von USA, Kanada und Mexiko zusammen, sich die Ressourcen der Erde teilen könnten, bekäme jeder schon ein recht ordentliches Stück, aber auch die könnten nicht alle ein Leben führen wie Jeff Bezos (Gründer von Amazon, angeblich reichster Mann der Welt mit 190 Milliarden Doller Vermögen) oder Bill Gates (116 Milliarden) oder Mark Zuckerberg (Facebook, Twitter, WhatsApp 98 Milliarden) oder Elon Musk (PayPal, SpaceX, Tesla 94 Milliarden) oder die anderen Milliardäre.

Die Bevölkerung auf 500 Millionen zu begrenzen, ohne eine Ethik der Verteilung und neue Standards des Zusammenlebens würde wenig bewirken!

Interessanter ist die Frage, wie das "fortwährende Gleichgewicht mit der Natur" herzustellen wäre. Es müsste eine Instanz geben, die definiert, wann bzw. unter welchen Bedingungen die Natur, die sich unaufhörlich ändert im Gleichgewicht ist. Eine mit Macht ausgestattete Instanz müsste die Einhaltung des Gleichgewichtes erzwingen. Ein Mechanismus müsste die Verteilung der Ressourcen unter den Bewohnern der Erde steuern.

All das ließe sich auch - wenn auch auf einem niedrigeren Niveau - bei 10 Milliarden Menschen erreichen. Diese erste Richtlinie erweist sich zunächst als Leerformel. Sie bringt keine neue Qualität. Verständlich vielleicht aus der Sicht einer kleinen reichen Gruppe, die ihren Lebensstandard hochgerechnet auf 500 Millionen Mitbürger von der Natur noch verkraftbar wäre.
Wie auch immer, die 500 Millionen sind eine sehr theoretische, ja willkürlich festgelegte Größe. Was wissen die Urheber der Tafeln schon über einen Plan der Evolution, sollte es sowas geben oder gar Gottes Plan, falls das was anderes ist? Es fehlt jegliche Legitimation und Begründung.

Wenn wir schon bei Legitimation und Begründung sind,
wie wird gesichert - ich gehe mal davon aus, dass angenommen wurde, der 3. Weltkrieg hätte die Menschheit unter diese Zahl dezimiert - dass die 500000000 nicht überschritten werden. Wer kontrolliert die Fortpflanzung der Bevölkerung. Wer entscheidet die Maßnahmen zur Geburtenkontrolle?

Wir sollten die anderen Richtlinien nach und nach mit dazu nehmen um zu sehen, ob uns das weitere Hinweise gibt.


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RE: Philosophie

#9 von petias , 07.10.2020 08:21

Georgia Guidestones Richtlinie 2

Lenke die Fortpflanzung weise
um Tauglichkeit und Vielfalt zu verbessern.


Hier brauchen wir mal das Englische Original:

Guide reproduction wisely — improving fitness and diversity.
Aha, "Lenke" wurde aus "Guide" und "Tauglichkeit" aus "fitness" übersetzt. Ich denke "Fitness" steht uns als Lehnwort der englischen Sprache näher als das leicht angestaubte urdeutsche Wort "Tauglichkeit!

Wer A sagt, muss auch B sagen.
Begrenzt man die Menschheit auf 500 Millionen, so muss man auch die Fortpflanzung steuern. Aktive Geburtenkontrolle! Aber nicht nur irgendwie. "Dass dies mit Verstand geschah, war Herr Lehrer Lempel da..." (aus Max und Moritz von Wilhelm Busch)

Diese ersten beiden Richtlinien richten sich nicht an den Einzelnen, so wie einige der anderen, die noch kommen, sondern an die Politik.
Die Art der Reproduktionssteuerung bleibt offen. Die Wie- Beschaffenheit des Produktes hängt vom Ziel ab.

Will ich Soldaten züchten (wäre nichts wirklich Neues) oder Einsteins?

Oder das "Mens sana in corpore sano" - "gesunder Geist in gesundem Körper" - Ding der alten Griechen (von den Römern übernommen und später vom Turnvater Jan)?
Vielleicht veranstaltet man eine Sport- und Wissensolympiade und die Sieger pflanzen sich fort?
Ich sehe schon ein mediales Dating-Format vor meinen Augen, indem die Olympiasieger auf eine malerische Insel verbannt werden, begleitet von unzähligen Kameras und nicht eher wieder herunter dürfen, bis alle Frauen schwanger sind.

Oder doch lieber Huxleys Retorten-Flaschen-Babys genetisch manipuliert auf Vorrat produziert und nach Bedarf entkorkt in Kasten eingeteilt und entsprechend indoktriniert?
Wenn was nicht passt, lassen wir unsere frischgebackenen Nobelpreisträgerinnen mit ihren "Crispr/Cas9-Genscheren" dran und schnipp schnapp das Genproblem ist ab.

Oder pfuschen wir vielleicht lieber doch nicht mit Sachen rum, die wir nicht verstehen und verlassen uns auf die Erkenntnisse der Epigenetik. Unser Genpool ist riesig groß. Da er überwiegend in unseren Darmbakterien schlummert, fast unendlich erweiterbar. Leben wir, wie wir es für richtig erkennen und vertrauen darauf, dass die dadurch gesetzten Umwelteinflüsse die richtigen Gene an- und abschalten. Der Genpool ist für alle Eventualitäten gerüstet. Finger weg von der Schnippelschere, wer weiß schon, ob wir das Weggeschnippelte nicht noch mal brauchen werden auf unserem Weg. Und sei es Trisomie 21!


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RE: Philosophie

#10 von petias , 08.10.2020 10:14

Georgia Guidestones Richtlinie 3

Vereine die Menschheit
mit einer neuen, lebendigen Sprache.


Eine gemeinsame Sprache zu sprechen ist der Verständigung zweifellos förderlich.

Seit 1887 gibt es die Sprache Esperanto die am weitesten verbreitete Plansprache seitdem. Der russische Augenarzt Dr. Ludwik Lejzer Zamenhof genannt Doktoro Esperanto (der hoffende Doktor) hat sie entwickelt. Er wollte damit genau das tun, was diese Richtlinie fordert: das babylonische Sprachenwirrwarr beenden.

Dafür wurde die Sprache als sehr leicht erlernbar für jedermann erfunden.

Die Schreibweise ist phonematisch. Jeder Buchstabe hat nur eine Aussprache.
Es gibt kein grammatikalisches Geschlecht (Nicht so wie im Deutschen: Der Löffel, die Gabel, das Messer).
Es gibt nur eine Deklination.
Es gibt nur eine Konjugation.
Die Sprache ist agglutinierend, d. h. alle Wortstämme bleiben bei Konjugation und Deklination unverändert.
Es gibt nur sehr wenige grammatische Regeln und diese gelten ohne Ausnahmen.
Die erste Ausgabe des Unua Libro, in Russisch, umfasst 40 Seiten im Format A5. Der Grammatik-Teil darin enthält 16 Regeln auf sechs Seiten.


Auch wenn es viele Leute gibt, die noch nie was davon gehört haben, so wird die Esperanto- Sprachgemeinde doch auf gut 1 Million geschätzt.

Sogar China veröffentlicht seit 2001 täglich Nachrichten und betreibt eine Internet-Zeitschrift und Radiosendungen in Esperanto.
Vielleicht hoffen die Chinesen irgendwann ihre aufwendigen Schriftzeichen loszuwerden.

Die Amis, die die Urheber des Georgia Guidestones Denkmals sind, haben es nicht für nötig befunden, Ihre Weisheiten in Esperanto zu formulieren, obwohl es der geforderten "neuen" Weltsprache noch am nächsten kommt. Aber zu den Zeiten des Kalten Krieges war es wohl nicht möglich, auf eine von einem Russen erfundene Sprache zu verweisen.

Vermutlich waren die Herren eher der Meinung, dass man dafür einfach Englisch nehmen sollte.
Tatsächlich erfüllt Englisch heute als einzige Sprache die Funktion einer Weltsprache. Zwar hat Mandarin (Wichtigster Chinesischer Dialekt) mehr Muttersprachler als Englisch und Spanisch zusammen, aber bei einer Weltsprache geht es nicht um die Muttersprachler, sondern gerade um die Verbreitung unter den anderen Nationen. Englisch wird bei ca. 375 Millionen Muttersprachlern von weltweit 1,5 Milliarden Menschen gesprochen und ist damit ganz klar führend. Aber sie deshalb als weltweite Amtssprache einzuführen, ist aus Gründen des Nationalstolzes vorläufig undenkbar.

Allerdings werden die Übersetzungsprogramme und die Simultan- Dolmetsch- Systeme so gut, dass die Sprachtransparenz bald auch in Babylon gewährleistet wäre.

Sprechen wir aber von einer Auferstehung der Menschheit nach totaler Katastrophe, was, wie ich vermute die Perspektive der Urheber der Tafeln war, dann ist die Bildung einer Weltsprache kaum ein vordringliches Ziel. Entwickelt sich die Menschheit allerdings hin zu einem Punkt, wo es internationale Gerichtshöfe gibt, wie eine andere Richtlinie fordert, dann wird eine gemeinsame Sprache - oder ein gutes Übersetzungssystem wie das der heutigen Vereinten Nationen - von zentraler Bedeutung sein.

Mehrfachübersetzungen zwischen Sprachen bergen immer die Gefahr, dass Feinheiten der Ursprungssprache in Stil und Sinn verlorengehen.


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RE: Philosophie

#11 von petias , 09.10.2020 08:38

Georgia Guidestones Richtlinie 4

Beherrsche Leidenschaft – Glauben – Tradition und alles sonst
mit gemäßigter Vernunft.


Diese Richtlinie richtet sich sowohl an den Einzelnen als auch an die Politik. Sie ist ganz sicher eine berechtigte Aufforderung und so ganz im Allgemeinen, mit gebührendem Abstand betrachtet, eigentlich auch jedem klar. Aber in der "Hitze des Gefechtes" - sei es im Krieg oder in der Liebe, wobei angeblich alles erlaubt ist - wird diese Erkenntnis allzuleicht hinweggespült.

Übertriebene Leidenschaft schafft, wie der Name schon andeutet, Leid! Übertriebener Glaube führt zu naiven, blindem Glauben und im Ende zu Glaubenskriegen egal ob der Glaube im Bereich der Religion, der Politik der Wissenschaft oder der Lust angesiedelt ist. Falsch verstandene und übertriebene Traditionspflege führt zum Ku-Klux-Klan, falsch verstandenen und übertriebenen Ehre zum Ehrenmord.

Niemand und nichts ist nur böse, schwarz oder richtig, es sind nur jeweils die Endpunkt einer Linie, die immer auch einen zweiten Endpunkt hat und viele Zwischentöne.

Sich diese Erkenntnis immer wieder zu vergegenwärtigen ist sicher sinnvoll und erstrebenswert, sowohl im privaten Bereich, als auch in der Öffentlichkeit. Aber - diese Erkenntnis ist so alt wie die Philosophie und scheitert immer wieder in den Nicklichkeiten des Alltags und der Politik.

Sie in Steintafeln zu meißeln wird darin nichts ändern!


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RE: Philosophie

#12 von petias , 10.10.2020 00:12

Georgia Guidestones Richtlinie 5,6,7

In den nächsten drei Richtlinien geht es um Recht, Gesetze und Gerichte.

Richtlinie 5
Schütze die Menschen und Nationen
durch gerechte Gesetze und gerechte Gerichte.


Für gerechte Gesetze und gerechte Gerichte bedarf es der Gewaltenteilung. Eine frei gewähltes Parlament bildet die Legislative, macht die Gesetzte.
Unabhängige Gerichte übernehmen die Rechtsprechung. (Jurisdiktion)
Die Exekutive (Regierung mit ihren Organen bis hin zur Polizei) sorgt für die Umsetzung der richterlichen Anweisungen und Urteile.
Ein aufwendiges Verfahren, aber die verantwortliche Dreiteilung der Macht ist eine unverzichtbare Messlatte für einer Demokratie. In einigen Ländern der EU geht diese Dreiteilung gerade verloren. Ungarn unter Ministerpräsident Orban ist längst kein demokratischer Staat mehr)

Das derzeitige Gerangel um die auf Lebenszeit ernannten Bundesrichter in den USA, zeigt, dass auch die USA in dieser Hinsicht ein Grenzfall ist. Ämter auf Lebenszeit vertragen sich nicht mit dem Wesen von Demokratie.

Richtlinie 6
Lass alle Nationen ihre eigenen Angelegenheiten selbst/intern regeln
und internationale Streitfälle
vor einem Weltgericht beilegen.


Das ist derzeit bereits der Fall. Seit 1945 gibt es den Internationalen Gerichtshof der Vereinten Nationen in Den Haag.
1980, als die Tafeln erbaut worden waren, wurde gerade eine Klage der USA gegen den Iran verhandelt, wegen der Inhaftierung amerikanischer Diplomaten. Allerdings werden vor dem Internationalen Gerichtshof nur Fälle zwischen den Nationen verhandelt, die ihn anerkennen und auch nur, wenn sie mit der Verhandlung einer Sache einverstanden sind.
Die Umsetzung eines Urteils erfolgt auf freiwilliger Basis. Es gibt keine Executive.

Richtlinie 7
Vermeide belanglose Gesetze
und unnütze Beamte.

Eine verständliche aber nicht operationalisierbare Forderung. Ob ein Gesetz sinnvoll ist oder unnütz entscheidet die Legislative. Dort gibt es meist mehrere Parteien und zwei gesetzgebende Gremien (Bundestag, Bundesrat/ Unterhaus, Oberhaus / Kongress, Senat...) Was da beschlossen wird ist Gesetz. Dass es sinnvoll und nicht belanglos ist, kann man nur hoffen.

In der Summe wird hier weitgehend der Status Quo der zu dieser Zeit entwickelten Demokratien als Forderung an eine neue Gesellschaft aufgestellt. Richtlinie 7 ist nur ein Apell den Bürokratieapparat schlank zu halten, was durchaus wünschenswert ist. Aber dieser Apparat ist direkt proportional zur Komplexität der Gesellschaft. Die nimmt weltweit zu.

Im Rahmen der Globalisierung, das ist heute viel klarer zu sehen als 1980, haben die meisten Entscheidungen auf nationaler Ebene internationale Auswirkungen. Wenn Trump oder Xi Jinping eine Bemerkung macht, schlagen die Börsen- Indizes der Welt aus.
Umwelt oder wirtschaftspolitische Entscheidungen wirken sich weltweit aus.
Der Internationale Gerichtshof hat kaum Macht.
Die Forderung an eine Neue Ordnung der Menschheit müsste in der Auflösung der Nationalstaaten bestehen. Regionale Selbstverwaltung wo immer möglich aber im Konfliktfall liegt die letzte Entscheidung bei Gremien mit weltweiter Geltung. Diese Entwicklung kann nur freiwillig geschehen und wird noch auf sich warten lassen.
Ob dieser Einigungsprozess rechtzeitig geschieht, bevor sich die Menschheit vernichtet oder zurück in die Steinzeit befördert und alles von vorne beginnt, muss bezweifelt werden.

Die Erbauer der Steine zeigen keine ausgereiften und überzeugenden Zukunftsvisionen!


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RE: Philosophie

#13 von petias , 11.10.2020 00:13

Georgia Guidestones Richtlinie 8

Schaffe ein Gleichgewicht zwischen den persönlichen Rechten und
den gesellschaftlichen/sozialen Pflichten.


Ein Mann stand vor Gericht, weil er beschuldigt wurde, er hätte einen Passanten auf die Nase geschlagen. Der Mann verteidigte sich. "Herr Richter, ich bin ein freier Mann. Ich kann jederzeit mit meinen Armen fuchteln. Was kann ich dafür, wenn dieser Passant sich meiner Faust in den Weg stellt?"

Der Richter antwortete: "Stimmt, sie sind ein freier Mann! Aber ihre Freiheit endet da, wo die Nase ihres Mitbürgers beginnt", und verurteilte ihm zu Schmerzensgeld und einer Geldstrafe.

"Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt." Immanuel Kant (1724-1804)

"Die Freiheit besteht darin, dass man alles das tun kann, was einem anderen nicht schadet." Matthias Claudius (1740-1815)

"Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern darin, dass er nicht tun muss, was er nicht will." Jean-Jacques Rousseau (1712-78)

"Was du nicht willst, das man dir tu', das füg auch keinem andern zu.“ Sprichwort/Goldene Regel

"Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden." Rosa Luxemburg (1871-1919)

"Wer Freiheiten aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, verdient weder Freiheit noch Sicherheit." Benjamin Franklin (1706-1790)

"Wer anderen die Freiheit verweigert, verdient sie nicht für sich selbst." Abraham Lincoln (1809-1865)

„Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ Art. 14 Abs. 2 des Grundgesetzes (Verfassung) der BRD

Derart gut klingende aber blutleere Statements des Liberalismus könnte man beliebig fortsetzen.

Das Privateigentum hat uns so dumm und einseitig gemacht, dass ein Gegenstand erst der unsrige ist, wenn wir ihn haben, also als Kapital für uns existiert oder von uns unmittelbar besessen, gegessen, getrunken, an unsrem Leib getragen, von uns bewohnt etc., kurz, gebraucht wird. Obgleich das Privateigentum alle diese unmittelbaren Verwirklichungen des Besitzes selbst wieder nur als Lebensmittel fasst und das Leben, zu dessen Mittel sie dienen, ist das Leben des Privateigentums Arbeit und Kapitalisierung. Karl Marx (1818 - 1883)

Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz für ihre Produkte jagt die Bourgeoisie über die ganze Erdkugel. Überall muss sie sich einnisten, überall anbauen, überall Verbindungen herstellen.
Die Bourgeoisie hat durch ihre Exploitation des Weltmarkts die Produktion und Konsumption aller Länder kosmopolitisch gestaltet. Sie hat zum großen Bedauern der Reaktionäre den nationalen Boden der Industrie unter den Füßen weggezogen. Die uralten nationalen Industrien sind vernichtet worden und werden noch täglich vernichtet. Sie werden verdrängt durch neue Industrien, deren Einführung eine Lebensfrage für alle zivilisierten Nationen wird, durch Industrien, die nicht mehr einheimische Rohstoffe, sondern den entlegensten Zonen angehörige Rohstoffe verarbeiten und deren Fabrikate nicht nur im Lande selbst, sondern in allen Weltteilen zugleich verbraucht werden.

Karl Marx – Friedrich Engels Manifest der Kommunistischen Partei

Dieser Text von Marx und Engels aus dem Jahre 1848 beschreibt erstaunlich genau unsere heutige globalisierte Gesellschafft. Das "große Bedauern der Reaktionäre" hat sich mit Donald Trump, Boris Johnson und vielen anderen vorübergehend eine Stimme verschafft. Ein krampfhaftes letztes (oder vorletztes?) Aufbäumen gegen die Globalisierung, aber der Zug ist längst abgefahren und nur aufzuhalten, wenn er - durch Sprengung der Brücke über die er muss - in den Abgrund stürzt. Aber damit wäre nichts gewonnen, kein Fortschritt erzielt. Es gibt keine Rückkehr zu früheren Ereignissen der Geschichte. Kehrt man an die Plätze der Kindheit zurück, muss man feststellen, dass sich alles verändert hat.

Die Analysen von Marx und Engels hatten die Welt in zwei Lager geteilt, die beide davon lernten. Das eine, der Weg der sozialistischen Parteien, die ein Übergang zum Kommunismus, - entworfen als ein soziales Paradies - darstellen, ihn einleiten sollten, sind kläglich gescheitert. Sie haben die Kapitalisten enteignet um das "Volkseigentum" von jämmerlichen, korrupten Bürokraten verwalten und zu Grunde richten zu lassen.
Das lag und liegt nicht daran, dass die falschen Protagonisten für dieses Spiel gewählt worden sind, sondern ist systemimmanent. Gib Menschen oder Menschengruppen unkontrollierte Macht, so werden sie sie über kürzer oder länger missbrauchen. So tickt der Mensch. Survival of the Fittest.

Die "Kapitalisten" im anderen Lager haben dazugelernt. Will man die "Proletarier" beruhigen, muss man sie zumindest in bescheidenem Maße an den einst feudalen Kreisen vorbehaltenen Konsumfreuden beteiligen und sie damit nicht nur als Produktionsmittel zu nutzen, sondern gleichzeitig als Absatzmärkte. Eine win - win Situation. Alle gewinnen! Dass die einen nur mäßig zulegen und die anderen aufs Äußerste unmäßig spielt dabei keine Rolle, wird als Neid- Debatte abgetan.

Der Verlierer dabei ist die Natur, die uns hervorgebracht hat, von der wir ein Teil sind, ob uns das passt oder nicht, die unsere Machenschaften existenziell bedrohen und deren Niedergang auch wir nicht überleben werden.

Der wachsende Konsum für alle, der durch die Zeiten des Wirtschaftswunders die Gemüter zu beruhigen vermochte, hat die Grenzen des Wachstums erreicht und vor allem die Grenzen der Belastbarkeit des Ökosystems, in dem wir leben. Das Ende der Perspektive des ewigen Wachstums stellt das System, das auf ewigem Wachstum beruht, vor existenzielle Probleme. Eine Lösung ist nicht in Sicht und eine solche bieten auch nicht die Georgia Guidestones, außer man betrachtet ein nebulöses Postulat nach Begrenzung der Weltbevölkerung ohne Hinweis darauf wie das vernünftigerweise gehen könnte als Lösung.


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RE: Philosophie

#14 von petias , 12.10.2020 08:42

Georgia Guidestones Richtlinie 9

Würdige Wahrheit – Schönheit – Liebe
im Streben nach Harmonie mit dem Unendlichen.


„Die Schönheit ist der Glanz der Wahrheit. Platón griechischer Philosoph -427 - -347 v.Chr

„Nach Wahrheit forschen, Schönheit lieben, Gutes wollen, das Beste tun - das ist die Bestimmung des Menschen.“ Moses Mendelssohn deutscher Philosoph 1729 - 1786

„Ich habe ein bisschen über Schönheit gelernt - genug, um zu wissen, dass sie nichts mit Wahrheit zu tun hat…“ Francis Scott Fitzgerald US-amerikanischer Schriftsteller 1896 - 1940


„Information ist nicht Wissen, Wissen ist nicht Weisheit, Weisheit ist nicht Wahrheit, Wahrheit ist nicht Schönheit, Schönheit ist nicht Liebe, Liebe ist nicht Musik, Musik ist das Beste.“ Frank Zappa amerikanischer Musiker 1940 – 1993

Diese neunte Richtlinie richtet sich an die emotionale und spirituelle Seite des Menschen.

Es gibt eine auffällige sprachliche Parallele zu einem Buchklassiker der 1897 erschien: „In Harmonie mit dem Unendlichen“. Der Autor ist der Amerikaner Ralph Waldo Trine (1866 - 1958). Sein Buch verkaufte sich über 2 Millionen mal und ist noch immer erhältlich. Es ist die Vorlage, aus dem fast ein Jahrhundert lang alle Autoren geschöpft haben, die erfolgreiche Bücher über das "Positive Denken" verfasst haben!
Sie alle funktionieren nach dem Prinzip "Energie folgt der Aufmerksamkeit" (siehe z.B. diesen Beitrag in diesem Forum und die drum herum.)

Henry Ford, Pionier der Massenproduktion von Automobilen, erklärt seinen Erfolg damit, dass er das Buch „In Harmonie mit dem Unendlichen“ gelesen hat. Er bestellte eine große Menge des Buches und verteilte es unter anderen Großindustriellen.

Kein Wunder, dass es Eindruck auf die Urheber des Steindenkmal gemacht hat und damit Eingang in die Richtlinien fand.

Mühelos lassen sich unter der Rubrik : „In Harmonie mit dem Unendlichen“, auch alle Religionen und spirituellen Praktiken subsummieren. Diese Harmonie ist ein unbestreitbares menschliches Bedürfnis.


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RE: Philosophie

#15 von petias , 12.10.2020 23:24

Georgia Guidestones Richtlinie 10

Sei kein Krebsgeschwür für diese Erde
Lass der Natur Raum
Lass der Natur Raum.


Ein Krebs ist eine Ansammlung von entarteten, exponentiell wachsenden Zellen, die schließlich das System, von dem es Teil ist, tötet und in der Folge selbst stirbt.
Was könnte treffender die Rolle der Menschheit auf unserem Planeten beschreiben?

Wollen wir die Natur erhalten, müssen wir ihr Raum geben und dürfen sie nicht mit uns und unseren toxischen Produkten ersticken.

Diese letzte Richtlinie scheint mir die Kernaussage der Richtlinien zu sein. (Sie wird sogar wortgleich wiederholt!)

Die Richtlinien 1 und 2 sind ein Versuch, diesen Raum für die Natur zu garantieren. Aber ohne eine konkrete Vorstellung wie das zu bewerkstelligen wäre und ohne ethische Einbettung sind sie wenig hilfreich und bieten nur Raum für Spekulationen.
Aber vielleicht ist das auch beabsichtigt und zeigt nur: „Wir wissen, dass das nötig wäre. Wie man das durchsetzt und begründet wissen wir auch nicht. Macht euch Gedanken!“

Die restlichen 7 Richtlinien spiegeln im Wesentlichen den avantgardistischen Liberalismus der USA zu der Zeit (1980) wider, der an die künftigen Generationen weitergegeben werden soll.

10 sind es vermute ich, um an die 10 Gebote der Christen zu erinnern.


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