RE: Dies und das, für jeden was

#301 von petias , 24.12.2023 12:21

Jungfrau Maria

Zu Weihnachten feiern wir die Geburt des Jesus durch die Gottesmutter Maria. Es wird betont, das diese "Jungfrau" war.
Nun gibt es junge Frauen und auch junge Mütter. Aber das ist nicht gemeint.
Was genau ist eine Jungfrau?
Eine Jungfrau ist eine Frau, die keinen Geschlechtsverkehr hatte (virgo intakta). Solche Frauen nannte man früher Fräulein. Das wiederum hat nichts mit dem Alter zu tun. Es gab und gibt so manche alte Jungfer.
Wie aber nun kann man beweisen, dass eine Frau noch Jungfrau ist. Das interessiert nicht nur Gott (gut, der ist allwissend, aber besser "save then sorry") sondern auch so manchen Mann.

Im Protoevangelium des Jakobus gibt es da eine ausführlich Szene.
(Das Protoevangelium des Jakobus schildert nicht das Leben Jesu Christi, sondern das von Maria. Es greift vor die Geburt Jesu zurück und erzählt ausführlich von der Herkunft Marias, der Mutter Jesu. Auf diese Weise kommt es dem Wunsch nach zusätzlichen Informationen über Maria – über die spärlichen Stellen in den vier kanonischen Evangelien hinaus – entgegen.
Dazu muss man wissen, dass nicht alle möglichen Evangelien es zum offiziellen Beweismittel geschafft haben. Es gibt einige Texte mehr als die vier kanonischen Evangelien)


Die Hebamme Marias erzählt Salome von der unbefleckten (ich nehme an damit ist männliche Samenflüssigkeit gemeint, die bekanntlich Flecken macht) Empfängnis Marias. Doch diese zweifelt.
"So wahr der Herr, mein Gott, lebt: Wenn ich nicht meinen Finger hinlege und ihren Zustand untersuche, werde ich nicht glauben, dass eine Jungfrau geboren hat. Und die Hebamme ging hinein und sagte: Maria, lege dich bereit. Denn ein nicht geringer Streit besteht um dich. Und als Maria dieses hörte, legte sie sich bereit. Nun steckte Salome den eigenen Finger in ihr Geschlecht. ..."

Was hat die Salome da wohl ertastet?

Es gibt den Mythos eines körperlich - organischen Beweises für die Jungfräulichkeit. Das Jungfernhäutchen. Mit wissenschaftlichem Namen heißt das Ding "Hymen", nach dem Griechischen Hochzeitsgott "Hymenaios". Angeblich versiegelt das Jungfernhäutchen den Scheideneingang und zerreißt beim ersten Sex wie eine Plastikfolie die man aufreißt, wenn man ein originalverpacktes Handelsgut in Besitz nimmt.

Nach diesem Siegel der Jungfräulichkeit hat Salome wohl getastet. Aber dass das Ding auch noch die Geburt überlebt haben soll ist ein wahrlich göttliches Ereignis!

Vielleicht ist das ein Grund, warum es das Protoevangelium des Jakobus nicht unter die kanonischen Evangelien geschafft hat. Trotzdem wird bis heute dem Mythos vom Jungfernhäutchen in Hochzeitsbräuchen, Kinofilmen, Schulbüchern oder Internet-Pornos weiter gehuldigt und er ist so mächtig, dass sich manche Frauen dafür sogar operieren lassen.

Tatsächlich ist der Hymen eine Schleimhautfalte, ein Überbleibsel aus der Embryonalzeit der Frau. Beim Embryo verschließt die Schleimhaut den Vaginaleingang ganz. Sie öffnet sich in aller Regel vor der Geburt und entwickelt sich mit Einsetzen der Pubertät zu einem weichen oft unterbrochenem Saum. Im Erwachsenenalter hat der keine bekannte Funktion mehr.
In sehr seltenen Fällen ist das Jungfernhäutchen tatsächlich noch komplett geschlossen. Dieses sogenannte "Hymen imperforatus" ist für die Betroffenen allerdings gesundheitsgefährdend, weil das Menstruationsblut nicht abfließen kann.
In den meisten Fällen ist das Hymen eine Art Saum, wie eine Bordüre und hat mit dem Geschlechtsverkehr nichts zu tun. Das hat der Arzt Louis de Jaucourt schon vor 200 Jahren nachgewiesen.
Übrigens, das Hymen hat gar keine Blutgefäße, kann also nicht bluten. Was da bei ca. 30 Prozent der Frauen bei den ersten Versuchen mit Sexualität blutet, ist irgend etwas anders. Eine Wunde, die bei der mehr oder weniger geschickten Penetration der noch "jungfräulichen" Geschlechtsteile der jungen Frau entsteht.
Trotzdem entscheidet dieser eher zufällige Umstand der Entstehung einiger Blutströpfchen noch manchmal bis heute in manchen Kulturkreisen der Welt über Ehre bis hin zur Verstoßung der Braut.
Am besten sind noch die liebenden Jungvermählten dran, die schon vorher Sex hatten, das aber nicht öffentlich kundtun wollten und praktischerweise ein blutiges Laken mit Schweineblut oder ähnlichem präsentieren. Aber wehe, ein Standesdünkel, der oder dessen Familie mit teurer Mitgift die Braut gekauft hatte, fühlt sich betrogen. Irgendwie muss die Frau liefern.
Studiert man die Anzeigen, so findet man in jeder größeren Stadt Ärzte, die die Instandsetzung des Hymen ankündigen. Verzweifelte Frauen versuchen so ihre Ehre und Zukunft reparieren zu lassen. bis zu 3000 Euro kosten solche magischen Eingriffe.
Tatsächlich geht es darum, irgend eine Naht zeitnah zum bevorstehenden Geschlechtsverkehr anzulegen indem irgendwelches Schleimhautgewebe zusammengenäht wird, was nicht zusammen gehört. Einziger Zweck: es soll beim "ersten" Geschlechtsverkehr aufreißen und bluten.
Nicht nur junge Bräute, auch alte "Jungfrauen" nehmen solche Dienste in Anspruch.

In diesem Zusammenhang sei auf das Buch

Oliwia Hälterlein und Aisha Franz: Das Jungfernhäutchen gibt es nicht. Maro Verlag 2022

hingewiesen.

Ich wünsche ein frohes Weihnachtsfest! (Die Jungfrau Maria im Krippen-Spiel muss keine Jungfrau sein, sie spielt nur eine Rolle. ;-) )


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RE: Dies und das, für jeden was

#302 von petias , 31.12.2023 12:46

Silvester, mein Jahresrückblick!

Auch der Jahreswechsel hat in unser abendländischen Kultur was mit der Kirche zu tun. Der 31. Dezember 335 n.Chr. war der Todestag von Papst Silvester. Er hat angeblich den römischen Kaiser Konstantin von einer schweren Krankheit durch ein Wunder geheilt, worauf der das Christentum, das bisher verfolgt wurde und dessen Anhänger nicht selten hingerichtet wurden (Märtyrer) zur Staatsreligion erhoben. Er selbst hat sich angeblich nie taufen lassen und ist nicht offiziell konvertiert. Aber der Ein-Gott-Glaube (Monotheismus) hat viele Vorteile gegenüber dem himmlischen Pluralismus, was ganz besonders segensreich für die Machtansprüche der römischen Kaiser und deren Nachfahren ist. (Du sollst keine fremden Götter, Herrscher, Männer ... neben mir haben!)

Der "Gute Rutsch" den wir uns wünschen oder "rutsch gut rüber" spielt auf den in der Regel durchwachten Jahreswechsel an, an dem man feiernd ins neue Jahr rutscht. (oder torkelt?)
Die Vermutung von Siegmund A. Wolf in seinem Buch "Deutsche Gaunersprache. Wörterbuch des Rotwelschen" es handle sich um eine Verballhornung des hebräischen "Rosch ha schana tov"
übersetzt: "einen guten Kopf (Anfang) des Jahres" scheint mir da weniger plausibel.

Was so alles im Laufe des Jahres 2023 passiert ist, das kann man problemlos den diversen Jahresrückblicken entnehmen. Was in diesem Forum passiert ist, lässt sich leicht nachlesen. Man gehe dazu auf Die neuesten Beiträge wo alle Hauptbeiträge (nicht die Erwiderungen, die findet man zu den Hauptbeiträgen) zu finden sind.

Für mich persönlich hat dieses Jahr 2023 einige wichtige (zumindest vermeintlich wichtige) Erkenntnisse gebracht. Auch "Erkenntnisse" sind recht relativ. Was ich glaube "erkannt" zu haben, das wird sich nicht mit den "Erkenntnissen" aller anderen Menschen decken.

Da ist einmal bei all den neuen Gesetzesvorschriften die versucht worden sind auf den Weg gebracht zu werden, der Verdacht, dass es immer schwerer werden wird, sich "in den Ritzen und Spalten der Moderne zu verstecken" wie es mein Ziel ist und auf der Startseite diese Forums postuliert wird.
So bedeutend es ist, damit aufzuhören, fossile Brennstoffe abzufackeln, könnte es uns auf einfache Selbstversorgung hin orientierte Verfechter eines einfachen Lebens bald bei Strafe untersagt sein, z.B. mit Holz zu heizen, was bislang noch eine Säule des einfachen Selbstversorgers ist.
Noch ist es nicht so weit, aber es ist an der Zeit, über einfache und vom einfachen Einzelnen gerade noch so beherrschbare Alternativen nachzudenken.

Die Digitalisierung und damit Technisierung immer weitere Lebensbereiche drückt gewaltig. Auch ich benutze Smartphone, Internet und Onlinebanking, habe ein Konto, aber noch wäre es gerade so machbar, wollte ich darauf verzichten. Bald gibt es keine Wahl mehr.
Digitaler Zahlungsverkehr, digitales Bezahlen, digitaler Kontakt mit Behörden, digitale Gesundheitsakte und E-Rezept könnten (und werden) bald keine Optionen mehr sein sondern für ein Leben ohne gesetzlichen Vormund unabdingbar. Am Ende des Bargelds wird mit Macht gearbeitet und mit der anstehenden digitalen Vernetzung aller Behörden, Banken und Bezahldiensten ist der transparente gläserne Bürger ein Fakt.
Wie soll man sich dazu verhalten?

Es ist mir dieses Jahr mehr als jemals zuvor klar geworden, dass wir am Ende der Wahrheit stehen, dass es keine sicheren Beweise mehr geben wird, dass man weder seinen Augen, noch seinen Ohren trauen kann. Sehe oder höre oder lese ich etwas in einem Medium, dann ist das eine Geschichte, eine Erzählung aber kein Beweis für das was da angeblich bewiesen werden soll. Vielleicht kann ich mich noch ein paar Jahre darauf verlassen, dass ich im persönlichen Gespräch, mit persönlicher Berührung, mit dem Augenschein von Personen und Dingen in meiner Umgebung, die ich ohne Technik dazwischen mit meinen Sinnen wahrnehme, der "Wahrheit" entsprechen. Aber auch das wird nicht von langer Dauer sein. Dann weiß ich nicht mehr, ob das, was ich sehe, ein Mensch ist oder ein Cyborg oder Roboter, ein Hologramm oder eine technisch indizierte Sinnestäuschung. Die Matrix lässt grüßen.

Ist es in Ordnung ein vielleicht glückliches Pünktchen in der Matrix zu sein, so lange existent, wie das System es für angemessen hält? Oder habe ich mich noch nicht damit abgefunden, dass die Ausflüge in Individualismus, Demokratie, Selbstbestimmung, die Verlockungen der Aufklärung, die die beginnende Industrialisierung mit sich brachten, Hirngespinste waren, trojanische Pferde auf dem Weg zum Ameisenstaat mit totaler Fremdbestimmung und Kontrolle durch unangreifbare Mächte. Wie sollen wir uns verhalten?

Gibt es Alternativen zu den drei möglichen Entwicklungssträngen, die sich mir anzukündigen scheinen:
- Totale Kontrolle durch ein steuerndes technisches System (mit oder ohne einige Menschen mit am Steuer) von dem wir komplett abhängen
- Ausrottung der Spezies Mensch (mit vermutlich vielen anderen Spezies)
- Globale Katastrophe, die die Menschheit bis auf Reste auslöscht und diese Reste beginnen alles von vorne

Darüber nachzudenken ist einer meiner Vorsätze für das neue Jahr. Helft ihr mir?

Was immer das Ergebnis diese Nachdenkens sein wird, solange werde ich weiter versuchen ein selbstbestimmtes, selbstversorgtes Leben mit Nachbarn und Freunden zu leben. Gravity will pull us through!

Ich wünsche einen guten Rutsch!


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RE: Dies und das, für jeden was

#303 von petias , 01.01.2024 13:11

Zitat von petias im Beitrag #302
Gibt es Alternativen zu den drei möglichen Entwicklungssträngen, die sich mir anzukündigen scheinen:
- Totale Kontrolle durch ein steuerndes technisches System (mit oder ohne einige Menschen mit am Steuer) von dem wir komplett abhängen
- Ausrottung der Spezies Mensch (mit vermutlich vielen anderen Spezies)
- Globale Katastrophe, die die Menschheit bis auf Reste auslöscht und diese Reste beginnen alles von vorne


Da wären noch ein paar Zwischentöne:
1.
Weltkrieg und Umweltkatastrophen dezimieren die Menschheit vielleicht auf einen Stand von 2,5 Milliarden Menschen, die Anzahl, die zur Zeit meiner Geburt (1952) auf Erden lebten.
Die Not ist groß. Der verbleibende Rest der Menschheit lernt was draus, zumindest für den Moment, rappelt sich auf setzt sich neue Parameter des Zusammenlebens und den Umgang mit Technik.

2. Die beherrschende KI ist so menschenfreundlich, dass sie für Teile der Menschen Reservate einrichtet. Ein Habitat wie in einem Naturschutzpark in dem man den Bewohnern erlaubt, sich solange frei zu entwickeln, solange keine Gefahr von ihnen ausgeht.

Hoffen wir, dass wir die Antwort, welche Variante der Zukunft eintreffen wird, nicht schon in diesem Jahr bekommen! Es wäre dann die Atomkrieg Variante.


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RE: Dies und das, für jeden was

#304 von petias , 04.01.2024 11:49

Deutschlandticket - Netzkarte

Zwischen den Jahren, wie man so schön sagt, zwischen Weihnachten und Neujahr war ich mit dem Zug unterwegs. Ich habe meine Enkelin zurück nach München gebracht, die zu Besuch gewesen war. Endlich konnte sich mein 49.- Euro Ticket, das Deutschlandticket, richtig bezahlt machen. Sonst bin ich mal kurz drunter, mal kurz drüber über dem Betrag von 49 Euro gewesen, wenn ich stattdessen die regulären Preise unter Ausnutzung von den hier üblichen 12er und 4er Karten gezahlt hätte. Eine München- Reise hatte immer mit ca. 75 Euro Fahrkosten mein Budget belastet. Zwei Bayerntickets a 29 Euro zwei Anschlusskarten von Sonneberg (bis dahin gilt das Bayernticket) nach Neuhaus je 6 Euro, zwei Bustickets a 2,50 Euro.
Diesmal bin ich allerdings am selben Tag zurückgefahren, was ein Bayernticket gespart hätte. Somit hätte ich 3 Euro unter dem Deutschlandticket gelegen, aber mit den anderen Fahrten des Monats dazugerechnet, hat es sich gut gelohnt.
Ich war an dem Tag ca. 12 Stunden mit dem Zug unterwegs. Bei der Hinfahrt waren Spiele und Unterhaltung angesagt, auf der Rückfahrt gab es viel Zeit die Gedanken spazieren zu schicken.

Mir kam das erste Buch von Sten Nadolny in den Sinn. "Netzkarte" war der Titel. Das Buch beschreibt, wie er sich eine Netzkarte der DB kauft, ich kenne das als Bahncard 100, und damit ein Jahr lang kreuz und quer durch Deutschland fährt. Teils schläft er im Zug, mal macht er Pausen um irgendwo zu bleiben, mal fährt er wild von Nord nach Süd, von Ost nach West und umgekehrt. Er lernt viele Leute kennen, manche besucht er - ein Leben auf Achse.

Sten Nadolny ist 1942 geboren und wuchs in Chieming am Chiemsee auf. Das Abitur hat er in Traunstein gemacht. Studium in München, Tübingen, Göttingen und Berlin. Vater und Mutter waren auch Schriftsteller. Sein bedeutendstes Werk ist: "Die Entdeckung der Langsamkeit", sehr zu empfehlen.
Den größten Eindruck auf mich hat sein Roman "Weitlings Sommerfrische" bei mir hinterlassen. Ich habe schon mal davon berichtet Der dort kreierte Begriff "Fest denken" hat sich in mein Leben integriert.

Aber zurück zur Netzkarte. Das Deutschlandticket ist so eine Netzkarte. Sie gilt sogar in fast allen Bussen. Im Grunde, gingen meine Gedanken weiter spazieren, wäre das eine perfekte Alternative für Obdachlose. Für die 49 Euro im Monat hat man immer eine warme und trockene Unterkunft und kommt noch dazu in ganz Deutschland herum. Geht ein paar Nachtstunden lang kein Zug, gibt es für die, die über ein gültiges Ticket verfügen in den größeren Städten eine warmen Wartesaal. Vielleicht verändert das die Obdachlosen Szene. Der Wetterbericht treibt den einzelnen in die Gegend des Landes, die am ehesten seinen Witterungsvorstellungen entsprechen. Per Social Media verabredet man sich deutschlandweit zu diversen Treffen.
Wer sagt, alles würde nur immer schlechter?


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RE: Dies und das, für jeden was

#305 von petias , 15.01.2024 17:38

Niko zieht mal wieder aus

Zugvogel Niko wohnte schon ein halbes Jahr vor mir fest und mit Hauptwohnsitz auf dem Lichthügel. Das war im Jahre 2010. Er zog bereits im Februar ein, unter recht harten Bedingungen. Es gab einen Holzofen, etwas Holz im Schuppen und vom Vorbesitzer noch einige Zentner Kohle im Keller. Keinen Strom. Ich überließ ihm mein 70 Watt Solarpanel, mit dem ich in München erste Versuche gemacht hatte und eine 88 Ah Autobatterie. Das reichte gerade mal für ein Wenig Licht, Handy laden und ab und an den Laptop. Waschen musste er sich mit Wasser, das auf dem Ofen warm gemacht worden war und einer Schüssel. Allerdings gab es damals noch ein WC. Das habe ich erst später durch eine Kompost Toilette ersetzt.

Ich zog im Juli von München komplett um, und Birthe kam im August dazu. Seitdem ist Niko immer mal wieder aus und Monate oder Jahre später wieder eingezogen. Fast zwei Jahre lang hatte er sogar ein eigenes Haus hier am Ort.

Wenn man nicht mehr Sachen hat, als in einen Transporter passen, dann ist das Umziehen kein großes Ding! Einen Job als Busfahrer findet er überall!





Niko zieht zu einem Freund, ein weiteres Mitglied des Forums, aus dem Christian, er, Birthe und ich uns kennen. Das war recht erfolgreich in Sachen Kontakte, dieses Forum vor 15 Jahren. Mal sehen, zu was uns diese Forum hier alles animiert ;-).

Tschüss Niko, Für den Sommer ist ein Lichthügelurlaub schon geplant. Und wer weiß, vielleicht ziehst du bald wieder ein.


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RE: Dies und das, für jeden was

#306 von petias , 21.01.2024 17:27

Nie wieder ist jetzt! - Demo in Erfurt

Ich kam schon kurz nach 10 Uhr in Erfurt an. Der nächste Zug wäre erst nach 12 gekommen und ich hätte vielleicht den Start der Demo verpasst? Ich war erst einmal für ein paar Stunden in Erfurt. Im Bahnhof erstand ich mir in einem Zeitschriftenladen einen City- Plan der Stadt für 2,30 Euro.
Aber eigentlich hätte ich den nicht gebraucht. Problemlos fand ich den Domplatz. Da war gerade Markt wie sich das für einen Samstag auch gehört.


ich stieg erst mal zum Dom hinauf, war ich doch noch viel zu früh.


Beim Abstieg zum Domplatz verrieten ein paar Polizeiautos die nahe Demo


Und das ist sie wohl? Nein, das waren nur die Ordner, die gerade eingewiesen wurden. Ich trat hinzu und bekam auch ein Unterweisungsblatt. Ich gab es wieder zurück.


Langsam füllt sich der Platz. Omas gegen Rechts, das klingt vielversprechend. Wo sind die Opas. Ich hätte mir ein Schild malen sollen! Die gefährlich anmutenden Gestalten in Schwarz, vermummt, Springerstiefel waren zwei nette junge Mädels von der AntiFa, die durchaus freundlich auf meine Ansprache reagierten. Es gab auch nicht einen bedrohlichen Moment auf der Demo.


"Moin Liebe" vorne und "Tschüss Hass" hinten auf dem T-Shirt hatte dieses nette Paar, die ich höflich um Erlaubnis fragte, sie fotografieren zu dürfen.





Die Demo war mit 2000 Teilnehmern angemeldet. Auf 10000 haben die Veranstalter gehofft. Die Polizei gibt sie mit 9000 an. Die ursprünglich geplante Route durch die Innenstadt zum Bahnhof durfte mit so vielen Teilnehmern nicht benutzt werden und es gab eine Auswichsroute, die wieder auf dem Domplatz endete.

Die Reden haben mich dann teils geärgert. Die Veranstalter war wohl vor allem die AntiFa. Das ist eine stark links orientierte Gruppe, die schon auch mal dafür bekannt ist, Gewalt anzuwenden. Das taten sie zwar nicht, aber die etablierten Organisationen wie demokratischen Parteien wurden beschimpft und beschuldigt schuld an der Misere zu sein. Das mag ja sein, aber es scheint mir unpassend, auf so einer Veranstaltung gegen Rechts vor allem das eignen politische Süppchen zu kochen.

Aber es tut allemal gut im Umfrageparadies der AFD an einer solchen Demo teilzunehmen. Ob's was nützt? Das werden wir nach der Landtagswahl wissen.


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RE: Dies und das, für jeden was

#307 von petias , 27.01.2024 09:31

Wehrt euch, leistet Widerstand gegen den Faschismus hier im Land ...

Demo in Saalfeld auf dem Marktplatz am 26.1.2024. Ich war da. Begleitet hat mich Elke, die Einzige meiner Bekannten hier, die Zeit hatte und sich aufraffen konnte. Die meisten meiner Bekannten hier fürchte ich, sind Sympathisanten und Wähler der AFD. Ob es an mir liegt?

Die Veranstalter Gruppe war breiter gestreut als neulich in Erfurt. Die Jugendorganisationen der demokratischen Parteien waren mit von der Partie, der Landrat auch im Namen der Bürgermeister von Saalfeld und Rudolstadt, die Kirchen, Diakonie ...
Die Reden waren vom Geist "gemeinsam gegen Rechts!" Nur einer versuchte wieder kurz mal sein Süppchen zu kochen und wetterte gegen die aktuellen Parteien, die dem Faschismus Vorschub leisten würden. Er wurde gnädig tot geschwiegen, hat es dann selbst gemerkt, dass das nicht so richtig ankommt und gelassen.
Alle haben drauf hingewiesen, wie schön das ist, dass so viele demonstrieren. Aber, hieße es weiter, das ist nicht genug. Sie forderten auf, in demokratische Parteien einzutreten, sich in Kommunalpolitik zu engagieren, aktiv mitzumachen. Sie haben wohl recht. Aber ich fürchte, keine der Parteien hat die Lage wirklich begriffen - sprich: den richtigen Glauben. Zumindest bezweifle ich, dass in irgendeinem Parteiprogramm die Abschaffung des Zins- Systems steht. Die Neugründung einer Partei ist sehr mühsam und teuer...





1500 Demonstranten zählte die Polizei. Der Marktplatz war gut gefüllt. Der Regen war erträglich. Wir durften nicht durch die Straßen ziehen, so wurde Lambada getanzt, um sich warm zu halten.
Ob wohl in unserer eigentlichen Kreisstadt Sonneberg auch mal eine Demo gegen Rechts stattfinden wird? Dort ist der Landrat bekanntlich von der AFD. Ob der auch sprechen würde oder ob man ihn ließe?
Da würde ich jedenfalls auch gerne hingehen.


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RE: Dies und das, für jeden was

#308 von petias , 04.02.2024 11:42

Zusammen gegen Rechts

https://www.zusammen-gegen-rechts.org/

Auf dieser Internet-Seite kann man nachsehen, wann und wo die nächste Demo in der Nähe ist. Man kann über Demos berichten, kann selbst eine anmelden etc.
Die Karte ist etwas grob - zumindest meine Feinmotorik und vielleicht auch mein Geographieverständnis reichen nicht aus für die Bedienung der Karte.
Aber unterhalb der Karte gibt es eine Listenansicht, in der - mittlerweile sogar in alphabetischer Reihenfolge - die Veranstaltungsorte der gemeldeten Demos gelistet werden.

Eine Suchfunktion erleichtert das Auffinden.

Heute fahren wir - diesmal schon zu dritt (in Erfurt war ich noch allein, in Saalfeld waren wir schon zu zweit)- zur Demo in unsere Kreisstadt Sonneberg. Richtig! Der Landkreis mit dem bundesweit ersten Landrat mit Parteibuch der AfD.
Mal sehen ob wir Robert Sesselmann zu Gesicht bekommen. Letzten Sonntag in Saalfeld war der Landrat unter den Sprechern der Demo.

Ich werde heute Abend davon berichten und ein paar Fotos einstellen.









Die Polizei spricht von 700Teilnehmern andere von über 1000. Nicht schlecht jedenfalls, für einen Landkreis mit knapp 57000 Einwohnern bei einer Größe der Kreisstadt von 23000 Einwohnern. Und das obwohl die Vereinigung aus AfD und Traktorprotzen jeden Montag ein paar 100 Teilnehmer aufbringt.

Landrat Sesselmann ist nicht erschienen, war wohl auch kaum eingeladen.
Die Stimmung war gut, trotz Dauerregen und schlechter Mikrophon- Anlage. Ein paar sind auch von Bayern herüber gekommen.

Der Bahnhof Sonneberg war schon lange nicht mehr so voll. Der Zug nach Neuhaus auch nicht.


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RE: Dies und das, für jeden was

#309 von petias , 11.02.2024 12:28

Versuchskaninchen Menschheit - Beispiel PFAS

Die Bedrohungen des Klimawandels sind von den meisten anerkannt, von manchen geleugnet, weit verbreitet in der medialen Berichterstattung. Andere Umweltprobleme werden in der Regel ausgeblendet, weil das Hauptthema alles überstrahlt.

Als Opa eines Enkels der mit fast zwei Jahren noch gestillt wird - worauf ich immer sehr stolz war - ist mir neulich eine Meldung aufgefallen, wonach das beste Mittel sich von dem allgegenwärtigen Schadstoff PFAS zu befreien für Mütter das Stillen ist, weil da die Schadstoffe an den Säugling weitergegeben werden.

PFAS - Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (englisch per- and polyfluoroalkyl substances)

PFAS kommt in verschiedenen Formen vor. Fest, flüssig, gasförmig ist es in tausenden von Variationen allgegenwärtig. Von der Antihaftbeschichtung in Pfannen, der Zahnseide, Regenkleidung, Sprühdosen, Kühlflüssigkeit, Batterien, elektronischen Bauteilen, Kunststoffverpackungen, Wärmepumpen, Windrädern ... es wäre einfacher, die Gegenstände aufzuzählen, die ohne PFAS auskommen.
Ich habe mal gegoogelt:
Die jährlichen gesundheitsbezogenen Gesamtkosten im Zusammenhang mit der Exposition gegenüber PFAS wurden 2019 für die Länder des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) auf mindestens 52 bis 84 Milliarden Euro, für die Vereinigten Staaten im Jahr 2018 auf 6 bis 62 Milliarden USD geschätzt. Die jährlichen Gesamtkosten für Umweltscreening, Überwachung bei Kontamination, Wasseraufbereitung, Bodensanierung und Gesundheitsbewertung belaufen sich im EWR plus der Schweiz auf 821 Millionen bis 170 Milliarden Euro. Die American Water Works Association schätzt, dass es 370 Milliarden Dollar kosten würde, die PFAS aus dem US-Trinkwasser zu entfernen. Unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Kosten liegen die Kilogrammkosten für PFAS bei rund 18700 €, während der durchschnittliche Marktpreis von PFAS bei rund 19 € pro Kilogramm liegt.

PFAS schwächt das Immunsystem, gilt als krebserregend und Grund für viele Krankheiten.
Allein die Firma 3M, die den Chemiepark in Gendorf bei Altötting betreibt und dort PFAS Substanzen herstellt, hat in den USA letztes Jahr 10 Milliarden für Vergleiche in Prozessen mit Geschädigten ausgegeben. Das nimmt solche Dimensionen an, dass die Firma aus dem PFAS - Geschäft 2024 aussteigen will und das Werk in Gendorf schließt.

Die EU hat ein Gesetz vorbereitet, das den Einsatz von PFAS bis auf wenige kritische Ausnahmen verbietet. Dagegen gab es bei den üblichen Anhörungen viele Einwände aus den Lobbygruppen. Für die Wirtshaft wäre das ein harter Schlag, denn PFAS gilt als Wunderwaffe und fundamental für die CO2 neutrale Technologie.

So ist in einem Verbrenner heute ca 1 kg PFAS verbaut. In einem Elektro Auto ca. 10 kg. Wärmepumpen laufen nicht ohne PFAS, die Windturbinen-Flügel sind mit PFAS beschichtet ...
Bisher hat als einzige die "Europäische Volkspartei" sich dazu positioniert. (Da ist auch die deutsche CDU/CSU Mitglied) Sie sind strikt dagegen, weil das die Wirtschaft und den Technologischen Fortschritt behindern würde. Lieber tot als kein PFAS?

Es wäre durchaus möglich, PFAS durch Anderes zu ersetzen. Aber welch ein Aufwand! Und die Kosten!

Übrigens: wie stolz sind wir doch auf den Erfolg bei FCKW. Die Flur-Kohlen-Wasserstoffe waren früher in den Spraydosen und als Kühlmittel in den Kühlschränken und Gefriertruhen, Klimaanlagen usw. Sie hatten begonnen, die Ozon- Schicht aufzulösen. Das konnte gestoppt werden. Die OZON- Schicht hat sich schon deutlich regeneriert, das Loch ist kleiner geworden.
Wodurch hat man das FCKW ersetzt? Durch PFAS!
Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben, nennt man das wohl. Sollten wir vielleicht lieber die Vergiftungen durch PFAS in Kauf nehmen als durch ein neues Wundermittel noch mehr Risiken einzugehen?
Versuch und Irrtum lautet die Devise. Dabei ist nicht die Giftigkeit von PFAS gemeint, die ist der Wirtschaft schon seit den 60er Jahren bekannt. Nein, der Versuch besteht darin, die maximalen Gewinne auszuschöpfen, bevor die träge Bürokratie reagieren kann. Das Risiko, dass das nicht gelingen könnte, ist gering!

Die repräsentative Demokratie zeigt sich äußerst schwerfällig. Die Lobby der "Kriegsgewinnler" ist stark, bis sich da die Vernunft durchsetzt, der öffentliche Druck zu groß wird, das dauert. Bei PFAS wird es wohl dazu kommen, schon weil die Kosten so hoch sind. Aber am Beispiel Glyphosat kann man sehen, wie lange das dauert und wie schwer das ist. Roundup gab es schon in den 70er Jahren. Es spielte schon eine Rolle als Pflanzenschutzmittel, als ich noch eine Landwirtschaftslehre absolvierte. Besonders der Mais wurde damit gespritzt. Trotz großer Bemühungen ist es bis heute nicht gelungen Glyphosat zu verbieten. Das wird immer wieder verschoben. Kein Wunder, ist die Gentechnologie doch eine vielversprechende Waffe: Man macht das Getreide immun gegen Roundup und kann es dann in noch größeren Mengen spritzen.

Wenn es klare Beweise gibt, für die Giftigkeit eines Mittels, dann hat man noch "Glück". Für die meisten Giftstoffe lässt sich die Gefährlichkeit nicht eindeutig beweisen oder sie stehen in Wechselwirkungen mit anderen, zu komplex die Wirkungsweise nachzuvollziehen.

"Der Fortschritt schreitet da und dort
auch von dem eigenen Schöpfer fort.
Lebendiges erweiset sich
dem Fortschritt oft als hinderlich.
Muss man nicht auf Gifte achten,
die alles Lebende bedroh'n,
Prozesse schneller Fortschritt machten,
Organisches, wer braucht das schon?"


Aus Evolution


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RE: Dies und das, für jeden was

#310 von petias , 25.02.2024 09:56

Let me take you by the hand and ...

Neulich war ich auf dem Weg nach Steinheid, da traf ich den Matusch (ich vermute das männliche Gegenstück zu Matuschka?) an der Bushaltestelle. Ein junger Mann, Mitte 20, fing vor ca. zwei Jahren, als er mit seinen Eltern nach Lichte gezogen war, an mir auf der Straße zu begegnen. Er rauchte meist und versuchte Zigaretten zu schnorren. Sein Deutsch war kaum vorhanden und so machte er die Gesten des Zigarette Anzündens. Ich dachte, er will Feuer und zückte mein Feuerzeug, das wie Taschenmesser, Hausschlüssel und eine Packung Taschentücher zum festen Stamm an Utensilien zählte, die ich immer bei mir trage. Aber nein, er wollte eine Zigarette, und da ich als Nichtraucher keine solche mit mir führe, nahm er das Feuerzeug stattdessen. Ich war nicht der Einzige, den er anschnorrte. Christian wechselte schon die Straßenseite, wenn er ihn von Weitem sah, um einer weiteren Schnorrerattacke zu entgehen. So maximal zwei Mal im Monat bat er mich um ein Feuerzeug. Öfter ließ ich mich nicht drauf ein, sagte ich hätte keines. Beim örtlichen Supermarkt, kostete so ein Feuerzeug im Dreierpack 99 ct, einzeln 1,19€ Ich bestellte mir eine größere Menge im Internet zu 49 Cent das Stück.
Bald lernte Matusch ein paar Brocken deutsch und er fing an, mich um Geld zu bitten. Meine Geldgeschenke an ihn erreichten bis zu 4 Euro im Monat, wobei ein Feuerzeug mit 1 € verrechnet wurde.
Bald freute er sich schon von Weitem, ausgedrückt durch große Gesten und ein breites Grinsen, wenn er mich sah. Wir machten etwas Smalltalk, er erzählte und erzählte und ich verstand fast nichts. Aber das Gespräch lief immer auf die Frage hinaus:" Hast Du Euro?"
Er wusste aber schon, dass ich ihm maximal alle zwei Wochen was schenkte, und so fragte er mich, hatte er erst kürzlich was bekommen, erst gar nicht.
Wenn doch, sagte ich ihm: "Matusch, du hast erst gestern was bekommen", so sah er das sofort ein und verzichtete ohne Diskussion. Oft rief er mir dann hinterher: "Hast du Feuerzeug?"

Diesmal trug er eine protzige Goldkette um den Hals. Als ich sie bewunderte, nestelte er sofort noch eine zweite durch den Halssauschnitt seines T-Shirts und zeigte mir stolz alle beide.
Mittlerweile rauchte er Zigarillos. Ich habe ihn seit Monaten nicht ohne einen solchen im Mund gesehen. Feuerzeuge brauchte er immer noch. Ich werde wohl bald nachbestellen müssen.

Matusch ist geistig behindert. Er arbeitet in einer beschützenden Werkstätte und hat viele Freunde gefunden. Meist sind es ältere Frauen, die er auch zu Hause besucht. Da bekommt er zu Essen, Geld für ein paar kleine Jobs, und hat Ansprache. Ich habe mittlerweile herausgefunden, dass er sehr viel besser Englisch spricht als Deutsch und so hat unsere Unterhaltung an Substanz gewonnen.

Der Bus kam, und wir verabschiedeten uns durch Schulterklopfen. Ich war wieder einen Euro und ein Feuerzeug ärmer!

An dem Tag hatte ich abends beim Heimfahren in Neuhaus noch eine Begegnung mit einem neuen Freund. Er war schon etwas älter und humpelte auf zwei Krücken auf mich zu. Ob ich wohl auf den Bus warten würde?, fragte er mich. Er tat es offensichtlich nicht, genoss aber den Umstand, dass die, die das taten, zwangsläufig Zeit, wenn auch nicht immer Lust zum Reden hatten.
Wir kamen ins Gespräch.
Er klagte mir sein Leid, dass er seine Wohnung verloren hätte und jetzt ein Zimmer, von der Stadt zur Verfügung gestellt, in der Plattenhaussiedlung bewohnte, in der früher seine Wohnung war. Seine Wohnung hatte die Nummer 1 er wohne jetzt im Kinderzimmer der Wohnung 7. 58 Euro kostet die. Er sah mich bedeutungsvoll an. "Die Woche! Das sind über 200 Euro im Monat!"
"Aber du bekommst doch sicher Bürgergeld?"
Er wäre schon in Rente, meinte er. Er würde eine Sozialrente beziehen, nicht gerade viel. Und die würde derzeit von der Wohnungsbaugesellschaft gepfändet, weil er Mietschulden von seiner früheren Wohnung hatte. Die wäre zwangsgeräumt worden.
Er sei gestürzt, erklärte mir genau wie und wo, und musste ins Krankenhaus. Seinem Nachbarn gab er die Kontodaten und bat ihm, die Miete von seinem Konto zu überweisen. 20€ hätte er sich behalten dürfen, für die Mühe.
Aber der Nachbar, der krumme Hund, hätte den ganzen Kontoinhalt verzockt.
"In der örtlichen Spielhalle?", fragte ich.
Nein, da hätte der doch Hausverbot. Das ginge jetzt ganz leicht am PC. Die prüfen, ob du Geld hast, und dann kannst du spielen, bis es weg ist. Sein Nachbar war da auch gesperrt, aber mit seinen Kontodaten konnte er wieder spielen.
Als mein neuer Bekannter vom Krankenhaus mit seinen Krücken nach Hause gehumpelt war, stand er vor verschlossener Tür, seine Möbel waren entsorgt worden und der Nachbar war verschwunden. "So ein Hund!"
Jetzt müsse er sehen, wie er wieder auf die Beine komme, erzählte er mir seine Pläne. Aber sein Anwalt lebe in Sonneberg und der wolle auch immer Geld.
Und essen müsse er auch was.
Ich bot ihm einen Apfel an, den ich im Rucksack hatte.
Nein, Äpfel vertrage er nicht. Die Säure verätzt seine Zahnstummel, an die das Gebiss angehängt wäre. Das hatte er beim Sturz auch verloren, ist in den Gulli gefallen, was das kosten würde wisse ich ja.
Wusste ich nicht, aber vermutlich war es nicht ganz billig. Die Krankenkasse ist knickrig bei Zahnersatz.
Ersatzweise bat er mich um zwei Euro. Die Menge meines Kleingeldes war aber schon geschrumpft, hatte ich doch schon Matusch getroffen. Es kamen noch 1,78 € zusammen.
Als er sah, dass bei mir nicht mehr zu holen ist, humpelte er weiter. Er wolle sich beim Lidl Zigaretten kaufen. Vielleicht träfe er einen Bekannten, der ihm die restlichen Cent noch leihen würde.
Ob er sich nicht lieber was zu Essen kaufen sollte, fragte ich ihn.
"Bin satt, war heute bei der Tafel!"
Da gerade mein Bus kam, sparte ich mir eine Antwort.


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RE: Dies und das, für jeden was

#311 von petias , 12.03.2024 12:26

Im Märzen der Bauer ...


Die gestiefelte Kätzin Wanda hat ihre Stiefel ausgezogen und macht ein Nickerchen im Schaukelstuhl vor dem Ofen


Die Gefriertruhe ist nicht mehr so voll, wie sie mal war!


Die Äpfel machen mir diese Jahr viel Freude. Die Porzellan- Transportkisten aus der Porzellan-Fabrik vor Jahren "gerettet" waren gute Äpfel-Aufbewahrung-Behälter. Bis auf einen sind sie leer. Das Apfelgestell ist noch gut gefüllt. Aus den nicht mehr ganz so knackigen mache ich demnächst wieder Apfelmus. Aber viele sind noch frisch und saftig!


Das Regenwasser-Rückhaltesystem ist auch wieder aktiv, die Regenfässer und Tonnen ausgewintert.


Das letzte Jahr von Utes Blumenladen nutzen wir noch mal für eine Palette Bio-Erde zum Einkaufspreis. Künftig muss der eigene Kompost reichen!
Im ersten abgedeckten Hochbeet keinem schon Zwiebeln, Karotten, Radieschen und Schnittsalat.


Der letzte Lauch. Hinten in der Erd-Miete warten die letzten Karotten und Rote Beete auf den Verzehr (eher aufs Neuaustreiben, aber wir sagen es ihnen nicht!).


im Gewächshaus mühen sich die ersten Pflänzlein.


Der Hügelbeet-Garten bekommt diese Jahr auch Hochbeete. Eines der Hochbeete soll für einen Versuch "Die drei Schwestern" verwendet werden. Da werden Mais, Bohnen und Kürbis zusammen gepflanzt. Der Mais dient den Bohnen als Rank-Gestell, die Bohnen liefern Stickstoff, die Kürbisse beschatten den Boden. Ihre Früchte nehmen wir uns...
Die "Drei Schwestern" ist eine Anbaumethode, die schon die Mayas und die Inkas kannten!
Parallel dazu soll das in einem Arial des Feldgartens versucht werden. Mal sehen, wo sie besser wachsen, die drei Damen.


der Heuvorrat schwindet.


Im frei werdenden Teil des Schuppens wird das alte Heu und Moos zwischengelagert, das wir aus den Wiesen rechen. Das Material dient der Einstreu für die Schafe und als Mulch für die neuen Kulturen. Die Wiese kann besser atmen.



Die Heizperiode reißt Löcher in die Holzvorräte. Kleinere, als in den vergangenen Jahren, denn wir heizen seit Wochen nur für ein paar Abendstunden. Ein milder Winter!

Einen schönen Frühling wünsche ich allen Lesern


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RE: Dies und das, für jeden was

#312 von petias , 17.03.2024 18:45

Der Tag der Grünen - St. Patrick*s Day

Weltweit wird der irische St. Patrick*s Day mit Umzügen gefeiert. Der größte und bekannteste grüne Umzug in Deutschland findet im München statt.
Der heilige Patrick hat Irland im 5. Jahrhundert missioniert und zum katholischen Glauben gebracht. Nur Ulster hat sich dem widersetzt.
der 17. März gilt (ab dem 7.Jahrhundert) als der Todestag des Heiligen. Das Jahr ist nicht bekannt. (Ende des 5. Jahrhunderts).

Irland gilt als die grüne Insel. Der St. Patrick*s Day wurde zuerst in den USA gefeiert, wo es viele Irische Einwanderer gab. Auf diesen Festen und Umzügen kleideten sich die Leute grün, um an die grüne irische Heimat zu erinnern. Angeblich hängt die grüne Kleidung mit den irischen Nationalfarben zusammen. Die sind grün weiß orange. Ich sehe aber nur grün. Das ist die Farbe Irlands.
An diesem Tag werden die Flüsse grün gefärbt und sogar das Bier!

Meistens ist noch ein Kleeblatt dabei. Angeblich hat St. Patrick bei einer Missionsrede ein Kleeblatt hochgehalten, um die Dreifaltigkeit zu erklären.

Ist schon erstaunlich, wie viele Feste ihre Wurzeln in der Religion haben.

Fröhlichen St. Patrick*s Day!


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RE: Dies und das, für jeden was

#313 von petias , 20.03.2024 18:51

Frühling lässt sein blaues Band ...


Die Nachbarin hat Geburtstag. Ich ging zu Utes Blumenladen, um eine Pflanze zu besorgen. Die verpackts sie schon so professionell. Auf dem Rückweg wollte ich nicht die Bundesstraße überqueren, deshalb bin ich hinter Utes Haus den Berg hoch gestiegen Richtung Petersbug. Das eröffnete einen ganz ungewohnten Blick auf Lichte Ortsteil Wallendorf. Utes Haus ist das mit dem Fachwerkgiebel. Die Großen Gebäude sind von links nach rechts eine stillgelegte Porzellan-Fabrik, Das verwaiste Gemeindezentrum vor der Eingemeindung nach Neuhaus, und die Grundschule.


Das Brett rechts gab es schon, als ich vor 16 Jahren hier zum ersten Mal hier lang gegangen bin. Es sah da schon nicht mehr neu aus. Jahr für Jahr habe ich mich gewundert, dass es immer noch trug. Jetzt hat es einen Nachfolger bekommen!


Die Reste der Erd-Miete


Aus dem Hochbeet wird ein Mistbeet


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RE: Dies und das, für jeden was

#314 von petias , 25.03.2024 10:25

Karwoche - Semana Santa - Settimana Santa

Gestern war der Palmsonntag. Letztes Jahr war der Palmsonntag gleichzeitig der Tag der Umstellung auf die Sommerzeit. Diese Jahr wird das der Ostersonntag sein. Denn der Tag der Zeitumstellung im Frühjahr ist der letzte Sonntag im März.
Hier ein Verweis auf einen Früheren Beitrag von mir:
Der Palmesel und die Zeitumstellung

Die Karwoche ist in der katholischen Tradition die letzte Woche der Fastenzeit. Sie umfasst die Woche vom Palmsonntag (da wurde Jesus auf einem Esel reitend bei seinem Einzug nach Jerusalem wie ein König gefeiert und es wurden ihm zu Ehren Palmwedel geschwenkt) bis zum Karsamstag und wird mit dem Ostersonntag beendet. Ostern ist das Fest der Auferstehung von Jesus nach seinem Tod am Kreuz. Diese Auferstehung macht ihn zu Gott und bewirkt die Erlösung von den Sünden der Gläubigen. Ostern ist daher das größte Kirchenfest. Tatsächlich fühlt sich das -wohl wegen der feierlichen und besinnlichen Adventszeit und der Geschenke - so an, als ob das Weihnachten wäre.

Das "Kar" in Karwoche kommt nicht von karg, wie ich lange fälschlicherweise annahm, auch nicht von Kara Ben Nemsi, wie Karl May angeblich in den arabischen Ländern genannt worden war, sondern vom althochdeutschen "Kara" was Klage, Kummer, Trauer bedeutet.

Vom Karfreitag bis zur Osternacht schweigen die Kirchenglocken. Wir Ministranten sind mit Ratschen durch die Gemeinde gezogen um die Kirchenglocken zu ersetzen. Das waren Bretter mit einer Walze und einer Kurbel. Dünne Latten aus Holz wurden auf eine Noppenwalze gedrückt, die mit der Kurbel gedreht worden ist. Die Latten rutschten dabei immer wieder von den Noppen ab und schlugen auf die Walze. Das gab ein weit hin hörbares Geräusch. Da wir immer zu Mehreren mit mehreren Ratschen unterwegs waren, war das ein ordentliches Spektakel!

In anderen hoch katholischen Ländern wie Spanien und Italien gibt nicht die Klage den Ton an in der Woche vor Ostern, sondern da heißt es "Heilige Woche". Das "Santa" (heilig) kenne wir hauptsächlich vom Santa Klaus zu Weihnachten.

Die Woche heißt auf Italienisch "settimana" und auf Spanisch "semana". Damit wäre auch die Überschrift diese Beitrags erklärt!

Na dann frohes Klagen in der heiligen Woche!


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RE: Dies und das, für jeden was

#315 von petias , 28.03.2024 20:42

Ach du grüne Neune

Für mich ist der Ausdruck "Ach du grüne Neune" mit dem Gründonnerstag verbunden. Bei unserer Mutter gab es da immer eine Kerbelkrautsuppe, aber bekannt ist der Tag für eine Mischung aus mehreren Kräutern, die in der Gründonnerstagssuppe verarbeitete werden, im Idealfall 9 eben die "grüne Neune". Die 9 steht dabei angeblich für die bevorstehenden 9 Monate, in denen es nach den drei kräuterfreien Wintermonaten wieder frische Kräuter gibt.

Welche Kräuter Verwendung finden hängt von der Gegend ab. Am Lichthügel bieten sich an:

Giersch, Brennnessel, Schafgarbe, Spitzwegerich, Frauenmantel, Labkraut, Bärlauch (ist normalerweise selten, habe ich aus den bayrischen Bergen eingeführt), Löwenzahn, Gundermann,

Es gibt auch andere Vorschläge für die Bedeutung der Redewendung. Zum Beispiel die Spielkarte Grün Neun. Andere sagen, der Begriff käme von einem Berliner Lokal mit der Hausnummer 9 im Grünweg.

Ich wünsche einen schönen Gründonnerstag! Morgen bin ich auf Wanderung mit Leuten aus der Gegend. Das wird vermutlich recht regenfeucht.


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