Buchbesprechungen

#1 von petias , 08.11.2021 09:50

In diesem Themenkomplex möchte ich kleinere Buchbesprechungen unterbringen, die kein eigenes Thema nahelegen, wie z.B. das Buch von Bill Gates "Wie wir den Klimawandel verhindern.


petias  
petias
Beiträge: 865
Registriert am: 09.06.2020


Buchbesprechungen

#2 von petias , 08.11.2021 09:51

Dirk Rossmanns erste (?) beiden Oktopus - Bücher

Zur besten Sendezeit vor der Tagesschau und auf allen Radiosendern, die ich so höre wird derzeit ein Buch beworben: „Der Zorn des Oktopus“ Die Autoren sind Dirk Rossmann, der Leiter der Drogeriemarktkette Rossmann, der gerade dabei ist sich aus dem Tagesgeschäft seiner Märkte zurückzuziehen um Bücher zu schreiben und die Leitung künftig seinem Sohn überlässt und Ralf Hoppe, im Iran geboren, war fast 30 Jahre lang als Journalist für die Zeit und den Spiegel tätig.

Die Werbeinitiative erinnert mich an eine ganz ähnliche Kampagne letztes Jahr, als Dirk Rossmann, damals noch als alleiniger Autor, wenn auch mit einem großen Team an Helfern - auch bereits Ralf Hoppe - sein Buch: “Der neunte Arm des Oktopus“ bewarb
Beide Bücher sind Thriller erschienen im Lübbe- Verlag.

Warum schreibe ich darüber?
Die Bücher werden als Klimaromane angepriesen. Dirk Rossmann wurde in einem Interview danach gefragt, ob er nachvollziehen könne, dass andere Autoren angefressen sind, weil er dank seines Geldes seine Bücher dermaßen stark bewerben kann und sie zusätzlich zu den normalen Vertriebswegen noch in seinen Drogeriemärkten verkauft.
Die Antwort war ja, das könne er sich durchaus vorstellen, aber es wäre ihm kein bisschen peinlich, denn er würde damit ganz Entscheidendes für das Klima tun und nur darauf käme es ihm an.

Dr. Eckart von Hirschhausen, selbst in Sachen Klimawandel unterwegs, wird auf dem Buchrücken des zweiten Bandes wie folgt zitiert:
„Ein Unternehmer, der Romane zu Klimafragen schreibt? Und das auch noch erfolgreich? Dirk Rossmann gelingt es auf eine ungewöhnliche, kreative Art, viele Menschen in Deutschland für die Menschheitsfragen dieses Jahrhunderts zu begeistern. Hut ab – und Kopfkino an!“

Erfolgreich? Ohne jeden Zweifel. Beide Bücher sind nach kurzer Zeit auf Platz eins der Spiegelbestsellerliste gelandet. Auch Rossmans Autobiographie "... dann bin ich auf den Baum geklettert!" landete 2019 auf Platz 1 der Spiegelbestsellerliste.

Die Danksagung des neuen Buches beginnt mit dem Satz:
„Auch dieses Buch ist, wie sein Vorgänger, nicht im stillen Kämmerlein entstanden, sondern im Team.“
Es folgt eine lange Liste von Namen von Mitarbeitern und Beratern.

Also was hat uns Herr Rossmann und sein umfangreiches Team zur Begegnung des Klimawandels zu sagen?

Die zentrale Idee ist es, dass sich die führenden Wirtscjafts- und Machtnationen, die USA, die Volksrepublik China und die Russische Föderation, vertreten durch die Präsidentin der USA Kamala Harris (aktuell Vizepräsidentin), Xi Jiping und Wladimir Putin zu einer Klima-Allianz zusammengeschlossen haben.
Sie veröffentlichen am 21. November 2022 ein Kommuniqué, in dem sie erklären:

….“Die Unterzeichnerstaaten setzen gemeinsam ihre politischen, finanziellen, wissenschaftlichen und militärischen Kräfte ein, um den Umsturz des Weltklimas, den exponentiellen Anstieg der Weltbevölkerung und die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen wirksam abzuwenden.
Dazu wird beschlossen und gemeinsam durchgesetzt:
Der energetische Verbrauch fossiler Brennstoffe wird drastisch eingeschränkt.
Das Wachstum der Weltbevölkerung wird begrenzt.
Die tropischen Regenwälder werden geschützt.“

Die Kosten sollen aus der Kürzung der Rüstungsausgaben gedeckt werden. Die aktuellen Kriegs- und Krisenherde werden kurzfristig beendet. Nuklearwaffen und Streitkräfte werden innerhalb von 5 Jahren halbiert.
Diese Ankündigung ruft im ersten Band die Rüstungslobby auf den Plan. Sie verbreiten die Meinung, dass es der Föderation nicht ernst ist, ihre Forderungen auch militärisch durchzusetzen und verführen so Brasilien dazu einen Krieg vorzubereiten. Ein Koch erfährt davon, als er ein Catering ausrichtet. Er geht zum Präsidenten seines Fußballclubs und bittet den um Hilfe. Zusammen mit einer Agentin aus der Verwaltung rettet er so die Welt.

Was ist nun mit dem Oktopus?
Dem Autor war das Buch „Rendezvous mit einem Oktopus“ von Sy Montgomery in die Hände gefallen. Es hat ihn sehr beeindruckt. Oktopoden haben ihr „Gehirn“ sozusagen in allen ihren Armen, die unabhängig voneinander agieren können, aber auch zusammenarbeiten.

In Band eins lässt er einem Wissenschaftlerteam, das das für eine brillante Idee hält, einen künstlichen, biotronischen 9. Arm implantieren. Aber siehe da, der Oktopus stößt den einfach ab. Er braucht keinen neunten Arm. Das war, vermute ich, als Botschaft geplant, nicht zu sehr in die Natur einzugreifen.
Das wars auch schon mit dem Umwelt- und Klimaschutz. Der Rest ist ein Thriller, der durch ein großes Team gut recherchiert an vielen Teilen der Welt spielt und einige Charaktere recht gut zeichnet.

Band 2 spielt 2029. Die Klima- Allianz versucht immer mehr Staaten dazu zu bringen, der Allianz beizutreten. Sie bekommen Geld und Hilfen, müssen aber Kontrollen zulassen und das Bevölkerungswachstum kontrollieren.

Eine neue Waffe der Klimaallianz ist es, einen großen Schwarm von künstlichen Heuschrecken zu erzeugen, der, kontrolliert durch einen Super- Quantencomputer die Sonne ausblocken kann, um Erwärmung zu verhindern und der biologische Heuschreckenschwärme, die eine echte Gefahr für die Nahrung der Welt geworden sind, abzuwehren. Dieser Supercomputer basiert auf einem neuen Element vom Mars, Clarnium, das in kleinen Mengen von Marssonden geborgen und zur Erde geschafft werden konnte. Die ersten paar Gramm des Elementes reichten gerade für einen Quanten- Supercomputer, der z.B. den Schwarm an künstlichen Heuschrecken steuern konnte. Die nächste Lieferung Clarnium war erst in vier Jahren zu erwarten.

Die weltweite Demonstration des künstlichen Heuschreckenschwarms schlug fehl. Der Schwarm attackierte die Zuschauer mitsamt Präsidentin Harris.
Dahinter steckte ein Bösewicht. Ein charismatischer Guru mit großer Anhängerschaft, der die Welt beherrschen will.
Mithilfe von Bestechung, Zwang und eben seines Charismas gelang es dem Bösewicht den Supercomputer für ein Projekt zu missbrauchen, das „Reverse Prophecy“ genannt wurde. Der Quantencomputer auf Clarnium- Basis war so mächtig, dass er hoch komplexe scheinbar chaotische Zusammenhänge entschlüsseln und vorhersagen konnte, wie z.B. das Wetter. Aber auch die Zukunft schlechthin. Wäre die Vorhersage genau genug, könnte man ein Ergebnis des Weltgeschehens zwei Wochen vorhersagen und dann von da zurückrechnen was getan werden müsste, damit ein gewünschtes Ereignis eintreffen würde. Damit könnte der Herr des Computers die Welt beherrschen.

Problem: die Vorhersagegenauigkeit lag bei untauglichen 78 Prozent.

Es wurde mit den prophetischen Impulsen von Oktopoden experimentiert, die das Ergebnis nicht wesentlich verbesserten.
Der Durchbruch gelang, als der Guru drei seherisch begabte Indianermädchen, die sich in ihrer Ausbildung zu Schamaninnen befanden in seine Hand bekommen konnte. Die von den Mädchen heimlich aufgenommenen Hirnströme steigerten die Vorhersagekraft des Computers auf 98 Prozent. Damit konnte die Operation Weltherrschaft beginnen.

Diesmal sind es ein mittlerer Regierungsbeamter der Klimaallianz und dessen Expartnerin und künftige Partnerin, eine wohlhabende, natur- menschen- und kinderfreundliche Künstlerin und eine charismatische und wunderschöne Frau, die die Welkt retten. 98 Prozent sind eben nicht 100 Prozent.

Wieder gibt es gut recherchierte Details und es steckt die Arbeit eines großen Teams darin. Der Plot taugt allemal für einen Thriller, aber mit einem Beitrag zum Fortbestand der Menschheit und einer Lösung zum Klimawandel hat das alles absolut gar nichts zu tun. Es ist ein Roman nach dem bekannten Muster wie wir es z.B. aus den "James Bond" Romanen kennen, mit einem Schurken, der Technik zum eigenen Vorteil gegen den Rest der Menschen missbraucht. Statt einem Superhelden werden hier zwei harm- und hilflose Zufallsbürger ausgewählt, die mehr versehentlich in die Verlegenheit kommen über sich hinauszuwachsen und die Welt zu retten.

Sprachlich ist das Werk von mittlerer Qualität. Äußerungen wie: „er wackelte wie ein sozialistischer Staat“ finde ich etwas fragwürdig.

Meine heimliche Befürchtung, dieses Werk könnte meinen NWO- Roman hinfällig machen, war absolut unbegründet. Ich hoffe, Team Rossmann wird mir ein Ansporn sein, allein und im mit dem Internet verbundenen stillen Kämmerlein, Anspruchsvolleres zu produzieren. Allerdings werden mein Buch nur sehr wenige Auserwählte lesen, wenn überhaupt. Auf der Spiegel Bestsellerliste wird man es vergeblich suchen. Ich kann damit leben!


petias  
petias
Beiträge: 865
Registriert am: 09.06.2020

zuletzt bearbeitet 18.01.2022 | Top

Buchbesprechungen

#3 von petias , 04.01.2022 09:27

Herscht 07769

Das Buch hat aus mehreren Gründen meine Aufmerksamkeit erregt.

Zum einen bestehen seine 402 Seiten aus nur einem einzigen Satz. Es gibt in diesem Buch nur einen einzigen Punkt. Auf Seite 409 mit dem Ende des Romans. Ein paar etwas größer und fett gedruckte „Kapitelüberschriften“ werden mit etwas Platz nach oben und unten in die Halbsatzkaskade eingestreut. Sonst hat das Werk keine Sätze oder Absätze oder direkte Reden nur eine lange Reihe von Halbsätzen getrennt durch Kommas, gelegentlich ein Fragezeichen und oder Ausrufezeichen vor dem Komma, wie man es normalerweise bei der direkten Rede macht. "Seine Sätze sind die Unruhe im Herzen der Literatur", steht auf der hinteren Umschlagsseite über den ungarischen Autor László Krasznahorkai.

Der ist ein gefeierter Autor der Gegenwartsliteratur, unter anderen Träger des „International Man Booker Prize“ und, erst 2021, des „Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur“.

Das allein hätte mich vermutlich nicht dazu verleitet, spontan 26 Euro für ein gebundenes Buch auszugeben. Aber das Buch spielt in Thüringen in dem Städtchen Kahla Postleitzahl 07768, einem Ort mit alter Porzellanfabrik und einer erschreckend großen Neonaziszene mit mehreren eigenen Immobilien, gelegen im Saaletal südlich von Jena, nicht sehr weit vom Lichthügel entfernt.

Im Buch heißt die Stadt Kana mit der Postleitzahl 07769 vermutlich, um eventuellen Verleumdungsklagen aus dem Wege zu gehen.
Die Hauptfigur des Romans ist Florian Herscht, ein Waisenkind in Heimen in Jena aufgewachsen, Absolvent einer Bäckerlehre. Er ist ein herzensguter Kerl, etwas naiv und gutgläubig aber ein Hüne von einem jungen Mann mit unglaublicher Körperkraft.
Der „Boss“ holt ihn nach Kana. Er besorgt ihm eine eigne Wohnung im 7. Stock des „Hochhauses“, einem Plattenbau, lässt ihn neben seinen Hartz IV – Bezügen für 90 Euro die Woche schwarz Vollzeit in seiner Firma „Alles wird rein“ arbeiten. Die Zweimannfirma hat sich darauf spezialisiert Graffitis von den Mauern und Wänden zu entfernen. Manche munkeln, dass die Nazigruppe, die der „Boss“ leitet, teilweise für diese Schmierereien verantwortlich sei.

Florian nimmt nicht an den Versammlungen in der „Burg“ teil, ein Gebäude, in dem sich die Nazis treffen und einige von ihnen auch wohnen, wohl aber an den Orchesterproben, die der Boss organisiert. Er will ein Bach- Orchester aufbauen. Aber die Musiker bekommen das nicht auf die Reihe. Florian, obwohl er gar kein Instrument spielt, muss sich dazusetzen, damit er sich in Bach einhört, sich von seiner Musik durchdringen lässt.
Florian gehört nicht zu den Nazis. Er lässt sich kein Tattoo stechen, keinen Reichsadler oder andere Nazisymbole, nicht so sehr aus Ablehnung dieser Symbole, sondern weil er pansche Angst vor der Nadel des Tätowierers hat.

Florian ist gut Freund mit jedermann in der Stadt (6000 Einwohner). Er schleppt Kisten und Möbel, streicht Wände, hilft wo er kann. Aber den Boss hält er für seinen Wohltäter und lässt nichts auf ihn kommen, wenn ihn die Anderen vor ihm warnen.

Eine sehr wichtige Person wird für Florian der Herr Köhler, ein Physiker, der als Lehrer gearbeitet hatte, eine örtliche Wetterstation aufgebaut hatte und betreibt und Kurse in der Volkshochschule gibt zum Thema Quantenphysik. Regelmäßig besucht Florian, Donnertag für Donnerstag, diese Kurse und entwickelt seine eigenen Theorien.
Die Welt wie wir sie kennen hat sich nach und nach durch den Urknall entwickelt. Dabei sind nur ein Teilchen mehr Materie als Antimaterie entstanden. Aber die Antimaterie schwirrt noch im All herum, z.B. in Form von schwarzen Löchern. Jederzeit kann es zur Berührung kommen und damit zur Annihilation, zur Auflösung aller Materie. Das Große Nichts!

Florian ist so besessen von dem Gedanken, dass er der Bundeskanzlerin schreibt. Er will sie warnen. Will, dass sie den Welt Sicherheitsrat einberuft damit dieses für die Menschheit so gefährliche Thema an höchster Stelle erörtert wird.
Als Absender schreibt er nur Herscht 07769 auf die Briefe, denn die Kanzlerin ist Physikerin. Gewohnt an kurze präzise Informationen. Unnötiges würde sie beleidigen. Mit der Postleitzahl lässt sich problemlos Kana ermitteln, und in Kana kennt man ihn, Florian Herscht.

Da die Kanzlerin nicht antwortet, fährt er nach Berlin. Das Sicherheitspersonal im Reichstagsgebäude weist ihn zurück und verweist ihn an das Kanzleramt. Aber auch da wird er nicht vorgelassen. Die Kanzlerin wäre beschäftigt, aber man würde ihm seine Nachricht und seine Bitte um Besuch übergeben.

Eine Weile lang steht Florian täglich mit einem Schild „Frau Merkel“ am Bahnhof in Kana, in Erwartung der Kanzlerin. Aber sie kommt nicht.
Dann verschwindet Herr Köhler. Florian hat sich in seinen Briefen an die Kanzlerin auf Herrn Köhler bezogen. Florian vermutet, er könnte vom Bundesnachrichtendienst festgenommen worden sein. Er schreibt verzweifelt Briefe an die Kanzlerin, die seine Unschuld beteuern und dass er, Herscht, ganz allein, gegen die Meinung des Herrn Köhlers, diese Befürchtungen hat.

Als Herr Köhler wieder auftaucht, ist er nicht mehr derselbe. Sein Verschwinden bleibt rätselhaft. Schließlich nimmt ihn sein Freund, ein Arzt aus einem Nachbarort bei sich auf. Herr Köhler gleitet in Demenz ab.

In der Zwischenzeit hatte sich etwas Unerhörtes in Kana ereignet. Die örtliche ARAL- Tankstelle, war explodiert. Bei der Explosion kam das Pächterehepaar mit Migrationshintergrund uns Leben. Man verdächtigt die Nazis.
Florian hält das zunächst für ausgeschlossen und verteidigt wie gewohnt den Boss. Aber dann bekommt er von dem ein Handy, ein Nokia, geschenkt. Vorher hatte es der Boss abgelehnt, dass er ein Handy bekommt, meinte, er bräuchte keines.

Auf dem Handy waren 5 Anrufe mit dem Boss gespeichert. Sie sind als Alibi gedacht, falls die Polizei ihn befragt. Er wisse doch, was die Leute immer Falsches über ihn reden. Aber diese 5 Anrufe hat es mit Florian, er hatte ja das Handy gerade erst bekommen, gar nicht gegeben.

Aber Florian findet noch zwei Videos auf dem Handy. Es dauerte Wochen, bis er das Smartphone so weit beherrscht, dass er sie sich ansehen kann. Sie dokumentieren haarklein, wie eine Gruppe Nazis den Brand legen. Den Boss identifiziert er über seine Stimme als den, der filmt.

Das verwandelt Florian in einen völlig anderen Menschen. Er geht zum Haus des Bosses, tötet mit einem Griff den Hund, vor dem er immer solche Angst gehabt hatte, dringt ins Haus ein, erschlägt den Chef, der gerade mit der Hantelstange trainiert mit einem Schlag. Er geht in die Burg und tötet zwei weitere an dem Anschlag Beteiligte. Die Nazis ziehen weg.

Aber Florian wird zum wilden Tier. Zieht sich in die Wälder zurück. Kommt nur hervor, um Nahrung zu stehlen und anfangs auch, um seinen Laptop aufzuladen, mit dem er Bachmusik hört, die ihm so wichtig geworden ist. Später wird es zu gefährlich, den Laptop laden zu müssen. Ist auch nicht mehr nötig. Florian hört Bach jetzt auch ohne Hilfsmittel. Er hat seine Musik immer im Ohr!

Nach und nach tötet er alle Attentäter. Die letzte und schwierigste ist die einäugige Karin. Sie verkleidet sich und taucht ebenfalls unter. Sie finden sich wieder in Kana. Karin hat sich in ein Haus nahe der Stadt eingenistet, die Besitzer, auch Freunde von Florian, erschossen. Florian schläft im Wald. Eine Weile verfehlen sie sich. Aber schließlich kommt es zum Showdown. Karins Genick wird gebrochen und Florian bekommt eine Kugel ins Bein.

Der Brief, der von der Kanzlerin für Florian beim Postamt ankommt landet in dem Korb mit der Aufschrift „Unzustellbar“

Das Buch endet damit, dass Florian erschöpft von der Wunde und dem Blutverlust, auf einer Bank sitzt, die Polizei ist im Anmarsch, aber das bekommt er gar nicht mit.
Er sieht zwei Wölfe nicht weit von ihm, aber sie bedrohen ihn nicht. Als sie sich umdrehen, sieht Florian, dass sich ihre Augen bereits aufgelöst hatten. Das Nichts, so denkt er,beginnt sich auszubreiten!

(Den Wölfen war von einer Umweltschutzgruppe die Augen für ein Experiment verklebt worden. Sie hatten die Klebestreifen samt ihren Augen ausgekratzt! Der Vorsitzende der Gruppe war ein zwielichtiger Ungar)

Es war recht anstrengend das Buch zu lesen, aber ich habe es nicht bereut. Besonders die Darstellung der Bewohner des Städtchens haben mir viel von der Wirklichkeit abgelegener mitteldeutscher, kleinstädtischer Befindlichkeit, wie ich sie auch kennengelernt habe, widergespiegelt.

Natürlich passiert noch viel mehr auf den fast restlos ausgefüllten, über 400 Seiten. Nicht alles scheint plausibel und stimmig. So hat sich z.B. ein Seeadler an den einsam durch die Wälder streifenden Florian gehängt und ihn auf Schritt und Tritt begleitet. Sogar mit Nahrungsmitteln hat er ihn versorgt. Zweimal hat er Karin, Florians letzte und gefährlichste Gegnerin attackiert. Bei der zweiten Attacke hat sie ihn angeschossen und tödlich verletzt. Mit letzter Kraft ließ sich das Tier neben Florian nieder, um in seiner Nähe zu sterben. Der hat es keines Blickes gewürdigt.


petias  
petias
Beiträge: 865
Registriert am: 09.06.2020

zuletzt bearbeitet 05.01.2022 | Top

#4 von petias , 15.01.2022 11:02


petias  
petias
Beiträge: 865
Registriert am: 09.06.2020

zuletzt bearbeitet 17.01.2022 | Top

Buchbesprechungen

#5 von petias , 17.01.2022 19:38

"Alt werde ich später" von Dr. med. Marianne Koch

Bei meinem Ausflug letzten Donnerstag nach Saalfeld (Nach längerer Abstinenz: ein Ausflug in die kleine Stadt!) erstand ich das Büchlein von Frau Koch. Mittlerweile habe ich es gelesen und möchte darüber berichten.

Ich kenne Marianne Koch, seit ich denken kann. Nicht als Ärztin, sondern als Schauspielerin, aus dem Rateteam von "Was bin ich", der legendären Sendung moderiert von Robert Lemke ("Welches Schweinderl hättens denn gern?"). Mein Lieblingsmitglie im Rateteam war aber Guido, der Fuchs, Baumann.

Erst, als ich meine Tante gelegentlich versorgte, die gerne Bayern 2 hörte (sie ist mittlerweile kurz vor ihrem 101 Geburtstag gestorben), erlebte ich Frau Koch auch als Ärztin in der Radiosendung Notizbuch – Gesundheitsgespräch.

Biographisches zu Frau Koch:
geboren: 19.8.1931 in München. Sie machte mit 17 Jahren Abitur, nachdem sie zwei Klassen übersprungen hatte. Sie ging an die Uni zum Medizinstudium und jobbte in den Semesterferien in den Bavaria Filmstudios. Da wurde sie für den Film entdeckt. Sie plante das Studium für ein paar Jahre zu unterbrechen, um dann das Medizinstudium fortzusetzen. Es begann mit "Der Mann, der zweimal leben wollte" und es folgten ca. 70 weitere Filme.

1971, mit 40 Jahren, nahm sie ihr Medizinstudium wieder auf. 1978 promovierte sie an der LMU (Ludwig- Maximilian- Universität) in München mit "summa cum laude".
Von 1985 bis 1997 betrieb sie als Internistin in München eine eigene Praxis.
Sie schloss die Praxis, weil es ein paar Jahre lang eine Regel der Ärztekammer gab, dass man ab dem Alter von 68 keine Kassenpatienten mehr behandeln durfte, und sie keine reine Privatpraxis betreiben wollte.
Sie wurde Medizinjournalistin und schrieb Bücher und trat in diversen Sendungen auf.
Das macht sie heute immer noch, mit 90 Jahren. Das Buch, das ich gerade gelesen habe, erschien in 2. Auflage 2021 im dtv - Verlag.

Mein „Das macht sie heute immer noch“, aus dem vorherigen Abschnitt würde Frau Koch als „Sprachfalle“ bezeichnen die von einem amerikanischen Soziologen als das „Noch immer“- Syndrom bezeichnet wurde. Im Grunde ist das Altersdiskriminierung!

Frau Koch ist das, was ich als eine klassische „Schulmedizinerin“ bezeichnen würde. Das ist nichts Schlechtes! Ich stimme Dieter Nuhr zu, der meinte, dass er von seinem behandelnden Arzt durchaus erwarten würde, dass er eine Schule besucht hätte, „zumindest die Grundschule“, meinte der sarkastisch.
Was ich damit sagen will ist, dass in ihrem Büchlein meine Überzeugungen z.B. von gesunder und ethischer Ernährung nicht unbedingt Bestätigung finden. Und auch was das Impfen anlangt, sind wir vermutlich nicht gleicher Meinung, erinnere ich mich an ihre Sendungen der Reihe "Gesundheitsgespräch", die ich bei meiner Tante mit angehört hatte.
Aber vermutlich ist es eine gute Idee, einer 90- Jährigen fitten und aktiven Ärztin gut zuzuhören!

Blau gefärbte Passagen sind meine Kommentare

Kapitel 1 Ein neues Bild vom Älterwerden
Der Spiegel zeigt nicht mehr das Bild, als wir mit 35 auf der Höhe unserer Attraktivität waren. Wir sehen anders aus ABER: man ist auch ein anderer Mensch geworden in der Zwischenzeit. Klüger, erfahrener, das Bewusstsein hat sich erweitert, viele Bücher haben wir gelesen, vieles erlebt, viele Menschen getroffen, die Liebeserlebnisse…
Es gibt also keine Chance, dass wir aussehen wie früher. Auch nicht Dank den Segnungen der plastischen Chirurgie und sei der Arzt noch so begabt.
Wir sollten uns mit dem ich, das uns da aus dem Spiegel entgegensieht, identifizieren, ja anfreunden!

Meine Mutter sagte manchmal scherzhaft: „Du, die mich da aus dem Spiegel ansieht, ich kenne dich zwar nicht, aber ich wasche dich trotzdem!“

Lebenszeit bringt Erlebnisse und sei es gähnende Langeweile und enttäuschte Hoffnung. Sie ist immer subjektiv und führt nicht zwangsläufig zu Weisheit und Reife! Aber annehmen müssen wir es allemal!



Kapitel 2 Warum, zum Teufel altern wir überhaupt?
Hier geht es um Zellen und Zellteilung und die Verkürzung der Telomere bei jeder Zellteilung. Ist der Lebensfaden zu kurz geworden, können sich die Zellen nicht mehr verjüngen und sterben ab.
Es geht um die Telomerase, ein Botenstoff, der die Verkürzung der Telomere verhindert. Krebszellen produzieren diesen Botenstoff, um damit ihren eigenen Tod zu verhindern.

Aber auch der gesunde Mensch kann diesen Botenstoff herstellen, in Stammzellen, Knochen- und Immunzellen. Körperlich aktive, sportliche Menschen haben mehr Telomerase im Körper als Couch- Potatoes und ihre Zellen bleiben länger erneuerungsfähig.

Was dringt sonst noch an konkreten und umsetzbaren Erkenntnissen aus den Laboren der Altersforscher? Sie experimentieren mit vielerlei Substanzen verlängern das Leben von Mäusen, Fadenwürmern, Fliegen, Hunden und Affen, aber die Laborergebnisse ließen sich bislang nicht auf den Menschen übertragen.

Was ist bewiesen?
- Wichtig sind die ererbten Gene. Langlebigkeit in der Familie ist ein gutes Zeichen.
- Die Menge der alten, nicht mehr erneuerbaren Zellen hat direkten Einfluss auf die Entstehung von Alterskrankheiten
- Der Verzicht auf üppiges kalorienreiches Essen im Alter scheint die Lebenserwartung zu erhöhen
- Körperliche Aktivität hat sich als optimaler Schutz vor Alterungsprozessen herausgestellt.
- Soziale und wirtschaftliche Faktoren beeinflussen die Chance des Menschen länger und in guter Gesundheit zu leben.

Es werden sehr viele Antiaging Mittelchen angeboten. Aber das sind Nahrungsergänzungsmittel und keine Medikamente. Ihre Wirksamkeit muss nicht nachgewiesen werden.
Solange es keine Medikamente gegen das Altern gibt, bleibt nur beweglich bleiben, körperlich wie geistig, und gesund essen.

Kapitel 3 Erfolgreich Älterwerden I: Stärken Sie Ihr Selbstbewusstsein
Wenn wir mit unserem bisherigen Leben zufrieden waren, ist das ein guter Ausgangspunkt. Aber auch wenn nicht, stellen wir neue Weichen für die nächsten 15 oder 20 Jahre.
Seien wir mutig, etwas Neues anzugehen, Pläne zu schmieden und an deren Verwirklichung zu gehen.
Was wir bisher noch nicht erreicht haben, z.B. weil keine Zeit dafür da war, jetzt sollten wir es umsetzen!
"Und natürlich verändern wir uns mit jeder neuen Information, mit jedem neuen Gedanken, vor allem aber mit neuen Gefühlen und dem Bewusstsein, lebendig zu sein und an unserer Welt teilnehmen zu können. Und das ist es: das Selbstbewusstsein, das Sie brauchen, um jung zu bleiben".

Kapitel 4 Erfolgreich Älterwerden II: Sag mir, was du isst - und ich sage dir, wie alt du wirst
Eigentlich müssten wir uns spätestens nach dem 30. Lebensjahr darüber Gedanken machen - und entsprechend handeln -, um uns das Altern so angenehm wie möglich zu gestalten.
Verpasst? Glücklicherweise ist es nie zu spät. Wenn man sich erst mit 70 besinnt, die schlimmsten Sünden wider die Gesundheit abzustellen, so mag zwar schon einiges für immer kaputt sein, aber der Rest des Körpers freut sich...

Fünf Säulen der Jugendlichkeit: Feste Knochen - geschmeidige Gelenke - starke Muskeln - elastische Blutgefäße - wache Gehirnzellen.
Erkenntnisse aus neuerer Zeit: vermeiden von Stürzen - Achten auf Sarkopenie (Abnahme der Muskulatur), die den Anfang der Gebrechlichkeit bedeutet - stärken des schwächer werdenden Immunsystem - vermeiden von Übergewicht.

Die Ernährung spielt eine zentrale Rolle:
Hier findet sich nichts Neues, überwiegend das, was man heute eigentlich überall zu hören bekommt: mäßig essen - wenig Fertiggerichte und Mischungen mit all den industriellen Zusatzstoffen, lieber aus gesunden Rohstoffen selber kochen - Gemüse aus der Region - wenig Industriezucker - wenig Salz - wenig tierisches Fett, lieber Pflanzenöle -. wenig rotes Fleisch (Schwein, Rind) lieber Geflügel - vermeiden von Weißmehl, lieber Vollkorn.

Vegetarisch ist kein großes Problem (da kann man sich vom Arzt Nahrungsergänzungsmittel verschreiben lassen), meint Frau Koch, vegan schon. Letzteres führt unvermeidlich zur Mangelernährung. Ganz wichtig sind ihr Milchprodukte, vor allem wegen des darin reichlich enthaltenen Kalziums. So kann man ihrer Tabelle im Anhang entnehmen, dass schon 100g Emmentaler Käse 1020mg Kalzium enthalten bei einer empfohlenen Tagesdosis von 1000mg. In Obst, Beeren und Gemüse sei da vergleichsweise wenig enthalten.
z.B. je 100g: Lauch 85mg - Himbeeren / Brombeeren 40mg - Johannisbeeren 200mg.

Bücher über vegane Ernährung führen hinsichtlich des Kalziumgehalts von Milchprodukten an, dass Milchprodukte den Körper so sehr übersäuern, dass zur Abpufferung der Säure mehr Kalzium gebraucht wird, als mitgeliefert wird. Milchprodukte wären Kalziumräuber heißt es!

Ich mache mir nicht die Mühe, den Wahrheitsgehalt zu überprüfen - sollte das überhaupt zweifelsfrei möglich sein. Meine Überlegung ist eine andere, die eine Entscheidung in der Frage überflüssig macht: Massenhaltung von Schlachttieren (um Mich zu erhalten, den Ausgangsstoff für Milchprodukte, müssen die Tiermütter Babys bekommen, die man ihnen wegnimmt, um die Milch für den Menschen zu nehmen. Diese werden - zumindest die männlichen und als künftige Milchkühe ungeeignete weiblichen Babys nach kurzer Mast geschlachtet und gegessen.) ist aus ethischen und ökologischen Gründen nicht zu verantworten!

Tiermilchgewinnung als Menschennahrung ist geschichtlich betrachtet eine recht neue Erfindung und erst einige 1000 Jahre alt in der Millionen Jahre dauernden Entwicklung des Menschen und seiner Vorfahren. Es geht also sehr gut ohne. Mehr noch, große Teile der Menschheit vertragen Milch gar nicht und versuchen sich, wie z.B. die Chinesen, mühsam daran zu gewöhnen. Den Kalzium- und auch den Eiweißbedarf (der ist ein zweiter wichtiger Punkt bei Frau Koch als Vorbeugung gegen den Muskelschwund, nicht auf Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte zu verzichten) zu decken, ist in einer wildkräuterreichen veganen Ernährung gar kein Problem!
Schon den gar nicht so wilden Küchenkräutern billigt Frau Koch in ihrer Liste 200mg Kalzium pro 100g zu.

Im Zusammenhang mit den Getreideprodukten - auch Vollkorn - bleibt anzumerken, dass ein steigender Teil der Bevölkerung mit Glutenunverträglichkeit zu kämpfen hat.


Hinsichtlich des gesunden Körpergewichtes bedient sich Frau Koch des BMIs (Body-Mass-Index).



Der ist weit verbreitet, wenn auch nicht unumstritten. (Viele Sportler wären danach zu dick).
Was hier neu für mich ist, ist ein Trick, wie man sich die Rechnerei ersparen kann.
Nimmt man ein Lineal und richtet es nach Körpergröße und Gewicht aus, so kann man in der mittleren Spalte seinen BMI ablesen.


Abnehmen soll keinesfalls mit Diäten versucht werden, denn die führen alle nach dem Absetzen zu einer Gewichtszunahme. Man soll einfach die schlimmsten Dickmacher weglassen bzw. etwas weniger essen.
Abnehmen soll, um erfolgreich zu sein langsam und schonend erfolgen. Ein Kilogramm Gewichtsverlust pro Monat reicht.
Unterstützt wird das Abnehmen durch versstärkte körperliche Aktivität.

Auch Frau Koch weist nachdrücklich darauf hin, dass man genug trinken sollte. Sie empfiehlt mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit.
Dabei fehlt das Bewusstsein dafür, dass der zusätzliche (neben der Nahrung) Flüssigkeitsbedarf neben Wetter und körperlicher Anstrengung sehr von dem abhängt, was man isst. Isst man viel Brot, Gebratenes, kurz flüssigkeitsarmes Essen, muss das natürlich durch die Zufuhr von zusätzlicher Flüssigkeit ausgeglichen werden. Zudem: der erste Schritt der Abwehr gegen Giftstoffe im Körper, ich rechne dazu auch Industriezucker und Salz, ist es diese Stoffe in Lösung zu halten und dazu braucht es Wasser. Eine frische rohe Pflanzenkost braucht, außer bei großer körperlicher Anstrengung, überhaupt kein zusätzliches Wasser!

Kapitel 5 Bewegung ist ein Wundermittel
„Bewegung ist die Ursache des Lebens!“, hat Leonardo da Vinci gesagt.
„Jede Bewegung zählt. Für ältere und alte Menschen gilt dieser Satz besonders.
Bewegung ist wichtig für die Beweglichkeit, beugt (mit Eiweiß) dem Muskelschwund vor, ernährt und schützt die Gelenke, stärkt (mit Kalzium) die Knochen, steigert das Lungenvolumen und bekämpft Kurzatmigkeit.

Aber: bloß nicht stürzen! Viele Alte werden gebrechlich oder sterben in Folge eines Sturzes.

Da kann ich aus Erfahrungen aus meinem Umfeld nur zustimmen. Der krasseste Fall war ein 103-Jähriger, top fit und geistig völlig auf der Höhe, der seinen Garten und seinen Haushalt noch selbstständig versorgte. Er stürzte inmitten seiner rege genutzten 4000 Bücher umfassenden Bibliothek über einen Teppich so unglücklich, dass er nicht mehr aufstehen konnte. Ein Freund fand ihn, weil er nicht ans Telefon kam, nach drei Tagen hilflos am Boden liegend. Er kam ins Krankenhaus und starb nach kurzer Zeit.

Übrigens ist der oben erwähnte 103-Jährige ein gutes Beispiel dafür, dass Lebenswandel die Gene schlagen kann. Seine Eltern und sein Bruder starben in ihren 50ern. Er kränkelte in seiner Jugend, wurde dann zum Veganer. Erst ab 70 lebte er konsequent vegan und bis auf eine Scheibe altes Vollkornbrot pro Tag, damit die Zähne wissen, dass si noch gebraucht werden, aß er roh. Er absolvierte ein tägliches Sportprogramm.

Die 90-jährige Frau Koch geht jeden Tag bei jedem Wetter mit ihrem Hund für mindestens eine halbe Stunde Gassi. Sie empfiehlt, sich beim Treppensteigen immer am Geländer festzuhalten.
Ich bin demnächst 70 und verfolge vorerst noch eine andere Strategie. Gut ernährt und körperlich fit durch vielseitige Arbeit, durch Radfahren und Wandern, Joggen und Gymnastik traue mir vorläufig noch zu, einen Sturz gut abzufedern und den restlichen Aufprall gut zu überstehen. Aber mit 90 werde ich den Weg hoch zu meiner Schlafhütte dann lieber doch mit Stufen und Geländer an manchen Stellen ausstattet. Aber wer weiß das schon - vielleicht hat sich das Problem bis dahin längst auf andere Weise gelöst!


Als eine entscheidende Stärkung, ja als ein Training für das Immunsystem betrachtet Frau Koch die Impfungen.
Ab 60 empfiehlt sie:
- Tetanus - Diphterie - Keuchhusten (diese Dreifachimpfung sollte alle zehn Jahre aufgefrischt werden.)
- Pneumokokken
- Influenza (jährlich )
- Gürtelrose (Herpes Zoster) (Doppelimpfung im Abstand von 6 Monaten hält ca. 10 Jahre)
- FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis) Wird durch Zeckenbisse übertragen, wie die Borreliose, gegen die es leider noch keinen Impfstoff gibt.
- SARS-COV-2 (Coronavirus) ------- am besten alle 6 Wochen - aber das war zum Zeitpunkt der Drucklegung des Buches noch nicht so klar!


Kapitel 6 Lebenslanges Lernen - muss das sein?
„Es muss nicht nur sein – es macht auch unheimlich Spaß!“

Es gibt kein „Gehirn ist voll, mehr hat nicht Platz“. Wir können unser ganzes Leben lang lernen und sollten es auch tun.

Wilhelm Fiebinger, der 103-Jährige, von dem ich schon erzählt hatte, war der Meinung, dass solange man sich weiterentwickelt und dazulernt, gibt es keinen Grund zu sterben. Schade, dass es letztlich immer andere Gründe gibt, wie seinen Sturz, an denen das ewige Leben dann doch immer scheitert!

Es wäre gut, würde man die Gehirnzellen und ihre Neuronalen Verbindungen schon in jüngeren Jahren ausgiebig nutzen und trainieren. Geistig fit ist, wer sich die Verbindungen zwischen den Nervenzellen des Gehirns erhält und ausbaut.
Aber selbst wenn wir unser Gehirn haben einschlafen lassen, dann können wir es jederzeit wieder wachrütteln.

Das geht auch mit Kreuzworträtseln, aber es gibt vermutlich geistige Aktivitäten, die mehr Spaß mache und nützlicher sind.

Beschäftigen wir uns ruhig mit der digitalen Welt, auch wenn uns die Enkel da weit überlegen sind.

- Mit Zoom oder anderen Kommunikationsprogrammen zu kommunizieren kann auch gegen die Einsamkeit helfen (siehe nächstes Kapitel)
- Die Volkshochschulen bieten interessante Themen.
- Lesen von interessanter Literatur trainiert die grauen Zellen.
- Gedichte Lernen macht Spaß und trainiert die Merkfähigkeit. Frau Koch erzählt von einem Freund, einem bekannten Hirnforscher, der das bewusst seit seinem 50. Geburtstag praktiziert.

Ein Grund, warum ich immer wieder Gedichte lerne und wiederhole, ist meine Großtante E., die ich in den letzten Jahren ihres Lebens immer wieder für einige Wochen pflegen durfte. Ihre Demenz schritt zusehends weiter fort. Aber sie hatte große Freude daran, praktisch blind und unfähig zu lesen, Gedichte aufzusagen oder mit dem Sprecher einer Gedichte- CD mitzusprechen. Mich hat das so beeindruckt, dass ich dachte, neben des Gehirntrainings könnte das auch eine Quelle von schönen Momenten sein, liegt man blind im Bett und hat sonst nicht mehr viele Freuden! !

- Tagebuch schreiben. Schon die Rückbesinnung auf den Tag ist ein gutes Training der Erinnerung.
Ich habe mit meinen Kindern, als sie noch klein waren beim Zubettgehen neben dem Erzählen oder Vorlesen von Geschichten immer das Spiel gespielt: "Was haben wir heute alles gemacht?"
Sind dabei Fragen, Zweifel oder Ängste aufgetreten, haben wir uns damit beschäftigt. Der letzte Gedanke vor dem Schlafen sollte natürlich positiv sein. Ich mache das immer noch recht häufig. Es würde mich freuen, täten es auch meine Kinder, was ich nicht weiß....


- mal was mit dem Kopf rechnen oder auf die alte Methode, mit Papier und Stift, wie wir es in der Schule gelernt haben.

Noch etwas ist ganz wichtig. Ausreichend Schlaf! Mindestens 6 Stunden. Beim Schlafen regenerieren sich der Körper Geist und Psyche - und eben auch das Gehirn!
Wenn es da Probleme gibt, lassen sie sich von ihrem Arzt in ein Schlaflabor überweisen. Schlaftabletten sind auf Dauer keine geeignete Lösung!

Kapitel 7 Die schlimmste Alterskrankheit: Einsamkeit
Einsamkeit ist etwas völlig anderes als Alleinsein. Die meisten Menschen sind gerne mal allein und nutzen die Zeit zu kreativer Beschäftigung. Das ist gut.
Wer einsam ist, ist wie gelähmt. Man ist antriebslos und nahe einer Depression.
Einsamkeit macht krank!
Das Schwierigste ist, sich diesen Zustand einzugestehen. Danach braucht es Mut!

Was tun?
- Kontakt zu früheren Bekannten aufnehmen.
- Sehen, ob es lokale Treffen gibt, z.B. von der Gemeinde organisiert oder von einer sozialen Einrichtung.
- Es gibt organisierte Wanderungen, an denen man teilnehmen kann
- Einen Kurs je nach Neigung besuchen (Töpfern, Schach, Kochen)
- Besuchen von Versammlungen (Gemeinde, Bürgerinitiativen)
- Anschaffung eines Haustiers
- Nach dem großen Verlust einen neuen Anfang wagen

Es gibt unzählige Möglichkeiten, die aber alle etwas Mut erfordern, zumindest für den ersten Schritt!

Ich kann nicht anders, ich muss in dem Zusammenhang auf ein Gedicht von Wilhelm Busch verweisen, das ich sehr gelungen finde!

Der Einsame (Busch)

Kapitel 8 Die Welt immer wieder mit neuen Augen sehen
Dieses Kapitel ist eine Mischung aus Zusammenfassung und Ergänzung von Gedanken und Tipps

Was macht man, um gesund und fit zu bleiben?
gesunde Ernährung, viel Bewegung, lebenslanges Lernen, positive bejahende Lebenseinstellung, vermeiden von Einsamkeit.

noch einige Tipps:
- mit Clogs herumlaufen in Haus und Garten. Clogs sind Schuhe mit einer leichten Holzsohle und freier Ferse. Man wird damit beim Gehen gezwungen, die Fußmuskeln anzuspannen. Das wirkt wie eine Blutpumpe, die den Venen hilft, das Blut, gegen die Schwerkraft, in Richtung Herz zu transportieren.
- tragen von Stütz-Kniestrümpfen. (im Hochsommer sind sie ihr zu warm). Das ergibt eine leichte Kompression, die bei längerem Sitzen das Dickwerden der Beine verhindert. Beugt Krampfadern vor.
- verwenden von diffusem Licht in der Nähe des Spiegels, das lässt das Spiegelbild schöner aussehen. Das hat sie nur halb ernst gemeint! Na, vielleicht drei viertel ernst!
- die Welt ein bisschen besser machen: durch Freundlichkeit!
- das Alter nicht verdrängen, aber auch nicht zu ernst nehmen. Man sollte tun, was man will und kann, nicht fragen, was kann ich noch in meinem Alter?
- das Äußerliche nicht vernachlässigen. Täglich duschen, regelmäßig Kleidung wechseln, sich eincremen, auf Haut- und Fußpflege achten...
- Reisen, aber auf die entsprechenden Impfungen achten! Sich nicht übernehmen.
- Erotik und Begehren funktionieren auch im Alter! Für Frauen gibt es im Bedarfsfall Gleitcremes, für Männer Medikamente auf Basis des Stoffes Sidenafil, das bekannteste ist Viagra!

Im Sommer empfehle ich das Barfußlaufen, die Stützstrümpfe ersetze ich derzeit noch durch Laufen und Training, das Licht ist in unserem Stromsparhaushalt meist ohnehin eher düster, aber was mache ich an einem schönen Sonnentag? Ich ertrage es einfach!
Die Freundlichkeit ist sehr richtig. Aber in letzter Zeit fällt sie mir manchmal bei Manchen etwas schwer. Das liegt an Corona und den Verschwörungsbehauptungen. Ich arbeite dran. Mein Äußeres Aussehen war mir immer schon nicht so wichtig, das ändere ich auch nicht im Alter. Aber tatsächlich mache ich bei mir seit einigen Jahren separate Fußpflege so einmal im Monat, mit Fußbad und Hornhautabschaben. Früher war das einfach nicht nötig. Anscheinend eine Alterserscheinung! Da, wo ich hinreise, brauche ich keine Impfungen. Und was die Erotik anlangt: der Gentleman genießt und schweigt!

Wir alle kennen die Macht des Geistes! Leute mit einer falschen ärztlichen Diagnose starben, weil sie an die Fehldiagnose glaubten.

Hört man auf aktiv zu sein, weil man alt ist, oder wird man alt, weil man aufhört aktiv zu sein?


petias  
petias
Beiträge: 865
Registriert am: 09.06.2020

zuletzt bearbeitet 05.02.2022 | Top

Buchbesprechungen

#6 von petias , 25.01.2022 09:50

PANDEMIEN
Wie Viren die Welt verändern

Autor: Philipp Kohlhöfer Verlag: S.Fischer 2021

Blaue Schrift kennzeichnet wörtliche Zitate aus dem Buch.

Eine Freundin schenkte mir zu Weihnachten dieses Buch, das sie auch selbst brennend interessiert. Ich durfte es als erster lesen. Nach diesem Artikel ist sie dran!

Das Vorwort ist von Christian Drosten, ein ehemaliger Nachbar vom Autor in Hamburg, ein Kiezfreund und Gesprächspartner für Wissenschaftsthemen. Kohlhöfer erzählt, dass sie das Buch eigentlich hätten zusammen schreiben wollen, aber dass Drosten aus gegebenen Anlass keine Zeit gehabt hätte, und so hat er es alleine geschrieben.

Drosten nennt den Schreibstil Kohlhöfers "Popliteratur" und entschuldigt sich quasi als nüchterner Wissenschaftler dafür ein Vorwort geschrieben zu haben. Er begründet es damit, dass er den Autor seit langem kennt und schätzt!
Es wäre interessant zu sehen, wie das Buch gestaltet worden wäre, hätten sie es zusammen geschrieben. Ich vermute, das könnte nur funktionieren, wenn sie beide abwechselnd sich über die Themen äußern würden. Das Zeitargument ist nachvollziehbar, aber ich vermute, es ist mehr als das,

Neben Drosten werden kleine Anekdoten und Kurzportraits von verschiedenen Wissenschaftlern erzählt, die er interviewen konnte: Melanie Brinkmann, Armin Nassehi, Gerd Stter, Mirjam Knörnschield, Thshira Weerawarna, Conrad Freuling, Karl Lauterbach, Bernhard Misof und Rainer Ulrich
Die Forschergemeinde ist über den ganzen Globus versträut, aber man kennt sich. Auch hier hat Drosten sicher vermittelt.

Das Buch ist Popliteratur! Hier ganz wahllos herausgegriffen, die Inhaltsangeabe, wie sie jedem Kapitel vorausgeht, des Kapitel dreizehn "Zwischen den Welten":

Die Götter kennen sich mit Mäusen aus,
aber Schüttelfrost führt trotzdem nicht
immer in die Notaufnahme. Manche
Viren sind so tödlich, dass sie keinen
Namen haben. Schweine mit Ebola sind
wie eine Vitamintablette, die USA und die
UdSSR sind gleich vor einem Virus, und
dienstags darf man nicht in Höhlen.

In diesem Teil kommt ein DJ vor. aber
James Bond auch, und trotzdem ist der
größte Bioterrorist von allen die Natur.
Die Dänen sind führend im Beatmen.
Pocken sind die Katze aus dem Sack.
Manche Bausätze sind lebensgefährlich.

Und wenn Ordnung das halbe Leben ist,
dann findet sich immer noch irgendwel-
cher Mist im Regal.


Weiter unten im Kapitel:
Rainer Ulrich, Genetiker, Prof. Dr., sitzt in einem Konferenzraum irgendwo im Hauptgebäude, Institut für neue und neuartige Tierseuchenerreger, Friedrich-Loeffler-Institut, Ostseeinsel Riems, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. Man verläuft sich leicht, die Gänge sehen alle gleich aus, es ist aufgeräumt und riesig. 89 Labore unterschiedlichster Sicherheitsstufen, darunter auch diejenige für die übelste aller Viren, S4, über 150 Ställefür alle möglichen Tiere, eigener kleiner Hafen, der aber nicht mehr genutzt wird.
… Der Schreibtisch von Friedrich Löffler steht davor, abgesperrt mit einem Band, damit ihn keiner aus Versehen kaputt macht.


eigentlich erzählt er von Ulrich, der arbeitet „an Erregern, die in Nagetieren vorkommen, Mäuse, Ratten, Eichhörnchen, das sind seine Tiere und Hantaviren seine Erreger", aber da er gerade auf Loeffler gestoßen ist, erzählt er etwas über ihn.

Friedrich Loeffler ist einer dieser großen Forscher aus der an großen Forschern nicht armen Zeit um die Jahrhundertwende. Er ist Mitarbeiter von Robert Koch. Seine Arbeitskollegen sind Paul Ehrlich und Emil Behring, Richard Pfeiffer und Carl Fraenkel, August von Wassermann und Erich Wernicke, alle mit rieseigen Verdiensten, jeder mit Ehrengrab oder Denkmal oder beidem, und manche auch mit Nobelpreis. …

Er (Loeffler) gründet später das erste virologische Forschungsinstitut der Welt. Es ist 1910. Und er tut das auf der Ostseeinsel Riems, Bezirk Greifswald, nachdem er zuerst Experimente an der dortigen Universität durchgeführt hat, die zwar die Forschung an der Maul- und Klauenseuche voranbringen, aber auch immer wieder die Gegend kontaminieren. Andere Zeit, weniger Sicherheitsvorkehrungen und damals sowieso kompliziert bei Viren. Man hat es schwer als Rinder- und Schafzüchter in Greifswald um diese Zeit und deswegen, na ja, Herr Loeffler, danke für ihren Einsatz, alles super so weit, aber wie wäre denn die Idee, dass Sie umziehen mit ihrer Forschung, wir hätten da eine schöne Insel im Blick.
Erreichbar nur per Dampfer, das Schiff heißt erst ganz unbescheiden „Loeffler“, dann „Virusjäger“, es fährt bis Anfang der 1970er. …


Dieser Erzählstil erinnert mich an meinen früheren Chemielehrer am Oskar-von-Miller Polytechnikum in München, ein gutgekleideter, gutaussehender Professor Anfang 40, der den abwechslungsreichsten wissenschaftlichen Unterricht meiner Schüler- und Studentenzeit zu performen verstand. Kam die Rede auf einen Stoff, eine Forschung oder auch ein Unterrichtshilfsmittel, so wusste der Herr Professor genau das wo und wie seiner Herkunft oder Entdeckung, mit Land, Stadt und Institut. Oft erwähnte er noch das Stockwerk und die Türe, wo der Erfinder saß und was auf dem Klingelschild stand.

Ich vermute heute eine Art von Heldenverehrung und Kompensation des Gefühls der Kleinheit, ob all der Größe, von der man auf diese Weise sich als ein Teil davon outet.
Das Buch von Kohlhöfer ist unterhaltsam auch über die fast 500 Seiten hinweg. Die Liste der zugrunde gelegten Literatur ist beeindruckend. All die Fülle der Details und die Webtiefe der Erzählung macht es unmöglich, sich alles zu merken, aber darum geht es gar nicht.

Hier huldigt ein Autor einer Reihe verehrter Protagonisten der Wissenschaft und der Wissenschaft selbst. Aber dennoch wird klar:
Niemand weiß wirklich bescheid. Alles kann jederzeit passieren. Ob und wie sehr sich ein Virus ausbreitet hängt von vielen Faktoren ab. Zufall (aus Menschensicht) Glück, Pech, falsche Zeit am falschen Platz oder das Gegenteil, richtige Zeit am richtigen Platz, erzeugen, verhindern oder steuern Pandemien. Mit der Corona- Pandemie, die gerade läuft, haben wir noch recht viel Glück gehabt. Die Sterberate ist gering. Da gab es auch schon lokale Ausbrüche mit einer Sterblichkeit von 90 Prozent und mehr.

„Warum die Letalität bei verschiedenen Hantavirus-Spezies so unterschiedlich ist, das weiß man nicht. Es gibt keine guten Modelle, um die Ursachen zu erklären. Aber um Menschen geht es dabei nicht, unser Leben und Sterben ist nur ein Nebeneffekt.“

… Neben all den Klassikern, Influenza, Ebola, SARS, gibt es auf der Top-Ten-Liste der WHO immer auch „Krankheit X“, die wird wirklich so bezeichnet, weil niemand weiß, was das sein könnte.

Man kann aber nicht jedes Schwein, jeden Vogel, jede Fledermaus überwachen. Und selbst wenn man das könnte, es würde auch nicht helfen. Was neue Mutationen tun, wie sie sich über diverse Zwischenwirte verhalten, kann vom Menschen nicht vorausberechnet werden.
Und deshalb kommt, trotz aller Bewunderung für die Wissenschaft, Kohlhöfer zu dem Schluss: „Der beste Schutz gegen Pandemien sind artgerechte und widerstandsfähige Ökosysteme!“

Massentierhaltung, Wildtierschmuggel, Zerstörung der letzten Lebensräume: Zoonosen sind nichts, das wie ein Unwetter über uns hereinbricht. Sie entstehen dort, wo Menschen und Tiere in engem Kontakt zusammenleben – und Populationen, egal ob von Menschen oder Kühen, groß genug sind.
Kleine Stämme, die nicht in Kontakt mit anderen stehen und sich über eine Große Fläche verteilen, sterben oder werden gesund, ohne dass jemand anderes davon erfährt. Zu Risiken werden Zoonosen erst, als Dörfer und später Städte entstehen. Mit dem Aufstieg der Landwirtschaft beginnt auch ihr Aufstieg.

… Die Gefahr von Zoonosen lauert nicht im unberührten Dschungel, sondern entsteht dann, wenn natürliche Areale in Ackerland, Weiden und städtische Flächen umgewandelt werden.

… Denn wenn wir weiterhin Massentierhaltung okay finden, seine es Schweine in Europa oder Marderhunde in China, weiterhin die letzten abgelegenen Gebiete für uns erschließen, weiterhin Natur in Agrar- und Wohngebiete umwandeln und beste Böden zubetonieren, weiterhin Wälder am Amazonas und in den kaltgemäßigten Klimazonen zerstören und Biodiversität vernichten, weiterhin Verslumung einfach so hinnehmen und Müll produzieren, als gäbe es kein Morgen, und weiterhin zulassen, dass es immer wärmer wird auf dem Planeten, dann klingt das ziemlich schwülstig, wie ein Werbeplakat einer Umweltorganisation aus den 1970ern, aber dann sollten wir uns zumindest nicht wundern, wenn wieder ein Virus kommt, das uns als bequemes Habitat missversteht.


Ja, hier kann ich dem Autor vorbehaltlos zustimmen. Wenn das die Quintessenz aus 450 Seiten Huldigung der Wissenschaft ist, so kann ich damit leben!
Aber ein Gedanke macht sich ungebeten in meinem Bewusstsein breit:
lässt sich das alles vermeiden, wenn wir bald 10 Milliarden Menschen sein werden, die alle nicht genug von allem bekommen können. Ist das nicht mehr, als unser Ökosystem verkraften kann? Ist nicht Klimaerwärmung ein Fieber, das der Mensch beim Ökosystem ausgelöst hat, mit dem es diese Pandemie Mensch bekämpft? Sind nicht Zoonosen (hier: Viren aus dem Tierreich, die auf den Menschen überspringen) eine Waffe des Immunsystems der Erde, den überhandnehmenden Schädling Mensch auf ein erträgliches Maß zurechtzustutzen? Verhindern unsere Impfstoffe, Medikamente und Maßnahmen nicht dieses Immunsystem seine Aufgabe zu erfüllen? Ist es ein Wunder, dass diese Immunsystem des Ökosystems des Planeten immer größere Geschütze auffahren muss, wenn es uns gelingt die wohl dosierten Maßnahmen zu umgehen? Kann es sein, dass unsere grandiosen Siege gegen die Natur ihr Ende bedeutet und damit letztlich auch das unsere?


petias  
petias
Beiträge: 865
Registriert am: 09.06.2020

zuletzt bearbeitet 25.01.2022 | Top

Buchbesprechungen

#7 von petias , 09.02.2022 11:47

Alt werden - gesund bleiben
Autor: Manfred Bruer

Das Buch von Herrn Bruer ist nicht neu, wie das von Frau Koch. Die Erstauflage stammt vom Dezember 2011. Trotzdem repräsentiert es meine Überzeugungen in Sachen Ernährung und Lebensweise in einem hohen Maße. Bruer, geboren 1947, nur ein paar Jahre älter als ich selbst, hat dieselben Bücher gelesen und wurde von denselben Zeitströmen geprägt wie ich und sein Buch fasst all das auf eine gelungene Art und Weise zusammen und zieht daraus gut nachvollziehbare Lehren.

Ich habe Manfred Bruer kennengelernt bei einem seiner "Hambacher Gesundheitstage", die er Jahr für Jahr im Mai in seiner Heimatstadt Taunusstein-Hambach abhält. (Letztes und dieses Jahr wurden sie pandemiebedingt abgesagt. http://www.manfred-bruer.de/

Bei dieser Gelegenheit konnte ich Wilhelm Fiebinger kennen lernen, der zum Zeitpunkt des Erscheinen des Buches 94 Jahre alt war und inzwischen im Alter von 103 Jahren an den Folgen eines Sturzes in seiner Wohnung gestorben ist. Ihm ist im Buch ein Kapitel gewidmet.

< wörliche Zitat aus dem Buch stehen in Anführungszeichen, meine Kommentare sind durch blaue Schriftfarbe gekennzeichnet! >

"Alter könnte die schönste Zeit des Lebens sein:
- man ist gelassener
- man ist von Zwängen befreit
- finanzielle Sorten gehören meist der Vergangenheit an
- erst das Alter hat die Reife zur Abstraktion: man kann das Wichtige vom Unwichtigen unterscheiden.

Wären da nicht die Probleme:
- die Vitalkraft nimmt ab
- die Beschwerden nehmen zu"

Einen wesentlichen Anteil an den Gebrechen vermutet Bruer hat die Ernährung.
Zum Beleg dieser Vermutung führt er verschiedenen Studien an.

- Die Safari-Hotel-Studie
vergleicht einen Trupp wildlebender Anubis- Paviane mit einem, der in Nachbarschaft zu einem Hotel lebt und dort regelmäßig die Mülltonne plündert. Das Gewicht des Mülltrupps stieg im Vergleich zu den "wilden" Pavianen um 50% und es kam zum Babyboom. Sie entwickelten Diabetes, Bluthochdruck, Karies und einige wurden schwerhörig. Die wilde Kontrollgruppe war kerngesund!

- Die Aborigines- Studie
Die Eingeborenen der Tevi- Inseln in Australien hatten eine durchschnittliche Lebenserwartung von 75 Jahren. Diese sank nach der Einführung von Supermärkten und Schnellrestaurants auf 55 Jahre. Häufigste Todesursache war eine bislang völlig unbekannte Krankheit: Diabetes mellitus II.

- Die Tahiti- Studie
Auch hier führte die Ablösung der Ernährung durch Papayas, Ananas, Mangos und Bananen mit den Produkten der industriellen Nahrungsmittelproduktion nach 60 Jahren zu einer erschreckend hohen Diabetesrate

Zur Gegenprobe werden Regionen der Welt untersucht, in denen die Bevölkerung überdurchschnittlich alt wird. Es wurde die Quote der über Hundertjährigen zur Auswahl herangezogen. Interessanterweise liegen alle diese Regionen auf den mittleren Breitengraden. Hier einige Beispiele:
- Die Hunzas in Pakistan
- Die Bewohner von Campodimele in Italien
- Die Okinawer in Japan

Was sie essen ist durchaus verschieden, aber es gibt folgende Gemeinsamkeiten:
- Alle ernähren sich nur von Produkten der Region, auf die ihr Körper seit Jahrtausenden angepasst ist.
- Sie ernähren sich fast ausschließlich aus dem eigenen Garten.
- Sie verwenden keine Dosen- und sonstige Fabrikkost.
- Sie verwenden keinen Zucker.
- Sie verwenden Salz, wenn überhaupt, nur in kleinen Mengen.
- Sie essen sehr selten Fleisch von Landtieren.
- Sie bewegen sich bis zum letzten Tage ihres Lebens in frischer Luft.
- Ältere haben einen hohen Stellenwert in der Gemeinschaft. Dem Alter wird Achtung und Ehre entgegengebracht.
- Alle über Hundertjährigen hatten nach europäischen Gewichtstabellen Untergewicht.
- Keiner hatte einen Bauchansatz.

weitere Studien und Theorien:
- Ratten und Mäusestudie
30% geringere Kalorienmenge ergab 50% höhere Lebenserwartung. Aber die Nahrung war hochwertig und vitalstoffreich.
- Zum selben Ergebnis kam eine Studie mit Menschenaffen.
- Theorie von der Anzahl der Herzschläge (man hat nur eine bestimmte Anzahl an Herzschlägen zur Verfügung, dann stirbt man).
Der Hagere und Leichtgewichtige bei obst- und gemüsereicher Ernährung hat einen geringeren Ruhepuls.
- Übersäuerungstheorie
die Reduktion von tierischen Produkten vermeidet Übersäuerung. Basenüberschüssige Lebensmittel (Obst, Gemüse, Wurzeln, Kräuter) sind zudem auch vitalstoffreich.
- Insulintheorie
Nahrungsreduktion bei Fadenwürmern bewirkte Lebenszeitverlängerung bei Vermeidung von kurzkettigen Kohlenhydraten wie Industriezucker und Weißmehlprodukten.

Daraus ergibt sich die zusammenfassende Empfehlung:
- knappe Ernährung
- vitalstoffreich, zuckerfrei, weißmehlfrei und naturbelassen

Zur Unterstützung dessen, was für geeignete Menschennahrung anzusehen ist, wirft Bruer einen Blick in die Geschichte der Menschen:

- Sie beginnt vor 90 Milliionen Jahren mit den Säugetiervorfahren als Früchte, Wurzeln und Kräuteresser.
- vor 500 000 Jahren zähmt er das Feuer und isst ab und an Gegrilltes
- vor 10 000 Jahren wird er zum Ackerbauern und Tierhalter. Getreide (Brot) wird zum Grundnahrungsmittel. Damit steigt die Rate der Infektionen und Zahn- und Allgemein-Erkrankungen sprunghaft an.
- vor 150 Jahren beginnt die industrielle Lebensmittelproduktion

99,9% der Zeit auf der Erde lebt der Mensch von rohen Früchten und Pflanzen.

Weitere Hinweise auf die artgerechte Nahrung des Menschen:

Zähne:
Fleischfresser haben Reiß- Eckzähne und keine Mahlzähne. Sie können den Unterkiefer nur auf und ab bewegen (sie mahlen nicht) Sie haben Lücken zwischen den Zähnen, in denen Fleischfasern nicht hängen bleiben.

Mundhöhle:
Fleischfresser produzieren ein Verdauungsenzym im Mund zur Vorverdauung von Fleischeiweiß.
Früchteesser bilden Ptyalin zur Spaltung von Kohlehydraten.
Körneresser (Vögel) haben einen Gaumensack zum Einweichen von Getreidekörnern vor dem Schlucken.

Verdauungskanal:
Fleischfresser haben einen kurzen Darm zur Vermeidung von Fäulnisbakterien, die den Körper schädigen.
Früchteesser haben einen Darm bis zur 12fachen Körperlänge.

Zunge:
Fleischfresser schlappern Wasser mit der Zunge.
Früchteesser können saugen.

Schwitzen:
Fleischfresser schwitzen über die Zunge, Früchteesser über die Haut

Extremitäten:
Fleischfresser haben Krallen zum Festhalten der Beute.
Früchteesser haben Hände zum Pflücken und Sammeln von Früchten und Nüssen.

Fazit:
Anatomisch ist der Mensch nicht auf Fleischverzehr eingerichtet
Auch auf Körnerkost ist er nur sehr eingeschränkt eingerichtet

Bruer teilt unserer Nahrung in Anlehnung an die Schulnoten in sechs Klassen ein:
1 = sehr gut (Heilkost)
2 = gut (Gutkost)
3 = befriedigend (Neutralkost)
4 = ausreichend (Schlechtkost)
5 = mangelhaft (Krankmachkost)
6 = ungenügend (Zerstörkost)

1 Heilkost
- Sonnengereiftes, biologisch angebautes Obst der Jahreszeit und aus der Region, vorzugsweise mit intensiver Färbung, vorzugsweise alte Sorten, roh verzehrt
- Salate Wurzeln, Kräuter und andere Gemüsesorten der Jahreszeit und aus der Region mit intensiver Färbung sowie Wildkräuter und die Blätter der Obstbäume, alles roh verzehrt
- Essener Brot aus gekeimten Getreide, nicht gebacken, an der Sonne getrocknet oder im Warmluftofen bei unter 43 Grad Celsius getrocknet
- Nüsse, Samen und Getreidekörner roh, in kleinen Mengen
- Unerhitztes Leinsamenöl aus Erstpressung
- Mineralarmes Wasser aus Glasflaschen
- Saftschorlen 10:1 (10 Teile Waser und ein Teil Saft)
- Obst und Gemüse-Shakes, im Mixer zubereitet
- Pesto mit Kräutern und Knoblauch
- Kalte Gemüsesuppe: Gazpacho Andaluz (alles roh)
- Tägliche Trinkmenge Wasser bei dieser Ernährung 0 bis 0,5 Liter
- 4 mal kein Abendessen pro Woche.
- im Restaurant: Frische Salate, Pesto, Gazpacho

2 Gutkost
- Sonnengereifte, biologisch angebautes Obst, roh verzehrt.
- Biologisch angebautes Gemüse, blanchiert, gedämpft oder schonend gedünstet.
- Rohmilch aus biologischer Tierhaltung maximal 0,4 Liter. Ab dem 60. Lebensjahr maximal 0,2 Liter pro Tag.
- Gesäuerte Bio- Milchprodukte (Kefir und Joghurt), max. 0,2 Liter pro Tag.
- Ungereifter Käse (Frischkäse).
- Rapsöl und Olivenöl, kalt gepresst und nativ.
- Ungeschälter Naturreis, Pellkartoffeln, schonend gekocht und mit Schale verzehrt, in kleinen Mengen.
- Vollkornbrot mit hohem Anteil an ungeschroteten Getreidekörnern aus biologischem Anbau. Weizenanteil max. 20% dünne Scheiben, getrocknet.
- frisch gepresste Gemüsesäfte schluckweise getrunken.
- Gekochte Hülsenfrüchte (Linsen, Erbsen, Bohnen usw.) maximal 2 mal pro Woche.
- Getreidekaffee, Kräutertee.
- Tägliche Trinkmenge Wasser bei dieser Ernährung 0,5 bis 1 Liter.
- 3 mal kein Abendessen pro Woche.
- Vor jeder Kochkost erst Rohkost essen.
- im Restaurant Bruschetta, Rucolasalat, italienisches Vorspeisenbuffett, jedoch ohne Schinken, Salami und Tunfisch.


3 Neutralkost
- Alle Kuhmilchprodukte, außer: ESL- Milch (extra lang haltbare Frischmilch), pasteurisierte Milch, H-Milch, Quark, gereifter Käse, Schmelzkäse
maximale Verzehrmenge 250g pro Tag.
- Roher Fisch, max. 200g pro Woche.
- Wildfleisch und/oder Freiland Geflügelfleisch max. 200g pro Woche.
- Wein: Männer max. 0,4 Liter pro Tag Frauen max. 0,2 L/Tag. Einen Tag pro Woche abstinent.
- Trinkmenge Wasser bei dieser Ernährung 1 – 1,5 Litr pro Tag.
- 2 mal kein Abendessen pro Woche.
- vor jeder Kochkost immer erst Rohkost essen.


4 Schlechtkost
- Pasteurisierte Milch, homogenisierte Milch, ESL-Milch H-Milch.
- Gereifter Käse, Schmelzkäse, Quark.
- Obst, nicht endgereift, unreif verzehrt. Die meisten Importfrüchte werden unreif gepflückt und reifen auf dem Transport durch Begasung. Beispiel: Bananen.
- Natursalze, wie Meersalz und unbehandelte Mineralsalze, maximal 2g pro Tag.
- Natürliche Süßungsmittel, wie Vollrohrzucker, Honig und Ahornsirup.
- Weiße Hartweizengrießnudeln.
- Geschälter und polierter Reis, gekocht.
- Frittierte oder in Fett gebratene Stärkeprodukte, wie Pommes, Bratkartoffeln und in Fett gebratener Reis.
- Gebackener Fisch und gebratenes Fleisch.
- Eier, gekocht oder als Spiegeleier oder Rühreier.
- Bier und sonstige Hopfen- und Malz- Getränke, Männer maximal 0,8 l/Tag, Frauen 0,4 l/Tag - die höhere Lebenserwartung von Frauen will er wohl aufrechterhalten!
- Trinkmenge Wasser bei dieser Ernährung 1,5 bis 2 Liter pro Tag.

5 Krankmachkost
- Raffinierter Haushaltszucker (Industriezucker) und alle Produkte, in denen er enthalten ist.
- Raffiniertes Weißmehl und alle Produkte, in denen es enthalten ist.
- Gehärtete Fette mit Transfettsäuren (Industriemargerine etc.) und alle Produkte, in denen sie enthalten sind, wie z.B. Pizza, Chips, Gebäck, Chicken Wings, Brot (aus Großbäckereien), Müsliriegel, Fertigsuppen, Soßenpulver, Nuss-Nougat-Cremes, Kekse, Blätterteig, Softeis usw.
- Lebensmittelzusatzstoffe, die unter den E- Nummern aufgelistet sind und krank machen können.
Auswahl: E102 Farbstoff Tartrazin; E104 Farbstoff Chinolingelb; E123 Farbstoff Amaranth; E127 Farbstoff Erythrosin; E210 Benzoesäure; E220-228 Schwefeldioxid, Sulfide; E284-285 Borsäure; E310 Antioxidationsmittel Gallat; E330-333 Zitronensäure; E338-341, 450-452 Phosphorsäure; E385 Calziumdinatrium-EDTA; E407 Carrageen; E512 Zinn-II-Chlorid; E620-625 Glutaminsäure (Glutamat); E626 Guanylat, Guanylsäure; E951 Süßstoff Aspartam; E952 Süßstoff Cyclamat; E954 Süßstoff Saccarin; E999 Süßstoff Quillajaextrakt;
- Glukosesirup, Maissirup, Weizensirup, HFCS (High Frucose Com Sirup).
- Phtalate (Weichacher).
- Industrie-Kochsalz, Speisesalz.
- Sahnetorten und Kuchen aller Art.
- Erhitzte Wurstwaren, erhitzter Schinken, erhitzter gereifter Käse.
- Currywurst mit Tomatenketchup.
- Frittierte, gebackenen, gebratenen kohlenhydratreiche Lebensmittel wie z.B. Kartoffelchips, Kräcker, Salzstangen, Knäckebrot, Pommes frites, Erdnussflips, Kekse, Waffeln, Bratkartoffeln usw.
- Bohnenkaffee.
- Colagetränke.
- Tiefkühlgerichte, die vorher bereits erhitzt waren und nach dem Auftauen wieder erhitzt werden.
- Hamburger und Co. Aus dem Schnellrestaurant.
- Fertigeiscreme.
- Trinkmenge Wasser bei dieser Ernährung 2 - 2,5l/Tag.
- Medikamente, die Vitalstoffe rauben. Bei dieser Ernährung steigt die Wahrscheinlichkeit, Medikamente zu brauchen. Viele Medikamente sind Vitalstoffräuber. Der Mangel an Vitalstoffen führt zu weiteren Krankheiten.

6 Zerstörkost
- Alkohol mehr als 49g/Tag bei Männern und 20g/Tag bei Frauen.
- Regelmäßiger Konsum von Tabakwaren.
- Regelmäßiger Konsum von Drogen.

Zu allen Punkten werden Studien angeführt, die die Behauptung belegen.

Die Bedeutung von Sport wird ausführlich belegt.
Als Minimalprogramm für jeden Tag empfiehlt Bruer ein

Basaltraining
- Kopfstand. Bei Bedarf mit einem speziellen Hocker, der es erlaubt auch untrainiert in jedem Alter Kopfstände zu machen.
- Bauchmuskelroller. Ein preisgünstiges Trainingsgerät zum Trainieren von Bauch, Rücken, Schulter, Oberarm und Oberschenkel ...
- Kniebeugen.
- eine Art Liegestütz an schräger Wand.
- Klimmzüge. Ein bis zwei gehen mit etwas Training in jedem Alter.
- Das Bauchmuskel-V. Im Liegen Oberkörper und Beine hochheben, so dass nur der Hintern am Boden bleibt und der Körper ein V bildet.
- Vornüberhängen. Den Oberkörper mit Armen nach unten hängen lassen. Knie durchgedrückt. Mündet in die
- Finger- Fußspitzenübung. Bei gestreckten Knien mit den Fingern die Fußspitzen berühren.

Als weitere Punkte für ein Alter und Gesundheit nennt Bruer:
- Ausdauersport
einmal die Woche laufen, Radfahren oder stramm spazieren Gehen.
- Verdauung
Essen gut einspeicheln, indem man gut kaut. Eiweiße und Kohlehydrate getrennt verzehren (Trennkost, ist umstritten.) Naturbelassenen Lebensmittel mit viel Ballaststoffen, Schnellverdauer vor Langsamverdauer essen. Den Erfolg sieht man daran, dass man keine Blähungen hat und einen weichen aber nicht schmierenden Stuhlgang.
- Bluthochdruck
Richtwert für Ruhepuls:120/80. Ein Zeichen dafür, dass die Gefäße frei von Ablagerungen sind und das Herz nicht über Gebühr belastet wird.
- Körperhaltung
Gerade Körperhaltung mit Schultern nach hinten führt zur Vergrößerung des Lungenvolumens. Krumme Haltung, besonders beim Sitzen und Liegen, engt die Organe ein und führt zu Fehlstellungen des Knochenapparates.
- Frische Luft
Der Mensch braucht zu seiner Gesunderhaltung 10 cbm reine Frischluft im Wald. In den Innenräumen sind es ca. 30 cbm. Im Schlafzimmer ist die frische Luft meist schnell verbraucht. Also sollte man, auch im Winter, bei offenem Fenster schlafen,
- Tageslicht
Eine Stunde bei Tageslicht draußen sein ist anzustreben. Tageslicht bewirkt viel wichtiges im Körper und in der Seele. Er führt eine ganze Liste von Nutzen auf. Hier seine nur kurz die Vitamin D Produktion genannt und die Aktivierung von Sexualhormonen...
- genügend gesunden Schlaf
Nur im Schlaf regenerieren wir. Zu wenig Schlaf stört die Regeneration.
- - Schlaf: Dinner-Cancelling Abendessen auslassen. Nüchtern schläft man besser. Das letzte Essen vor dem Schlafen sollte vier bis fünf Stunden zurück liegen.
- - Schlaf: Dunkelheit z.B. ist die Melatonin Produktion um 50% reduziert, wenn es nicht dunkel ist. Notfalls verdunkeln. Aber so, dass die Luftzufuhr nicht eingeschränkt ist.
- - Schlaf: Elektrosmog reduzieren Netzfreischalter im Schlafzimmer.
- - Schlaf: Wasseradern für den Schlafplatz vermeiden Ein Wünschelrutengänger schafft Klarheit. Man sollte drauf achten, um Betrug vorzubeugen, dass sie in einem anerkannten geopathischen Verband sind. Es gibt heute auch Messinstrumente.
- - Schlaf: Rückenlage auf harter Matratze zum Schlafen Dehnt Muskeln, Sehnen, Bänder. Weitet die Lunge und erhöht die Vitalkapazität. Kein Kopfkissen!

- Gutes soziales Umfeld
Einsamkeit macht krank. Der Mensch ist ein soziales Wesen.
- Interessante Aufgaben
Langeweile kann auch krank machen. Ein wacher, interessierter Geist steuert die richtigen Gene (Epigenetik)
- Zufriedenheit
Die Lebenseinstellung ist nach Ernährung und Sport die dritt wichtigste Komponente für ein gesundes Altern.
- Geld und Vermögen
Geld macht nicht glücklich, aber beruhigt. Jedes private Vermögen, das über die Beruhigung hinausgeht, bringt eher Nachteile.
- Vorplanung
Schlechte Planung ist besser als keine. Was man nicht plant, wird meistens nichts.
Dazu fällt mir ein Gedicht von Eugen Roth ein:
Ein Mensch dem Sprichwort Glauben schenkt:
‚s kommt alles anders, als man denkt -
bis er dann die Erfahrung macht:
Genau so kam’s, wie er gedacht.


- Einstellung
Das Glas ist halb voll, nicht halb leer!
- Humanität
Kein Lebewesen dieser Welt soll unter meinem Dasein leiden. Vermutlich meint er damit Menschen und höhere Tiere. Sonst wird es eng!
- Toleranz
Intolerante regen sich auf und machen sich Feinde.
- Glaube
Wer's kann! Studien zeigen höhere Genesungserfolge von Krankheiten bei Leuten, die an Gott glauben.

Das nächste Kapitel, Kapitel 9, stellt den damals 94 Jährigen Wilhelm Fiebinger vor.

Wilhelm Fiebinger
Der wurde im ersten Weltkrieg, 1917 geboren. Die Mutter konnte ihn nicht stillen. Er hatte eine schwere Rachitis, war bis zum 14. Lebensjahr unterernährt, litt meist an einem Gerstenkorn unter den Augen. Mit 19 stieß er auf die Bücher von Arnold Ehret und aß fortan vor allem Obst- und Gemüsefrüchte. Das musste er beenden, als er zur Wehrmacht eingezogen wurde. Im 2. Weltkrieg wurde er verwundet. Nach dem Krieg gründete er eine Firma für Damenoberbekleidung mit 20 Mitarbeitern. 1962 eröffnete er Agenturen, die Privatkunden den Einkauf in Großmärkten ermöglichte, bis ihm das gerichtlich verboten wurde. Er wurde Generalvertreter für Mineralöl- Additive. Zu der Zeit lebte er zu ca. 70 Prozent von Rohkost.
Ab 1979 erwarb und bewirtschaftete er einen kleinen Bergbauernhof in 1100m Höhe in Südbayern. 1991 mit 70 trennte sich seine Frau von ihm und er musste den Hof verkaufen, um sie auszahlen zu können. Mit seinem Anteil kaufte er 1992 in Rheinland-Pfalz ein altes Schweden-Holzhaus auf einem verwilderten 3000m² großem Grundstück.
Die Aufgaben zur Renovierung des Hauses und der Entwicklung des Gartens waren enorm. Er spürt die "Erscheinungen des Alters", wie er sagte.
Er beschloss durch konsequente Rohkosternährung seine reduzierte Energie wieder zurückzugewinnen. Er studierte die damals aktuelle Literatur zum Thema. Besonders beeindruckte ihn Dr. Norman Walker, der sein letztes Buch: "Einfache Gewichtskontrolle" im Alter von 113 schrieb. Angeblich starb Walker i Alter von 119 Jahren. Das wurde dann auf 116 korrigiert. Mittlerweile ist bekannt, dass er tatsächlich "nur" 99 Jahre alt wurde. So sagt es seine Geburtsurkunde und so steht es auf seinem Grabstein! Also hat Wilhelm, der einstmals kränkliche Junge, ihn tatsächlich um 4 Jahre überlebt!

Wilhelm baute sich Foliengewächshäuser für Tomaten, Gurken und Feigen. Er baute Hochbeete für Erdbeeren, Sellerie. Rote Beete, Zucchinis, Knoblauch, Zwiebeln und Kräuter aller Art an. Für Brombeeren, Himbeeren, Stachelbeeren und Johannisbeeren errichtete er eine Pergola. Seine gepflanzten Obstbäume versorgten ihn letztlich mit Äpfeln. Birnen, Pfirsichen, Mirabellen und Pflaumen. Salat baute er außer Feldsalat keinen an. Den, meinte er fressen nur die Schnecken. Er verlegte sich in Sachen Grün auf Wildkräuter.

Morgens bis Mittag trinkt er bis zu einem Liter Flüssigkeit zu sich. Wasser, Kräutertee im Sommer Saftschorle im Verhältnis 1:10. Der Tee wurde manchmal mit Honig gesüßt.
Sein erstes festes Essen nimmt er mittags zu sich. Gemüse, Obst, Feldsalat und Wildkräuter. Allerdings isst er Obst und Gemüse nicht zusammen. (Entweder - oder). Dazu kommen gelegentlich ei n paar Nüsse und Samen.
Fiebinger: "Auch beim Rohkostessen gilt die Bescheidenheit: Weniger ist mehr. Ein Zuviel kann den Verdauungsapparat überlasten. Der zu viel essende Rohköstler ist dann schlechter dran, als der karg lebende Kochköstler."

Die zweite Mahlzeit ist das Abendessen bis spätestens18 Uhr. Das setzt sich ähnlich zusammen wie das Mittagessen, aber Fiebinger gönnt sich dazu eine Scheibe Bio- Vollkornbrot, die er sehr hart werden lässt. Er will seinen Zähnen signalisieren, dass sie noch gebraucht werden.
Es gibt keine Zwischenmahlzeiten.

Zusätzlich zur Arbeit in Garten und Haus einschließlich Holzhacken etc. macht er in der Regel dreimal am Tag die 5 Tibeter, schneidet Grimmassen, macht einen Kopfstand mit Hilfe des Kopfstandstuhls und macht Atemübungen. Drei mal die Woche absolviert er eine genau festgelegte Powerwalking Strecke von 6-7 Kilometer (geschätzt)
Diese Strecke läuft er in 38 Minuten. Fiebinger:" Früher habe ich 40 Minuten dafür gebraucht. In den letzten Jahren habe ich meine Geschwindigkeit erhöht."


Es folgt ein Fragenkatalog zur Lebenserwartung.
Obwohl die Fragen sinnvoll erscheinen, halte ich nicht allzu viel von solchen Tests.

Der Rest des Buches schätzt verschiedene Krankheiten ein und gibt Therapieanweisungen. Auch das ist eine sehr personenbezogene Angelegenheit und sollte nicht pauschalisiert werden.
In der Regel sind die Therapieanweisungen eine 14-tägige Smoothy- Fastenkur mit anschließender Ernährung nach Klasse 1 und 2. In schweren Fällen nur Klasse 1.
Wirklich Schaden wird man nicht damit anrichten, aber es kann möglicherweise nicht ausreichen. Aber als Vorbeugung sehr zu empfehlen!


petias  
petias
Beiträge: 865
Registriert am: 09.06.2020

zuletzt bearbeitet 11.02.2022 | Top

RE: Buchbesprechungen

#8 von Niko , 14.02.2022 20:01

Gute Zusammenfassung! :-)

 
Niko
Beiträge: 18
Registriert am: 10.06.2020


RE: Buchbesprechungen

#9 von petias , 14.02.2022 21:32

Hallo Niko,
danke, das Buch steht unten im Bücherregal, falls Du es lesen willst!


petias  
petias
Beiträge: 865
Registriert am: 09.06.2020


RE: Buchbesprechungen

#10 von petias , 08.03.2022 11:11

Die Selbstversorgerbibel von Simon Dawson

Das hier ist streng genommen keine Buchbesprechung. Es gab einen Beitrag im Selbstversorgerforum, wo ein Mitglied danach fragte, ob das Buch jemand kenne und empfehlen würde.

Das ist meine Antwort:

Hallo Rabe,
ja, ich hatte es mir gekauft und in mein Regal mit den Selbstversorgerbüchern gestellt. Es ist stammt aus England, so in der Tradition von Seymour, von einem Paar, das seine Londoner Wohnung verkaufte und mit Pferd und Hund auf eine 8 Hektar große Farm auf dem Lande zog.
Der Autor Simon Dawson ist Blogger zu Selbstversorgerfragen.

Theoretische Gedanken zur Selbstversorgung werden weitgehend in Vorwort und Einleitung abgehandelt. Es ist auch kein Buch, das die Erfahrungen des Ausstiegs des Autors berichtet. Es ist ein schlagwortartiger Überblick, in dem einige Aspekte des Selbstversorgerlebens gestreift werden.

Die Selbstversorgerpraxis wird dabei in 12 Bereiche eingeteilt:
1. Der Küchengarten
2. Die heimische Backstube
3. Die heimische Meierei (da geht es um Milchwirtschaft und Käsebereitung)
4. Die heimische Brauerei
6. Kunsthandwerk und Handwerkskunst
7. Tierhaltung
8. Fleischverarbeitung und Grundkenntnisse der Zerlegung
9. Konservieren und Lagern
10. Sammeln
11. Weniger konsumieren, weiterbenutzen und wiederverwenden
12. Erneuerbare Energien nutzen

All diese Themen werden auf ca.350 Seiten abgehandelt. Es liegt auf der Hand, dass da nichts wirklich ausführlich besprochen wird. Es ist bestenfalls ein Überblick über das jeweilige Thema, für das man sich näher interessiert und muss mit Hilfe von anderen Büchern oder Websites vertieft werden. Das Literaturverzeichnis hierzu nennt naheliegenderweise vor allem Englische Titel und Websites.

Wenn ich das richtig gesehen habe, dann bist Du seit 2010 in diesem Forum und hast eine ganze Reihe Beiträge geschrieben. Ich denke nicht, dass Du außer vielleicht ein paar Rezepten, viel neues erfahren wirst.

Andererseits ist es für knapp 10 Euro ein guter Überblick über viele Themen und Besucher des Lichthügels nehmen es immer wieder gern zur Hand, um darin zu schmökern.

Ich bedauere nicht, es mir ins Regal gestellt zu haben.


petias  
petias
Beiträge: 865
Registriert am: 09.06.2020

zuletzt bearbeitet 08.03.2022 | Top

Buchbesprechungen

#11 von petias , 08.10.2023 19:45

Erzählende Affen Mythen, Lügen, Utopien Wie Geschichten unser Leben bestimmen

Autoren: Samira El Ouassil & Friedemann Karig
Verlag Ullstein
Spiegelbestseller
Erschienen: Januar 2023

ich holte mir das Buch als Lektüre bei meiner Zugreise nach München Anfang September
Bergwanderung zum Rauschberg

Der Gedanke des "Homo Narrans" hier übersetzt mit "Erzählender Affe" ist mir nicht neu
Homo Narrativus

Schon in jungen Jahren kam ich zu der Ansicht, dass das, was wir als "Wissen" bezeichnen, nur Erklärungs-Modelle sind, für Eindrücke, die durch unsere Sinne auf uns eindringen, gefiltert durch die tradierten Ansichten und Erklärungen, die an uns als soziale Wesen herangetragen werden.
Was sind diese Erklärungen anders, als Märchen, die wir uns erzählen und deren Wahrhaftigkeit wir uns zu beweisen suchen. Im Ende erkennen wir nicht, was wahr ist und was falsch, sondern es geht darum, was wir zu glauben und weiterzuerzählen bereit sind. Das galt noch nie so sehr wie heute in den Tiefen des Internets.

Ich fand es verständlicherweise spannend, was die Autoren da auf gut 450 Seiten und umfangreichem Anhang zum Thema beizutragen hätten.

Das Buch ist mit seinen 12 Kapiteln in die 12 Phasen einer Heldenreise eingeteilt (nach Campell)

1. Gewohnte Welt
2. Das Abenteuer ruft
3. Die Weigerung
4. Begegnung mit dem Mentor
5. Überschreiten einer Schwelle
6. Bewährungsproben, Verbündete & Feinde
7. Vordringen zur tiefsten Hölle
8. Entscheidende Prüfung
9. Ergreifen des Schwertes
10. Der Rückweg
11. Auferstehung
12. Der Held kehrt nach hause zurück

1. Gewohnte Welt
Dorothy aus dem Zauberer von Oz lebt i Kansas, Neo aus Matrix im grünen Büro, Ellen Ripley aus Alien wacht in ihrem Raumschiff auf, Frodo aus Herr der Ringe will nur die Schönheit des Auenlandes genießen. Aschenputtel lebt ungerechterweise seit dem Tod des Vaters als Dienstmädchen im eigenen Haus, Rotkäppchen bringt der Großmutter Kaffee und Kuchen.

2. Das Abenteuer ruft
Aber irgend etwas erschüttert diese gewohnte Welt. Etwas drängt die künftigen Helden und Heldinnen zum Handeln. Luke Skywalker aus Krieg der Sterne erhält in einer Art Flaschenpost (Hologramm) einen Hilferuf von Prinzessin Lea, die Königin der Nacht bittet Tamino in der Zauberflöte um die Rettung ihrer Tochter (und bietet sie ihm im Erfolgsfall
zur Heirat an), Harry Potter bekommt einen Brief per Eule aus Hogwarts in seinen Verschlag unter der Treppe. Alice folgt dem Ruf in Gestalt eines weißen Kaninchens ...
Im Drehbuch nennt sich das "Auslöser"

3. Die Weigerung
Frodo will den Ring "Sie alle zu knechten" gar nicht haben. Selbst Jesus von Nazareth und Siddharta Gautama (Buddha) wollten erst nicht so recht. Für Luke war das Abenteuer erst zu weit weg, und er musste sich doch um Onkel und Tante kümmern. (Deren Ermordung hat die Entscheidung dann erleichtert). Peter Parka betätigt sich nach Erkennen seiner Fähigkeiten erst mal als Preisringer, statt einem Mann in Not zu helfen. Manchmal hält den potentiellen Helden auch sein Umfeld zurück, wie Onkel Vernon Harry. Lässt der Held sich aber schließlich auf die Reise ein, gibt es kein Zurück mehr!

4. Begegnung mit dem Mentor
"Mentor" hieß der Freund des Odysseus, der sich um dessen Sohn Telemach kümmerte. Der Mentor steht archetypisch für das höhere Ich, die noblere Version von einem selbst. Sie sind Verwandte, wohlwollende Freunde, oft früher selbst Helden gewesen, dir ratend, informierend und sonst unterstützend zur Seite stehen. Dumbledore, Rocky Balboa beim jungen Creed, Obi-Wan, Morpheus, Gandalf, Mr. Miyagi (Karate Kid) um nur ein paar zu nennen.

5. Überschreiten einer Schwelle
Die Grenze des Auenlandes wird überschritten, die rote Pille geschluckt, die Heldin fällt durch den Kaninchenbau ins Wunderland, Katniss Everdeen erreicht als eine der Tribute mit dem Zug die Hauptstadt von Panem, Harry sitzt im Zug nach Hogwarts, es gibt kein zurück mehr!

6. Bewährungsproben, Verbündete & Feinde
Die Avengers in den Marvel-Filmen werden ein Team, Mulan lernt wie ein Krieger zu kämpfen. Training ist wiederholtes Scheitern unter kontrollierbaren Bedingungen. Niederlagen? Egal! Ein Held zeichnet sich durch Entschlossenheit aus. "Tu es, oder tu es nicht. Es gibt kein Versuchen", erklärt Meister Yoda Luke. "Konzentrieren Potter!", fordert Severus Snape!

7. Vordringen zur tiefsten Hölle
The Bad Guys close in. Jetzt müssen die künftigen Helden zeigen, was sie gelernt haben, oder es im Schnellkurs lernen. Die Agenten greifen Morpheus, Trinity und Neo an, Voldemorts Schergen Harry, Hermine und Ron. Alle werfen Alles in den Ring, aber wie die epische Schlacht auch ausgeht, sie ist noch nicht die Entscheidung!

8. Entscheidende Prüfung
The dark night of the soul. Der tiefste Punkt ist erreicht. Wunden sind geschlagen, Mitstreiter sind vielleicht gefallen, ein Mentor hat sich möglicherweise geopfert. Dumbledore wird von Snape getötet, Obi-Wan geht über den Jordan. Die Hobbits müssen sich von Gandalf dem Grauen verabschieden (auch wenn er als Gandalf der Weiße wiederkommt), der Held verliert vielleicht die Liebe seines Lebens. Die Begegnung mit dem eigenen Dämon. Harry liegt reglos auf dem Waldboden, gleich wird er von einem Dementor ausgesaugt, Frodo wird gleich von der Spinne eingewickelt - alles scheint verloren.

9. Ergreifen des Schwertes
Doch wenn du meinst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Ein Entschluss, eine neue Erkenntnis, der Held wird in größter Not neu geboren (hätte er versagt, wäre es kein Held geworden und die Geschichte würde nicht erzählt)
Neo kehrt zurück, um Morpheus zu retten. Jesus und Harry opfern sich für ihre Freunde und die Menschheit. Mulan kämpft nicht mehr in Verkleidung, sondern als sie selbst. Harry Potter rettet sich selbst (zeitliches Paradoxon) mit einem "Expecto Patronum".
Der Held nimmt den Schatz in Besitz, die Steine der Weisen oder die Pläne des Todessterns. Die Freundschaft zwischen Frodo und Sam wird gerettet, die Liebste, der Liebste befreit - geschafft in letzter Sekunde!

10. Der Rückweg
Der Held hat sich verändert, viel gelernt über sich und die Welt, manche Täuschung entlarvt. Doch halt: Schätze, Grale, Baupläne, Erkenntnisse müssen noch nach Hause gebracht werden. Auch das kann ihm nochmal alles abverlangen. Das Alien bäumt sich nochmal auf. Neo wird sogar auf der Flucht aus der Matrix erschossen.

11. Auferstehung
Neo weiß jetzt, dass er der Auserwählte ist. Harry Potter, dass er den Expecto Patronum Zauberspruch beherrscht, denn er hat sich selbst ihn anwenden sehen. Luke hat sich mit der Macht verbündet. Der neue Held reagiert nicht mehr durch Anpassung auf die Situation, er passt die Situation selbst an. Wenn Alice und Dorothy die Augen öffnen und wieder daheim sind, stehen sie symbolisch wie buchstäblich wieder auf!

12. Der Held kehrt nach hause zurück
Dabei bringt er oft die Möglichkeit mit, die Welt zu verwandeln, wie er verwandelt worden war. Die Heimat oder die ganze Welt sind gerettet - vorerst. Man muss an die Fortsetzung denken!

Dabei braucht es immer Antagonisten. Was wäre James Bond ohne Dr. No, Agentin Starling ohne Hannibal Lecter, Van Helsing ohne Drakula, Gott ohne den Teufel?

Die Struktur des griechischen Dramas ist der Heldenreise nach Campell sehr ähnlich. Geschichten sind Geschichten.

Erster, zweiter, dritter Akt.
These. Antithese, Synthese.
Verleibt, verlobt, verheiratet.
Etwas fehlt, jemand sucht, jemand findet.
Mangel, Kampf, Gewinn.

Dabei geht es nicht um die Wirklichkeit oder Wahrheit. Es geht darum, ob die Geschichte spannend ist und den Zuhörern was bringt. Auch in der Wissenschaft und in der Politik werden (nur) Geschichten erzählt!

Und genau darin liegt das Problem und vielleicht die Lösung unserer Zeit.
Um auf eine Heldenreise zu gehen, brauchen wir einen Auslöser. Aber wenn wir auf den warten, auf die globale Katastrophe, wird es zu spät sein.
Wir müssen erkennen, dass wir in unserer Zeit auf der Heldenreise der Menschheit Antagonisten (die Bösen) sind.
Wir müssen erkennen, dass man zwar keinen Ruhm ernten kann, wenn man Katastrophen verhindert, die deshalb nie eingetreten sind und deshalb niemand begreift, was wir verhindert haben (There is no glory in prevention) aber, dass es genau das ist, was wir tun müssen.
Wir müssen neue, positive Geschichten schreiben von bescheidenen Helden, die das Richtige tun auch wenn es wenig spektakulär ist. Gehen wir nicht auf die Heldenreise, bleiben wir im Land leben bescheiden. Erzählen wir neue, anderer Geschichten.

Aber, die Zukunft ist immer ungewiss. Der einzelne mag sich nicht ganz zu unrecht denken, dass es besser ist, nicht auf die Einsicht der anderen zu vertrauen und lieber selbst die letzten Rosinen aus dem Kuchen zu picken, bevor es andere tun.

Vielleicht kann nichts, oder nur die totale Überwachung mit der Strafe, die auf dem Fuße folgt, das Schlimmste noch verhindern. Aber kann es schaden andere, neue Geschichten zu erzählen? Vielleicht will die niemand hören, aber vielleicht ...?


petias  
petias
Beiträge: 865
Registriert am: 09.06.2020

zuletzt bearbeitet 04.12.2023 | Top

RE: Buchbesprechungen

#12 von petias , 01.11.2023 12:12

Das dritte Herz des Oktopus
von
Dirk Rossmann und Ralf Hoppe

Warnung: Wer plant, das Buch noch zu lesen, könnte sich mit dem Lesen dieses Beitrages in dem einen oder anderen Punkt der Spannung beraubt sehen. In diesem Fall bitte erst das Buch lesen, dann diesen Beitrag ;-)

Siehe auch den Beitrag über die ersten beiden Oktopus Bücher

Wieder bewirbt Dirk Rossmann zur besten Sendezeit seinen neuen (und den von Koautor Hoppe) "Klimaroman"
Wieder konnte man Dr. Eckart von Hirschhausen, der sich inzwischen als ADHS- Betroffener geoutet hat, für einen Kommentar auf der Umschlagsrückseite des Buches gewinnen:
"Wem die Gegenwart nicht spannend genug ist, findet hier einen packenden Stoff zum Weiterdenken", schreibt der moderierende Arzt.
Ein bisschen fragwürdig finde ich. Was will Hirschhausen damit sagen? Dass nur "weiterdenken" braucht, wem es zu langweilig ist? Dass die Gegenwart herausfordernd genug ist, und es nicht auch noch turbulente Zukunftsszenarien braucht? Schwamm drüber!

Das dritte Buch der Reihe folgt dem bekannten Strickmuster. Wir schreiben das Jahr 2032. Die Helden sind diesmal schon aus dem letzten Band bekannt. Der mittlere Beamte aus dem Klimaschutzministerium in Kapstadt, einer Behörde der Klimaallianz mit Namen Thomas Pierpaoli und seine charismatische Partnerin aus dem Musikbusiness, Ariadne Ferrer.
Wieder geht es um einen Oktopus, diesmal den Megaloctopus octaviae ein bislang unbekannter Verwandter des Enteroctopus dofleini aus der Familie der Octopodidae. Er hat eine Länge von 50 Metern und 25 Meter langen Tentakeln.
So ein Monster taucht an der Ostseeküste auf in der Nähe von Wackerballig in der Flensburger Förde an der Nordspitze Deutschlands. Pierpaoli wird hingeschickt, Ariadne begleitet ihn, ein Wissenschaftler Dr. Charles Elani, klaut die mehreren 100 Eier des Riesenoktopus. Er will daraus einen Erreger gewinnen, der den Menschen Infiziert, den klüger macht.
Bisher sind seine Erfolge mit dem neuen Erreger durchaus vielversprechend gewesen und erfolgten mit Billigung der Gremien der Klima- Allianz. Aber kürzlich wurde die Unterstützung eingestellt. Ergebnisse waren gefälscht worden.
Der Erreger macht die Menschen tatsächlich klüger und einsichtiger, schießt allerdings bislang über das Ziel hinaus, die Menschen erachten alles für sinnlos, werden antriebslos und vegetieren dahin, sterben.
Es gibt ein Gegenmittel, das die Wirkung des Erregers so weit abschwächt, dass die Menschen erfolgreich sind. Teils besitzen sie prophetische Fähigkeiten.
Ein solche infizierter Mensch gut eingestellt mit dem Gegenmittel, ist die Halbschwester des Dr. Elani, Talasea (Hannatalasea Elani). Sie ist die Seele der F.A.P einer friedlichen politischen Bewegung, die von den Inselstaaten der Südsee ausgegangen war. Sie hatte enormen Weitblick und Durchblick und fast alle ihre Vorhersagen stellten sich als richtig heraus. Ihr Nimbus wird noch unterstützt durch den Umstand, dass sie meist nur als Hologramm auftritt, da sie aufgrund des Erregers von nicht Infizierten Menschen Abstand halten muss.

Charles Elani ist reichlich skrupellos und erfolgshungrig, möchte aber den Erreger so züchten, dass er keine schädlichen Nebenwirkungen hat und der Menschheit die fehlende Einsicht und Vernunft bringt, die ihr bislang fehlt. Dafür hat er ein Laboratorium und ein Versuchsgelände eingerichtet, auf der Isla Robinson Crusoe. Dort experimentiert er an Menschen mit Erreger und Gegenmittel. Der Erreger wird durch Luftfilter gut abgeschirmt, denn er würde sich durch die Luft verbreiten und alle Menschen infizieren.

Der wichtigste Geldgeber des Projektes "Aufwertung der Menschheit" ist Hans-Oliver Frey. Er ist einer der reichsten Menschen der Welt, hat die Gabe alle für sich einzunehmen und will selbst hoch hinaus. Er hat andere Pläne mit der Menschheit und dem Erreger. Er möchte verhindern, dass der "menschengerechte" Erreger gezüchtet wird, tötet daher Dr. Elani und kauft alle pharmazeutischen Betriebe auf, die das Gegenmittel des Parasiten erzeugen können. Sein Ziel, er will den Erreger freisetzen. Da er das Monopol auf das Gegenmittel hat, kann er es so teuer verkaufen, dass es sich nur die Reichsten werden leisten können. Die anderen vegetieren dahin und sterben schließlich.

Schon scheint der Plan gelungen, der Erreger ist frei gesetzt, da stellt sich heraus, dass die verzweifelte Maßnahme Ariadnes auf Freys Schiff in die Nährlösung des Erregers neben allen greifbaren anderen Alkoholikas auch Calvados zu schütten, den Erreger abgetötet hat und die Menschheit gerettet ist.

Talasea, wird zu den Wahlen des Weltparlamentes als polynesische Abgeordnete gewählt und die Gefahr ist wieder erst mal abgewendet. Aber die geplante Lösung, die immerhin eine gewesen wäre, fällt aus. Raum für neue Romane!

Als Einschübe werden Protokolle einer Task-Force der Klima-Allianz aus dem Jahre 2031 parallel zur Handlung "veröffentlicht". Die arbeitet fieberhaft an einer Lösung. Drei vielversprechende Ansätze wurden gefunden.
a) Soft Power
Weltweites Ausbringen von Psychopharmaka zur Erleichterung rationaler Entscheidungen
b) Juristische Ansätze
Für den Energieverbrauch pro Person wird weltweit eine gesetzliche Obergrenze festgelegt. Übertretungen werden als Verbrechen gegen die Zukunft hart sanktioniert.
c) Radikal genetische Ansätze
Ein genetischer Schalter wird eingebaut, der die Lebenszeit der Menschen auf 30 Jahre begrenzt. Das hätte eine Bevölkerungsreduktion zur Folge und somit die Entlastung des Planeten.

Die Drei Lösungsvorschläge wurden konkretisiert und dem Prognose Computer "Delphi" vorgelegt. Fragestellung: Wie wäre die Welt im Jahr 2050, wenn die Maßnahme unverzüglich umgesetzt würde.
Zu a)
Noofinil wird über das Trinkwasser an alle Menschen ausgegeben.
Klima erwärmt sich um 2,8 Grad Celsius. Klimaziel: 1,5 Grad
tatsächlich entscheiden die Menschen zu 30% sinnvoller, aber das wird mehr als aufgehoben, weil die stärkere rationelle Leistung die Leute zu größerem wirtschaftlichen Erfolg führt und damit zu höherem Pro-Kopf-Energieverbrauch.

Zu b)
Energieverbrauchs Obergrenze 10000kw/h pro Jahr und Person.
Klima erwärmt sich um 4 Grad Celsius. Klimaziel: 1,5 Grad
Es entsteht ein Schwarzmarkt mit mafiösen Strukturen, der zur Zerstörung der Klimaallianz führt.

zu c)
Wegen der zu erwartenden Widerstände findet die Umsetzung im Geheimen statt.
Klima erwärmt sich um 4,6 Grad Celsius. Klimaziel: 1,5 Grad
Erste Feldversuche führen zu Missbildungen bei Neugeborenen. Ein Whistleblower verrät den Plan. Der Vertrauensverlust in Wissenschaft und Politik ist total. Die Klimaallianz zerbricht, es übernehmen wieder nationale Regierungen. Klimagesetze sind nicht mehr durchführbar.

Fazit: es konnte keine Idee gefunden werden, die Erfolg verspräche.



Die Simple Antwort der Autoren durch den Kopf des Protagonisten Pierpaoli:
Wir Menschen müssen uns ändern und wir müssen es eigenständig hinbekommen. Das ist die simple Antwort. Jeder fängt bei sich selbst an, und zwar sofort.

Halleliuja!


petias  
petias
Beiträge: 865
Registriert am: 09.06.2020

zuletzt bearbeitet 07.11.2023 | Top

RE: Buchbesprechungen

#13 von Eule ( Gast ) , 01.11.2023 17:34

Gratulation zum 800sten Beitrag!
Dass es ein klassischer "Spoiler" ist, stört mich nicht, da ich das Buch nicht zu lesen beabsichtig(t)e

Eule

RE: Buchbesprechungen

#14 von petias , 02.11.2023 01:10

Zitat von Gast im Beitrag #13
Gratulation zum 800sten Beitrag!Dass es ein klassischer "Spoiler" ist, stört mich nicht, da ich das Buch nicht zu lesen beabsichtig(t)e


Danke Eule, und ja, wer das Buch noch lesen möchte, sollte es möglicherweise vor meinem 800 Beitrag (was Dir alles auffällt) tun. Aber man kann es schlecht diskutieren, wenn man nicht weiß, worum es geht. Ein Problem bei Buchsbesprechungen!


petias  
petias
Beiträge: 865
Registriert am: 09.06.2020


RE: Buchbesprechungen

#15 von petias , 20.02.2024 12:44

Martin Sellner: Regime Change von rechts - Eine strategische Skizze

Verlag Antaios

Seit dem durch die Correctiv-Recherche bekannt gewordenem Potsdamer Treffen, bei dem er einer der Reder war, ist Herr Sellner jedem ein Begriff. Er ist ein österreichischer rechtsextremer Aktivist. Geboren 1989 war er von 2015 bis 2023 Sprecher der Identitären Bewegung Österreich (IBÖ) Er ist ein Ideologe und Stratege sowohl der rechten Bewegung in Österreich, als auch in Deutschland. Er trifft häufig mit der FPÖ-Führung und den Machern der AfD zusammen zu Gesprächen und Vorträgen.

Mir schien es interessant, mal zu lesen, was er selbst schreibt. Er bringt gerade - den Boom nutzend - (wie auch Höcke) ein neues Buch heraus, was aber noch etwas dauert. Da nehme ich eben vorläufig mit seinem 2023 erschienenem Buch vorlieb. Vielleicht findet man da sogar noch ehrlichere Aussagen als im neuen Buch, das en aktuellen Gegenwind mit berücksichtigen dürfte.

20€ und 4€ Versand durch einen Buchversender.

Die Rechnung kam vom Renovamen-Verlag zusammen mit einer Werbe Broschüre für einen "Kleinen katholischen Katechismus" - passt irgendwie!

Sellner erkennt in der europäischen Nachkriegsgeschichte ein Bild des Niederganges. Der Verfall von Bildung, Sprache und Glauben geht mit der Überalterung der Bevölkerung einher. Er spricht von Fortpflanzungsverweigerung. Die Beschreibung "Volk" spottet geradezu was sich da als überalterte, hypermoralische, wehleidige, egoistischer, gemeinschaftsvergessene Biomasse durch die Zeit wälzt, von Schaaren junger fremder Männer mit niedriger Bildung und hoher Risikobereitschaft aus fremden Ländern mit anderem Wertegefüge Jahr für Jahr aufs Neue verwässert.
"Der Bevölkerungsaustausch durch Ersatzmigration macht Jahrtausende alte Völker in wenigen Jahrzehnten zu verdrängten Minderheiten im eigenen Siedlungsgebiet."
Aber statt einer Klage, die man seitenlang fortsetzen könnte, will der Autor eine Strategie des Wandels entwickeln.: Hauptziel, Leitstrategie, Strategien und Taktiken. Das Hauptziel muss ein minimaler Konsens sein, dem alle zustimmen können. Welche Pläne und Vorstellungen die einzelnen Teilkräfte über das Leitziel hinaus haben mögen, soll zunächst nicht interessieren.

Hauptziel: Erhalt der ethnokulturellen Identität!
Oberstes Ziel eines jeden Volkes in der Geschichte war die eigenen Existenzsicherung. Aber bei den Deutschen führt das Schuldgefühl und der Wunsch nach Wiedergutmachung zur Negation der eigenen Existenz.
Hauptziel: "Wir müssen unsere ethnokulturelle Identität und Substanz bewahren. Dazu brauchen wir eine radikale Wende der Identitäts- und Bevölkerungspolitik, die den Bevölkerungsaustausch aufhält."
"Eine Kombination aus Rückwanderungsanreizen, Deislamisierung, Assimilations- und Remigrationsdruck kann langfristig die Überfremdung eindämmen."
Es gibt strenge Einwanderungsregeln hinsichtlich maximaler Anteile an der Bevölkerung und bezogen auf die Herkunftsländer. Nur integrationsfähige und kulturell nahestehende und gut ausgebildete Immigranten sind zuzulassen. Diese Regeln sind auch nachträglich anzuwenden und führen zu einer Remigration.

"Das rechte Hauptziel lautet, genau diesen Willen zu bilden und ihm staatspolitische Gestaltungsmacht zu verschaffen."
Auf dem Weg zum Ziel können Bündnisse mit libertären und sozialistischen Flügeln eingegangen werden, aber diese können nicht den Ton angeben, denn die Abschaffung des Staates und der Steuern ist ein Ego-Trip und hat nicht das "Volk" zur Grundlage.

Der Autor beschreibt unsere Demokratie als "sanften Totalitarismus". Wahlen sind nur periodische Messungen. Entscheidend ist die "Metapolitik", die darauf beruht, die Meinungsbildung des Wahlvolkes zu steuern.
Die propagierte Idee der Freiheit ist nur schein. Tatsächlich leben wir politisch in einem Treibhaus, dessen Temperatur durch eine "Meinungsklimanalage" von den politischen Gegnern betrieben wird.
Wesentlichen Anteil an der Meinugsklimaanlage ist das Overton Fenster. Es bildet den Meinungskorridor der gesellschaftlich vertretbaren Ansichten dar. Das macht sich an sagbaren Begriffen fest. In den letzten Jahrzehnten worden früher normale Begriffe problematisiert andere eingeführt und so nach links verschoben. Linksradikale Ideen wurden normalisiert, während rechte Begriffe ein politisch inkorrektes Minenfeld darstellen.
Der rechte Bereich wurde in die Vergangenheit gerückt der linke Bereich in die Zukunft. Rechts gilt als rückständig, ja moralisch abwertende, links als zukunftsorientiert und gut.
Diese Begriffskorridor muss wieder verändert werden. Das Overton Fenster muss wieder nach rechts rücken.
Die rechte Leitstrategie "schafft, um ihr Hauptziel zu erreichen, ein Gegennarrativ zur herrschenden Ideologie."
Wer sind wir (die Rechten)?
Partei(AfD), Bewegung(Demos), Gegenöffentlichkeit(Eigene Meldungen, meinungsbildende Maßnahmen), Gegenkultur (rechte Musik, rechte Publikationen, Videos) Theoriebildung (diese Buch)
Das alles bildet die "People Power".

Es gibt nur ein kurzes Zeitfenster, indem die ethnokulturelle Identität noch wiederherstellbar ist. Ist der Bevölkerungsaustausch zu weit fortgeschritten, so ist Remigration nicht mehr durchzusetzen.

Sellner bewertet einige Leitstrategien des rechten Lagers
Leitstrategie 1: Die Reconquista
Der Begriff stammt aus der Zeit der Widerherstellung des katholischen Glaubens auf der durch Muslime besetzten iberischen Halbinsel. Er versteht darunter die Eroberung der kulturellen Hegemonie. Es geht also darum, die Bevölkerung dazu zu bringen wieder die rechten Werte anzunehmen.
Das ist ganz klar Sellners Favorit.

Leitstrategie 2: Parlamentspatriotismus
Ziel dieser Strategie ist es, die politische Gestaltungsmacht durch Wahlsiege zu erringen. Dabei werden oft unpopuläre Themen gemieden, um den Wahlerfolg nicht zu gefährden. Aber wesentlich ist nach Sellner, die Veränderung der Meinung im Volk. Um die zu bilden, müssen auch gelegentlich geringere Wahlergebnisse in Kauf genommen werden.

Leitstrategie 3: Militanz
Also Staatputsch, Militärhilfe von außen, Organisation von Massenaufständen, Partisanenkampf, Attentate etc.
Davon hält Sellner nichts. Er hält das für kontraproduktiv gemessen am Leitziel.

Leitstrategie 4: Sammlung
Ist der Bevölkerungsaustausch zu weit fortgeschritten, so dass kein Zurück mehr möglich ist, hat die Änderung der Staatspolitik keinen Erfolg mehr. Dann sollen die rechten Kräfte sich in einer Gegend sammeln und dort eine Gegenkultur aufbauen als Basis eines neuen Staates.

Sellner beschreibt die Strategie der Reconquista genauer.
Er bildet und begründet die Formel für die Wende:

(((Masse x Organisation) x Botschaft) x Strategie) - Repression und Resilienz + Lage = Wende

Die mobilisierte Masse (Sympathisanten, Unterstützer) wird von der Partei geführt und kanalisiert. Dazu bedarf es meiner zündenden Botschaft (Remigration). Die geeignete Strategie (Reconquista) vervielfältigt die Wirkung. Dieser "people power" steht die Repression (Polizei, Gesetzesänderungen) entgegen und die Resilienz (Widerstandsfähigkeit) der Bevölkerung. Die Lage ist ein entscheidender Verstärker. Je schwieriger die materielle, politische, ideologische Lage ist, desto leichter können die Massen mobilisiert werden.

Es werden Anleitungen gegeben, wie man den Protest effizient gestaltet. Dass man alle Aktionen vermeiden soll, die nicht bei einem Teil der Bevölkerung anschlussfähig ist, also gut geheißen werden. Handlungen und Begriffe werden eingeführt (Remigration, Bevölkerungsaustausch, Ersetzungsmigration) und zum normalen Sprachschatz gemacht. Andere Begriffe wie multikulturell, Integration, Toleranz, bunte Vielfalt etc. werden lächerlich gemacht, so dass sie niemand mehr ohne Rechtfertigungsdruck in den Mund nehmen möchte.

Zum Schluss gibt es noch ein paar Regeln für den, der aktiv mit dabei sein will.

1. Stabilisiere dein Berufs- und Privatleben und werde zu einer wertvollen "personellen Ressource des Widerstands

2. Such dir eine Funktion im rechten Lager, die due langfristig und mit vollem Einsatz erfüllen kannst.

3. Vernetze dich regional. Falls in deiner Region kein regelmäßiger Treffpunkt existiert, gründe einen.

4. Sei in Deiner Gruppe eine Kraft der Motivation und unterstütze die Leiter bei der Schaffung einer positiven Grundstimmung.
Der Schlussabschnitt wirkt sehr vertraut:
"...die Ehre der Strategen, ... besteht darin, die Opferbereitschaft und Kraft hunderttausender Aktivisten zu vereinen, zu organisieren und zum Sieg zu führen."

Man sollte die rechte Bewegung nicht unterschätzen. Ich setze auf die Resilienz der Bevölkerung, die Bestandteil der Gegenkräfte für die rechte Wende in Sellners Wechselformel der Macht ist.

Wir haben da noch ein Wörtchen mitzureden!


petias  
petias
Beiträge: 865
Registriert am: 09.06.2020

zuletzt bearbeitet 20.02.2024 12:49 | Top

   

Philosophie

Xobor Ein eigenes Forum erstellen
Datenschutz