Geschichten und Texte, die mal Geschichten werden wollen.

#1 von petias , 02.09.2020 09:51

Zwergschule Teil 1

Wir schreiben das Jahr 1958. Ich bin 6 Jahre alt. Die Sommerferien sind vorbei. Es ist mein erster Schultag.
Ich bin mit dem alten Rad meiner Mutter in die Schule gefahren. Sie braucht es nicht mehr, und hat es mir überlassen. Der Sattel ist zu hoch für meine kurzen Beine. Ich muss im Stehen fahren, den neuen braunledernen Schulranzen auf dem Rücken.

Wie viele Schüler gibt es in einem Dorf mit 240 Einwohnern? In meinem Heimatdorf waren es zu derzeit 32. Letztes Jahr waren es noch 30 Schüler gewesen, aber die zwei aus der achten Klasse (, damals bestand die "Hauptschule" noch aus 8 Klassen) waren aus der Schule gekommen, dafür sind wir vier, drei Buben und ein Mädel, neu in die erste Klasse eingeschult worden.

Es gab nur einen Klassenraum für all die 32 Schüler. Ich kannte den Raum und die Schule schon recht gut, war sie doch auch das dörfliche Theater, in dem zweimal im Jahr die örtliche Laienspielgruppe ein deftiges Bauernstück aufführte. Da war ich die letzten Jahre schon immer mit dabei gewesen. Die Schultische waren dann in den Gang geräumt und durch mehr Stühle ersetzt worden.
Die Bühne befand sich, 1,50 Meter höher gelegen als der Schulsaal, an der Stirnseite des Raums, abgetrennt durch einen Vorhang.
War Schulbetrieb, diente die Bühne hinter dem Vorhang als Ausweichraum, in dem z.B. mit einem der großen Schülern als Aushilfslehrer, die Erstklässler das Buchstabieren übten.
Die Klassen 2 bis 4 hatten derweil still für sich Rechenaufgaben zu lösen, während der Lehrer in der Mitte des Klassenraums stehend, in dem Gang, der die Unterstufe von der Oberstufe trennte, mit den Klassen 5 bis 8 Erdkunde- oder Geschichtsunterricht hielt.

Als ich in die vierte Klasse kam, und es klar war, dass ich versuchen würde die Aufnahmeprüfung für das Gymnasium zu schaffen, erhielt ich so eine Art Förderunterricht. Meine Aufgaben schnell und nebenbei erledigend, durfte ich schon bei den Großen mitmachen, wenn die gerade mit Verbalunterricht dran waren. Auch schrieb ich oft nebenbei denselben Aufsatz wie die, oder löste deren Textaufgaben, während ich mit der Unterstufe vom Lehrer unterrichtet wurde.

Aber ich hätte die Aufnahmeprüfung wohl trotzdem nicht geschafft, hätte mir nicht der Expositus, wie der Pfarrer bei uns hieß, waren wir doch eine Expositur und keine Pfarrei, mir zweimal die Woche Vorbereitungsunterricht im Pfarrhof erteilt, der nur 200 Meter von der Schule entfernt gelegen war.

An diesem ersten Schultag musste ich lernen, dass man den Lehrer nicht fragen durfte, wer denn an der Tür war, als es klopfte und er kurz den Raum verlassen hatte. Man sollte still sitzen und nur sprechen, wenn man aufgerufen wird. Eine Ungeheuerlichkeit für einen bis dato freien Stromer, der immer auf der Achse und hinter Abenteuern her durchs Dorf radelte.

Schon an einem der nächsten Tage, man wusste ja nicht, wie lange das noch schöne Septemberwetter halten würde, war ein Wandertag angesagt.
Morgens um 8 Uhr zogen wir los, der Lehrer mit seinen 32 Schülern - zunächst nur 31, denn Marita, das Mädel aus meiner Jahrgansstufe, die wohnte auf einem mehrere Kilometer entfernten Aussiedlerhof, war nicht gekommen.
Kurzerhand wanderten wir an ihrem Hof vorbei und sammelten das verdutzte Mädchen ein, das an diesem Tag den Eltern auf dem heimatlichem Hofe hätte helfen sollen.

Die Wanderung führte uns, Lieder singend, durch ein paar Nachbardörfer, an der Mühle vorbei und beim Umspannwerk, von dem wir der Stromleitung zum örtlichen Transformatorhäuschen folgten.

Bei einer harmlosen Rangelei fiel ich dann samt meinem Rucksack in den Mühlbach. Schnell hatte man mich wieder, am Rucksack packend, wie eine Wasserratte triefend, herausgezogen.
Der Lehrer bestand darauf, dass ich mich auszog und meine Kleider auf meinem Wanderstock aufgereiht über der Schulter tragend, völlig nackt die Wanderung fortsetzte. Ich versuchte vergeblich im Boden zu versinken, vor Scham und meine soziale Stellung bei den kichernden Mitschülern war für Tage erschüttert!

Immer noch nackt, lieferte mich der Lehrer bei meiner Mutter im Forsthaus ab, die sich auch noch für die Umsicht des Lehrers bedankte.


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#2 von petias , 04.09.2020 10:09

Zwergschule Teil 2

Unser Lehrer Sander stand kurz vor der Pensionierung und war in den Augen von uns Schülern ein alter Mann. Sein linkes Auge war aufgrund einer Kriegsverletzung erblindet und das rechte stark sehgeschwächt. Wollte er kontrollieren, was wir geschrieben hatten, so musste er die Schiefertafel bei uns Kleinen oder das Schreibheft bei den Größeren ganz nah an sein Auge halten.
Vor allem wohl deshalb gab er so gut wie nie Hausaufgaben auf, denn er war der Meinung, dass Hausaufgaben, die nicht kontrolliert wurden, schlechter wären, als gar keine, da sich dabei, würden sie denn überhaupt gemacht, Fehler einschleichen könnten. Und eine Korrektur der Hausaufgaben von 8 Klassen und 32 Schülern war ihm schlichtweg unmöglich. Sie hätten sein einziges schwaches Auge hoffnungslos überfordert.

Auch in anderer Hinsicht bediente er sich eher unkonventioneller Methoden. Als wir in der zweiten Klasse waren, schlich sich bei unserer Klassenkameradin Marita ein eher lockerer Umgang mit der Schulpflicht ein. Immer öfter blieb sie dem Unterricht fern. Zur Rede gestellt, wenn sie dann wieder da war, weinte sie nur schweigend vor sich hin. Auch ein Besuch des Lehrers auf dem Aussiedlerhof ihrer Eltern brachte nicht den erhofften Erfolg. So sandte der Herr Lehrer kurzerhand mich und meinen Klassenkamerad und Freund Rudi aus, sie zu holen, war sie eine halbe Stunde nach Unterrichtbeginn immer noch nicht da.

Für uns Buben war das eine schöne Abwechslung, uns als Schulpolizisten zu betätigen, statt am Unterricht teilnehmen zu müssen. Wir fanden Marita, wo sie sich auch verstecken mochte, kannten wir doch alle ihre Verstecke von zahllosen Spielenachmittagen. Die Aktion dauerte meist eine gute Stunde und machte uns allen dreien eine Menge Spaß.

Am Ende meines zweiten Schuljahres verabschiedete sich Lehrer Sander in den Ruhestand und verließ das Dorf. An seiner Stelle bezog Lehrer Pregler mit Frau und Tochter die Wohnung des Schulhauses, direkt gegenüber dem Klassenzimmer gelegen. Oft beneideten wir die Lehrerstochter, die nur aus der Wohnungstür hinaustreten musste, den Schulgang überqueren und schon im Klassenzimmer angekommen war. Trotzdem war sie meist die Letzte, die, oft noch an einer Marmeladesemmel kauend kurz vor der Begrüßung durch Lehrer und Vater an ihren Platz schlüpfte.

Mit Lehrer Pregler kamen eine ganze Reihe von Änderungen. Marita blieb, nach nur einem Tag des Schuleschwänzens, künftig nie mehr unentschuldigt dem Unterricht fern. Wir konnten nur vermuten, dass das mit dem Brief in Verbindung stehen musste, den der Lehrer Marita für ihre Eltern mitgegeben hatte.
Außer mir, dem Förstersohn und der Lehrerstochter stammten alle anderen Kinder aus Bauernfamilien, und so gab es immer wieder schulfreie Tage, die es den Kindern ermöglichten zu Hause bei der Ernte zu helfen. Die Getreideernte im August fiel in die Sommerferien, aber die Kartoffelferien und das "Heufrei" sind mir noch gut in Erinnerung.
Außer dem Lehrer und dem Förster gab es nur noch den Pfarrer, der hier Expositus hieß und liebevoll "Exposi" genannt wurde, die nicht alteingesessene Dorfbewohner waren und ab und an wechselten.
Zeitnah mit dem neuen Lehrer, kam auch ein neuer Exposi, jung und schwungvoll. Als Pfarrersköchin (so hieß damals, was man heute Pfarrhausfrau nennt) brachte er kurzerhand seinen Mutter mit.
Der Religionsunterricht, einmal die Woche für zwei Schulstunden, wandelte sich gewaltig. Das Pauken von nichtssagenden Katechismus- Lehrsätzen wich den anregenden Geschichten, wie die vom ägyptischen Joseph, die der Exposi spannend zu erzählen wusste. Kein Wunder, dass mein Freund Rudi und ich freudig Ministranten wurden, als wir dazu die Möglichkeit bekamen. Marita, durfte als Mädchen damals noch nicht und der vierte in unserer Jahrgansstufe, der Alfred, stammte aus einer Familie, die sich der Praxis des katholischen Glaubens eher enthielten und ihren Buben nicht als Ministrant sehen wollten.
Ab jetzt war es Ehrensache für uns Ministranten, Dienst oder nicht, täglich der Schulmesse beizuwohnen, die von sieben bis dreiviertel acht dauerte und gerade rechtzeitig zu Ende war, um noch zur nahen Schule hinüber zu gehen und pünktlich im Unterricht zu erscheinen.


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RE: Geschichten und Texte, die mal Geschichten werden wollen.

#3 von petias , 05.09.2020 13:46

Zwergschule Teil 3

Obwohl bereits die meisten Bauern im Dorf einen Bulldog (Traktor) für die landwirtschaftliche Arbeit einsetzten, gab es noch Pferdefuhrwerke im Dorf. Ein älterer Bauer hatte einen recht wilden Hengst, den er kaum zu bändigen in der Lage war.

Eines Mittags, kurz vor Schulschluss, kam die Frau des Lehrers an die Tür des Schulraums und überbrachte ihrem Mann flüsternd eine Botschaft: Der wilde Hengst war ausgerissen und machte das Dorf unsicher. Die Kinder sollten auf dem Weg nach Hause vorsichtig sein.

Der Lehrer entließ uns mit der Warnung, uns ruhig zu verhalten, und nicht an das Tier heranzutreten, dann würde es uns nichts tun. Wir blieben in kleinen Gruppen zusammen, die denselben Nachhauseweg hatten, um der Gefahr nicht alleine begegnen zu müssen. Rudi und ich wohnte im Oberdorf und hatten außer Marita, dem Mädchen vom Aussiedlerhof, den weitesten Schulweg. Wir beschlossen nicht die Hauptstraße zu nehmen, sondern schlüpften durch eine Lücke im Zaun eines Bauernhofes auf dem Weg nach Hause nach hinten aus dem Dorf um über die Felder und Wiesen, die Dorfstraße vermeidend, in unseren Teil des Dorfes zu gelangen. Beim Dorfteich, der am Ortsrand lag, wollten wir wieder das Dorf betreten. Als wir durch die Hecke schlüpften, stand das mächtige Tier mit den Vorderbeinen im Wasser und stillte seinen Durst. Als es das Knacken der Zweige hörte, das wir beim Anschleichen verursachten, schaute es kurz zu uns herüber, um dann in aller Ruhe weiter zu trinken. Das Tier hatte nichts gegen Kinder, wenn sie weit genug weg waren. Selbst auf uns wirkte das große Tier so friedlich, dass wir es wagten in großem Bogen um es herumzuschleichen und nahmen die Straße ins Dorf und sagten dem Besitzer Bescheid, wo er sein Tier finden könnte. Von Ferne sahen wir zu, wie sich das gefährliche Monster friedlich einfangen und zurückführen lies.
Wir hatten allerdings was zu erzählen am nächsten Tag in der Schule und unsere Ausschmückungen machten uns zu den Helden des Augenblickes. Noch lange spielten wir die "Jagd auf das Monster" zusammen mit allen jugendlichen Möchtegernabenteurern des Dorfes.

Neben den zwei oder drei Pferdegespannen gab es noch ein Ochsengespann im Dorf. Drei Geschwister, ein Bruder mit zwei Schwestern, hatten zusammen den Hof der Eltern übernommen und keiner von ihnen hatte je geheiratet. Sie blieben einfach zusammen und bewirtschafteten ihren kleinen Hof. Um zu pflügen, eggen und den Wagen zu ziehen, einen alten Holzwagen, mit hölzernen Speichenrädern vom Dorfschmied mit einem Eisenreifen bezogen, damit das Holz sich nicht so schnell abnützt,
verwendeten sie nach alter Väter Sitte ein Ochsengespann. Hatten Pferde ihr Joch an Brust und Schultern angebracht, so schoben Ochsen buchstäblich mit dem Hirn an. Das Ochsenjoch wurde am Kopf der Tiere befestigt.

Im Rahmen des Unterrichts wollte der Lehrer mit uns Schülern das Ochsengespann in Augenschein nehmen. Aber die recht einsilbigen Verhandlungen mit den Geschwistern führten zu keinem Ergebnis. Sie lehnten es ab, gut 30 Schulkinder in ihren kleinen Hof zu lassen. Rudi und ich wussten gut von unseren Ausflügen auch in die letzten Winkel des Dorfes, warum das so war. Die Ordnungs- und Hygienestandards bei den guten Leuten waren selbst für ein abgelegenes oberpfälzisches Bauerndorf in den 1950ern völlig indiskutabel.

Dennoch übernahmen wir beiden Schlingel es, den Anschauungsunterricht zu organisieren. Hatten wir doch per Zufall erfahren, dass die Geschwister am nächsten Freitag die dörfliche Dreschmaschine gemietet hatten, die in einer großen Scheune direkt neben der Schule untergebracht war. Das Scheunentor diente uns in den Pausen als Fußballtor.
Normalerweise wurde die Dreschmaschine zum Gebrauch in den jeweiligen Hof verbracht und dort gedroschen. Aber der Hof der Geschwister war so klein, dass für die große Maschine kein Platz war. Als brachten sie ihr Getreide mit dem Ochsenkarren zum Dreschen in den Stadel, wo die Dreschmaschine stand.

Als das Gespann gegen 8:30 Uhr voll beladen anrückte, standen Lehrer und Schüler schon erwartungsvoll vor dem Gemeindestadel. Die Geschwister machten gute Miene zum nicht ganz so guten Spiel und erklärten uns einiges in Verbindung mit dem Gespann. Zum Ausgleich halfen wir ihnen beim Dreschen. Ein weiterer Anschauungsunterricht mit Seltenheitswert. Schon im nächsten Jahr wurde das Dreschen mit der alten Gemeindedreschmaschine eingestellt und gedroschen wurde künftig mit Mähdreschern direkt auf den Feldern. Wer sich keinen solchen leisten konnte, engagierte zum Dreschen einen Nachbarn, oder den Maschinenring.


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RE: Geschichten und Texte, die mal Geschichten werden wollen.

#4 von petias , 06.09.2020 09:20

Zwergschule Teil 4

Das neue Schuljahr brachte die Einschulung meines zweieinhalb Jahre jüngeren Bruders. Ich bin mir nicht sicher, ob der Umstand, dass der Bruder ein bekannter Schulrabauke war, ihn seinen Einstieg ins deutsche Bildungssystem erschwert oder erleichtert hat. Jedenfalls trug er es mit Fassung.

Alles war eher familiär und vertraut. Unsere beiden Lehrer, der Exposi für Religion und der "Herr Lehrer" für den Rest der Fächer waren mit unseren Eltern befreundet und sie trafen sich zu abendlichen Skatrunden und es gab auch sonst die eine oder andere gemeinsame Unternehmung.

Ich erinnere mich, dass der Lehrer meinen Vater, den Förster und mich auf eine frühmorgentliche Balz des Auerhahns begleitete. Wir waren noch vor Tagesanbruch im Wald und machten uns an den Auerhahn heran. Bei den Balzgesängen des federprächtigen Hühnervogels ist der völlig taub, und man kann sich egal wie laut knackend ihm nähern. Wichtig ist nur, dass man rechtzeitig mit dem Ende des Balzschreis wieder muxmäuschenstill stand. Es bereitete mir großes Vergnügen, uns so an den Troubadour des Birkenwaldes heranzupirschen. Der Lehrer allerdings war sonderbar bleich im Gesicht und schien sich nicht ganz so wohl zu fühlen. Und als wir dem Vogel schon ganz nahe waren und ihn ganz deutlich beobachten konnten, musste der Ärmste sich übergeben und vertreib das Tier mit seinen Würgelauten, die er nicht rechtzeitig mit dem Ende des Balzschreies unterdrücken konnte. Der Vogel suchte das Weite, dem Lehrer war es peinlich und er entschuldigte sich für seinen Schwächeanfall.

Da mein Vater den Auerhahn nicht jagen, sondern nur beobachten und registrieren wollte, war es nicht weiter schlimm. Der Zweck der Pirsch war erfüllt. Aber der Herr Lehrer hatte seitdem in meinen Augen ein Problem. Ich dachte immer, dass seine Gesundheit irgendwie angegriffen wirkte. Es wunderte mich nicht, als ich viele Jahre später davon erfuhr, dass er einem Krebsleiden erlegen war, was sicher nicht das Geringste mit der kleinen frühmorgentlichen Unpässlichkeit in meiner Schulzeit zu tun hatte.

Auch mit der Lehrerstochter Christa spielten wir häufig sowohl in den Pausen, als auch außerhalb der Schule. Im Garten der Lehrerwohnung stand ein wundervolles Spielhaus, in dem wir häufig Vater-Mutter-Kind spielten, Christas erklärtes Lieblingsspiel. Fast genau so gerne wirkte sie, meist als Prinzessin, an diversen Singspielen mit wie z.B. "Dornröschen war ein schönes Kind..." Ja, wir haben uns keinen Moment gelangweilt, so ganz ohne Onlinespiele und Social Medias!

Den familiären Charakter meiner Schulzeit unterstreicht auch folgende kleiner Begebenheit:
unsere ein paar Jahre jüngere Cousine aus Kelheim war zu Besuch für ein paar Tage. An einem Schultag hatten mein Bruder und ich unser Pausenbrot vergessen. Unsere Mutter schickte unsere Cousine kurzerhand zum Bäcker und lies sie "Pausenbrot" für uns besorgen, das sie uns anschließend in der Schule vorbeibringen sollte. Sie kam lange vor der großen Pause da an, hatte aber Glück, dass Bruder Klaus gerade Austreten war und sie kurzerhand mit in das Unterrichtszimmer nahm. Dort wurde sie von allen mit "Hallo" begrüßt und eingeladen, am Unterricht teilzunehmen. Eine angenehme erste Berührung mit der Schule vermute ich, wenn auch wohl kaum auf die Verhältnisse in der Kreisstadt Kelheim übertragbar.
Auch wenn Rudi mir damals versicherte, Cousinen wären keine Mädchen, war ich ein paar Jahre später, so mit dreizehn, mal recht verliebt in sie gewesen.

Mit dem Ende der vierten Klasse endete diese heile Welt für mich. Natürlich sollte mal was aus mir werden und es war allen in meinem Umfeld klar, dass ich aufs Gymnasium gehen würde. Die nächste derartige höhere Bildungsanstalt war in der nur knapp 30 km entfernt gelegenen Kreisstadt Weiden, aber es gab weder eine Zug-noch Busverbindung dahin und ich hätte auch dort ins Internat gehen müssen. Da die Aufnahme ins Internat aber mit der Absichtserklärung verbunden war, später mal Priester werden zu wollen, entscheiden sich meine Eltern dagegen. Stattdessen folgten sie dem Rat meines Onkel Max, mich in die renommierte Klosterschule und Internat Ettal bei Garmisch Patenkirchen im schönen Oberbayern zu geben, damit aus dem Bub mal was ordentliches wird.

Nun, so richtig "was geworden" ist wohl nicht aus mir und manche schieben das auf die etwas fragwürdige Grundlegung meiner Bildung in der Zwergschule in Etzgersrieth.
Der sehr viel erfolgreichere Weg meines Bruders, der, um meine offensichtlichen Schwierigkeiten im Gymnasium zu vermeiden, das letzte Jahr seiner Grundschulzeit in der Großstadt München absolvierte, bei unserer Großmutter wohnend, scheint diesen Stimmen Recht zu geben. Dennoch - ich wollte keinen Augenblick meiner Zeit in der Zwergschule missen!


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RE: Geschichten und Texte, die mal Geschichten werden wollen.

#5 von petias , 06.09.2020 10:04

Nachspann zur Zwergschule

Der erste Teil meiner Geschichte "Betende Hände" spielt in etwa zu meiner Zeit in der Zwergschule in dem kleinen Dörfchen Etzgersrieth in der Oberpfalz und liefert weitere Illustrationen und Eindrücke aus dieser Epoche.

Betende Hände


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RE: Geschichten und Texte, die mal Geschichten werden wollen.

#6 von petias , 07.09.2020 09:27

Ettal Teil 1 - Aufnahmeprüfung

Meine erste Berührung mit Ettal war die Aufnahmeprüfung. Ich reiste mit meinem Vater für drei Tage in den spektakulären Bergkessel in den oberbayrischen Alpen. Wir wohnten im Hotel im Ort. Am Vormittag gab es Prüfungen in der Schule, Nachmittags lernte ich oder wir sahen uns die Gegend an. So besuchten wir z.B. Schloss Linderhof. Es war eine recht nahe, intensive Zeit mit meinem Vater. Wann waren wir schon mal so eng und exklusiv zusammen gewesen?

Vom zweiten auf den dritten Prüfungstag mussten wir Prüflinge eine Liste von abessinischen Vokabeln lernen. Man wollte damit offensichtlich feststellen, ob wir Zöglinge dazu in der Lage waren, eine Liste von Vokabeln von einem Tag auf den anderen zu lernen, was künftig im Bereich Latein, Griechisch und Englisch der Alltag sein würde.
Man wählte eine eher ungewöhnliche Sprache, aus Abessinien (das spätere Äthiopien) damit man sicher sein konnte, dass nicht eventuelle Vorkenntnisse die Ergebnisse verfälschten. Das am leichtesten zu merkenden Wort war Negus = der König. Das einzige, an das ich mich nach fast 60 Jahren noch erinnern kann.

Ich bestand die Aufnahmeprüfung für die Klosterschule und wurde auch zum Internat zugelassen. Ich erinnere mich noch gut an den kleinen dicken Mann in Benediktinerkutte, Pater OSB Athanasius Klaff, den Internatsdirektor, der mich fragte, ob ich denn schon sicher sei, Arzt werden zu wollen. Als ich das verneinte, empfahl er mir Schönschreibübungen, denn in allen anderen Berufen müsse man leserlich schreiben, meinte er. Nur ärztliche Rezepte müssten unleserlich sein.

OSB stand für "Ordo Sancti Benedicti" lateinisch für Benediktinerorden. Wir Schüler allerdings übersetzten später den Begriff mit "Ober-Sau-Bamps". Bampsen waren die Erstklässler, eine besonders verabscheuungswürdige Menschengruppe, zu der ich bald ebenfalls gehören würde.

Damals aber, nach den drei Tagen der Aufnahmeprüfung, durfte ich wieder mit dem Vater zurückkehren in die heile Welt der Zwergschule. Aber nach den "Großen Ferien" ging es dann los.

Am ersten Internatstag, ein Montag, die Schule beginnt in Bayern immer an einem Dienstag, denn der Montag ist Anreisetag für die Internate, brachten mich die Eltern mit unserem kleinen Käfer nach Ettal. Mutti half mir die Sachen in meinem Kleiderschrank zu verstauen. Die Schränke standen in den Gängen vor den Schlafsälen, 50cm breit und 1,80 m hoch. Alle Kleidungsstücke, auch Taschentücher und Handtücher, waren mit einer Wäschenummer versehen. Meine lautete 176. Kam die Wäsche aus der Wäscherei zurück, konnte sie nach dieser Nummer in den richtigen Schrank sortiert werden.

Im Studiersaal hatte jeder ein Pult, in das die Schreib und Lernsachen verstaut wurden. Unser Präfekt, Pater Godehard Ibscher, ein Hüne von knapp zwei Metern Länge, Anfang 30, thronte lässig auf seinem erhöhten Pult, das ganz vorne unseren kleinen Pulten gegenüberstand und las in seinem Brevier. (Buch mit heiligen Texten, in dem jeder Pater täglich zu lesen hatte)

Nach einer Weile sprach er mit lauter, leicht genervter Stimme: "Die Angehörigen verlassen jetzt den Studiersaal"!
"Na, Servus", sagte meine Mutter noch und küsste mich kurz zum Abschied. Dann war ich in der Welt von Internats- und Klosterschule Ettal auf mich selbst gestellt.


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RE: Geschichten und Texte, die mal Geschichten werden wollen.

#7 von petias , 08.09.2020 10:47

Ettal Teil 2 - Skandal

Vor gut 10 Jahren, am 22.2.2010 kam der Missbrauchsskandal im Kloster Ettal ans Licht. 15 Patres standen unter Verdacht und es wurde mit mindestens 100 Opfern unter den Schülern gerechnet. Es ging dabei um körperliche Gewalt, Erniedrigung, und sexuellen Missbrauch. Einige der Namen, die in diesem Zusammenhang genannt wurden, waren die Namen meiner Lehrer und Erzieher. Allen voran Pater Godehard, mein Präfekt und Erdkundelehrer, später 8 Jahre lang Internatsleiter, Pater Edelbert, Präfekt, später 33 Jahre lang Abt in Ettal, Pater Magnus, mit dem ich einige Bergwanderungen gemacht habe und noch einige mehr.

Ich war nie in diese Ermittlungen eingebunden, wurde nie gefragt, habe mich nie gemeldet. Ich vermute deshalb, dass die "Dunkelziffer" der betroffenen Schüler sehr viel höher ist, als angenommen. Aber ich denke auch, dass man den handelnden Personen nicht gerecht wird. Das System Ettal bezog auch alle Eltern mit ein, was von denen vermutlich keiner wahrhaben will. Der Aufenthalt in Ettal mag für einige ein traumatisches Erlebnis gewesen sein, aber es hatte auch sehr schöne Seiten, sonst hätte es nicht 60 Jahre bestehen können.

Sexuellen Missbrauch habe ich weder an mir selbst noch bei Mitschülern erfahren. Der wurde wohl vor allem in späteren Jahren (ich war da in den frühen 1960ern) von Pater Magnus verübt. Der Pater Magnus, den ich kannte, war ein sehr freundlicher und sehr sportlicher junger Pater, mit dem man gut über alles reden konnte. Ich habe mich bei Wanderungen die er ab und an vertretungsweise mit uns gemacht hatte, wenn Pater Godehard verhindert war, immer direkt hinter ihm gehalten (Wanderungen im Gebirge finden im Gänsemarsch statt) um mit ihm reden zu können. Ich vermute, die wahre "Schuld" für seinen Entgleisungen ist einmal mehr im unmenschlichen Zölibat der katholischen Kirche zu suchen, was die Sache natürlich für die Betroffenen auch nicht besser macht.

Meine Eltern sagten, als die Rede auf die Prügelstrafe in Ettal kam, sie hätten nichts davon gewusst. Das ist so nicht richtig. Sie haben es verdrängt, träfe es vermutlich besser. Ich habe immer wieder mal davon in den Ferien erzählt und es stand davon in den Briefen. Die Prügelstrafe war so selbstverständlich in Ettal, dass, obwohl die allsonntäglichen Briefe an die Eltern von den Präfekten gelesen wurden, deren Erwähnung mühelos die Zensur passierte: die Eltern hatten im Aufnahmeantrag ins Internat mit ihrer Unterschrift ausdrücklich der Prügelstrafe zugestimmt!

Ebenfalls in diesem Antrag wurde vom Internat erklärt, dass man eine sexuelle Aufklärung durchführen würde. Was das anbelangt, so tauchte ab der 3. Klasse in der Liste der Bücher, die man ausleihen konnte, der Titel: "Zwischen 15 und der Liebe" auf. Fühlte man sich von dem Titel angesprochen, so wurde man durch das Lesen des Buches gewissermaßen "aufgeklärt"!

Darüber hinaus wurden wir mit unserer aufkeimenden Geschlechtsreife alleine gelassen. Nur ein Vorfall belegte mir, dass die Patres diesen Umstand irgendwie auf dem Schirm hatten.

In einer Ausnahmesituation, unsere Schlafsaalpräfekten waren nicht da und Pater Edelbert hatte die Vertretung, unterhielten sich entgegen den Vorschriften alle Schüler im Schlafsaal mit ihren Bettnachbarn. Die Anzahl der Betten war ungerade, und ich hatte keinen unmittelbaren Gesprächsnachbarn. Ein anderer Klassenkamerad lag an der Stirnseite des Schlafsaals zwischen den Bettreihen und hatte ebenfalls keinen Gesprächspartner. Ich setzte mich zu einem Schwätzchen kurzerhand auf sein Bett. Schließlich kam Pater Edelbert, zu dem ich ein sehr gutes Verhältnis hatte, doch noch zum Kontrollgang in den Schlafsaal und knipste das Licht an. "Jetzt wird aber geschlafen", sagte er nicht mal unfreundlich nach einem langen Blick über die Reihen. Das Licht machte er wieder aus und mir bedeutet er mitzukommen.

Wir hatten ein sehr freundliches und offenes Gespräch, auf dem Gang, in dem ich ihm erzählte, wie es dazu gekommen war, dass er mich auf dem Bett des Schulkameraden vorgefunden hatte. Er meinte, dass er mir das glauben würde, aber er habe sich gezwungen gesehen einen näheren Blick drauf zu werfen, denn manchmal würden Jungen etwas bei anderen Jungen suchen, was nur ein Mädchen zu geben in der Lage wäre. Zu meiner Überraschung wurde ich ohne jede Bestrafung ins Bett geschickt.

In den folgenden Beiträgen werde ich ein paar Episoden aus "meinem" Ettal erzählen.


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RE: Geschichten und Texte, die mal Geschichten werden wollen.

#8 von petias , 09.09.2020 10:05

Ettal Teil 3 - Tagesablauf

Als die letzten Eltern unseren Studiersaal verlassen hatten, schob Pater Godehard seinen Stuhl mit einem deutlich hörbaren Ruck zurück und stand auf. Er stieg die zwei Stufen seines erhöhten Pultes herunter und lief zwischen unseren Pultreihen auf und ab, während er uns seine Instruktionen gab.
Der Tag war klar strukturiert. 6 Uhr aufstehen, waschen, anziehen, einfinden im Studiersaal, Morgenstudium. Bei all diesen Tätigkeiten hatte strengstes Silentium (Stillschweigen) zu herrschen. Zuwiderhandlungen wurden geahndet. 7:15 Uhr Frühstück im Speisesaal, anschließend aufsuchen des Schulflügels des Klostergebäudes, der vom Internat aus erreichbar war, ohne die Gebäude verlassen zu müssen. Der Schulflügel lag an der Straße zum Dorf hin. Er stellte sozusagen den Übergang dar vom Kloster in die Welt hinaus. So konnten auch die wenigen Externen (Schüler, die nicht im Internat wohnten) die Schule erreichen, ohne durch das Kloster gehen zu müssen. Es gab 9 Klassenzimmer, drei pro Stockwerk für die 9 Klassen des Gymnasiums. Die kleinen unten, die Großen oben, ihren Fortschritt in der Menschwerdung symbolisierend.
Nach der Schule wurden die Schulsachen im Studiersaal abgelegt und wir gingen in den Speisesaal zum Mittagessen. An den Tischen saßen wir meist zu zwei Sechsergruppen pro Tisch, die immer eine Schüssel, Teller, Kanne etc. mit ihrem Essen bekam.
Es gab immer eine Suppe als ersten Gang. Während die eingenommen wurde, natürlich nach dem Tischgebet, herrschte Silentium. Wurde jemand beim Sprechen erwischt musste er für den Rest des Essens stehen. Wurde ein Stehender beim Sprechen erwischt, kam er entweder für den Rest der Woche an den Katzentisch, ein Einzeltisch in einer Ecke und musste schweigend alleine essen oder er bekam eine Ohrfeige von Pater Godehard.
Pater Godehards Ohrfeigen waren sehr berüchtigt. Meist legte sich der 1,95m große Hüne derart ins Zeug, dass der Delinquent zu Boden ging und noch eine Strecke über das Parkett rutschte. Aber wehe, Godehard hatte den Eindruck, dass der Täter die Wucht des Schlages durch freiwilliges zu Boden gehen abmindern wollte. Dann wurde die Prozedur kurzerhand wiederholt.

Waren nicht zu viele Verstöße gegen das Schweigegebot zu verzeichnen, wurde nach dem Einsammeln der Suppenteller mittels einer kleinen Glocke das Silentium aufgehoben und wir durften uns unterhalten.

Es musste immer alles aufgegessen werden. Von den abgezählten Stücken, wie Fleisch, Käse, Butter erhielt jeder genau eins, was auch gegessen werden musste. Mag ich nicht, gab es nicht. Die Schüsseln mit Nudeln, oder Kartoffeln mussten leer gemacht werden, aber es konnte auch nachgeholt werden.
Dadurch, dass jeder seine Portion aufessen musste, entstand die Gilde der Hamster. Hamster waren Schüler, die bereit waren ungeliebte Speisen, die der eine oder andere Schüler nicht hinunterbrachte, heimlich aufzuessen. Sie wurden dafür meist mit "Freßgus" (beliebte Leckereien wie Süßigkeiten, die die Eltern und Verwandten per Paket schickten) belohnt. Besonders bei Speisen wie Meerrettich, Ettaler Allerlei (ein Eintopf aus Resten der vergangenen Tage) schlug die Stunde der Hamster.

Nach dem Mittagessen versammelten wir uns kurz wieder im Studiersaal und die Direktiven für die Freizeit wurden ausgegeben. Die Freizeit dauerte bis 15 Uhr. Manchmal gingen wir mit dem Präfekten oder einer Vertretung zum Wandern oder sonstigen Außenaktivitäten. Manchmal konnte wir die Freizeit auch selbstbestimmt im Freizeithof oder Sportplatz verbringen oder auch, je nach Witterung im Internatsgebäude.
Manchmal, wenn ich ein spannendes Buch zu lesen hatte und keine Lust auf Gemeinschaft, verbrachte ich die gesamte "große" Freizeit auf dem Klo.

Von 15 bis 17 Uhr war das Pflichtstudium angesetzt, wobei bei striktem Silentium die Hausaufgaben gemacht wurden. Daran schloss das Freistudium an. Hier wurde, immer noch schweigend, je nach Bedarf weiter Hausaufgaben gemacht und gelernt, oder gelesen oder gebastelt oder Briefe geschrieben. Um 18:15 Uhr gab es Abendessen, danach bis 19:30 Uhr nochmals Freizeit. Danach wieder Freistudium bis zum Schlafengehen um 20:30 Uhr.

Auch das Schlafengehen lief nach strengen Regeln ab. Vom Abendgebet im Studiersaal bis zum Lichtlöschen um 21 Uhr hatte strenges Schweigen zu herrschen. Zuwiderhandlungen wurden mit "Gangstehen" bestraft. Während die anderen schon schlafen durften, musste man auf dem großen Gang vor den Schlafsälen, wo sich auch die Kleiderschränke befanden, schweigend stehen oder einen Text oder Gedicht auswendig lernen. Erst wenn man den Text konnte oder der Präfekt keine Lust mehr hatte, wurde man ins Bett geschickt.
Besonders gefürchtet waren die Kunstbuchseiten, die Pater Godehard in seinen Abendstunden produzierte (er hatte dafür eine elektrische Schreibmaschine, eine Seltenheit zu der Zeit.) Diese Texte waren für mich so sinnfrei und gespickt mit unverständlichen Fremdwörtern, dass sie sehr schwer auswendig zu lernen waren.

Einmal hatte Godehard mich und einen Mitschüler auf dem Gang vergessen. Wir standen da, schwankend und uns nur noch mühsam auf den Beinen haltend, bis 2 Uhr Nachts. Dann musste der Go (sein Spitzname) anscheinend aufs Klo. Er erschrak sichtlich, als er uns da noch stehen sah und schickte uns mit einer Handbewegung endlich ins Bett. Er verzichtete sogar darauf den Kunstbuchtext abzufragen.
Am nächsten Tag bekamen wir jeder einen extra Nachtisch. Ich nehme an, das war seine Art, sich bei uns zu entschuldigen.


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RE: Geschichten und Texte, die mal Geschichten werden wollen.

#9 von petias , 10.09.2020 10:13

Ettal Teil 4 - Fasching

Ein ganz besonderes Ereignis waren die Faschingstage in Ettal. Rosenmontag und Faschingsdienstag waren schulfrei. Es wurde ein Faschingsprinz gewählt und eine Prinzengarde aufgestellt. Es gab schulweite Veranstaltungen in der Aula und so manche Freiheiten, die man sonst vermisste.
Die Faschingsorgie begann bereits am Sonntag nach der Messe in der Basilika, wir kamen im Studiersaal zusammen und Godehard schickte uns nach oben zu den Schlafsälen und Kleiderschränken, um uns umzuziehen. Die Eltern waren aufgefordert worden Faschingskostüme und Utensilien zu schicken und sie taten es auch reichlich - bis auf meine Eltern. Die hatten es abgelehnt mir ein entsprechendes Paket zuzusenden, als Bestrafung dafür, dass meine Schulnoten nicht ihren Vorstellungen entsprachen (meinen übrigens auch nicht). Wahrscheinlich stellten sie sich vor, dass ich da alleine im Studiersaal sitzen würde, um zu lernen, während im Rest des Internats der Bär rockte.

Mit trauriger Miene, den Tränen nahe, trat ich an das erhöhte Pult meines Präfekten und erzählte ihm von meinem Problem.
"Und ich bin jetzt wieder schuld?", fragte er mich und breitete unschuldig die Hände aus.
Ich betätigte ihm, dass natürlich nur ich dran schuld wäre, wegen meiner schlechten Noten, aber ich wüsste halt nicht, was ich jetzt tun solle, da er doch gesagt hatte, alle sollten sich umziehen.

Im Handumdrehen organisierte er mir von den Kameraden genügend nicht benötigte Utensilien, um mich in einen waschechten Piraten verwandeln zu können und der drei Tage langen Fete stand nichts mehr im Wege.
Natürlich war ich auch selbst schon auf die Idee gekommen, mir was zu leihen, aber ich dachte es wäre nicht in Ordnung, den Willen meiner Eltern zu hintergehen - aber mit Godehards Segen machte ich mir da keine Gedanken mehr. Er war in moralischen Dingen die absolut höchste Instanz!

Wie sehr er "Gott" in Ettal war, zumindest bei den ersten Klassen, zeigte das Faschingsfestival ein Jahr später. Es war die Mode entstanden, während der viel lockeren Zeit der närrischen Tage zu rauchen. Fast jeder probierte es mal aus. Es wurde sozusagen zur heiligen Pflicht, zum Gruppenzugehörigkeitssymbol. Ich lehnte das Rauchen schon damals kategorisch ab. Aber diese eine Mal, das einzige Mal in meinem bisherigen Leben (ich bin jetzt 68) ließ ich mich dazu überreden, wenigstens probeweise an einer Zigarette zu ziehen. Ich tat es, sogar dreimal, in diesem ominösen Torbogen zur Klosterbrauerei, der uns vor neugierigen Augen schützte, um danach den Glimmstengel und alle seine Artgenossen für immer aus der Hand zu legen. Das schwor ich den vier Klassenkameraden, die Zeugen und Verursacher dieses erniedrigenden Vorgangs waren.

Kurze Zeit danach ließ uns Godehard alle vor seinem Zimmer, das zwischen den Schlafsälen der ersten und zweiten Klasse gelegen war, aufmarschieren. Eine betretene Ansammlung von Rittern, Edelläuten, Piraten und Hexen, die ängstlich der Dinge harrten, die da zu kommen drohten.

Er hatte mitbekommen, dass heimlich geraucht wurde und entschloss sich, ein Exempel "Godehardscher Pädagogik" zu statuieren.

Wir hatten inzwischen auf dem Boden Platz genommen und warteten ängstlich ob und wann wir aufgerufen würden. Immer wieder wurden einzelne oder kleine Gruppen in sein Zimmer beordert. Wer herauskam, war bleich im Gesicht, hielt sich das Taschentuch vor den Mund und verschwand schnellstmöglich auf der Toilette.

Jeder, der geraucht hatte, geständig war, eventuelle Zigaretten ablieferte und andere nannte, die er ebenfalls hatte rauchen sehen, wurde nicht weiter bestraft. Er musste "nur" solange rauchen, bis ihm schlecht wurde und er sich übergeben musste.

Für mich war das der absolute Horror. Die Vorstellung, dass meine Rauchgenossen mich verraten würden, und ich zum exzessiven Rauchen gezwungen werden würde machte mich schier verrückt.

Es dauerte den ganzen Nachmittag und Abend, bis nur noch eine kleine Gruppe auf dem Gang saß, ich und fünf andere, die offensichtlich noch niemand beschuldigt hatte. Schließlich wurden wir ins Bett geschickt. In Godehards Zimmer befand sich noch eine immer kleiner werdende Gruppe von Rauchern, die darauf warteten, sich übergeben zu müssen. Bei zweien gelang das nicht. Sie waren bereits zu erfahrene Rauchprofis, und selbst der Wechsel zu Zigarillos und Zigarren brachte sie nicht zur Aufgabe. Auch sie wurden schließlich amnestiert und ins Bett geschickt.

Später erfuhr ich, dass Godehard sehr wohl von meinem drei Züge langem Ausrutscher erfahren hatte, aber mein Schwur, der ihm ebenfalls berichtet worden war, und die Fürsprache meiner Kameraden, bewahrte mich davor mich einer Nikotinvergiftung aussetzen zu müssen.
Dieser Vorfall ist mir bis heute Lehre und Verpflichtung!


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RE: Geschichten und Texte, die mal Geschichten werden wollen.

#10 von petias , 11.09.2020 08:57

Ettal Teil 5 - Wasser

In den Schlafsälen - der größte, für die erste und Teile der zweiten Klasse, fasste 50 Schüler - gab es pro Bett ein Waschbecken. Reihen miteinander verbundenen, sich gegenüberliegender runder eiserner Waschbecken mit Handtuchhaken, Ablage für Zahnputzzeug aber keinen Spiegel. Spiegel hingen in den Toiletten.

Jeder musste sich morgens und abends in der Schlafanzughose mit freiem Oberkörper an sein Waschbecken begeben und sich einer gründlichen Wäsche unterziehen. Der Oberkörper war dabei komplett mit einem nassen Waschlappen abzuschrubben. Abends wurden auch die Füße gewaschen, indem man abwechselnd auf einem Bein stehend, das andere in das Becken tauchte und schrubbte. Es gab kein warmes Wasser. Der Schlafsaalpräfekt, ein Schüler aus der 8. Klasse, der mit im Schlafsaal der Kleineren schlief, war angehalten, peinlich genau auf Stillschweigen und gründliches Waschen zu achten. Bei Verstößen gegen das Schweigegebot wurde man Abends auf den Gang gestellt, bei Nachlässigkeit im Waschen drohte eine Wäsche durch Pater Godehard. Der schaute dann zu und gab Anleitungen, oder legte selbst Hand an. Nach der teils recht erniedrigenden Prozedur war die Haut gerötet und die Schlafanzughose nass. Das Wasser, das auf dem Boden gelandet war, musste mit dem eignen Handtuch aufgewischt werden.
Der Intimbereich fand dabei keinerlei Beachtung. Er wurde nicht in den Waschvorschriften erwähnt und nicht in die Zwangswäsche einbezogen. Ob sich da überhaupt jemand wusch, blieb ihm selbst überlassen. Erst in meinem dritten Ettaler Jahr wurde auf Beschwerden von Eltern hin mal erwähnt, man könne mit dem Waschlappen auch mal von oben in die Hose hinein waschen.

Theoretisch gab es einmal im Monat Brausebad. Allerdings waren die Duschen zu meiner Zeit in Ettal in einem recht fragilem Zustand und sehr oft defekt. Bezeichnend dafür war, dass der Pedell, der Hausmeister, das "Brausebad" überwachte. Ihm gelang es meistens, die häufig auftretenden Störungen zu beheben. Vier der 10 Duschkabinen funktionierten einigermaßen und so mussten an den zwei Tagen, an dem unsere Klasse in den Genuss des Bades kam, alle 20 Minuten vier Schüler sich mit Seife, Handtuch und Badehose zum Badetrakt begeben.
In den Duschkabinen gab es einen äußeren und einen inneren Vorhang. Der Pedell schaute hinter den ersten, um sicherzustellen, dass man ausgezogen und in der Dusche war. Die Kalt- und Warmwasserphasen wurden angekündigt. Der Hausmeister war angehalten, dafür zu sorgen, dass seine Badegäste auch während der Kaltwasserperioden nicht kniffen. Um es sich zu ersparen, zur Kontrolle von Kabine zu Kabine zu laufen, drehte er einfach nach der Einseifpause das warme Wasser ohne Warnung ab. Wollte man nicht eingeseift bleiben, musste man wohl oder übel die Seife mit kaltem Wasser abwaschen.
Auch hier wurde erwartet, in Badehose zu duschen.

Die bei Weitem angenehmste Berührung mit Wasser waren die Ausflüge zum klostereigenen Badeweiher. Mit unseren Badeutensilien wanderten wir durch die "Ökonomie", dem klösterlichen Bauernhof, zu einem kleinen Wäldchen, in dessen Mitte ein Schwimmbad betoniert war, umgeben von Liege- und Spielwiese und Umkleidekabinen. Das Wasser war nicht gechlort und durchaus ein natürliches Biotop. Es schwammen Fische drin und immer wieder wurden Schlagen und vor allem Molche gesichtet. Ab und an gelang es Pater Godehard und die anfeuernden Klassenkameraden einen Mutigen zu motivieren einen Molch am Schwanz gehalten mit Kopf nach unten baumelnd lebendig zu verschlucken. Neben dem Hurrah und der Heldenehre winkten noch 5 DM, von Godehard gespendet.

Es gab sogar ein Sprungbrett, das ich häufig benutzte. Wer sich eignete, durfte Wasserball trainieren und sich als Nachwuchs für die Ettaler Wasserballmannschaft empfehlen.
Mit Nichtschwimmern gab es kein Problem, denn es wurden nur Schüler aufgenommen, die bereits des Schwimmens mächtig waren.


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#11 von petias , 12.09.2020 10:21

Ettal Teil 6 - Freizeit

In der ersten Klasse verbrachten wir die Freizeit an mehreren Tagen in der Woche zusammen mit dem Präfekten. Wir nahmen Aufstellung an einem verabredeten Treffpunkt, in der Regel eines der Kloster- Tore und waren wir vollzählig, ging es los. Verspätungen hatten Strafen zur Folge.

Lebhaft in Erinnerung ist mir die Zeit, in der Godehard kleine flugtüchtige Flugzeuge für sich und uns entdeckte. Wir zogen mit den Fliegern, teils Segelflugzeuge, teils gummibetriebenen Propellerflugzeuge, zu einem Hügel, von dem meist Godehard selbst die Flugzeuge zu Tal fliegen ließ. Einer von uns durfte sie dann wieder zurückholen. Um Zeit zu sparen wechselten wir uns ab und gaben unser Bestes, das Fluggerät möglichst schnell zurückzubringen. Ein gutes Training im hügeligen Gelände.
Hatten wir vor lauter Spielspaß die Zeit etwas überzogen, kehrten wir im Klassenspurt zurück. Godehard hinterher uns mit Brennnesseln, Kopfnüssen oder leichten Stockschlägen antreibend. Das hatte spaßigen Charakter, sollte lustig sein. Für mich und einige andere war es das auch, konnten wir doch mühelos das geforderte Tempo halten und dem Brennnessel brennenden oder Schläge verteilenden Präfekten einfach davon laufen. Aber es gab auch einige, denen das schwer fiel und die ganz offensichtlich sehr unter dem Spaß zu leiden hatten.

Im Winter pilgerten wir ohne Flugzeuge zu einem Hügel und spielten Bobbahn mit unseren Körpern als Bob. Man legte sich auf den Rücken in den Schnee und rutschte Kopf voraus zu Tal. Nach einiger Zeit war die Bahn so ausgefahren und glatt, dass man ein ganz beachtliches Tempo entwickelte. Im Vorteil waren die, die bereits einen Anorak aus Kunststoff besaßen. Auch das machte nicht allen gleichermaßen Spaß.
Als Steigerung hängten wir uns zu Ketten von bis zu sechs Personen zusammen. Besonders schnell wurden wir, wenn der Hüne Godehard mit zu Tal schoss.

Das Schlittschuhfahren und das Eishockey- Spielen hatte große Bedeutung in Ettal. Das lag vermutlich an der Nähe zu Rießersee und Füssen, die führenden Eishockey- Clubs der Zeit.
Ich hatte nur ein antiquiertes Paar "Schraubendampfer", so nannte man Schlittschuhkufen, die man an die Skistiefel dran schrauben konnte. Aber ich entwickelte mich zu einem Eisplatzmeister! Zwar durfte ich nicht an den großen ran, der auf dem Sportplatz gespritzt wurde, aber der für die Kleinen war in meiner Verantwortung. Wenn die Witterung passte, es nicht schneite und es genügend kalt war, spritzte ich den Eisplatz mit einem Schlauch, das Wasser so vorantreibend, dass eine möglichst glatte Fläche entstand. Obwohl ich selbst kaum Schlittschuhfahren konnte, genoss ich bald einen guten Ruf als Eisplatzmeister und mancher munkelte, mein kleiner Platz wäre glatter und besser zu befahren, als der große. Für mich bedeutete das, dass ich nach dem Abendessen, manchmal bis über das Zubettgehen hinaus, in dichter Winterkleidung und trotzdem frierend, den Eisplatz spritzte - eine große Ehre!

Am Sonntag gab es meist eine größere Bergwanderung. Manchmal zu einer Hütte, wo wir eine Picknick mit mitgebrachtem Tee, belegten Broten und Keksen veranstalteten. Hin und wieder verteilte Godehard sogar Schokolade, die er oder der Internatsleiter Pater Athanasius uns bei der Kontrolle der elterlichen Pakete abgenommen hatte. Patchen (P. Athanasius) war dabei vor allem hinter Würsten her. "Wo ist die Wurst, wo ist die Wurst?", fragte er beim Durchwühlen der Pakete. Fand er eine, war er meist großzügiger, was die beiliegenden Süßigkeiten anging. Die Würste und sonstige erlesenen Leckereien wurden dann am Präfektentisch im Speisesaal verzehrt. Einige gaben den Eltern den Tipp, doch eine Wurst mit ins Paket zu legen, denn dann gab es eine größere Chance, dass die anderen Sachen ihr Ziel erreichten.

Mehrmals veranstaltete Godehard mit uns eine "Treasure Hunt", das amerikanische Gegenstück zur Schnitzeljagd. Wir wurden in Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe bekam zum Start einen Fragebogen, dessen richtige Antworten ein neues Ziel beschrieben. Dort angekommen gab es für die Gruppe eine Aufgabe zu lösen oder einen Gegenstand zu suchen und den Fragebogen für das nächste Ziel zu lösen. Die Zielpunkte wurden von den Gruppen in unterschiedlicher Reihenfolge angesteuert, so dass sie sich nicht in die Quere kamen. Am Ende gab es Prämien für die Sieger. Ich liebte das Spiel und meine Gruppe hat mehrfach gewonnen!

Das Herumstromern im Gelände machte mir großen Spaß. Godehard erwies sich als ein sehr gutes Organisationstalent und als ausgezeichneten Krisenmanager. Er hatte immer ein Pflaster dabei und wusste, was zu tun ist. Ich hatte vollstes Vertrauen zu ihm. Seine Bestrafungen waren zwar nicht angenehm, aber irgendwie stimmig und folgerichtig und passten ins System.

Zur Illustration dieses Urvertrauens, das ich in Godehard hatte, sei die Kuba- Krise im Oktober 1962 erwähnt. Es war mein zweites Jahr in Ettal. Wir hörten nicht regelmäßig Nachrichten, es gab kein Fernsehen und keine Zeitung. Aber es verbreitete sich wie ein Lauffeuer, dass die Welt am Rande eines globalen Krieges stand. Alle waren bedrückt und angespannt. Bei den Messen wurden entsprechende Fürbitten verfasst.

Ich teilte diese Stimmung mit meinen 10 Jahren nicht. Ich fand es lustig und spannend, hatte aber keine Angst. Ich stellte mir vor, wenn der böse Feind in Form von bombardierenden Düsenfliegern über Ettal hereinbrechen würde, dass Godehard uns längst in den Bergen in Sicherheit gebracht haben würde. Nach meiner Meinung wäre es für ihn ein Leichtes gewesen, zumindest was uns, seine Schüler anbelangt, auch mit dem dritten Weltkrieg fertig zu werden.


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RE: Geschichten und Texte, die mal Geschichten werden wollen.

#12 von petias , 14.09.2020 10:02

Ettal Teil 7 - Prügelstrafe

Neben den eher spontaneren Ohrfeigen und Kopfnüssen gab es auch die stärker ritualisierte Prügelstrafe. Vor allem für schlechte Noten. Erhielt man in einer schulischen Prüfung (nicht nur Schulaufgaben, sondern auch "Extemporale", die man öfter als "Stehgreifarbeiten" übersetzt findet,) schlechte Noten, musste man zur Prügelstrafe antreten. Für eine 5 gab es einen Stockschlag auf den Hintern, für eine 6 deren zwei.

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich nicht selten davon betroffen war.

Pater Godehard suchte sich genüsslich einen geeigneten Stock - von einem Spaziergang mitgebracht, oder einen Ski- Stock, von denen auch immer einige an der Wand in unserem Studiersaal aufgereiht standen - und rückte einen kräftigen Holzstuhl zurecht, der sonst an dem großen runden Freizeittisch stand. Der Delinquent musste sich von hinten her darüber hängen, Beine in der Luft, den Bauch an der oberen Kante der Lehne, Kopf nach unten und mit den Händen sich an der Sitzfläche oder den vorderen Stuhlbeinen festhaltend, je nach Körpergröße.
Schreien oder gar Weinen war erlaubt, ja sogar erwünscht. Bestand man darauf tapfer zu sein, so wie unter anderen auch ich, musste man mit deutlich härteren Schlägen rechnen. Aber ein wenig Anerkennung - so ganz im Geheimen - vermutet ich schon bei Präfekt und Mitschülern, und das war mir die Sache wert.

Bei dem schrecklichsten Vorfall dieser Art, der mich noch recht deutlich in Erinnerung ist, hatten auch wir Tapferen keine Chance!
Wir hatten damals Erdkunde beim Direktor der Schule - Pater Dr. Schaller - und der hatte zur Unzeit, völlig unerwartet und die meisten von uns völlig unvorbereitet treffend ein "Ex" geschrieben, wie wir die Extemporale nannten. Ergebnis: 10 5er und 15 6er. Nur 5 Mitschüler erreichten eine bessere Note. Von einer Noten- Verteilungskurve gemäß der "Gaußschen Normalverteilung" hatte der wohl noch nichts gehört.

Nun befand sich Godehard in der Endphase seiner Ausbildung zum Erdkundelehrer und nahm es als persönlichen Affront gegen sein künftiges Fachgebiet. Vor allem aber, vermute ich, war es ihm peinlich, dass er als künftiger Geographielehrer nicht besser darauf geachtet hatte, dass wir dem Schuldirektor gegenüber ein solches Armutszeugnis abgeliefert hatten.

Jedenfalls war Godehard außer sich. Er änderte kurzerhand die Regeln für diesen einen Vorfall und setzte die Anzahl der Schläge auf 5 respektive 6 fest.
Der 33jährige fast zwei Meter große Hüne zerschlug an unseren 25 Hintern 6 Stöcke zu Stücken und es blieb kein Auge trocken!

Nur zwei Monate später übernahm Pater Godehard die vom Studiendirektor provisorisch ausgefüllte Stelle als Geographielehrer. Erst da dämmerte in unser Bewusstsein was die Gründe für diesen pädagogischen Vulkanausbruch gewesen sein mochten.

In der zweiten Klasse, der Studiersaal lag genau ein Stockwerk höher über dem der ersten Klasse, hatten wir Pater Albert zum Präfekten. Ein kleiner Mann nahe der 60, dem die Prügelstrafe sichtlich unangenehm war. Zwar musste auch er sich ihrer bedienen, aber fand dafür ganz eigene Lösungen.

Man musste nicht über eine Stuhllehne baumeln, wie bei Godehard, sondern kniete sich vor die Stufen seines erhöhten Pultes, den Oberkörper auf der oberen Stufe ablegend.
Sein "Stock" war der kleine Besen des Kehrschaufelsets des Studiersaals. Mit seiner flachen, breiten Hinterseite schlug er einmal auf die linke Pobacke, einmal auf die rechte. Erhielt man nur einen Schlag (5er) konnte man sich die Pobacke aussuchen.
Onde, wie wir P. Albert nannten holte zwar mächtig aus, soweit das seine kurzen Arme hergeben wollten, aber kurz vor Auftreffen des Besenrückens auf dem Po, bremste der den Schlag wieder deutlich ab, so dass er überhaupt nicht weh tat. Seine Handlung wurde von uns Godehard- erprobten Sträflingen oft belächelt, aber wir waren dankbar und er wars, seinen Pflichten genüge getan, zufrieden.

Godehard, dem das natürlich auch zu Ohren gekommen war, erklärte sich das mit der kleinen Gestalt des Mitpaters. Dabei war P. Albert ein zäher kräftiger Mann. Ich genoss die Sonntagwanderungen mit ihm, die fast immer in die Berge führten, meist höher und weiter als mit Godehard. Er zeigte uns schöne Plätze, denen er phantasievolle Namen gegeben hatte, wie: "Landeplatz der Außerirdischen" oder "Fußballplatz der Eiszeitmenschen".

Aber auch in der 2. Klasse hatte Godehard die Herrschaft über den Speisesaal und die Schlafsäle der ersten drei Klassen und wir, nach wie vor, viel mit ihm zu tun.

In der 3. Klasse, oh Überraschung, war wieder Godehard unser Präfekt. Pater Edelbert hatte die erste Klasse übernommen. Auch er galt als ein gefürchteter Schläger. Ich habe nie einen Schlag von ihm abbekommen und wir haben uns immer gut verstanden.

Zum Halbjahr der 3. Klasse nahmen mich meine Eltern aus Internat und Schule. Mein Vater hatte eine Försterstelle in Niederaudorf angetreten, von wo aus ich künftig als Fahrschüler nach Rosenheim mit dem Zug in das dortige Gymnasium fahren konnte.


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RE: Geschichten und Texte, die mal Geschichten werden wollen.

#13 von petias , 15.09.2020 14:12

Ettal Teil 8 - Kleine Fluchten 1

In Klassenstärke in Schlafsaal, Speisesaal, Studiersaal, Klassenzimmer - da wird Privatheit zum hohen Gut. Auch in der Freizeit wurde viel gemeinsam unternommen, aber es gab doch auch Gelegenheit zu individueller Freizeitgestaltung. Das Klettern auf Bäume war schon immer - und ist bis heute für mich von hohem Reiz. So hatte ich mehrere kuschelige Plätze in Bäumen, in die nicht jeder zu klettern in der Lage war. Oft begleitet mich ein Mitschüler, der meine Kletterleidenschaft teilte. "Kommen wir da hoch?, fragte ich ihn, auf einen Ast über uns zeigend. Er streckte die Arme in die Luft. Es fehlten nur 30 cm. Man konnte also den Ast im Sprung erreichen. Auf einen Ast, den man im Sprung erreichen konnte, konnte man auch Klettern - weiß doch jeder! Bei derartigen Aktionen achteten wir allerdings auf Sicherheitsvorkehrungen. Entweder durfte die Aktion nur in einer Höhe stattfinden, dass, im Falle eines Absturzes, man sich mit einem Sprung ohne größeren Verletzungen retten konnte, oder es gab mindestens einen "Doppelten Boden". Damit war ein oder gar mehrere Äste gemeint, die noch unterhalb der Sprungstelle wuchsen, so dass sie im Bedarfsfall als Halt dienen konnten.
Wir haben uns aber nie ernsthaft verletzt!

Manchmal machten wir länger Rast an einem Bach, den man z.B. durch selbstgebaute Dämme teilweise aufstauen konnte um Badegumpen anzulegen oder einfach so, weil im Menschen auch viel von eine Bieber steckt.

In der zweiten Klasse wurde mir und einigen Klassenkameraden erlaubt, eine Werkgruppe zum Bau von Vogel- Nisthäuschen zu gründen. Dazu durften wir uns eine Werkstatt auf dem Dachboden des Internats einrichten. Den Schlüssel dafür mussten wir uns immer beim Präfekten, dem Onde, holen. Aber dann hatten wir in der Regel für Stunden Ruhe. Wir durchstreiften die zugänglichen Weiten des Dachbodens und fanden interessante Dinge.
Einmal schleppten wir eine Kuppel, eine Nachbildung des Daches der klösterlichen Basilika, in unsere Werkstatt. Sie war groß genug, dass man sich darunter verstecken konnte. Wir kamen auf die Idee, zunächst als Spaß, unseren Piefke, einen kleinen Mitschüler aus Bottrop, unter der Koppel zu platzieren. Wir verbreiteten die Nachricht, dass wir über einen Schuhputzautomaten verfügten, und, warf man 50 Pfennige ein, würden die durch ein zerbrochenes Kirchenfenster der Basilika hineingestreckten Schuhe, natürlich noch an den Füßen, geputzt.
Dies war völlig unverhofft eine zündende Geschäftsidee. Bald installierten wir - auch über unsere Putzmaschine hinaus, einen Schuhputzservice, der direkt im Schuhkeller operierte und vor allem unserer wachsenden Kundschaft unter den älteren Schülern diente. Die fanden das eine richtig gute Idee. Neue Werkzeuge und Material für unsere Nistkästen war kein Problem mehr. Und auch sonst blieb noch einiges an Bargeld bei uns hängen.

Bald bekamen das auch die Präfekten mit. Es gab nicht das erwartete Donnerwetter. Im Grunde fanden die meisten es witzig und gut. Aber der Internatsleiter verbot schließlich unser Business mit Hinweis auf die Ungleichheit der Ressourcen, die das unter uns verursachen würde. Er war der Hauptmotor - "wo ist die Wurst, wo ist die Wurst" - für die Untersuchung unserer Pakete, die wir von zuhause bekamen, damit nicht die einen sehr viel und die anderen gar nichts bekommen würden.

Allerdings gestattete er einem neuen Mitschüler - einem Mitglied des Hauses Verpoorten (Hersteller von Eierlikör seit 1876) - vor dem Speisesaal unter der Treppe eine Verkaufsstelle für Speiseeis zu betreiben. Die Kühltruhe für das Eis durfte dort stehen und den Strom über ein langes Kabel beziehen. Nach dem Mittagessen konnte, wer mochte und es sich leisten konnte, ein Eis am Stiel erwerben. Ei, Ei, Ei Verpoorten!


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RE: Geschichten und Texte, die mal Geschichten werden wollen.

#14 von petias , 16.09.2020 10:29

Ettal Teil 9 - Kleine Fluchten 2

Kurz nach den Ferien, führte unser Präfekt für die 2. Klasse, Pater Albert, eine Prüfung unserer Pulte durch, während wir in der Schule waren.
Ziel war die Entdeckung verbotener Gegenstände, vor allem unerlaubte Mengen von "Fressguss" (Ess- Waren). Es wurde bei dem Einen oder Anderen etwas konfisziert. Den Vogel abgeschossen hatte allerdings Denz, ein eher zurückgezogener und stiller Mitschüler, mit dem keiner von uns anderen sehr viel Kontakt hatte.

Mehr als 30 Tafeln Schokolade der Firma Alpia hatte "Onde" aus den Tiefen seines Pultes zu Tage gefördert. Er wurde verdächtigt, einen Handel mit Schokolade zu betreiben. Denz erklärte den Umstand damit, dass die Firma Alpia sich teilweise im Besitz seiner Familie befand und er kostenlos an die Schokolade kommen konnte. Er aß deshalb schon von frühester Kindheit an gerne Schokolade und hatte sich soviel davon mitgebracht, dass er jeden Tag bis zu den nächsten Ferien ein Tafel davon würde essen können. Von Onde darauf aufmerksam gemacht, dass es bis zu den nächsten Ferien aber fast drei Monate wären, gestand er kleinlaut ein, dass der Rest sich in seinem Wäscheschrank befand.

Seiner Vorräte beraubt - und sehr unglücklich - schenkte ich dem Denz aus Mitleid die letzte halbe Tafel meiner Suchard- Schokolade, die ich noch übrig hatte. Er war sehr gerührt und konnte mich seitdem gut leiden. Ein paar Wochen später fragte er mich, ob ich ihn nicht zu seinem Onkel auf die Hütte begleiten wollte.
Mir war schon aufgefallen, dass Denz öfter, besonders bei nicht so spannenden Freizeitaktivitäten, offensichtlich erlaubterweise fehlte.
Jetzt stellte es sich heraus, dass ein Onkel von ihm Klosterbruder in Ettal war. Er hatte nichts mit Schule oder Internat zu tun. Eine seiner Aufgabe war die Erhaltung und Renovierung einer Berghütte, die zum Kloster gehörte. Dafür forderte er gelegentlich seinen Neffen und von dem vorgeschlagene Mitschüler an.

Wir stiegen also ca. einmal im Monat in die Berge zu dieser abgelegenen Hütte. Im Rucksack brachten wir einige Baumaterialen und Werkzeuge mit. Im Rucksack des Fraters gab es immer eine Thermoskanne mit Tee und diverse Leckereien darunter ein paar Tafeln Alpia- Schokolade - und Spielkarten.
Nach ca. 1,5 Stunden dauernden Arbeiten an der Hütte setzten wir uns je nach Wetter drinnen oder draußen an den Tisch, schmausten und spielten Karten. Der Frater Onkel liebte Kartenspiele. Je nach Anzahl der Begleiter spielten wir Schafkopf oder Skat. Mehr als zu viert waren wir nie.
Im Winter, wenn nicht zu viel Schnee lag, stiegen wir auch zu der Hütte hoch. Die Kartennachmittage am bullernden Holzfeuer waren sehr gemütlich!

Im Winter hatte ich, wie schon früher berichtet, meinen Job als Eisplatzmeister, der mir auch einiges an Freiheiten einbrachte. Dazu kam, dass P. Edelbert, mich manchmal, nach einem kräftigen Schneefall mit auf das Kirchendach nahm, an die Basis des Kuppeldaches der Basilika, um die von der Schneelast zu befreien. Ich liebte die körperliche Arbeit des Schneeschaufelns und die Begründung, warum Edelbert mich ausgesucht hatte, schmeichelte mir. Er meinte, die Arbeit sei recht gefährlich, schließlich könne man vom Dach stürzen. Da müsse man sich schon auf den Mitschaufler verlassen können.

Eine weitere kleine Flucht waren die gelegentlichen Kinobesuche im Internatseigenen Filmvorführsaal. Der wurde, vom Internat zur Verfügung gestellt, von einer Gruppe älterer Schüler betrieben. Filme wie "Schneewittchen und die sieben Gaukler" oder "Die Ferien des Monsieur Hulot" sind mir noch in freudiger Erinnerung.
Leider kam ich öfter mal - wegen schlechter Schulnoten - nicht in den Genuss!

Schade, das ich nur 2,5 Jahre in Ettal verbrachte. Bestimmt wäre ich in späteren Jahren ins Filmteam des Internates eingestiegen!


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zuletzt bearbeitet 17.09.2020 | Top

RE: Geschichten und Texte, die mal Geschichten werden wollen.

#15 von petias , 17.09.2020 09:25

Ettal Teil 10 - Kommen und Gehen

Die meisten Internatsschüler wurden für die Ferien von ihren Eltern mit dem Auto geholt oder gebracht, aber ca. ein Drittel, darunter auch ich, reisten mit dem Zug. Schon zwei Wochen vorher wurde die Fahrkarte beantragt, die vom Klosterbüro bestellt wurde. Am Vortag der Reise bekamen wir sie ausgehändigt.
Koffer und Rucksack war gepackt - Trollies und Rollkoffer gab es noch nicht - so mussten wir darauf achten, das Gepäck so zu dimensionieren, dass man in der geforderten Zeit umsteigen konnte.

Je nach Fahrstrecke reisten wir in kleinen Gruppen ab. Ich musste nach Weiden in Nordostbayern nahe der Tschechischen Grenze und in meiner Reisegruppe waren Mitschüler aus Landshut, Regensburg, Cham und Schwandorf. Wir brachen gleich nach dem Frühstück auf.

Ein Kleinbus des Klosters brachte uns zum Bahnhof nach Oberau, wo wir auf den Zug nach München warteten. Die Stimmung war gelöst und fröhlich und voller Erwartung auf die Ferien. Zunächst ging die Fahrt über Murnau, Weilheim, Tutzing nach München. Dort gab es ungefähr eine Stunde Aufenthalt. Es lohnte sich nicht, das Gepäck in die Gepäckaufgabe zu geben und so schleppten wir es mit uns, auf dem Weg durch den beeindruckend großen Münchner Hauptbahnhof und die Straßen drum herum.

Dann saßen wir wieder im Zug über Freising, Landshut, Neufarn und Regensburg. Immer wieder verabschiedeten wir aussteigende Mitschüler in die Ferien. In Regensburg gab es wieder einen längeren Aufenthalt. Die Elektro- Lokomotive wurde durch eine Dampflock ersetzt. Die Strecke in der Oberpfalz ab Regensburg war noch nicht elektrifiziert.

Jetzt war nur noch ein Brüderpaar mit mir im Zug, das aus Cham stammte. Ihre Eltern hatten eine Tabak- Firma. Vor allem Schnupftabak wurde da hergestellt. Die beiden waren es, die Godehard nicht dazu bringen konnte so lange zu rauchen, bis sie sich übergeben mussten. (-> Ettal Teil 4 - Fasching)

In Weiden stieg ich aus. Mein Vater würde mich abholen.

Ausgerechnet bei meiner ersten Heimfahrt war der aber nicht da. Ich lief immer wieder im Bahnhof herum, um den Bahnhof herum, er war nicht zu sehen. Um zu telefonieren, hatte ich kein Geld mehr. Die Verlockungen im Hauptbahnhof in München hatten all mein Reisegeld verbraucht.
Nachdem ich einige Wellen von Panik überwunden hatte, fing ich an zu überlegen. Am wahrscheinlichsten schien mir, dass mein Vater mich erst mit dem nächsten Zug erwartete. Ich studierte den Fahrplan. Der nächste Zug sollte in etwas mehr als 5 Stunden ankommen. Bis nach Hause waren es ca. 30km. Ein Fußgänger würde, wie ich aus Textaufgaben wusste, ca. 6 km in der Stunde zurücklegen können. Das macht genau - 5 x 6 = 30 km. Aber da waren der Koffer und was ist mit Pause? Nein, ich musste warten. Ich suchte mir eine Bank und verbrachte die Zeit mit Nachdenken und auf die Uhr schauen.

20 Minuten vor Ankunft des nächsten Zuges aus München kam mein Vater. Endlich. Ich war so froh, dass er tatsächlich kam, dass ich weinen musste. Verstört erzählte ich ihm von dem Malheur. Er war recht erschrocken und fragte mich, warum ich denn nicht telefoniert hätte. Da erfuhr ich, dass es ein Verfahren gab, das sich R- Gespräch nannte. Man rief bei der Vermittlung an und meldet ein R-Gespräch an. Das R steht für Rückruf oder so. Das Amt ruft beim gewünschten Teilnehmer an und fragt ihn, ob er die Kosten übernehmen würde. Stimmt er zu, kommt das Gespräch zustande. Hätte er mir das mal früher erzählt!

Die Ferien in meiner kleinen heilen Welt - bekannt aus den Artikeln mit dem Titel: "Zwergschule" - waren wundervoll. Aber viel zu schnell waren sie vorbei und ich trat die Rückreise ins Internat an. Als ich mich in Weiden im Zug niedergelassen hatte und der von der Dampflock hinaus in die große Welt gezogen wurde, übermannten mich, dieses erste Mal, die Tränen. Die Brüder aus Cham fanden mich und ich faselte was von Augenkatharr. Aller Anfang ist schwer!

Künftig war das Kommen und Gehen weniger problematisch. Ich fuhr gerne nach Hause, war aber auch sehr gerne im Internat.
Erst das letzte Abschiednehmen von Ettal, nachdem ich da 2,5 Jahre Schüler gewesen war, fiel mir sehr schwer.
Trotz aller Misslichkeiten - unterm Strich war es eine schöne Zeit!


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